Die Beerdigung

(Lucy's Sicht)

Es war Mittwoch, 3 Uhr Mittags, der Tag der Beerdigung meiner Tante Felice.

Das Wetter war schlecht und passte zur Trauerstimmung; es nieselte, die dunkle Wolken im Himmel verdeckten die Sonne und der weiße Schnee war matschig.

Wir standen in der Friedhofskapelle, wo der Trauerredner gerade seine Rede hielt. Es war der Mann von meiner Tante, Rolf.

»...und Felice war eine wundervolle Schwester, Tochter und Mutter, eine fantastische Gemahlin, aber vor allem war sie eine schwungvolle, bemerkenswerte Freundin, von allen hier von uns. Immer hatte sie ein Lächeln im Gesicht, und auch jetzt, wo sie schon im Sarge liegt, sollten wir dieses Lächeln in Erinnerung bewahren, da sie nun leider nicht mehr unter uns weilt...«, der Trauerredner redete noch ein paar Minuten unermüdlich weiter.

Nachdem er etwa ingesamt 13 Minuten geredet hatte, sprach er die letzten Sätze: »Hiermit will ich allen, die in dieser Stunde hier sind, mein herzliches Beileid aussprechen. Für jeden von uns hier, ist es sicherlich schwer Abschied zu nehmen, auch für mich, als ihr Ehemann. Dennoch müssen wir nun Abschied nehmen...«

Er sagte ein paar Worte auf Latein, und soweit ich es verstand und übersetzen konnte, sagte er: Lebe wohl, geliebte Freundin, Schwester, Tochter, Mutter und Frau!

Dann war die Rede zu Ende und der Trauerzug trat aus der Kapelle und ich konnte aufatmen.

Es war ziemlich stickig gewesen und es war wenig Platz. Außerdem mochte ich keine Beerdigungen.

Die Beerdigung meiner Familie war genug für mich damals gewesen.

Die Sargträger trugen den mit Rosen geschmückten Sarg vor uns her und viele Leute weinten.

Der Sarg selber war hell und die Rosen waren schön angeordnet.

(Bild vom Sarg, wo dieser noch in der Kapelle war)

Die Rosen passten farblich gut zusammen; gelb, weiß, rosa, dunkelrot und manche waren auch pink.

Ich schielte zu meiner Mutter hinüber und spielte mit dem Blumenstrauß in meinen Händen, den ich gleich ins Grab werfen sollte.

Tränen liefen über ihre Wangen und ihre Augenlieder waren rot und geschwollen.

Ich schwieg, da mir keine Worte einfielen, die sie getröstet hätten.

Dafür drückte ich ihr einfach kurz die Hand, woraufhin sie mir ein Lächeln schenkte.

Mal wieder bemerkte ich, dass eine einfache Geste mehr ausdrücken konnte, als 1000 Wörter es könnten.

Ich selbst beherrschte mich zu weinen, immerhin musste ich meine ohnehin schon bröckelnde Maske, wenigsten noch ein bisschen aufrecht aufrecht halten.

Natürlich war ich irgendwie traurig über den Tod meiner Tante, auch wenn ich sie nicht sonderlich gut gekannt hatte, aber trotzdem...

Wir gelangten zum offenem Grab und der Sarg wurde vorsichtig hineingelassen.

»Sie können nun die Blumen hineinwerfen und eine Schaufel Erde hinauftun.«, sagte der Pfarrer und eine lange Schlange bildete sich.

Ella, Will und ich waren nach Rolf und seinen Töchtern Kim und Katy an der Reihe.

Meine Eltern warfen ihre Blumensträuße zuerst rein und sagten ein Abschiedsgebet auf, dann warf ich den meinigen rein.

Im Vergleich zu den anderen Sträußen, bestand meiner aus blauen und weißen, sowie einer rosa-farbenen, statt dem schlichten rot.  

Ich sagte auch ein Abschiedszitat auf, packte die Schaufel und schippte ein bisschen Erde auf den Sarg. Dann entfernte ich mich vom Grab und ging zu meinen Eltern. 

Diese standen bei Rolf ein bisschen abseits und unterhielten sich leise.

Als ich zu ihnen stoß, verstummten sie allerdings augenblicklich und ich runzelte die Stirn.

»Was ist denn so geheim, dass ihr aufhört zu reden, wenn ich komme?«, fragte ich misstrauisch, doch ich bekam keine Antwort.

Schulterzuckend setzte ich mich auf eine Bank und wartete, bis alle Leute mit dem Blumenstrauß und Erde reinwerfen waren und es zu einem Restaurant in der nähe ging.

Dort gab es einen Leichenschmaus für die Verwandten.

Als es Essen gab, konnte man deutlich sehen -und hinterher auch schmecken-, dass hier sehr aufs Aussehen geachtet wurde.

Schmecken tat es auch gut.

Zu dem Salat gab es entweder Schweinelende in edler Weinsoße mit Kartoffel, Fisch mit Gemüse und irgendeiner komischen Soße oder Hase mit Spätzle -komische Nudeln, keine Spatzen- und einer Senfsoße.

Ich nahm das letztere. Ich mochte Hase halt am liebsten.

Nach dem Hauptgang gab es noch einen Nachtisch. Man konnte wählen, zwischen Eis, verschiedenen Puddingsorten und Waldfrüchte-Joguhrt.

Ich nahm einen Schokoladenpudding. 

Es wurde während des Essen viel geredet, meistens über Felice, und ihren Tod.

»...auch immer so etwas schreckliches tut, ist definitiv verrückt! Man müsste diese Leute zur Rechenschaft ziehen.«, beschwerte sich Katy wütend.

Ich zuckte zusammen, als ich das hörte, denn ich musste sofort an die Hunter denken und an die Leiche.

Die geheime Organisation war wirklich verrückt und dann war dieses verlockende Angebot von Clara, Cora und Anja.

Ich überlegte eine Weile, ob ich das Angebot annehmen würde. Sicherlich dachte auch Jace darüber nach.

Ich seufzte und meine Mutter blickte mich fragend an.

»Alles okay mit dir, Schatz?«, fragte sie besorgt.

»Ja, mir ist einfach nur langweilig.«, sagte ich und lächelte leicht gequält.

Rosie nickte verstehend und wollte gerade etwas sagen, als der Fernseher, der hinter uns die ganze Zeit leise Musik abgespielt hatte, rauschend abbrach.

Ich drehte mich erschrocken um und runzelte die Stirn.

Kurz darauf wurde das Bild schwarz, dann blau und dann kam der Nachrichtensender.

»Achtung, Achtung, eine Sondermeldung ist soeben eingetroffen. Im Tanji-Wald wurde gestern Abend die Leiche des 26-jährigen Jens gefunden, der seit einigen Wochen als vermisst gilt. Einige Messerstiche in den Rücken brachten ihn um. Die Polizei ermittelt weiterhin nach dem Täter, und es ist nun klar, dass die letzten zwei Morde auf ähnliche Weise ausgeübt worden waren, wie dieser. Das Motiv des Täters oder der Täter ist noch nicht bekannt. Über Hinweise wäre die Polizei dankbar...«, der Nachrichtensprecher redete weiter, doch ich hörte gar nicht mehr zu.

Sie sprachen von der Leiche, die vor dem Baumhaus lag, die Jace und ich gesehen hatten.

»Tanji-Wald... das ist der Wald in dem wir wohnen.«, meinte mein Vater entsetzt.

Meine Mutter war auch nicht erfreut darüber, nein, ganz im Gegenteil.

»Ich glaube wir sollten jetzt gehen.«, meinte sie und wir verabschiedeten uns schnell.

Wir eilten zum Auto und meine Mutter fuhr los. Es war ein Wunder, dass sie genau wusste, wo Blitzer waren, sonst wären wir bestimmt dreimal geblitzt worden, mit 30 Kmh zu viel.

Letztendlich war es sogar so schlimm in den Kurven, dass ich Jace eine Nachricht schickte -ich hatte seine Nummer, keine Ahnung wieso.

Ich schrieb: 'Hi Jace, falls ich morgen nicht in die Schule kommen sollte, dann ist meine Mutter schuld, sie fährt wie eine Verrückte, -ich nehme an, du hast die Nachrichten gesehen?'

Seine Nachricht kam kurz darauf: 'So schlimm? Viel Glück! Ja, habe die Nachrichten gesehen. Wieso dann die Eile, wenn ihr doch eigentlich auf einer Beerdigung wart?'

'Ja, so schlimm, keine Ahnung, wieso wir so rasen, aber ich will meine Mutter auch lieber nicht ablenken...', gab ich Antwort.

Daraufhin kam nur ein Smiley-Text.

Kopfschüttelnd lehnte ich mich in den Sitz und versuchte mich den Rest der Fahrt zu entspannen, was mir aber nicht so richtig gelang.

Zuhause angekommen, -es war nun 17: Ur- ging ich sofort in mein Zimmer und lenkte mich mit lesen ab.

Ich wollte nicht an die Toten denken und daran, was mir bevorstand und auch Jace und den anderen.

Das mit dem Ablenken von den Toden wollte mir nicht gelingen, also legte ich mich irgendwann einfach hin und schlief nach einiger Zeit auch ein.

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So, ich hoffe, euch hat das Kapitel gefallen.^^

Es werden wahrscheinlich in nächster Zeit etwas kürzere Kapitel kommen, denn mit diesem hier hatte ich schon zu kämpfen. Immerhin musste ich die ganzen Informationen raussuchen, wie eine Beerdigung abläuft und so... -.-'

Das war nicht sehr leicht! Aber naja...^^




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