glauben oder nicht glauben

Als ich vorhin nach meiner bestandenen Führerscheinprüfung - ja, ich muss das jetzt der ganzen Welt erzählen, weil ich mich so sehr darüber freue – mit meiner Oma telefoniert habe, hat sie zu mir gesagt:

„Ich habe heute Morgen eine Kerze für dich angezündet und an dich gedacht. Und da wusste ich auf einmal, dass du es schaffst. Die Rika hat bis jetzt alles geschafft, da schafft sie das auch noch.“

Süß, oder? Diesen Satz werde ich wohl nie wieder vergessen, weil es mich total glücklich gemacht hat, dass sie mich so sieht.

Und auch meine Freunde haben gesagt, ich solle mich nicht verrückt machen, ich kriege das schon hin. Sie alle haben an mich geglaubt, als ich es (wieder einmal) nicht tat.

Oft ist es ja anstrengend, wenn alle möglichen Menschen kommen und einem sagen, man schafft das schon, und man selbst sich aber kein bisschen so fühlt, als täte man das tatsächlich. Doch heute empfand ich es als wirklichen Trost.

Zu wissen, dass da welche sind, die an mich glauben und mir die Daumen drücken. Eine Kerze für mich anzünden oder ein Gebet sprechen.

Dieses Wissen hat mich unheimlich beruhigt, auch wenn die Schmetterlinge in meinem Bauch trotzdem nicht weniger geflattert haben.


Wir alle wären doch so viel weniger ohne die Menschen, die an uns glauben.

Die immer nur das Gute in uns sehen, auch wenn wir ihnen die finstersten Seiten zeigen. Die nichts davon hören wollen, wie schlecht wir sind, weil sie genau wissen, dass wir es nicht sind. Das sind doch die besten Menschen.

Und für manche ist Gott so eine Person.

Jemand, der Dich in die Arme schließt und für Dich da ist.

Jemand, zu dem Du kommen kannst, wenn Du Dich einsam fühlst, und der immer ein offenes Ohr für Dich hat.

Und für andere ist Gott wiederum ein Rächer, der darüber urteilt, was Du gut und was Du schlecht gemacht hast.

Und für dritte ist Gott einfach nicht da. Nicht existent, nicht vorhanden. Gibt es eben nicht.

Ich persönliche finde, Gott ist ein sehr schwieriges Thema. Nicht nur, weil wirklich jeder seine eigene Vorstellung von ihm hat, sondern auch, weil ich selbst noch nicht so herausgefunden habe, was genau denn meine Vorstellung von Gott eigentlich ist.

Würde ich mich oberflächlich betrachten, müsste ich mich wohl als einen Pseudo-Christ bezeichnen. Ich denke dann an Gott, wenn es mir nicht gut geht oder ich besonders viel Angst habe. Oder sehr nervös bin, so wie heute Morgen, als ich mir auch nur dachte: „Bitte Gott, lass mich diese Prüfung bestehen.“

Das klingt vielleicht kleinlich, aber ich finde, in manchen Momenten hat es durchaus etwas Tröstendes. Wenn alles Menschliche nicht mehr ausreicht, wendet man sich doch gerne an eine höhere Macht, oder? Mir zumindest geht es so.

Somit glaube ich schon, dass da draußen irgendetwas ist, das größer ist als wir.

Größer ist als alles.

Ob dieses Etwas jetzt Gott, Allah, JHWH oder einfach nur eine große, weiße Wolke ist, ist mir eigentlich relativ egal. Es ist da und es lässt mich besser fühlen, wenn ich glaube, ich wäre nicht alleine auf diesem Planeten.

Meiner Meinung nach sind Gott, Allah und JHWH auch alle ein und dieselbe Person. Das ist wohl das Einzige, bei dem ich mir im Thema Glaube wirklich sicher bin. Neben der Überzeugung, dass Gott ein absolut liebevoller Gott ist und keineswegs ein Richter. Aber darüber kann man sich streiten, während ich die Gleichheit Gottes, Allahs und JHWHs ziemlich eindeutig finde.

Macht doch Sinn, oder? Die drei monotheistischen Weltreligionen glauben jeweils an ihren eigenen Gott, der identische Eigenschaften mit dem der jeweils anderen Konfession aufzeigt. Deswegen habe ich auch noch nie verstanden, wieso eine Religion unbedingt die einzig wahre sein muss.

Soll doch jeder auf die Weise glauben, wie er glauben will. Im Endeffekt glauben wir ja alle doch an denselben Gott.

Und die, die nicht glauben, glauben dafür eben an irgendetwas anderes. Vielleicht an Schicksal oder Logik oder Gänseblümchen-Zählen oder was auch immer.

Solange es ihnen damit gut geht, ist doch alles okay.

Ich muss auch niemanden davon überzeugen, dass es Gott gibt oder eben nicht. Es gibt keine Beweise für und keine gegen die Existenz und einen Atheisten vom Glauben überzeugen zu wollen sowie einen Gläubigen von der Nicht-Existenz Gottes, ist wohl ziemliche Zeitverschwendung.


Für mich steht jedenfalls fest: ich hoffe gerne ab und zu auf Gottes Mithilfe und Unterstützung. Und ich glaube, dass da etwas ist, das zu groß ist, als dass wir es erfassen könnten.

Irgendetwas in diesem Universum, das uns alle zusammenhält.

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