5. Avery

Uhh, its getting interesting eyeemoji

Ihr wisst ja, wie es ist  - Kommentare oder diese Romanze wird durch VERLETZUNGEN unterbrochen hehe

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September vergeht wie im Flug und als plötzlich der Oktober mit kalten Winden und dunklen Wolken hereinweht, wird mir erst bewusst, wie schnell die Zeit wirklich vergangen ist. Brielle ist nicht länger die Neue sondern einfach nur noch Brielle, mit der ich meine Pausen verbringen und der ich dämliche Memes schicken kann, die Quinn nicht verstehen würde. Quinn hat ein Popkulturverständnis von einer Ratte, die im Müllcontainer wohnt, aber das kann ich ihm leider nicht ankreiden, denn daran ist nur seine blöde Stiefmutter schuld.

Es tut sehr gut, mal mit jemandem reden zu können, der meine Anspielungen auch versteht und mit dem ich mir lustige Videos hin und herschicken kann, auch wenn ich mich ein wenig schuldig fühle, dass ich mir nicht sonderlich viele Gedanke um Quinn in der Zeit mache. Wenn ich mit Brielle rede oder schreibe, dann fühlt es sich endlich mal so an, als würde ich für mich leben und nicht meine ganze Zeit damit verbringen, mich darum zu sorgen, wie ich Quinn aus diesem Haus holen soll.

Ich weiß sehr wohl, dass ich damit weder mir noch ihm einen Gefallen tue, aber ich kann nicht anders. Wenn ich nur daran denke, wie Quinn behandelt wird, dann reißen in mir alle Stränge. Ich bin so oft schon so kurz davor gewesen, das Jugendamt zu rufen oder die Polizei zu verständigen, aber ich weiß, dass ich Quinn damit nicht helfen würde. Im schlimmsten Fall würde nichts passieren, weil Sienna zu gut schauspielern würde und im besten Fall würde er in das nächste Kinderheim verfrachtet werden und sich dann die ganze Zeit Vorwürfe machen, wieso er es nicht einfach ertragen hat. Quinn ist zu stur, zu gut dafür, als dass er sich wirklich auflehnen würde, selbst wenn es ihn von innen heraus zerreißt.

Deswegen kann ich auch nur zugucken, wann immer Quinn in den Pausen verschwindet und mir nicht sagen will, wo er hin geht. Ich lasse ihm seinen Freiraum, seinen Rückzugsort, auch wenn ich ihn liebend gern verfolgen würde. Vielleicht trifft er sich mit seinem geheimen Freund, vielleicht schließt er sich in einer Abstellkammer ein, weil er allein sein will, keine Ahnung – ich weiß nur, dass ich eine gute Freundin sein und ihn gewähren lassen muss. Ich kann ihn nicht kontrollieren.

Ich bin froh, dass ich zumindest andere Freunde habe, die mir die Zeit in der Pause versüßen können. Robin, der sich Gott sei Dank von dem schlichten schwarzen Pullover getrennt hat, redet immer und überall über die neuste Mode mit mir, Brielle verbringt auch die meiste Zeit mit mir, wenn sie nicht gerade mit den Jungs aus dem Eishockeyteam redet und Pläne fürs Sportstudio mit ihnen schmiedet und manchmal gesellt sich auch Lucas zu uns. Mit ihm habe ich zwar nicht allzu viel gemeinsam (besonders gut daran zu erkennen, dass er jeden Tag ein anderes T-Shirt mit einem anderen Superhelden darauf trägt), aber er ist nett und er weiß neben Robin auch, was bei Quinn hinter geschlossenen Türen vor sich geht.

„Wie fühlt es sich an, offiziell die falsche Meinung zu haben?", fragt Brielle mich während der Mittagspause.

Wir sitzen zu viert an einem Tisch in der Cafeteria, Lucas liest beim Essen in einem Comicbuch und Brielle hat ihr Sandwich zur Seite gelegt, um mich anzusehen. „Was meinst du?", erwidere ich irritiert.

„Na, du warst der festen Überzeugung, Austin hätte einen Crush auf mich und nur deshalb würde er mich zum Training mit den Jungs einladen. Seitdem ist fast ein Monat vergangen und es ist nichts passiert", sagt sie. „Du lagst falsch. Wie fühlt sich das an?"

„Wer sagt, dass ich falsch liege, nur weil er bis jetzt nichts getan hat?", stelle ich die Gegenfrage. „Vielleicht ist Austin einfach nur schüchtern und traut sich nicht, schon mal daran gedacht?"

„Wenn er wirklich so schüchtern wäre, dann würde er mir nicht in die Augen gucken, wenn wir reden oder trainieren", antwortet Brielle mit einer wegwerfenden Handbewegung. „Außerdem sagen alle, dass er auf Zoe steht, sich aber nicht traut, sie zu fragen, ob sie mit ihm ausgeht."

„Aha!", sage ich triumphierend. „Siehst du, er ist doch schüchtern. Er traut sich nicht Zoe oder dich zu fragen!"

„Gott, du bist eine Plage", schnaubt Brielle belustigt.

Ich grinse sie an. „Du wirst mir schon danken, wenn er dich irgendwann fragt und du nicht aus heiterem Himmel damit getroffen wirst."

Brielle stützt einen Ellbogen auf dem Tisch ab, legt ihr Kinn in die Handinnenfläche und lächelt mich schief an. „Vielleicht will ich aber lieber, dass jemand anderes mich fragt", sagt sie und lässt ihre Augenbraue für einen Moment nach oben zucken.

Robin verschluckt sich hustend an seinem Saftpäckchen.

Unbeeindruckt erwidere ich: „Dann solltest du ein paar Hinweise geben."

„Oh, wie gerne würde ich doch von einer modebewussten Frau gefragt werden, ob sie mit mir ausgeht", sagt Brielle ohne den Blickkontakt abzubrechen.

„Oh mein Gott", flüstert Robin.

„Ha Ha", sage ich augenverdrehend.

„Was passiert denn hier?", fragt Lucas leise.

„Hier passiert gar nichts", erwidere ich. „Brielle will nicht eingestehen, dass ein Junge sie gut finden kann."

Brielle macht eine Handbewegung, als würde sie eine Fliege verscheuchen. „Na, wenn du das sagst. Selbst wenn Austin mich fragen würde, dann würde ich nicht mit ihm ausgehen. Er ist überhaupt nicht mein Typ."

„Was ist denn dein Typ?", fragt Robin mit einem Seitenblick auf mich.

Ich ziehe die Augenbrauen zusammen, sage aber nichts.

„Groß", antwortet Brielle mit nachdenklichem Blick. „Dunkelhaarig. Lockig am besten. Haut wie Ebenholz und Augen wie ...hm." Sie lehnt sich ein wenig nach vorne. „Vollmilchschokolade, würde ich sagen. Ein warmes, goldenes Braun."

„Oh. Mein Gott", wiederholt Robin leise.

Langsam wird mir heiß. Brielle unterbricht den Blickkontakt nicht, hält ihr Lächeln aufrecht, hat mich direkt anvisiert, als würde sie ernst meinen, was sie sagt und würde wirklich nur darauf warten, dass ich sie frage, ob sie mit mir ausgeht. Aber warum?

„Hey, Moment", frage ich und lehne mich ebenfalls etwas vor. „Was soll das werden?"

„Rein gar nichts", erwidert Brielle unschuldig klingend. „Eine Unterhaltung zwischen Freunden, mehr nicht."

Ich schüttele den Kopf. „Ich glaub dir nicht." Ich bin sicherlich keine Expertin, was all das angeht – da müsste ich wahrscheinlich eher Quinn fragen – aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Brielle gerade sehr offensichtlich mit mir geflirtet hat. Jetzt muss ich nur noch herausfinden, ob das Ernst oder Spaß war und – was ich damit anstellen will. Ich nutze den Moment und betrachte Brielle ganz unverblümt.

Sie hat schöne dunkle Augen und kurze lockige Haare, die so aussehen, als wären sie dafür gemacht, dass man mit den Fingern hindurchstreichen soll. Ihre Lippen sind breit und geschwungen, ein immerpräsentes Lächeln in ihnen verborgen. Eine leichte Krümmung durchbricht ihre Nase, was ihr einen sehr eigenen Charakter verpasst, und sie hat scharfe Kieferknochen, die aussehen, als könnten sie Glas schneiden. Ihre Haut ist dunkelbraun und matt, im Licht der Neonröhren tanzen kleine Flecken auf ihr und ein beinahe schon unnatürlicher Glanz versteckt sich am Rand ihrer Pupillen. Muskeln zeichnen sich an ihren Armen ab. Sie nimmt die ganze Zeit den Blick nicht von mir.

Mein Herz fängt an, schneller zu schlagen. Mein Mund wird trocken. Ein dünner Schweiß bricht an meiner Stirn aus. Hitze steigt in meine Wangen und ich muss den Blick von ihr nehmen. Was denke ich denn da überhaupt? Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals so für ein Mädchen gedacht zu haben, egal wie schön sie war, egal wie verführerisch ihre Lippen aussahen, egal wie sehr ich das Gefühl ihrer Finger in meinen spüren wollte – oh mein Gott, was passiert denn hier!?

Abrupt springe ich auf. „Ich hab ganz vergessen, dass ich meine Mom anrufen muss", sage ich mit schneller Stimme und stolpere fast über meine eigenen Wörter. „Muss dann los!" Ich schnappe mir meine Tasche, lasse mein halbgegessenes Essen liegen und sprinte förmlich aus der Cafeteria.

Als ich mir sicher bin, dass mich niemand verfolgt, lehne ich mich an eine Wand. Mein Atem geht viel zu schnell und ich kralle meine Hände in meine Tasche. Ich kann das Pochen meines Herzens in meinen Ohren spüren, kann meinen eigenen rasenden Puls überall fühlen, wie er sich über mich lustig macht und mich für mein Überreagieren verspottet.

Was sollte ich denn sonst tun? An eine Konfrontation war nicht zu denken, also schien mir die Flucht die einzige Möglichkeit. Warum ist Quinn denn jetzt nicht hier? Er könnte mir sagen, was los ist, er könnte mir bestimmt erzählen, wieso ich so unsinnig reagiere, denn es gibt absolut keinen Grund dafür, wieso ich vor Brielle flüchten sollte. Keinen einzigen, außer –

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich zuvor keine romantischen Gedanken gegenüber Frauen gehegt habe. Klar, da ist meine ungesunde Begeisterung für Beyoncé und alles, was sie macht, aber das heißt nicht, dass ich sie daten will. Und nur weil ich Frauen wie Rihanna oder Victoria Beckham in jeder Nische des Internets finde und verfolge, heißt das nicht, dass ich in sie verliebt bin. Ich liebe nur alles, was sie machen. Und wie sie sind. Und wie sie aussehen.

Vielleicht habe ich manchmal ein paar leichte Crushs auf Stars und Models, aber das doch nur, weil sie so präsentiert werden, dass man nicht anders kann. Ich meine, irgendwie ist jeder Mann doch in Ryan Reynolds verknallt, dann kann ich ja wohl für Michelle Obama und Lizzo schwärmen, ohne dass ich sofort eine Sexualitätskrise hinter mir haben muss.

Habe ich denn eine Sexualitätskrise? Ich halte in meinem Gedanken inne und blicke auf, als ich Schritte höre. Oh Gott, was, wenn Brielle mir gefolgt ist und wir jetzt allein in einem gut beleuchteten öffentlichen Korridor aufeinander treffen, was wenn sie mir schon wieder in die Augen guckt und dann lächelt, was wenn sie mit mir reden will und erwartet, dass ich vollständige Antworten geben kann? Ich bin nicht bereit für sowas, ich bin noch viel zu jung! Das ist alles nichts für mich, das ist was für Quinn, der sich mit dem ganzen Gefühlskram auskennt und mich immer gezwungen hat, Märchen mit ihm zu gucken. Das ist –

Robin kommt um die Ecke gelaufen und bleibt stehen, als er mich sieht. Die Falten auf seiner Stirn lösen sich und er lächelt mich erleichtert an. „Da bist du", sagt er leise. „Ich dachte schon, du bist vom Erdboden verschluckt."

„Was ist?", frage ich, auch wenn ich mich nicht erinnern kann, überhaupt den Mund geöffnet zu haben. Meine Stimme dringt wie durch ein entferntes Radio an meine Ohren.

„Was ist?", wiederholt Robin. „Du bist geflohen, das ist. Alles okay?"

„Ich –" Ich will sagen, dass alles bestens ist und dass er sich keine Sorgen machen soll, aber ich kann mich nicht dazu bringen, zu reden. Alles ist alles andere als bestens und ich weiß nicht, was ich denken soll. Meine Handinnenflächen sind schwitzig und mein Nacken brennt. Ich will am liebsten an der Wand entlangrutschen und durch den Boden gleiten und nicht mehr auftauchen, bis sich diese Situation gelöst hat. „Keine Ahnung", sage ich schließlich.

Robin zieht eine Grimasse, bevor er sich neben mich an die Wand lehnt. „Brielle sagt, es tut ihr leid, falls sie irgendwelche Grenzen überschritten haben sollte. Sie wollte nicht, dass du dich komisch fühlst und wird es nicht wieder tun."

„Was wieder tun?", frage ich leise.

„Ähm. Was denkst du denn, dass sie getan hat?", stellt Robin die Gegenfrage. Er zupft am Stoff seines dünnen Hemdes. „Für mich war das relativ offensichtlich, aber du sahst aus, als wärst du nicht ganz mitgekommen."

Ich lache freudlos aus. „War es so deutlich?" Als er nickt, seufze ich und sage: „Ich wurde kalt erwischt. Du weißt, dass ich damit kein Problem habe, du weißt, dass mich sowas nicht stört, ich ... ich schätze, ich habe einfach nicht damit gerechnet."

Robin schnaubt belustigt. „Das kannst du laut sagen. Du sahst aus wie ein Reh im Scheinwerferlicht." Er lässt eine kurze Pause, dann redet er weiter. „Ich weiß nicht, ob sie es ernst gemeint hat. Brielle, meine ich. Keine Ahnung, ob sie wirklich mit dir geflirtet hat, aber du sahst aus, als wärst du für einen Moment ziemlich gelähmt gewesen und ich vermute mal, du hattest ein paar Gedanken dazu, oder? Und die haben dich verwirrt."

„Ich - ja", gebe ich zu.

„Wäre ja auch langweilig wenn nicht", sagte Robin. „Ich meine, selbst wenn du zum Schluss kommst, dass du einhundertprozentig hetero bist und dir nicht einmal vorstellen könntest, jemandes Hand zu halten, der zum gleichen Geschlecht gehört, dann hast du dich immerhin mit dir auseinandergesetzt und hast nicht einfach hingenommen, was dir diese widerlich heteronormative Gesellschaft aufgeschwatzt hat." Er fröstelt, dann schenkt er mir ein Lächeln. „Wir sind immerhin alle ein wenig anders als die Norm, oder?"

„Da ist was dran", erwidere ich lachend. „Danke."

Mit einer wegwerfenden Handbewegung schüttelt Robin den Kopf. „Du hättest das gleiche gemacht, wenn sie auf einmal mit mir geflirtet hätte."

Ich verberge das Gesicht in den Händen. „Gott, warum hat sie das gemacht?", frage ich zwischen meinen Fingern hindurch.

Robin zuckt mit den Achseln. „Vielleicht findet sie dich wirklich gut. Ich meine, kannst du es ihr verübeln? Du sprühst doch förmlich über vor Charme." Er grinst mich schief an, bevor er sich zur Seite duckt, als ich ihm gegen die Schulter schlage. „Au, lass das."

„Dann lass du es. Ich weiß doch nicht – ich meine, keine Ahnung. Natürlich mag ich Brielle, aber ich hab noch nicht darüber nachgedacht, wie genau. Sie ist cool und witzig und ich verbringe gerne Zeit mit ihr." Ich seufze leise. „Ich habe absolut keine Idee, was ich noch sagen soll."

„Denk drüber nach", sagt Robin. „Rom wurde auch nicht in einer Nacht gebaut oder so."

„Oh, Wahnsinn, jetzt kommen also die Alte-Leute-Weisheiten", entgegne ich trocken.

Schnaubend erwidert er: „Du wirst mir schon danken, wenn die Alte-Leute-Weisheit sich als Hilfe herausstellt."

Die Schulglocke läutet über unseren Köpfen, mein Zeichen, mich von der Wand abzustoßen. Langsam werden um uns herum Schritte und Stimmen laut, die Schüler verlassen die Pausenräume und machen sich wieder bereit, in den Klassenräume zurückzukommen. Ein unruhiges Gefühl kommt in mir auf, aber ich schiebe es beiseite. Ich will nicht, dass Robin sich noch mehr Sorgen macht, nachdem ich schon schuld war, dass er die Hälfte seiner Pause verloren hat.

Lächelnd gehe ich mit Robin zur nächsten Stunde. Vor dem Klassenzimmer warten Brielle und Lucas, die sich unterhalten, aber innehalten, als sie mich ankommen sehen. Ich entscheide mich dazu, mir nichts anmerken zu lassen und die ganze Situation so anzugehen, als wäre es nie seltsam gewesen. „Hey", begrüße ich die beiden fröhlich klingend. „Sorry, meine Mom weiß einfach nicht, wann sie aufhören soll zu reden." Übertrieben verdrehe ich die Augen und hoffe, dass Brielle nichts merkt. Ich will diese Freundschaft nicht kaputt machen, weil ich in irgendeiner Selbstfindungskrise stecke oder so.

Brielle zieht die Stirn kraus. Sie betrachtet mich einen Augenblick lang, als wäre ich ein Geist, der plötzlich aus der Wand getreten wäre, dann zuckt sie kaum sichtbar mit den Schultern und erwidert: „Eltern wissen nie, wann es genug ist. Sonst alles okay?"

„Klar, ist ja nichts passiert. Oh, Hi, Quinn! Schöne Pause gehabt? Mann, das Wetter heute ist echt gut, oder?" Ich rede einfach in der Hoffnung, dass niemand bemerkt, wie schnell mein Herz rast und wie klamm meine Hände geworden sind. „Wir sollten in den Park fahren und abhängen. Oder shoppen gehen. Oder Schlittschuh fahren!"

Quinn, der um die Ecke gekommen ist, bleibt verdutzt stehen, als er mich sieht. „Geht's dir gut?"

„Warum fragen mich das alle? Sehe ich etwa nicht gut aus? Und sag jetzt nichts Falsches, denn ich habe Ewigkeiten an diesem Rock gesessen." Ich streiche zur Veranschaulichung über den Stoff, der um meine Oberschenkel schwenkt. Er ist schwarz und glänzt im Licht, als wäre es flüssiges Pech. Eine meiner besten Leistungen, wenn ich das so sagen darf.

„Keine Ahnung, du –", er unterbricht sich und schüttelt den Kopf. „Auch egal."

„Wo warst du überhaupt?", fragt Robin mit rascher Stimme, als würde er die Aufmerksamkeit von mir abbringen wollen.

Ich werfe ihm einen dankbaren Blick zu.

„Weg", murmelt Quinn. „Hatte was zu tun."

Ich bin nicht sicher, was das heißt. Geheime Knutschsession oder einsame Abschottung, bei Quinn kann man sich nie sicher sein, wo er hin verschwindet, wenn er in der Schule nicht aufzufinden ist. Ich nehme es ihm auch nicht übel. Mit einer Stiefmutter wie dieser im Haus, ist es nur verständlich, dass er jede Freizeit annimmt, die er bekommen kann.

Lucas schnaubt belustigt. „Oh bitte, erzähl mehr, ich fühle mich, als wäre ich dabei gewesen."

Quinn betrachtet ihn mit einem gelangweilten Blick. „Du kannst ja nächstes Mal einfach mitkommen", erwidert er. „Vielleicht wird es dann gleich doppelt so spannend."

„Oh, ganz sicher." Die beiden halten für einen Augenblick den Augenkontakt aufrecht, keiner von ihnen bereit, den Kopf zuerst abzuwenden.

Ich tausche einen raschen Blick mit Robin und Brielle, bevor ich mit den Schultern zucke. Immerhin ist die Aufmerksamkeit endgültig von mir gefallen, auch wenn Brielle noch immer eine sichtbare Falte auf der Stirn hat. Um die seltsame Situation, die hier entstanden ist, zu unterbrechen, räuspere ich mich lautstark und tarne es wie ein Husten. „Die Stunde geht gleich los", sage ich. „Euer Anstarrduell könnt ihr später weiterführen."

Quinn schnaubt aber grinst. „Hätte nie gedacht, dass du mal diejenige sein wirst, die mich in den Unterricht nötigt."

„Ich bin ein Mädchen voller Überraschungen", sage ich achselzuckend. Mir brennt Brielles Blick im Nacken und ich kann fast schon spüren, wie sie mich zurückhalten will, damit sie mit mir reden kann. Die Chance lasse ich ihr nicht. Ich gehe als erste in den Klassenraum, werfe meine Tasche auf meinen Tisch und lasse mich nieder.

Obwohl Brielle neben mir sitzt, schaffe ich es die ganze Stunde lang, ihrem Blick auszuweichen.


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