Prolog
Ich spüre die Äste unter meinen Pfoten knacken. Ich höre das Räuschen der Blätter um mich herum und die Vögel, die fröhlich ihr Lied zwitschern. Ich atme den Duft des Waldes ein und spüre, wie der Wind mein Fell zerzaust. Trotz der eher winterlichen Temperaturen friere ich nicht, während der Wald an mir vorbeisaust. Manche Menschen träumen davon zu fliegen, manche davon in den Tiefen des Meeres zu leben. Doch keins davon reizt mich. Für mich bedeutet Freiheit, na ja frei sein. Den Wind im Fell spüren und sich keine Sorgen über das Morgen machen oder über das Gestern. In solchen Moment fühle ich mich frei, wahrhaftig frei. Als mein Blick zur Seite schweift, kann ich durch die Bäume eine braune Wölfin erkennen. Danach richte ich meinen Blick auf meine andere Seite, wo ein schwarzer Wolf rennt. Als er meinen Blick bemerkt, verzieht er sein Gesicht, was wahrscheinlich ein Lächeln darstellen soll. Nur mit Mühe kann ich ein Kichern unterdrücken und wende meinen Blick wieder nach vorne. Irgendwann erreichen wir schließlich auch mal den Waldrand und ich werde langsamer. Nur ein paar Meter weiter vor uns liegt ein kleines Dorf mit einem Fischerhafen. Als die Menschen uns bemerken, machen sie Platz und mustern uns ehrfürchtig. Selbst, wenn sie an diesen Anblick gewöhnt sind, so kommt es doch nicht jeden Tag vor, dass ich hier bin. Schließlich betreten wir eine kleine Hütte, die man von innen als Kleidungsgeschäft erkennen kann. Eilig laufe ich in eine der Umkleidekabinen, wo auch schon frische Kleidung für mich liegt. Nachdem ich mich zurückverwandelt habe, ziehe ich diese schnell an und verlasse die Kabine wieder. Nachdem ich ein paar Sekunden in dem kleinen Raum gewartet habe, öffnen sich schließlich auch die Vorhänge der anderen zwei Kabinen. Aus der einen tritt eine Frau, die ihre braunen Haare noch eben schnell zu einem Zopf zusammen bindet, während der Mann sich nur kurz durch seine schwarzen Haare streicht. „Es ist soweit", sage ich an die beiden gerichtet, bevor wir die Hütte wieder verlassen und mit zielstrebigen Schritten gehen wir auf den kleinen Hafen zu. Dort werden wir schon von einer kleiner Gruppe erwartet. Nachdem ich jeden begrüßt habe, fällt mein Blick auf ein kleines Fischerboot, das hier liegt. „Und bist du bereit?", fragt mich ein Junge grinsend. „Auf jeden Fall. Schließlich muss ich dich nicht mehr ertragen. Zumindest für eine sehr, sehr lange Zeit", erwidere ich und sofort verschwindet das Grinsen aus seinem Gesicht. „Ich bin mir sicher, dass du es schaffen wirst", macht mir ein Mann Mut. Wir quatschen noch ein bisschen und schließlich fange ich an, mich von ein paar Leuten zu verabschieden. Nach kurzer Zeit legt das Boot auch ab und ich winke meinen Freunden noch zum Abschied zu. Danach beobachte ich nur, wie sich meine Heimat Stück für Stück weiter entfernt. Erst so langsam wird mir klar, was das hier für mich alles bedeutet. Es bedeutet ein komplett neues Leben. Eine Veränderung, die sich auf viel mehr Menschen auswirkt, als sich ahnen lässt. Doch ich kann nicht immer in der Vergangenheit leben. Irgendwann werde ich meine Angst besiegen müssen und nach vorne schauen. Und irgendwo da draußen ist er. „Komm rein. Bis zur Insel dauert es noch ein bisschen und hier draußen wird es kalt", informiert mich eine Person hinter mir. Ich nicke einfach nur geistesabwesend und nach ein paar Sekunden folge ich dem Mann ins Innere des Bootes. „Ich hasse Seeüberquerungen. Bin ich froh, wenn wir im Flugzeug sitzen", begrüßt uns dort die braunhaarige Frau. Doch ich gehe nicht darauf ein, sondern setze mich einfach nur hin. „Keine Sorge, alles wird gut", versucht der Junge neben mir, das letzte Mitglied unserer kleinen Expeditionstruppe, mich aufzumuntern. Doch ich nicke einfach nur, wobei ich hoffe, dass er Recht hat.
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