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Schlecht gelaunt werfe ich die Klamotten, die ich in den letzten Wochen gekauft habe, in einige Koffer und laufe dann in das angrenze Badezimmer, um meine Pflegeprodukte zusammenzusuchen. Ich packe alles in die drei schwarzen Koffer und schaue dann auf die Uhr. Noch zwanzig Minuten, bis Max mich zurück nach Hause fährt.
Ich greife nach meinem Handy und tippe auf den Chat zwischen Elodie und mir. Ich habe ihr gestern schon bescheid gesagt und meine beste Freundin ist erleichtert, dass ich tatsächlich unbeschadet davonkomme.
Ich: Bin in ca. einer Stunde da <3
Ich bin froh, dass ich endlich gehen kann. Theos Launen sind seit gestern kaum zu ertragen und das nervt mich. Er versaut mir die letzten gemeinsamen Tage und so fällt er mir nicht wirklich schwer, abschied zu nehmen. Erst fickt er mich und dann ist er wieder abweisend, so ein Arschloch. Scheinbar habe ich mir das zwischen uns nur eingebildet und er sieht in mir nur ein hübsches Spielzeug. Soll er sich doch selbst ficken! Meinem Herz fällt es deutlich schwerer von hier weg zu gehen, als meinem Kopf - aber ich war zum Glück schon eher immer ein Kopfmensch.
Ich binde meine Haare zu einem Zopf zusammen und ziehe dann die randvollen Koffer nacheinander in den Flur. Theo ist weit und breit nirgends zu sehen, stattdessen lehnt Max grinsend an der Wand und kommt mir zur Hilfe: „Hey, alles soweit gepackt?"
„Ja", antworte ich und werfe ihm ein gezwungenes Lächeln zu.
„Wo ist Theo?", spreche ich meine Gedanken laut aus und schaue mich suchend um. Ein Stich zieht sich durch meinen Brustkorb, er wird mir ja wohl noch Tschüss sagen, oder?
„Kaia -", setzt Max vorsichtig an und das sagt mir schon alles.
Ich winke ab und senke schnell den Kopf, damit Max die Tränen, die mir in den Augen stehen, nicht sehen kann. Warum bin ich auch so naiv und dachte, dass ich ihm etwas bedeute. Er hat mich nur benutzt und jetzt bin ich es nicht mal Wert, dass man mich verabschiedet. Ich hasse ihn.
Er lässt mich einfach so gehen - Ohne ein weiteres Wort.
„Ich weiß auch nicht, was mit ihm los ist", versucht Max das Verhalten von Theo zu entschuldigen und hilft mir dann, die Koffer in den Aufzug zu bringen. Stumm nicke ich nur.
Schweigend laden wir mein Gepäck in den Range Rover ein und kurz darauf lenkt Max den Wagen aus der Tiefgarage. Ich lehne meinen Kopf gegen die kühle Scheibe und schaue gedankenverloren nach draußen.
So ist es das Beste. Ein Leben an Theos Seite wäre anstrengend und gefährlich, außerdem mag er mich offensichtlich nicht mal. Er macht seinen Ruf, als kaltherziger Mafioso, gerade alle Ehre. Verletzt schließe ich die Augen und bereue es einfach nur, ihn so nah an mich herabgelassen zu haben.
Er hat mich nicht mal gebeten zu bleiben.
Passend zu meiner Stimmung, öffnet der Himmel seine Pforten und große Tropfen prasseln auf den Boden. Die Wasserperlen laufen an der Fensterscheibe entlang und veranstalten kleine Wettrennen. Hektisch beschleunigen die Passanten auf den Straßen ihre Schritte, suchen Unterschlupf oder spannen ihre Regenschirme auf. Es ist, als ob der Himmel für mich weint - so muss ich schon keine Tränen für dieses Arschloch vergießen.
Max schaltet den Scheibenwischer an und fädelt sich geschickt in den fließenden Verkehr ein: „Kannst du deine Adresse bitte ins Navi eingeben?"
Wortlos lehne ich mich zur Seite und tippe die wenigen Worte ein, dann lasse ich mich zurück in den Sitz fallen und versinke in meinen Gedanken.
Nach einer halben Stunde kommen wir in meinem heruntergekommenen Viertel an. Zäune umgeben die kleinen Grundstücke und die meisten der Häuser sind nicht größer, als ein Schiffscontainer. Wenige Mehrfamilienhäuser ragen dazwischen auf, die meisten davon schon einsturzgefährdet. Auf den Straßen tummeln sich die Jugendlichen, in ihren kleinkriminellen Gangs. Diese schauen dem teuren Wagen neugierig hinterher. In meiner Gegend ist man schon reich, wenn man überhaupt ein Auto hat. Fast alle der Menschen hier haben einen Migrationshintergrund oder sind, wie Elodie und ich, Waisen. Wir leben mit dem, was wir haben.
Bisher mochte ich mein Leben hier. Die Nachbarschaft ist gut, wir hungern nicht und haben jede Menge Spaß. Wenn ich das alles aber mit Theos Lebensstil vergleiche überkommt mich Sehnsucht. Ich kann nicht abstreiten, dass ich den Luxus lieb gewonnen habe.
Das alles war aber nur ein Traum, zu schön um wahr zu sein, und jetzt heißt es für mich: Zurück in die reale Welt!
Max stoppt den Wagen vor dem Mehrfamilienhaus, in dem ich, gemeinsam mit Elodie wohne. Er wirft mir einen kritischen Blick zu, den ich gekonnt ignore. Ich weiß, dass die Lebensumstände hier nicht die Besten sind, aber was soll man machen ohne Eltern und mit einem Job, der mickriges Geld abwirft.
Ich steige aus dem Geländewagen aus und schlage die Beifahrertür hinter mir zu.
„Kaia", kommt Elodie aus dem Haus gerannt und wirft sich stürmisch in meine Arme, „Ich habe dich so vermisst!"
„Ich dich auch", erwidere ich und drücke die Blondine fest an mich. Sie ist für mich eine Schwester, die ich nie hatte.
„Ich hatte solche Angst um dich, warum bist du auch immer so leichtsinnig?"
„Kommt nicht mehr vor", verspreche ich ihr und löse mich dann aus ihren Armen.
„Danke Max", verabschiede ich mich von dem Rothaaren und trage dann die Koffer, gemeinsam mit Elodie, in unsere Wohnung. Ich werde Theos Handlanger nicht länger als nötig beanspruchen und wer weiß, ob Max nicht für ihn spioniert.
„Alter, du kommst ja mit mehr Klamotten, als wir beide zusammen je besessen haben." Staunend betrachtet Elodie die drei vollen Koffer.
Das erst Mal heute, bringe ich ein ehrliches Lachen über die Lippen und atme endlich wieder den Duft der Wohnung ein - mein Zuhause.
Eure Vermutungen, warum Theo sich nicht verabschiedet hat?
Denkt an den ⭐️! <3
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