9. Kapitel

Am nächsten Morgen quälte sie sich nur wiederwillig aus dem Bett. Den Donnerstag hasste sie wirklich. Außerdem würden sie heute zwei Tests schreiben und einen würde sie sicher verhauen. Sie konnte einfach nicht für zwei Fächer gleichzeitig lernen. Für die schriftlichen Abi Prüfungen könnte ihr das noch zum Verhängnis werden. Aber Simon würde ihr sicher beim Lernen helfen.

Eine halbe Stunde schlurfte sie die Treppen hinunter in die Küche, um zu frühstücken. Außer ihrem Vater, der schon zu arbeiten schien, war wohl noch niemand sonst wach. „Morgen Dad.", sagte sie und gähnte. Wie konnten manche Menschen nur so früh aufstehen.

„Morgen Schatz, hast du gut geschlafen?", fragte er sie, ohne von seinem Laptop aufzusehen. Neben ihm stand ein halb leeres Glas Orangensaft und ein Teller mit Krümeln. Gefrühstückt hatte er also auch schon.
„Hätte eindeutig länger sein können. Fährst du mich heute?", fragte sie und lehnte sich vor ihm auf den Tisch, um ihn mit großen Rehaugen anzusehen.

Natürlich konnte William seiner Tochter mal wieder einen Gefallen nicht ausschlagen und erklärte sich schmunzelnd einverstanden.
Triumphierend umarmte sie ihren Vater von der Seite. „Danke, du bist der Beste." Zufrieden machte sie sich daran, eines der Croissants zu essen, dass sie in einer Tüte auf der Küchenzeile gefunden hatte. War er etwa schon beim Bäcker gewesen? Wie lange war er den bitte schon wach?

Nebenher schickte sie Zane eine Nachricht, dass er heute ohne sie fahren konnte. Sofort kam eine beleidigte Antwort zurück und sie schmunzelte. Wenn es nicht Donnerstag wäre, könnte sie wirklich gute Laune haben, und das kam morgens nicht so oft vor.
Eine weitere halbe Stunde später saß sie mit ihrem Vater im Auto und er fuhr los.

„Musik?", fragte er grinsend und sie grinste zurück. „Klar, was fragst du überhaupt?" Als William schließlich das Radio einschaltete, kam gerade der Refrain von ‚Good Grief' und er drehte die Lautstärke auf. Zeréna liebte Bastille. Und nachdem auch William angefangen hatte, wie einer dieser Wackelkopf Dackel im Takt der Musik mit dem Kopf zu nicken, bewegte sie sich auch im Takt der Musik, so gut es der Auto Gurt eben zuließ.

Dafür liebte sie ihren Vater wirklich sehr. Mit ihrer Mutter oder Simon konnte sie so etwas nicht machen. Ihre Mutter hielt sie für überdreht und quirlig und Simon schmunzelte immer nur vor sich hin. Nur ihr Vater tanzte mit.
Und so ging das nun eine halbe Stunde lang, bis sie auf dem Parkplatz der Schule vorfuhren und sich natürlich erstmal alle zu ihnen umdrehten, weil die Musik so laut war. Doch heute störte es sie nicht.

Gut gelaunt gab sie ihrem Vater einen Kuss auf die Wange und stieg mit ihrer Tasche aus dem Auto aus. Kaum hatte sie die Autotür zugeschlagen, hatte sich Cole zu ihr gesellt. „Hey, Zeréna. Guter Musikgeschmack.", sagte er grinsend und ignorierte den forschenden Blick ihres Vaters, der gerade rückwärts ausparkte. Typisch, dachte sie schmunzelnd.

„Ich weiß.", sagte sie nur gut gelaunt und ausnahmsweise hatte sie nichts dagegen, dass er sich einfach zu ihr gesellt hatte. „Du bist irgendwie ungewöhnlich gut gelaunt.", stellte der schwarzhaarige Junge schmunzelnd fest.„Ist das verboten?", fragte sie und lachte, während sie den Weg ins Schulgebäude nebeneinander hergingen.

Sie hatte einfach beschlossen, dass ihr diese Tests sicher nicht ihre Laune vermiesen konnten. Einfach positiv bleiben, dann würde schon alles gut gehen.„Das habe ich nie behauptet.", sagte er amüsiert und da entdeckte sie Zane lässig an der Wand gelehnt und sie winkte ihm fröhlich und eilte ihm entgegen.

„Na Zera? Gute Laune? Bist du jetzt etwa ein Morgenmensch geworden?", fragte er sie schmunzelnd und wuschelte ihr durch die Haare. Warum machte das eigentlich jeder? Hatte mal jemand daran gedacht, wie anstrengend es war, die Knoten wieder raus zu kämmen? Sie hatte Cole schon total vergessen, als sie bemerkte, dass er immer noch neben ihr stand. Vielleicht würden sie jetzt mal Sachen zu dritt unternehmen. Dann waren sie sowas wie eine richtige kleine Clique.

Nachdem sie endlich alle Tests geschrieben hatten, und mit alle meinte sie drei, da ihre Mathelehrerin plötzlich einen Überraschungstest aus der Tasche gezaubert hatte, ließ sie sich seufzend auf eine Bank auf dem Pausenhof fallen.
„Mein Gehirn ist jetzt kollabiert Zane. Es ist unbrauchbar, ich brauche ein neues.", sagte sie gespielt ernst und Zane tat so, als würde er sich Gummihandschuhe anziehen würde. Mit einem Nachdenklichen Blick beugte er sich über sie. „Dann sollten wir am besten direkt mit der Operation beginnen."

„Wer wird operiert?", hörte sie Coles Stimme hinter Zane und er stellte sich sofort wieder aufrecht hin. „Zeréna braucht ein neues Gehirn, ihres ist kollabiert.", sagte er und setzte sich neben sie auf die Bank.

Sie schmunzelte leicht, als sie Zanes Tonfall hörte, denn den hatte er nur, wenn er bei irgendetwas unterbrochen wurde. Sie musste zugeben, dass Cole sie irgendwie auch störte. Zane und sie waren immer zu zweit gewesen und jetzt kam auf einmal Cole und drängte sich dazu. Aber sie wusste gleichzeitig, dass sie ihren besten Freund nicht ewig für sich beanspruchen. Schon gar nicht, wenn er wirklich in sie verliebt war.

„Braucht ihr dafür nicht erst ein Spenderhirn?", fragte Cole die beiden belustigt und setzte sich vor ihnen auf den Boden. Eigentlich war Cole ja ganz lustig, und auch Zane lachte leise. Sicher würde sie noch richtig mit ihm warm werden.

„Bin ich die Einzige, die sich absolut nicht fürs Abi vorbereitet fühlt?" Sie sah mit einem verzweifelten Blick in die Runde und bekam nur belustigtes Schmunzeln zurück. „Super, jetzt fühle ich mich mal wieder richtig intelligent. Wahrscheinlich hat mein Bruder die ganze verfügbare Intelligenz bekommen. Anders kann ich mir das hier nicht erklären."

Zane klopfte ihr aufmunternd auf die Schulter. „Keine Sorge. Wir lernen einfach zusammen. Und sonst zwingen wir einfach Simon, mit uns zu lernen. Sein 1,0er Schnitt muss ja von irgendwo herkommen." Zeréna lachte und nickte.
Cole sah sie neugierig an.

„Dein Bruder hat nen 1,0er Schnitt? Ist ja heftig, ist er schon lange fertig? Ich dachte immer, du hättest nur einen Zwillingsbruder." Zane grinste einfach nur vor sich hin. Er wusste ganz genau, dass Zeréna nie besonders gerne von ihrem Bruder sprach, weil sie sich dann selber ziemlich bescheuert fühlte.

„Simon ist mein Zwillingsbruder. Er hat zwei Klassen übersprungen, die dritte und die siebte. Und jetzt geht er auf ein College für Hochbegabte. Ziemlich cool, stimmt's?" Sie grinste frech und Zane lachte dann. „Seit wann bist du denn so stolz auf deinen Bruder?", fragte er sie immer noch lachend, woraufhin er einen Schlag mit dem Ellbogen in die Rippen bekam. Allerdings lachte er immer noch.

„Ob du's glaubst oder nicht, ich war schon immer stolz auf ihn. Ich fühle mich neben ihm nur jedes Mal etwas zurückgeblieben." Nun lachte auch Cole, während Zeréna einen Schmollmund zog. „Was soll das eigentlich Jungs. Seid ihr hier, um mich auszulachen? Ich kann nichts dafür, ich wurde so geboren!", beschwerte sie sich bei den beiden und verschränkte die Arme vor der Brust. Danach hatten es geklingelt und sie mussten wieder zurück in den Unterricht.

Als die Schule am Nachmittag vorüber war, lief sie gemeinsam mit Zane über den Hof in Richtung der Parkplätze. Der Tag war wirklich furchtbar anstrengend gewesen. Ihrer Meinung nach sollten Wissenschaftliche und Sprachliche Fächer nicht nachmittags unterrichtet werden. Die französische Dokumentation über Algerien hatte sie absolut nicht verstanden. Vermutlich würde sie den ganzen Abend recherchieren müssen, um ihren Informationstext ordentlich schreiben zu können.

Während sie sich noch über Hausaufgaben und ähnliches unterhielten, entdeckte sie plötzlich das Auto ihres Vaters auf dem Parkplatz. „Ich dachte, ich würde Bus fahren. Interessante Wendung des Schicksals.", sagte sie schmunzelnd und umarmte Zane zum Abschied.

„Du hättest auch bei mit mitfahren können.", erwiderte er und zog einen Schmollmund. Er konnte es einfach nicht lassen. „Weißt du, ich vertraue zwar dir aber nicht den anderen. Und wenn wir angefahren werden, hätte ich gerne eine anständige Jacke und einen Helm an. Jungs sollten nicht ständig ihre Helme verleihen.", stellte sie klar und bei dem fragenden Blick ihres besten Freundes winkte sie nur schmunzelnd ab.

„Ist ja auch egal. Ich geh dann mal, wir schreiben."
Sie lief zum Auto, warf ihre Tasche auf den Rücksitz und setzte sich dann neben ihren Vater auf den Beifahrersitz. „Du hast deinen Freizeitwagen genommen.", stellte sie schmunzelnd fest. Mit dem Auto würden sie überall auffallen. Sie spürte förmlich die Blicke der anderen Schüler in ihrem Nacken.

„Klar, ich kann so selten mit diesem Auto fahren, wäre doch schade, wenn er das ganze Jahr über nur in der Garage verstaubt.", sagte er grinsend und startetet den Motor. „Musik?"

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