14. Brielle
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Wir verpassen die erste Deadline und mit Ärger in der Brust muss ich mir eingestehen, dass ich diese Runde verloren habe. Das erste Spiel der Saison beginnt in wenigen Minuten und ich befinde mich zwar im Stadion, aber mehr als zugucken und Nate und die anderen anfeuern kann ich auch nicht. Es ätzt mich so an, dass Avery, Zoe und ich es nicht geschafft haben, alles zusammen zu sammeln, das wir brauchen, um Gould zu überzeugen, aber ich hänge dennoch an Averys Worten.
„Wir werden diesen alten Sack schon überreden", hat sie gesagt. „Bis zum nächsten Spiel bist du drin und wenn es das letzte ist, was ich tue."
Es war zwar ein wenig angsteinflößend gewesen, Avery mit solch überzeugter Miene zu sehen, aber hat mich auch sehr gerührt. Sie macht sich all diese Mühe für mich und erwartet dafür nichts als Gegenleistung. Was sollte ich ihr auch schon großartig geben?
Durch Quinns plötzliches Beziehungsdrama nimmt es ihm niemand übel, dass er darauf verzichtet, zum Spiel zu kommen. Ich schätze mal, die Chance, dass er Lucas über den Weg läuft, ist auch hier zu groß, sodass er die Zeit lieber nutzt, um sich in seinem Zimmer zurückzuziehen. Seitdem er uns erzählt hat, was passiert ist, habe ich auch mit Lucas nicht mehr geredet, auch wenn das nicht von mir aus kam. Der andere Junge ist mir jedes Mal aus dem Weg gegangen, wenn wir im gleichen Raum waren und er meidet Augenkontakt mit mir, Avery und so ziemlich jedem anderen, mit dem Quinn befreundet ist. Wenn er nicht ein dreckiger Betrüger wäre, dann würde ich mich sogar schlecht für ihn fühlen, aber jedwede Empathie wird mit Wut ersetzt, wann immer ich sein Gesicht sehen.
Obwohl ich Lucas mag, kann ich mich nicht dazu ringen, mit ihm zu reden. Quinn ist mein Freund und er ist Averys bester Freund, also würde ich mich so fühlen, als würde ich sie beide hintergehen, wenn ich Kontakt mit Lucas pflege. Ich schätze, es ist für alle beteiligten besser so. Selbst wenn ich mich dazu durchringen könnte mit Lucas zu reden, weiß ich nicht, ob ich ihm nicht lieber eine reinhauen will, statt wirklich zu sprechen.
Avery zupft an meinem Ärmel und ich drehe den Kopf zu ihr. „Sicher, dass es dir gut geht?", fragt sie leise, ihre Stimme geht fast im aufgeregten Schnattern der anderen Zuschauer unter.
„Alles bestens", erwidere ich, schüttele den Kopf und damit den grimmigen Blick aus meinem Gesicht. „Ich bin hier, um meine Freunde zu unterstützen."
Meine Freundin lächelt wohlwollend. „Keine Sorge, nächstes Mal stehst du auch da unten und dann werde ich am lautesten von allen jubeln."
„Du weißt wirklich, wie man mich motiviert", grinse ich, als sie sich vorbeugt, um sich einen Kuss zu stehen.
Robin neben uns verdeckt auf mehr schlecht als rechte Art sein Lächeln.
Wir haben nicht wirklich ein Geheimnis um die ganze Sache gemacht, schätze ich und blicke auf unsere verschränkten Finger, die auf meinem Oberschenkel liegen. Averys Haut brennt wie ein warmer Sommertag auf mir. Vor zwei Monaten hätte ich mir nicht einmal träumen lassen können irgendjemandes Hand zu halten, geschweige denn Freundschaften zu schließen, die ich nicht missen will, aber jetzt habe ich ein weiches, warmes Gefühl in der Brust, wann immer ich an Avery denke. Es ist fast schon erschreckend, wie schnell es zwischen uns gefunkt und funktioniert hat, aber ich will mich nicht beschweren. Zwar vermisse ich noch immer meine alte Schule, auf der ich zumindest Eishockey spielen konnte, aber wenn ich mich entscheiden müsste, ob ich nun Eishockey spiele oder Avery daten kann, dann wiegt eine Seite stärker als die andere.
Ich habe mein Ziel allerdings nicht aus den Augen verloren. Wenn ich ein Eishockey-Stipendium haben will, dann muss ich es in dieses Team schaffen. Ansonsten sind die letzten Jahre, die ich jedes andere Hobby, jede andere Aktivität vernachlässigt habe, nichts mehr wert, dann habe ich nicht nur meine Zeit sondern auch meine Energie verschwendet. Wenn ich kein Stipendium bekomme und mich eines der Team für die Junior-Liga anwerben will, was habe ich dann überhaupt erreicht? Passable Noten und Muskeln. Nicht mehr, nicht weniger. Ohne Eishockey – wer bin ich denn überhaupt?
Der schrille Signalton des Stadions zwingt mich aus den Gedanken. Ich fokussiere mich aufs Eis und versuche alles andere zu vergessen. Jetzt zählt es nur, dass ich Nate und die anderen anfeuere, ihre Spielweise analysiere und mir danach Gedanken mache, wie man es besser machen kann. Nate hat mir aufgetragen, dass ich das Spiel wenigstens nutzen soll, wenn ich schon nicht mitmachen kann und genau das werde ich tun. Ich werde Gould schon zeigen, was er davon hat, wenn er mir das Team verwehrt.
Freund und Familie der Spieler fangen lauthals an zu jubeln, als die beiden Teams endlich aufs Eis schlittern. Diamantene Splitter benetzen die Luft, während die Kufen sich tief in das gefrorene Wasser bohren. Beide Torhüter nehmen ihren Positionen ein, Finnley mit einem entschlossenen Blick im Gesicht und der andere Junge mit einer gefletschten Grimasse. Die Teamkapitäne treffen sich in der Mitte des Spielfelds und schütteln Hände. Der Schiedsrichter schickt alle auf Position.
Mein Atem fängt in meiner Kehle an zu drücken, als das erste Drittel angepfiffen wird. Ich verfolge Nate mit den Augen, wie er übers Eis fliegt, als wäre er dafür geboren worden, sehe wie Austin den Puck annimmt und an seinen Mitspieler passt, beobachte den Puck, der wie ein kleiner schwarzer Komet über die unendliche Weiße des Eiskosmos rast und dabei eine Spur auf Wassertropfen hinterlässt.
Es sind nur Schulteams, aber jeder will gewinnen. Jeder brennt dafür, das gewinnbringende Tor zu erzielen, jeder hat lange und hart dafür trainiert und als es das erste Mal in der ganzen Halle summt, als der Puck ins Netz geht, reiße ich Avery mit auf die Füße. Das Stadion versinkt in Applaus, Avery lacht, während ich ihre Hand küsse und Nate drückt die Faust in die Luft. Das erste Tor der Saison und er hat es versenkt.
Adrenalin pumpt durch meine Venen, als würde ich selbst auf dem Eis stehen. Die Zeit auf der Anzeigetafel vergeht und vergeht, die Minuten fließen dahin, bis nur noch Sekunden übrig bleiben und die Punktestände wie Zwillinge nebeneinander stehen.
Ich kralle meine Hand so fest in mein Trikot, dass ich meine zu spüren, wie ich durch den Stoff reiße, aber alles, worauf ich mich im Moment konzentrieren kann, sind die Spieler auf dem Eis, die dem Puck hinterherjagen und den immer weiter tickenden Sekunden, die näher und näher an das Ende fallen. Das Ziel ist direkt vor meinen Augen, ich schmecke Blut, als ich mir auf die Lippe beiße, Nate wird von einem anderen Spieler in die Seite gerammt und verliert fast die Balance, der Puck rutscht zwischen einem Paar Beine hindurch, das laute Summen des Buzzers erfüllt die Luft wie ein Insektenschwarm – und dann ist es vorbei.
Es ist vorbei und wir haben knapp verloren.
***
Die niederschmetternde Niederlage des ersten Spiels hat Coach Gould keinen plötzlichen Sinneswandel verpasst. Obwohl ich mir sicher bin, dass wir gewonnen hätten, wenn ich auf dem Eis gestanden hätte, lässt er mich auch dieses Mal kaum ausreden. Nate hat versucht mir zu sagen, dass es keine große Sache ist, aber ich habe ihm kaum zugehört. Als Teamkapitän macht er seine Sache super, keine Frage, aber ich will von ihm nicht hören, dass es okay ist, ein Spiel zu verlieren. Er soll wüten und Gould so lange belästigen, bis ich endlich den Teamplatz habe. Ich weiß einfach, dass ich das Team zum Sieg bringen kann.
Der November vergeht mit Gewittern am Morgen und Schneegestöber in der Nacht, nasse Straßen und orangerote, lichtbestrahlte Pfützen auf dem Boden. Es wird kälter und kälter, aber jeden Morgen wache ich mit einem brennenden Energieschub auf, der die Kälte des kommenden Winters vertreibt. Ich will es in dieses Team schaffen und dafür muss ich nicht nur weiter mit Avery und Zoe an der Präsentation arbeiten, sondern trainieren. Ich trainiere fast jeden Tag nach der Schule, mal mit den Jungs, mal ohne, mal begleitet Avery mich und sitzt auf der Tribüne, während wir den Puck übers Eis schleudern, mal gehe ich ganz allein zu den Gewichten und stemme, bis meine Arme zittern und meine Muskeln brennen.
Mittlerweile haben sich Lucas und Quinn so weit beruhigt, dass sie nicht mehr voreinander fliehen, wann immer sie sich im Korridor sehen, aber reden tun sie trotzdem nicht. Weder Avery noch Robin noch ich haben den Kontakt mit ihm gesucht, als Solidarität zu Quinn stehen wir hinter unserem Freund, aber manchmal habe ich trotzdem den Drang, Lucas zumindest im Gang zu grüßen. Er kommt mir allein und verlassen vor, auch wenn er oftmals mit ein paar anderen Klassenkameraden zusammen ist.
Wenn ich meine freie Zeit nicht im Sportcenter verbringe, dann zwinge ich mich dazu, den dämlichen Aufsatz für Mrs. Lawrence zu schreiben und weiter an der Präsentation zu arbeiten. Es ist ätzende Arbeit, aber zumindest lerne ich durch die Recherche über verschiedene Sportlerinnen mehr über das, was ich machen will. Ich weiß jetzt, dass ich nicht nur ein Stipendium will, um meinem Dad keine Kosten aufzuhalsen. Ich will ein Stipendium und dann in eine gute Mannschaft, damit ich einen Namen für mich machen kann. Ich will, dass kleine Mädchen in zwanzig Jahren Trikots mit meinem Namen drauf kaufen können und zu mir aufsehen, weil ich etwas erreicht, Spiele gewonnen und Rekorde gebrochen habe, weil ich etwas verändert habe. Solange es Männer wie Gould in der Welt des Sports gibt, kann ich nicht einfach nur damit leben, dass ich meinen Platz finde. Ich will etwas verändern.
Von allen Aufgaben, die ich habe, fällt mir der Aufsatz am schwierigsten. Ich habe das Buch kaum verstanden, geschweige denn gemocht, und noch weniger habe ich Lust, mich weiter damit auseinanderzusetzen, als nötig ist. Am liebsten würde ich Dad fragen, ob er mir helfen kann, aber er ist so mit seinem neuen Job beschäftigt, dass er erst am späten Abend nach Hause kommt und dann meist ins Bett fällt. Er hatte bisher nicht einmal Zeit, mich ein einziges Mal zum Sport zu fahren, weil er so viel arbeitet. Zwar hat er mit versprochen, dass sich das zur Weihnachtszeit bessern und er dann wieder Zeit für mich haben wird, aber ich weiß nicht, ob mich das so glücklich stimmen soll. Weihnachten war immer meine liebste Jahreszeit gewesen, aber jetzt bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich sie wirklich genießen kann. Ohne Mom, die den Christbaum schmückt und hübsche Ornamente ins Fenster hängt, damit es überall glänzt und leuchtet, wäre es einfach nicht dasselbe.
Um mich von alldem abzulenken, bin ich froh, dass ich Avery habe. Avery weiß, was sie sagen muss, damit ich aus den Gedanken komme, damit ich nicht in meinen eigenen Problemen gefangen bleibe. Ich könnte ihr stundenlang zuhören, könnte hören, wie sie über ihre Modeprojekte redet, könnte mir ihre Kleidungsentwürfe angucken, auch wenn ich nichts verstehe. Ich könnte sie einfach nur angucken, während sie an der Nähmaschine sitzt und das wäre genug. Avery hat ein wahnsinniges Talent dafür, ein Ruhepol zu sein und dass, obwohl sie selbst manchmal ein Quell an nervöser Energie ist.
Als der November langsam endet, fällt mir schlagartig ein, dass ich Avery noch immer zu keinem Date eingeladen habe. Wenn ich dafür nicht den Preis für die weltschlechteste Freundin überhaupt verdiene, dann weiß ich auch nicht.
Ich ziehe mein Handy hervor, wähle ihre Nummer, drücke auf den grünen Hörer und warte dann mit der Aufregung, die ein Kind vor Weihnachten verspürt. Das Geräusch des Suchens nach dem anderen Ende wird unterbrochen, als Avery annimmt.
„Wie kann ich Ihnen helfen?", erklingt ihre Stimme.
Ich grinse. „Sie können mir helfen, indem Sie zustimmen, mit mir auf ein Date zu gehen, dass ich ganz sicher nicht zuvor vergessen habe, zu planen."
Einen Moment ist es still, dann tönt ein leises Lachen am anderen Ende. „Du musst mich nicht ausführen", sagt Avery. „Wir gehen doch schon aus."
„Natürlich muss ich das", erwidere ich. „Ein Mädchen wie du verdient es ja wohl, dass sie auf ein fantastisches Date im Schnee ausgeführt wird. Wir können Schlittschuhfahren und schreckliche Plüschtiere auf dem Weihnachtsmarkt gewinnen und dann heißen Kakao trinken."
„Das klingt alles wirklich toll", antwortet Avery, „aber passt das wirklich zu uns?"
„Wieso sollte es nicht passen?"
Sie seufzt. „Ich weiß auch nicht. Ich hab keine Ahnung von diesem ganzen Date-Kram und du bist einfach nicht der Typ, der sich für einen schicken Abend herausputzt. Du brauchst es auch gar nicht abstreiten", fügt sie an, als hätte sie gesehen, wie ich den Mund zu einer Antwort geöffnet habe, „ich weiß, dass für dich ein Abend richtig gelingt, wenn du vor dem Bildschirm ein Eishockeyspiel analysieren kannst." In ihrer Stimme schwingt ein Lächeln mit, als sie weiterredet. „Also, natürlich können wir auf ein Date gehen, aber ich will nicht, dass du irgendwas machst, was dir nicht gefällt, nur weil du denkst, es würde mich beeindrucken."
Ich mache eine kurze Pause, in der ich darüber nachdenke, was sie gesagt hat, dann zucken meine Mundwinkel zu einem Lächeln und ich sage: „Was ist, wenn ich dich in einen Vintage-Second-Hand-Shop mitnehme und wir danach in ein Sportgeschäft gehen und dann Kakao trinken?"
Avery lacht wieder. „Na gut, dazu könnte ich mich wahrscheinlich überreden lassen." Ein paar Sekunden vergehen, der Sand in der Uhr rieselt nur daher, aber die Stille zwischen uns bleibt angenehm, bis sie hinzufügt: „Ich schätze es sehr, dass du dir solche Mühe machst, Brielle."
„Du verdienst es", antworte ich lediglich, bis wir das Thema fallen lassen und bis spät in die Nacht am Hörer bleiben, bis nur noch der Mond tröstendes Licht in der Dunkelheit spendet und irgendwann das einzige Geräusch in meinem Zimmer der stetige Atem der eingeschlafenen Avery ist.
Am nächsten Tag ist sie peinlich berührt und ich kann nicht anders, als zu lachen. „Hör auf zu lachen", meckert sie vor dem Klassenzimmer, unsere Fingerspitzen ineinander umschlungen. „Wieso hast du nicht einfach aufgelegt?" Die Haut an ihren Wangen ist dunkelrot und ein peinlich berührtes Glänzen steckt in ihren dunklen Augen.
„Es war süß", erwidere ich achselzuckend. „Außerdem weiß ich nicht, warum es dir peinlich ist, du hast ja nicht geschnarcht oder so."
Das veranlasst dazu, dass Avery ihr Gesicht mit der anderen Hand verdeckt. „Oh Gott, danke, daran hatte ich noch gar nicht gedacht und jetzt werde ich einfach nie wieder schlafen, damit niemand jemals hören wird, wenn ich vielleicht schnarchen sollte."
„Ich kann dich beruhigen", sagt Quinn, der bereits auf seinem üblichen Platz sitzt. „Wenn ich nie gehört habe, wie du schnarchst, dann wird es auch niemand anderes."
„Nicht hilfreich", antwortet Avery, als sie sich ebenfalls setzt. „Wisst ihr was? Ich werde einfach nie wieder mit euch reden, meine Identität ändern und in ein anderes Land ziehen. Italien soll schön sein."
„Vielleicht solltest du uns nicht verraten, in welches Land du auswanderst, wenn du nicht willst, dass wir dir folgen können", murmelt Quinn.
Grinsend erwidere ich: „Lass sie in dem Glauben, wir würden sie überhaupt gehen lassen."
Avery ignoriert uns beide mit einem geschnaubten „Hmpf", aber ich kann die Enden ihrer Mundwinkel zucken sehen, also mache ich mir nicht viel daraus, dass sie für die ersten zwanzig Minuten des Unterrichts nicht mit mir redet oder meine Blicke erwidert. Spätestens, als es zur Pause klingelt, findet ihre Hand wieder den Weg zu meiner und sie zieht mich mit in den Handarbeitsraum. „Ich muss dir was zeigen", sagt sie aufgeregt.
Sie schmeißt ihre Tasche auf einen der Tische, zerrt den Reißverschluss auf und zieht ein Shirt aus den Tiefen heraus. Mit den Händen streicht sie den Stoff glatt, dann hält sie es vor mir in der Luft und blickt mich an einem Ärmel vorbei mit glänzenden Augen an.
Das Shirt ist größtenteils dunkelblau, mit hellgrauen Streifen am unteren Ende, die langsam verblassen, je höher sie gehen. Eine große hellgraue Siebenundzwanzig prangt auf dem Shirt, was es unmissverständlich zu einem Sporttrikot macht. Avery dreht das Trikot um, als sie sicher ist, dass ich die Zahl gesehen habe und präsentiert mir die Rückseite. Als ich den Namen lese, wird mein Mund trocken.
„Taylor?" Mein Lächeln brennt in meinen Mundwinkeln.
„Ich dachte, du willst sicher ein Trikot haben, wenn du dem Team endlich beitrittst", sagt Avery mit einem schüchternen Gesichtsausdruck, als hätte sie Sorge, wie ich reagiere. „Ich hab mich an den Schulfarben gehalten", erklärt sie und deutet mit dem Finger auf den dunkelblauen Stoff. „Die grauen Streifen waren meine Kreation."
„Du hast es für mich gemacht?", frage ich gerührt.
„Naja, klar?" Averys Lächeln schwankt ein wenig. „Ich meine, es sei denn es gefällt dir nicht, dann habe ich es einzig und allein dafür gemacht, damit wir es zusammen in einem satanischen Ritual verbrennen können. Ein Opfer für die alten Götter, du weißt schon."
„Alles gut", lache ich. „Natürlich gefällt es mir." Vorsichtig greife ich nach dem dunkelblauen Stoff, der sich wie ein flüssige Luft zwischen meinen Fingern anfühlt. „Soll ich es anziehen?"
„Ich hoffe es passt dir", meint Avery, während sie nickt. „Deine genauen Maße hatte ich nicht, deswegen hab ich es einfach ein wenig kleiner als eins von meinen Shirts gemacht." Ihre Wangen werden wieder rötlich.
Statt zu antworten, ziehe ich mir das Shirt über den Kopf und breite dann die Arme aus, damit ich es präsentieren kann. „Und? Wie seh ich aus?"
„Als würde kein sexistischer Coach dich nicht ins Team lassen", erwidert Avery.
Ich grinse und mache einen Schritt auf sie zu. Meine Arme schlingen sich um ihre Hüfte und ziehen sie etwas näher, bevor ich sie küsse und dann das Gesicht so nah wie möglich vor ihr halte, damit wir uns in die Augen sehen können. „Dankeschön."
„Gern geschehen", antwortet sie lächelnd, rote Schlieren auf den Wangen und ein Glänzen in den Augen, dass mich an funkelnde Weihnachtsbeleuchtung erinnert.
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