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„Deine Haare sehen süß aus, selbst wenn du sie nicht stylst. Ich mag sie besonders, wenn sie etwas verwuschelt sind."
Hyunjin war mit Felix beschäftigt, Chan und Seungmin standen knutschend in einer Ecke (obwohl Seungmin ein Buch vor die beiden hielt sah man alles, ob man wollte oder nicht), und Changbin und Jeongin spielten eine Runde Schach. Das sah ich als meinen Freifahrtschein, leicht durch meine Haare zu fahren, damit sie etwas chaotischer aussahen, bevor ich den Zettel diesmal ohne ihn zu zerknittern in meine Tasche steckte. „Jungs!" ich nahm Seungmin sein Buch aus der Hand, nur um zu beobachten, wie Chan seine Zunge in den Rachen des Jüngeren gerammt hatte, der sich jedoch mit rotem Kopf von ihm löste und sein Buch beleidigt aus meiner Hand riss.
„Ihr auch, Hyunjin und Felix! Langsam wird es unangenehm, wenn ich von lauter Schwulen umgeben bin, die sich gegenseitig ihre Zungen in den Hals stecken, ohne auch nur den kleinsten Würgereiz zu empfinden." Hyunjin zeigte mir einen Mittelfinger, bevor er Felix näher an sich zog um nun ebenfalls sehr gefühlvoll (oder auch nicht) seine Zunge in ihn zu schieben.
Ich verdrehte die Augen und stolzierte aus dem Spindraum, um meinen Worten Ausdruck zu verleihen. Aus dem Augenwinkel sah ich allerdings nur, wie Seungmin Chan wieder an sich zog, und Jeongin und Changbin nun ebenfalls ihre Sachen packten. Schlaue Jungs. Oder auch: Genauso verlassene Jungs wie ich. Durchaus trauerte ich Jungkook zwar nicht (mehr) hinterher, aber ich würde mir wohl bald wohl oder übel einen Ersatz für ihn suchen, um nicht zu gelangweilt zu werden. Schule war grausam. Ich zog aus Reflex den pinken Brief aus meiner Tasche, und wuschelte erneut durch meine Haare, während ich wie ein Verrückter auf das Papier grinste. Obwohl ich so gutaussehend und begehrt war, war das erst der zweite Liebesbrief den ich erhielt.
Als die Klingel erklang, sah ich auf, und stolperte über ein paar Beine von einer Person, die wie betäubt an der Wand lehnte: „Pass doch auf, Mädel. Was hockst du hier rum?"
Gereizt steckte ich den Zettel weg und sah zu der Person runter, die gar kein »Mädel« war, sondern der Typ, der letztes Jahr auf den zweiten Platz des schönsten Mädchen des Jahrgangs gewählt worden war. Zugegebenermaßen waren seine Lederboots, die Strumpfhose und der kurze schwarze Lederrock nicht wirklich mein Fall, aber dafür mobben wollte ich trotzdem nicht. Ob Junge oder Mädchen, nur Idioten machen sich über sowas lustig.
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