Sarah
Wir gelangten zu fünft zu der Stelle, wo Sarah's in der Luft schwebte, oder zumindest, wo wir sie gesehen hatten.
Allerdings war sie nicht da.
»Na toll! Sie is nicht hier. Und jetzt?«, seufzte ich.
Es lag überall matschiger Schnee herum und es war recht kühl.
»Geister bleiben nicht immer am gleichem Ort... sie ist immerhin auch nicht direkt hier an dieser Stelle gestorben, vermute ich, oder?«, meinte Anja und zog eine nachdenkliche Miene.
»Nein, woher...? Ach ich will's wahrscheinlich nicht wissen. Aber da frage ich mich jetzt gerade etwas... Ihr habt ja mal erwähnt, dass ihr vermutet, dass die Hunter einen Geist beschwören wollen, und ihr das glaubt, da eure Kontakte auch schon sagen, dass die sich etwas vorbereiten, können wir diese Kontakte kennenlernen? Und was für einen Geist wird die Sekte vielleicht beschwören? Und wie kommt ihr überhaupt darauf?«, fragte Jace.
»Daran erinnert ihr euch?«, fragte Clara überrascht und Jace und ich nickten.
»Das ist gut... und ja, ein paar dieser Kontakte werdet ihr kennenlernen, ein paar schon bald. Und wir wissen, dass Geisterbeschwörung möglich ist; ob durch Erinnerungen oder etwas was man schwarze Magie nennen würde. Außerdem deutet alles darauf hin, dass sie vielleicht eher den Geist eines Dämons beschwören wollen -Abbadon, den Engel des Abgrunds.«, sagte Cora.
»Abbadon?!«, hakte ich nach und als die drei nickten sagte ich lachend: »Hab mal ein Referat in Reli über ihn gehalten und wurde für ein paar Tage lang als Ketzerin bezeichnet -von unserem Reli-Lehrer!«
Jace, Clara, Anja und Cora fingen an zu lachen, doch Jace hörte auf einmal auf zu lachen, weshalb alle verwundert verstummten.
Er bedeutete uns leise zu sein und deutete auf etwas hinter mir -ich stand mit dem Rücken zu der Schulwand mit dem wunderschönem, halb überstrichenem Totenkopf.
Langsam drehte ich mich um und sah in dem schwachen Licht einer Straßenlampe, die neben uns stand, das mir immer verhasste Mädchen, nur diesmal halt wieder als Geist.
»Weißt du was ich mich gerade frage? Wieso hatten eigentlich am Tag nach dem Mord schon wieder Schule, trotz Spurensicherung?«, fragte Jace und ich schüttelte nur den Kopf, da ich immer noch auf die Gestalt starrte, die man kaum sehen konnte.
Clara, Cora und Anja meinten leise, sie könnten nichts sehen.
»Sarah!«, flüsterte ich.
Der Geist kam angeschwebt und fragte barsch, aber mit leiser Stimme: »Was wollt ihr!? Niemand sonst kann mich sehen... Also?«
Ihre Stimme hatte immer noch einen arroganten Ton.
»Dich fragen wie es dir geht, schon mal nicht!«
Diesen Satz konnte ich mir einfach nicht verkneifen. Jace sah mich allerdings leicht vorwurfsvoll an, aber Sarah lachte auf.
»Das war mir auch klar! So viel Anstand hast du ja nicht, oder, Lucy?«, meinte sie und lachte hysterisch, fing dann aber auf einmal an zu weinen.
»Weist du überhaupt, wie es ist? Wie es ist tot zu sein, und das Gelände in dem du ermordet wurdest nicht verlassen kannst?«, brauste sie dann auf und schoss auf mich zu; durch mich durch.
Es war ein Gefühl, als würde ich durch kalte Spiennenweben fallen und die Kälte von mir Besitz greifen.
Ich bekam Gänsehaut und Cora meinte: »Ich glaube ich kann sie hören und fühlen! Brrr...«
Ich lachte, doch es fröstelte mich immer noch.
»Also was wollt ihr mich fragen?«, fragte Sarah, die jetzt wieder vor mir schwebte.
»Weißt du wer dich umgebracht hat?«, fragte Jace nach kurzem Zögern.
»Leute mit Kapuzen.«, antwortete Sarah knapp.
Cora, die Sarah anscheinend hören konnte, fragte Zähneklappernd: »Die Kapuzen -hatten die etwas darauf und waren sie spitz?«
»Ja. Es war ein Totenkopf darauf.«
Die Atmosphäre um uns wurde merklich kühler.
»Sonst noch etwas?«, fragte Sarah schlecht gelaunt und ich schüttelte den Kopf.
Jace sagte jedoch: »Ja, eines noch; wieso bist du noch hier?«
Sarah's Geist fing an zu zittern und es kam nur ein Schulterzucken, dann winkte sie zum Abschied und verschwand im Gebäude.
»Okay, das wäre jetzt geklärt!«, seufzte ich erleichtert und bemerkte, dass die Temperatur mindestens um zehn Grad abgenommen hatte und ich fing an zu zittern.
Ich hatte immer noch mein Kleid an, die anderen Sachen trug ich in einer Tasche bei mir.
Den Schmuck hatte ich bis auf den Armreif abgenommen.
»Ist dir kalt?«, fragte Jace.
Ich seufzte, nickte aber dann.
Er kramte in seiner Tasche -in der waren seine Sachen drin- und gab mir dann eine Jacke.
»Danke.«, sagte ich und nahm die Jacke an.
»Das ist wahre Liebe!«, rief Anja und lachte sich über meine Miene Schrott, die ich zog.
Dann schwiegen wir und die Zeit verging.
Es war zehn vor eins und Cora fragte unvermittelt: »Ihr habt ja gesagt, dass ihr übermorgen, besser gesagt morgen, heute ist ja schon Samstag, zu uns kommen wollt, um zu üben, aber Jace übernachtet ja schon 2 Tage bei dir und soll dann so tun, als würde er dich abholen? Macht auf jeden Fall so Sinn!«
Es dauerte mindestens eine halbe Minute, bis ich ihr folgen konnte, aber dann schlug ich mir an die Stirn.
»Stimmt ich bin ja so blöd! Mist... mhm... Coraaaa?«, fragte ich dann und zog das a extra lang.
»Ohje, was kommt jetzt?«, fragte Cora und ein Lächeln legte sich auf ihre Lippen.
»Du könntest seine Tante spielen.«, antwortete ich mit zuckersüßem Lächeln.
Jace wollte protestieren, doch Cora grinste und nahm ihn in den Schwitzkasten.
»Ich wollte eh schon immer einen Neffen haben!«, meinte sie und Clara und Anja fingen an zu lachen.
»Sei mal froh, dass du wenigstens uns hast!«, meinte Clara, halb scherzend halb ernst.
Jace -der sich aus Cora's Griff befreit hatte- wollte etwas sagen, doch dann kam ein Auto auf den Parkplatz gefahren, der nicht weit weg war.
»Das ist meine Mum! Wir müssen gehen, Cora, komm mal mit. Jace, -sie ist jetzt deine Tante, also spiel mit. Cora, meine Mutter ist übermorgen ab vier Uhr Mittags nicht mehr da, sag du holst uns also gegen fünf ab.«, wies ich an und zog die beiden mit.
Die beiden seufzten und ich lies sie los, nachdem sie mir beide versicherten, sie könnten selber laufen, -mal lieber vorsichtig sein und nichts riskieren!
Wir kamen bei meiner Mutter an, welche mich sofort fragend anschaute.
»Hi Mum, das hier ist Jace' Tante Corinna, sie wird uns am Sonntag zu ihm fahren, okay?«, sagte ich sofort.
»Ehm... okay, freut mich! Ich könnte die Kinder natürlich auch fahren, sie müssen sich keine Umstände machen.«, antwortete meine Mutter leicht überrascht.
»Ebenso erfreut, aber keine Sorge, das passt schon. Ich fahre sowieso vorbei, also bereitet es mir keine Umstände. Ich würde die beiden dann so gegen fünf abholen.«, antwortete Cora und lächelte.
»Dann ist ja gut! Aber sag mal, als was arbeitest du denn?«, fragte meine Mutter und ich zuckte zusammen, wobei mir aber auch auffiel, dass sie Cora schon duzte.
»Als... ähm...-«, fing sie an und Jace sagte schnell: »Als Lehrerin, genau wie ihre Schwester, also meine Mutter.«
»Aha, das ist ja toll!«, sagte meine Mutter begeistert und redete noch kurz mit Cora, ehe sie dann nach der Verabschiedung losfuhr.
Während der Autofahrt war es ruhig, bis auf einmal mein Handy vibrierte.
Ich guckte und eine fremden Nummer zeigte eine Nachricht an -also eigentlich waren ursprünglich eh nur drei eingespeichert, jetzt vier und ich konnte mir schon denken wer es war.
Das mit Corinna wird dir noch leid tun. Außerdem hasse ich es, wenn ich mich als jemand ausgeben muss, der ich überhaupt nicht bin!
Ich musste grinsen und zeigte Jace die Nachricht, der allerdings zu müde war um wirklich etwas mitzubekommen.
Wir kamen nach ein paar Minuten am Haus an und ich war schon fast eingeschlafen, als ich ausstieg.
Jace dagegen war wieder wach und sagte: »Muss ich dich erst ins Bett tragen, oder stehst du alleine auf?«
Sofort sprang ich auf, fiel hin und sagte gleichzeitig: »Nicht nötig!«
Ich stand auf und meine Mutter scherzte mit müder Stimme: »Wolltest du den Boden küssen?«
Ich nickte und guckte kurz, dass dem Kleid kein Loch hatte.
Danach gingen wir ins Haus und zogen uns um und gingen ins Bett.
Das allerdings auch erst so gegen 2 Uhr.
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