29
Alex schwieg, während er seinen geliebten Rocket 900 durch die leeren Straßen der Stadt lenkte. Er holte den mattschwarzen Brabus selten hervor, doch seitdem sein anderes Auto beim versuchten Attentat gelitten hatte, bevorzugte er dieses umgebaute Modell. Zumindest waren die getönten Scheiben und die Karosserie halbwegs kugelsicher.
Aus den Augenwinkeln beobachtete er Lily, die mit leerem Blick in die Nacht starrte. Er konnte innerlich nur immer wieder über seine Dummheit fluchen. Sie hatte Grigorijs schleimige Drohungen nach außen hin gut weggesteckt, aber dass es überhaupt erst so weit gekommen war, war alleine seine Schuld.
Er hätte sie niemals mitnehmen sollen.
Seine Hände schlossen sich fester um das Lenkrad. Er wusste, es wäre nicht gut gewesen, sich Michail zu widersetzen. Doch dass er ausgerechnet Lily gefragt hatte, war ein Fehler gewesen. Sie passte so gar nicht in seine Welt und natürlich war das einem widerlichen Kerl wie Grigorij sofort aufgefallen. Er hätte damit rechnen müssen, dass er Fragen stellen würde.
Keiner in der Organisation fasste einfach so die Frau eines anderen an, selbst wenn sie nur eine billige Nutte war, die für eine Nacht bezahlt wurde. Das machte nur, wer nicht mit Konsequenzen rechnete. Oder wenn der andere Mann seinen Besitzanspruch nicht deutlich genug gemacht hatte.
Es war offensichtlich, dass Grigorij gedacht hatte, dass Lily nicht wirklich unter seinem Schutz stand. Sonst hätte er sie niemals so dreist angefasst. Oder vielleicht hatte er auch einfach keine Angst vor ihm. Alex wusste nicht, welche Option schlimmer war.
Fakt war jedoch, dass er zurückschlagen musste. Nach dem versuchten Mord konnte er es sich nicht leisten, dass sich rumsprach, dass man seine Mädchen belästigen konnte, ohne Angst vor Konsequenzen haben zu müssen.
»Hat alles geklappt?« Lilys emotionslose Worte rissen ihn aus seinen finsteren Gedanken.
»Geklappt?«
Sie schnaubte nur. »Was auch immer du mit den drei anderen Männern so Heimliches zu besprechen hattest. Wir Frauen durften ja nicht zuhören.«
Altes Misstrauen kam wieder hoch. Warum war Lily so neugierig? Gerade nach dem heutigen Abend sollte sie doch begreifen, mit welcher Art von Menschen sie es hier zu tun hatte. War sie einfach nur naiv? Oder war sie doch absichtlich auf ihn angesetzt worden?
»Lief gut«, erwiderte er knapp. »Ich hab erreicht, was ich wollte.«
Das war zumindest keine Lüge. Auch wenn Fjodor und Grigorij von seinem Plan wenig überzeugt waren, hatten sie doch zugestimmt, in IT-Spezialisten zu investieren, die im großen Stil Kreditkartenbetrug organisieren sollten. Es war ein kleiner Erfolg für diesen Abend, der ansonsten ein Desaster gewesen war.
Lily brummte darauf nur, ehe sie den Blick wieder auf die dunklen Straßen richtete. Alex spürte, wie sich alle sin ihm zusammenzog. Es war die letzte Nacht mit ihr für ihn und er bereute, dass es auf so einer schlechten Note enden musste. Auch wenn sie mit Bravour zurück in die Rolle der verführerischen Frau geschlüpft war, hatte er doch gespürt, dass sie bis ins Mark erschüttert war.
Und er war noch nicht bereit, sie gehen zu lassen.
Kurzerhand setzte er den Blinker und fuhr auf den Ring. Lilys Blick schnellte zu ihm. »Wohin fahren wir?«
»Zu meinem Haus.«
Er konnte hören, wie sie nach Luft schnappte. Eisiges Schweigen breitete sich im Auto aus. Vielleicht hätte er sie doch erst fragen sollen, ob sie das wollte. Er hoffte, dass er sie überredet bekam, wenn sie erst sah, wie prächtig seine Villa war.
»Wie viel?«
Kurz huschte sein Blick zu ihr. »Was?«
»Du hast gesagt, dass du alle Dienste über meine bloße Anwesenheit beim Essen hinaus extra bezahlen würdest. Also. Wie viel?«
Als hätte jemand einen Eimer Eiswasser über ihm ausgeschüttet, fand Alex sich ganz plötzlich in der Realität wieder. Natürlich. Sie war eine Tänzerin in seinem Club. Er hatte sie für diesen Abend bezahlt. Er hatte sie vorher für Sex bezahlt. Sie war professionell, genau, wie er es sich gewünscht hatte.
»Nochmal 1000 für die ganze Nacht.« Geld spielte keine Rolle für ihn und wenn Geld der einzige Weg war, wie er sie zumindest noch für ein paar Stunden länger bei sich behalten konnte, dann würde er diesen gehen.
Lily blieb für einen so langen Moment stumm, dass Alex schon dachte, dass sie ablehnen würde. Doch dann hörte er ein leises Seufzen. »Okay. Ich hab um acht eine Vorlesung montags. Ich müsste also früh raus.«
»Das sollten wir hinkriegen.«
Vorfreude stieg in ihm auf. Auch wenn sie ihm nicht das geben konnte, was er sich wirklich von ihr wünschte, er hatte sie für eine ganze Nacht nur für sich alleine. Und wenn sie sich morgen Früh trennten, würde sie ihn nie wieder zu Gesicht bekommen. Er würde aus ihrem Leben verschwinden und niemand würde auf irgendwelche dummen Ideen kommen.
***
Das Tor öffnete sich langsam und unter Quietschen. Alex machte sich eine mentale Notiz, dass er seinem Pförtner sagen wollte, dass es mal wieder geölt werden musste. Während er seinen Wagen vorsichtig die enge Kurve zum Haus hochsteuerte, beobachtete er Lily aus den Augenwinkeln. Sie wirkte neugierig, aber nicht beeindruckt von dem, was sie sah.
Als wäre es etwas Alltägliches, bei einer Villa vorzufahren, die in einem eigenen Park umgeben von hohen Mauern stand. Oder vielleicht wollte sie ihn auch nur provozieren und spielte die Unbeeindruckte.
Er parkte das Auto direkt vor der Treppe, die zur großen Eingangstür hochführte. Dann stieg er aus, lief mit schnellen Schritten um den Wagen herum und öffnete Lily die Tür. Sie nahm die angebotene Hand mit einem bezaubernden Lächeln entgegen.
Sie hatten keine zwei Stufen genommen, da ging die Tür auf und einer von seiner Security kam ihnen entgegen. »Guten Abend, Alexander. Soll ich den Brabus parken?«
Alex warf ihm die Schlüssel zu. »Ja, bitte. Und dann nimm dir für heute frei, okay? Ich will keinen im Haus für den Rest der Nacht.«
Der Mann verbeugte sich wortlos und kam dem Befehl nach. Lily neben ihm schaute ihn ungläubig an. »Ernsthaft?«
Alex zog amüsiert eine Augenbraue hoch. »Was? Bevorzugst du Publikum?«
Spielerisch boxte sie ihn gegen den Arm, während er ihr die Tür aufhielt. »Im Gegenteil. Du hättest kaum deutlicher verkünden können, was unsere Pläne für die Nacht sind. Musste das sein?«
Er schloss die Tür und aktivierte sorgsam den Schließmechanismus sowie alle Alarmsysteme, die die Außenwände schützten. Dann drehte er sich mit einem breiten Grinsen wieder zu ihr um. »Ich habe die schärfste Frau Hamburgs am Arm. Auch ohne meine Worte wüssten alle, was unsere Pläne sind.«
Zum ersten Mal, seit sie das Restaurant verlassen hatten, schien Lilys Maske zu bröckeln. Leichte Röte stieg ihr in die Wangen und sie schaute zu Boden, anstatt seinen Blick zu erwidern. Gut. Alex würde alles darum geben, die Lily wieder vor sich zu haben, die verzweifelt in sein Auto gestiegen war. Die nur für ihn Schwarz angelegt hatte.
Er ergriff ihre Hand und führte sie in sein riesiges Wohnzimmer, das in der Mitte von drei Ledersofas und zwei Sesseln dominiert wurde, die um einen schweren, niedrigen Holztisch herumstanden. Es war warm hier, trotz der Kälte, die der November mit sich gebracht hatte. Sein Personal verstand sich darauf, die Villa rund um die Uhr wohnlich zu halten, selbst wenn er tagelang nicht auftauchte.
»Mach's dir bequem, ich bin gleich bei dir.«
Mit schnellen Schritten eilte er die Treppe ins nächste Stockwerk hinauf, zu seinem Büro, wo er stets eine größere Summe Bargeld im Tresor verwahrte. Während er die Nummern eintippte, zwang Alex sich, langsamer zu atmen. Zu viele Gedanken, zu viele Sorgen wirbelten in seinem Kopf umher, obwohl er sich nur auf eine einzige Sache konzentrieren wollte.
Lily.
Mit einem Stapel Geldscheine in der Hand, kam er die Treppe wieder runter. Bevor er die letzten Stufen nahm, blieb er stehen und genoss die Aussicht, die er von hier auf das riesige Wohnzimmer hatte. Lily hatte sich Mantel und Schuhe ausgezogen und lag jetzt ausgestreckt auf einem der weichen Sofas. Sie war klein genug, dass sie sich vollständig hinlegen konnte. Ihr rotes Haar bildete einen feurigen Kontrast zum dezenten Cremefarbton des Sofas. Sie hatte ihre Augen geschlossen und ihre Arme über ihrem Kopf auf der niedrigen Lehne abgelegt.
Sie war pure, menschgewordene Verführung.
Alex schluckte, dann setzte er seinen Weg fort. Beim hallenden Klang seiner Anzugschuhe auf den kühlen Fliesen öffnete Lily die Augen. Ein spielerisches Lächeln huschte über ihre Lippen. »Mir gefällt, was ich sehe.«
Vor ihrem Sofa angekommen, blieb Alex stehen und hob das Geldbündel hoch. »Meinst du das hier? Oder mich?«
»Das Geld natürlich«, erwiderte sie spielerisch, während sie sich vom Sofa aufrichtete und danach griff. Ohne den Blickkontakt zu unterbrechen, fügte sie grinsend hinzu: »Du bist austauschbar.«
»Autsch!« Alex griff sich theatralisch an die Brust. »Das tat weh, Madam!«
»Soll ich es wieder gut küssen?«
»Ich bestehe darauf.«
Lily warf das Geldbündel achtlos auf den Tisch. Dann trat sie ganz nah an ihn heran. Ohne ihre Schuhe war sie so viel kleiner als er. Ihre winzigen Hände fuhren über sein Jackett, ehe sie es ihm von den Schultern strich. Dann begann sie, Knopf um Knopf seines Hemdes zu öffnen. Mit jedem Knopf, den sie aus dem Loch schlüpfen ließ, fuhren ihre Fingerspitzen über seine entblößte Brust darunter.
Eine Gänsehaut lief ihm über den Rücken und Alex spürte, wie seine Hose eng wurde. Sie hatte ihn noch nicht einmal richtig berührt und er konnte sich schon kaum mehr beherrschen. Mit angehaltenem Atem ließ er zu, dass sie auch sein Hemd auszog.
Lily reckte sich ein wenig und schaute zu ihm auf, ein schelmisches Lächeln auf den Lippen. Dann hauchte sie einen Kuss auf seine Brust. Ein Zittern ging durch seinen Körper. Er wollte nichts lieber, als sie packen und besinnungslos küssen. Mühsam unterdrückte er den Impuls und folgte ihr stattdessen nur mit den Augen. Kuss um Kuss platzierte sie auf seiner Brust, während sie langsam auf die Knie ging. Sie zog eine feuchte Spur über seinen Bauch, bis sie am Saum seiner Hose angekommen war.
Impulsiv packte er ihre wilden roten Haare mit einer Hand, während er mit der anderen seine Hose öffnete. Lily verstand die Aufforderung offensichtlich, denn sie übernahm sofort und befreite ihn von dem störenden Stoff. Sie legte ihm eine zierliche Hand um den Schwanz, ehe sie mit ihrer Zunge einmal über ihn leckte.
Jegliche Gedanken verschwanden aus seinem Kopf. Für Alex gab es nur noch diese verführerische Frau, die vor ihm kniete und ihn aus ihren großen, glitzernden Augen ansah, als wäre er das Subjekt aller ihrer Träume. Seine zweite Hand fuhr durch ihre Locken, während sie damit begann, mit Hand und Mund denselben Takt aufzunehmen.
Wie verzaubert starrte er hinab. Sex war eine Gewohnheit für ihn, er hatte schon viele Blowjobs bekommen. Aber das hier war etwas anderes. Er spürte tief in sich, dass er von dieser Frau gewollt werden wollte. Er wollte sie küssen können. Er wollte ohne Geld mit ihr schlafen können. Während er ihre zarten Seufzer hörte, die so offensichtlich von ihrer eigenen Lust sprachen, stieg eine Fantasie in ihm auf.
Lily in seinem Bett, am frühen Morgen, nachdem sie die ganze Nacht mit ihm verbracht hatte. Wie sie beide irgendwo zwischen Traum und Wirklichkeit schwankten und sie unter die Decke rutschte, um ihn mit ihrem Mund zu befriedigen. Langsam und zärtlich und ohne jegliche Eile. Weil sie es jeden Morgen tun konnten. Weil sie gemeinsam alle Zeit der Welt hatten.
Fluchend zog er sich von ihr zurück. Sie brummte kurz unzufrieden, aber dann leckte sie sich lasziv über die Lippen und schaute erwartungsvoll zu ihm auf. Sie würde ihn noch umbringen mit ihren Blicken.
Mit wenigen Handgriffen entkleidete er sie beide vollständig. Dann presste er sie in das weiche Sofa unter sich, zwei Finger tief in ihr vergraben, seine Lippen an ihrem Hals. Wenn er sie schon nicht richtig küssen konnte, wollte er wenigstens jeden Zentimeter ihrer Haut erkunden. Sie bebte unter ihm, keuchte und seufzte, zerfloss offensichtlich genauso vor Lust wie er. Sie wirkte ungeduldig, aber sie drängte ihn nicht. Sie nahm einfach, was er ihr gab. So perfekt. So perfekt für ihn.
Er zog seine Hand zwischen ihren Körpern hervor und leckte seine Finger sauber. Sie schmeckte göttlich. Gut genug, dass er alleine davon kommen konnte. Mit einem letzten Blick in ihre Augen positionierte er sich, dann schob er sich langsam in sie. Ihre Lider fielen zu, während ihr gleichzeitig ein langgezogenes Stöhnen entfuhr.
Er beugte sich runter, wollte ihr einen Kuss geben, doch im letzten Moment hielt er inne. Stattdessen schlossen sich seine Zähne um die empfindliche Haut an ihrer Schulter. Seine Hände suchten ihre, fanden sie, ergriffen sie, Finger ineinander verschränkt, Arme über ihrem Kopf abgelegt.
Alex nahm einen langsamen Rhythmus auf. Er wollte den Moment auskosten. Herauszögern. Lily schlang ihre Beine um seine Hüften und passte sich an, derselbe unerträglich langsame Takt. Immer wieder begegneten sich ihre Körper. Mit jedem Stoß musste er an sich halten, sie nicht doch zu küssen.
Ihre Lippen öffneten sich leicht, ließen einen Schwall von Seufzern und Stöhnen hinaus. Er meinte, seinen Namen dazwischen hören zu können, doch er war sich nicht sicher. Ihre Hände, so innig verschlungen, führten ihren eigenen Tanz auf. Mal tanzte ihr Daumen über seinen Handrücken, mal presste er sie fester in die Kissen.
»Lily«, flüsterte er, ehe er an sich halten konnte. »Meine Lily. So perfekt für mich. Nur für mich.«
Er spürte, wie ein Zittern durch ihren Körper ging. Sie öffnete ihre Augen wieder und schaute ihn an. Es war, als könnte er ihr bis auf den Grund der Seele schauen. Er las dieselbe Lust in ihr, dasselbe Verlangen. Die Sucht nach Nähe. Echter Nähe.
Verbissen senkte er den Blick und beschleunigte das Tempo. Ließ ihre Hände los, um seine Arme stattdessen um ihre Schultern schließen zu können. Sie schlang ihre augenblicklich um seinen Oberkörper. Er vergrub sein Gesicht an ihrer Schulter, ihr Mund genau neben seinem Ohr, wo er hören konnte, wie sich ihr Seufzen in ein Wimmern verwandelte. Sie war nah. Und er auch.
Er ließ eine Hand wieder zwischen ihren Körpern verschwinden, um ihr zu helfen. Er spürte, dass er seinen Orgasmus nicht mehr lange herauszögern konnte. Gezielt fand er ihren empfindlichsten Knoten und übte sachte Druck aus. Ein tiefes Stöhnen war die augenblickliche Antwort. Lily unterbrach den Rhythmus, den sie gemeinsam aufgebaut hatten, und rieb sich stattdessen hemmungslos an seiner Hand.
Er ließ es zu, bis er spürte, wie ihr Körper zu zittern anfing. Der Griff ihrer Arme um seine Schultern wurde fester, während ihr Höhepunkt über sie rollte. Noch während er das rhythmische Zusammenziehen ihrer inneren Wände um seinen Schwanz spürte, nahm er einen neuen, harten Takt auf. Mit nur wenigen Stößen folgte er ihr über die Klippe.
Schwer atmend brach Alex auf ihr zusammen. Er wünschte, er könnte für immer hier liegen bleiben, in ihren Armen, ihren kleinen, weichen Körper unter sich, verschwitzt vom Sex und genauso außer Atem wie er.
Mit einem Stöhnen stützte er sich hoch und zog sich aus ihr zurück. Sie hatte die Augen geschlossen und ein genüssliches Lächeln auf den Lippen. Diese roten Lippen, die zum Küssen einluden.
Er schüttelte den Kopf und machte sich stattdessen mit unsicheren Schritten zum Bad auf, um sich des Kondoms zu entledigen. Um sich von ihr zu distanzieren. Er hatte sie für die ganze Nacht gekauft, aber jetzt gerade wäre es ihm lieber, wenn sie aus seinem Haus verschwinden würde. Ihre Nähe machte ihn verrückt. Ihre Nähe brachte uralte, wichtige Regeln zum Einsturz.
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