࣪ ִֶָ☾. slow waves
࣪ ִֶָ☾. wooyo
,,Danke, Ma.",entkam es mir leise, als meine Mutter das Fenster öffnete und frische Luft hinein ließ. Meine Mutter kam mich direkt besuchen, sobald sie von meiner stationären Aufnahme wusste und ich wieder wach wurde. Ich hatte einen ganzen Tag unter den Medikamenten geschlafen und war nun wieder bei mir. Die Medikamente liefen in Dauerschleife durch diesen Zugang in mir, sodass ich mich wie auf Drogen fühlte, was ja irgendwie auch so war.
,,Unfassbar gerne, mein Liebes. Was hat Hongjoong heute morgen gesagt? Wie geht es weiter?",fragte sie mich besorgt, als sie sich auf den Stuhl wieder hinsetzte, mit dem sie es sich neben meinem Bett bequem machte. Dabei strich sie mir sorgsam durch das Haar, und ich wusste, sie tat dies eher um sich selbst als mich zu beruhigen, weshalb ich sie einfach machen ließ.
,,Medikamente... Sie erwarten noch die Ergebnisse der Blutentnahme.",murmelte ich schwach, denn ich fühlte mich wirklich, als hätte mich ein Traktor überrannt. Ich konnte mich nur erinnern, wie panisch Seonghwa wurde, als er mich nicht mehr eigenständig händeln konnte. Mehr blieb mir nicht im Gedächtnis. Ich hatte auch bereits Tausende von Nachrichten von ihm bekommen, die ich aber nicht beantwortete.
Generell wollte ich zu niemandem Kontakt haben, jetzt, wo mich mein Schicksal wieder auf den Boden der Realität zurückgeholt hatte. Meine Mutter nickte nur sorgvoll, als sie merkte, dass ich nicht sprechen wollte, sodass ich meine Augen wieder schloss und die Müdigkeit auf mich einprasseln ließ. Ich war dankbar, dass ich allein von meinem jetzigen Gefühl keine krassen Schäden spürte.
Ich konnte normal sprechen, war wie immer gehörlos. Außer dem dröhnenden Schädel, dem Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen sowie der Taubheit in meinen Beinen ging es mir okay. Jedenfalls redete ich es mir einfach ein.
Die Tür öffnete sich leise, und ich erwartete, dass Hongjoong hereinkam. Meine Mutter blickte ebenso zur Tür, bis wir beide San sehen konnten, ein kleines Notizbuch unter dem Arm, die andere Hand leicht zitternd an der Türklinke. Ich blinzelte überrascht, denn die dämmerige Müdigkeit wich schlagartig einer seltsamen Wachsamkeit.
San wirkte nervös, beinahe fehl am Platz in seiner Uniform, als er die Tür hinter sich schloss. Sein Blick fiel sofort auf mich, und für einen Moment blieb er stehen, als hätte er den Atem angehalten. Seine dunklen Augen suchten mein Gesicht, als wollte er sicherstellen, dass ich wirklich wach war - dass ich hier war, vor ihm.
,,San?" Meine Stimme klang kratzig, als hätte ich seit Stunden nicht gesprochen. Seine Schultern entspannten sich einwenig, als er hörte, wie ich seinen Namen aussprach, doch seine Hände hielten das Notizbuch immernoch fest, als könnte es ihm Halt geben.
,,Wooyoung.",sagte er schließlich, und ein leichtes Lächeln huschte über sein Gesicht. Es war nicht das breite Grinsen, das ich von ihm kannte, sondern etwas Sanfteres, Verletzlicheres. Somit entkam es mir leise:,,Was machst du hier? Wo ist Hongjoong?",dabei hob ich eine Augenbraue und versuchte, meine Unsicherheit zu verstecken.
,,Nein, ich..." San hielt inne, als müsste er die Worte erst sortieren, bis er sich meine Mutter zuwandte, die das alles still beobachtete und er sich respektvoll verbeugte, als er leise sagte:,,Ich bin Choi San, Krankenpfleger sowie ärztliche Assitenz des Oberarztes für Neurologie und übernehme die Betreuung von heute an. Ich habe Herrn Kim darum gebeten, diese zu übernehmen."
Während meine Mutter nur etwas nickte, legte sich meine Stirn in Falten, und ich fragte ihn direkt:,,Warum?", wobei San kurz zu zögern schien, bevor er näher trat und antwortete:,,Weil ich mich um dich kümmern wollte." Seine Stimme war leise, fast ein Flüstern, und ich bemerkte, wie seine Finger das Notizbuch fester umschlossen.
Ich wusste nicht, wie ich darauf reagieren sollte. Es war, als hätte er etwas gesagt, das viel schwerer wog, als die Worte vermuten ließen. Also wich ich seinem Blick aus und starrte stattdessen auf die Infusion, die langsam in meinen Arm tropfte. Dabei wisperte ich nur kraftlos:,,Du musst das nicht. Ich bin einfach..."
,,Das weiß ich.",unterbrach er mich sanft und setzte sich langsam auf den Stuhl neben meinem Bett, als ihm noch leise entkam:,,Aber ich will es so sehr." Seine Worte hinterließen ein merkwürdiges Gewicht im Raum. Ich konnte spüren, wie meine Mutter uns beobachtete, die Augenbrauen leicht hob, bevor sie sich räusperte:,,Ich gehe kurz raus, um meinen Kaffee zu holen.", und stand auf. ,,Ihr habt sicher einbisschen zu reden."
San drehte den Kopf zu ihr und bedankte sich leise, bevor die Tür hinter ihr ins Schloss fiel. Nun waren wir alleine. Er saß aufrecht, aber ich konnte die Spannung in seinen Schultern sehen. Er wollte etwas sagen, das war offensichtlich. Doch statt zu sprechen, öffnete er schließlich das Notizbuch und reichte es mir.
,,Hier. Ich habe... Ich habe etwas für dich gezeichnet."
,,Du zeichnest?",fragte ich verwirrt und nahm das Buch zögerlich entgegen. Er murmelte leise:,,Nicht wirklich.", wobei er sich nervös durch die Haare fuhr und erklärte:,,Aber ich wollte es versuchen... Für dich, Wooyo..."
Ich schlug die erste Seite auf und starrte auf die Zeichnung. Es war ein einfacher Bleistift-Sketch, eine Meeresszene, mit Wellen, die an einen einsamen Strand schlugen. In der Mitte stand eine kleine Gestalt, die mit dem Rücken zur Perspektive ins Wasser starrte. Es war grob, ungeschickt in manchen Details, aber irgendwie wunderschön in seiner Ehrlichkeit.
,,Das... bist du.",sagte San, und seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. Seine Gestik unsicher. ,,Ich dachte... vielleicht fühlt es sich manchmal so an. Allein, mit dem Meer vor dir."
Ich atmete tief durch, spürte, wie sich ein Knoten in meiner Kehle bildete, als ich ihn fragte:,,Warum hast du das gemacht?" Dabei sah er mich an, seine Augen weich, aber voller Emotionen, die er nicht in Worte fassen konnte. Er antwortete leise:,,Weil ich wollte, dass du weißt, dass du nicht alleine bist. Egal, wie weit du ins Wasser gehst - ich werde so oft für dich hier sein, wie es menschlich nur möglich ist."
Sein Gesichtsausdruck war so ehrlich, so voller Zuneigung, dass ich mich kaum traute, ihn anzusehen. Ich hatte nicht erwartet, dass jemand mich eines Tages so ansehen würde - als wäre ich nicht nur ein Patient, nicht nur jemand mit einer Krankheit, sondern mehr.
Ich spürte, wie sich meine Finger um den Einband des Notizbuches verkrampften. Was sollte ich darauf antworten? Mein Mund öffnete sich, doch die Worte blieben stecken, als hätte die Luft im Raum sich verdichtet. San hatte mir etwas gegeben, das so unverhohlen intim war, dass es mich fast überwältigte.
,,San..." Meine Stimme brach, und ich schloss das Notizbuch vorsichtig, als könnte ich die Bedeutung seiner Geste irgendwie kontrollieren, wenn ich es nicht sah. ,,Du musst das nicht für mich tun."
Er lächelte leicht, aber in seinen Augen lag ein Hauch von Schmerz, als wüsste er, dass ich mich abwehrte - dass ich versuchte, die mittlerweile ganz labilen Mauern zwischen uns aufrechtzuerhalten. Er sagte leise:,,Ich weiß, dass ich nicht muss. Und das ist das Schöne daran. Das Privileg, was ich daran so sehr genieße.", wobei seine Finger nervös die Nähte seiner Uniform berührten.
,,Denn ich will. Ich will, dass du verstehst, dass ich hier bin, egal wie schwer es wird."
,,Choi San.",wiederholte ich seinen Namen, atmete tief durch, versuchte die aufsteigende Beklemmung zu unterdrücken, als ich sagte:,,Ich weiß das zu schätzen, aber das hier... ich... Ich bin nicht jemand, an dem du deine Zeit verschwenden solltest."
Er zog die Stirn kraus, und für einen Moment sah er aus, als hätte ich ihn geschlagen. Leise fragte er mich, seine Stimme rauer, verletzter:,,Verschwenden? Denkst du wirklich, ich würde so fühlen? Wooyoung, ich bin hier, weil ich dich sehen wollte. Nicht, weil ich Mitleid habe oder meine Zeit verschwenden will."
Ich biss mir auf die Unterlippe, wollte etwas erwidern, doch San fuhr fort, seine Stimme wurde weicher, fast flehend:,,Ich weiß, dass es dir schwerfällt, jemanden nah an dich heranzulassen. Aber ich bin nicht hier, um dich zu retten. Ich bin hier, weil ich..." Er hielt inne, als würde er nach den richtigen Worten suchen und wandte schließlich den Blick ab. Eine leichte Röte der Verlegenheit überzog seine Wangen.
,,Weil du was?",fragte ich, meine Stimme schärfer, als ich es beabsichtigte. Denn ich war erschöpft.
Er hob den Kopf, und sein Blick traf meinen. In seinen Augen lag eine Mischung aus Mut und Verletzlichkeit, die mir den Atem raubte, vorallem als er sagte:,,Weil ich dich liebe, Wooyoung. Und weil ich nicht anders kann, als hier zu sein. Ich liebe dich."
Ich wusste, dass er mich liebte. Schließlich sagte er es mir immer wieder, und seine Gesten sowie Blicke sprachen immer für sich. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich ihn nicht lieben würde. Jedoch konnte ich es nicht von mir geben. Ich wollte ihn trotz seiner Hingabe nicht mit meinem Geständnis an mich ketten, weshalb ich nichts sagte. Eine lange Stille, die zwischen uns herrschte, die sowohl angespannt als auch von unausgesprochenen Gefühlen meinerseits erfüllt war.
Ich wandte mich schließlich ab, sah aus dem Fenster und versuchte, meine Gefühle zu sortieren. ,,Du bist unmöglich...",murmelte ich schließlich, halb scherzend, halb ernst. San lachte leise. Ein gebrochenes, fast trauriges Geräusch, so, wie er mich anblickte.
,,Für dich kann ich alles sein.",gab er zu, stand dann aber auf und ging zur Infusion, um die Einstellungen zu überprüfen. Er lenkte sich mit seiner Arbeit ab, während ich sah, wie sehr er versuchte, mir die Distanz zu geben, die ich zwischen uns verursachte und ihm vorspielte zu brauchen. Doch jedes Mal, wenn er sich bewegte, merkte ich, wie sehr ich seine Nähe tatsächlich wollte - auch wenn ich es mir nicht ganz gestehen wollte.
Ich sah, wie er sich von mir verabschieden wollte, nachdem er die Medikamente aus meiner Akte ausgetragen hatte, doch bevor er gehen konnte, legte ich meine Hand auf seinen Arm. Es war eine kleine, fast unmerkliche Geste, aber sie hielt ihn auf. Er schaute mich geduldig an, während ich ihn getroffen von seiner Warmherzigkeit, Geduld und Empathie mit mir anblickte.
Ich zog ihn wortlos in meine Arme runter, verursachte, dass er sich an den Bettrand zu mir setzte, als er seine Arme zögerlos um mich legte, genauso fest wie ich sie um ihn legte. Ich schlung meine Arme so fest ich konnte um seinen Körper, drückte ihn an mich, mit der minimalen Kraft, die ich besaß und spürte, die Tränen in meinen Augen hochkommen.
,,Ich liebe dich so... so... sehr... Woo...",hauchte er mir leise an meinen Hals, als er seine Hand an meinen Haarschopf ablegte und mir meine Halsbeuge ganz achtsam küsste. Ich spürte, wie mir die Tränen über die Wangen kullerten und ich leise in seine Schulter murmelte:,,Ich dich auch, j-ja? Ich liebe dich auch..."
Ich nahm wahr, wie sich seine Griffe um meinen Körper verstärkten und ich tief einatmen musste, um nicht an meinen Tränen zu ersticken. Aber gemeinsam mit ihm hier zu sitzen und zu wissen, dass er da war, war alles, was ich gerade wollte, wünschte und ersehnte. Und ich konnte nicht anders, als mich in diesem Moment seiner Zuneigung vollkommen hinzugeben.
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࣪ ִֶָ☾. Mit Geduld, Zeit und Empathie kommt es zum Vertrauen... :)
Ich hoffe, du bist gut in die neue Woche gestartet. Meine Prüfungen kommen immer näher, und die Angst schnürt sich mit jedem vergehenden Tag um meinen Hals haha... :')
-࣪ ִֶָ☾. Deine Eleja
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