017

„Hach, das steht mir einfach nicht, Sungie" ich fuhr theatralisch über meinen Oberschenkel, der von einer rissigen Netzstrumpfhose und einem Rock bedeckt war [natürlich schwarz, da alles aus dem Kleiderschrank Jisungs' stammte], während ich noch schauspielreifer seufzte.
„Du-also, du musst es nicht tragen, es ist auch so o" mein Eichhörnchen Freund hatte mein Jammerstück wohl falsch aufgegriffen, denn ich vergrub meine Hand lachend in seinem weichen Haar und zog ihn an mich: „Du Blödmann, ich wollte nur, dass du sagst, dass ich gut aussehe."

Der kleine Junge in meinen Armen lief rot an und ich fühlte mich, als könnte ich ewig mit ihm herumblödeln, was leider wegen der Schule unmöglich war.
Noch kurz hielt ich ihn fest und kitzelte ein Kompliment aus ihm heraus, bevor wir uns, dummerweise ohne Jacken, durch den regnerischen Oktober auf den Schulweg machten. Ich griff kurzerhand nach seinen schmalen Fingern, um sie in meine zu verschränken, was er mit einem verliebten Seitenblick quittierte, der erstaunlich lange anhielt.

Trotzdem tat es mir ein wenig weh, wie Jisungs freudiges Lächeln ihm langsam entglitt, als das große, hässliche Gebäude in Sicht kam, das die Erwachsenen Ort zum Lernen schimpften: Täglich wird in Schulen so ein dämlicher Sçheiß abgezogen, dass es mir fast physisch wehtat. Kinder waren wahnsinnig asoziale Biester, fast so unberechenbar wie Wirbelstürme.
Ich wappnete mich deshalb schon für das Schlimmste, als ich plötzlich sah, wie hoffnungsvoll Ji's großen Augen aufblitzten, als er meine beiden Freunde Felix und Seungmin entdeckte, die in der Mitte des Schulhofes mit durchnässten Karten Uno spielten -

Beide im Rock,
um der Welt zu zeigen,
dass es niemanden einen scheiß Dreck angeht,
wie du aussiehst.

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