Dirnen
Lyla
Am nächsten Morgen brachen wir früh auf, um unseren Plan, den wir die ganze Nacht ausgearbeitet hatten, in die Tat umzusetzen.
Wir hatten kaum ein Auge zu gemacht, weshalb ich noch sehr erschöpft war. Doch darauf konnten wir keine Rücksicht nehmen. Ich war schwanger und es war eine wundervolle Nachricht in diesen Zeiten, aber auch sehr gefährlich. Zora, Jason und Amalia hatten lange mit mir diskutiert, dass ich lieber wieder nach Bredinia zurückkehren sollte, um mich und mein ungeborenes Kind zu schützen. Aber ich hatte sie davon überzeugen können, dass es noch viel zu früh war, um sich Sorgen zu machen.
Und dem war auch so. Ich konnte erst ein paar Wochen schwanger sein. Zudem sah man es mir noch nicht an, also würde es auch niemand jemals bemerken.
Unser Plan sah wie folgt aus: Meine Hofdamen und die restlichen jungen Frauen - mich eingeschlossen - würden sich heute Nacht als Dirnen ausgeben und in einem Bordell ein wenig tanzen und die Männer bezirzen. Denn wenn alles nach Plan verlief, würden Cornway und seine Männer gegen Mitternacht dort eintreffen.
Diese äußerst wichtige Information hatten wir von einem Spion am Hofe von Cornway übermittelt bekommen und uns von Bediensteten des Hauses bestätigen lassen. Es waren Männer, die sich sehr gern mit fremden hübschen Frauen verlustierten. So war uns zu Ohren gekommen, dass sie jede Woche zur selben Zeit am selben Ort eintrafen.
Die Madame, die das Bordell führte, hatten wir mit einer hohen Geldsumme bestochen, dass sie uns nicht verraten würde und ihre Mädchen gegen unsere ersetzte - natürlich nur für diese eine Nacht und keiner meiner Leute musste sich einem Mann wirklich hingeben. Sie sollten sie nur ablenken, dass ich mir Cornway vornehmen konnte.
Ich hoffte natürlich er würde braunhaarige Frauen bevorzugen- und auch, wenn er es nicht tat - würde ich ihn wohl oder übel von mir überzeugen. Dafür musste ich nur alles ablegen, was mir etwas bedeutete. Ich durfte weder an mein Kind denken, noch an meine Familie, an mein Land oder an Matthew. Ich würde eine Dirne sein und sollte an Sex und Geld interessiert sein - mehr nicht!
Nach einem langen Ritt, machten wir Rast in Letha, der Hauptstadt von Zumalia. Dort würden wir unsere Pferde auf einer verlassenen Farm unterbringen und zu Fuß weiter gehen. Schließlich waren wir so unauffälliger und passten uns den Gegebenheiten besser an.
Unsere Waffen mussten wir ebenfalls zurücklassen, nur Dolche, zweckentfremdende Haarnadeln und kleine Messer, die man leicht unter einem Kleid oder in einem Schuh verstecken konnte, behielten wir bei uns. So war es sicherer für uns.
Als ich Mystery das letzte Mal über den Hals strich sagte ich leise:" Ich komme wieder, versprochen" Dann sah ich dem Pferd noch einmal tief in seine wunderschönen braunen Augen, die mich freundlich musterten. Dann küsste ich seine Stirn und verließ ihn schweren Herzens.
Gina und Violett schlossen derweilen zu mir auf, während wir uns auf den Weg in die Stadt und dort zum Bordell "Bonne Nuit" machten.
"Lyla", keuchte Gina außer Atem und hakte sich bei mir unter. "Wir haben da etwas mitbekommen", kam es von Violett, die sich ebenfalls bei mir unterhakte. Ich verdrehte schmunzelnd die Augen. Die zwei waren wie Pech und Schwefel, wie Feuer und Wasser und wie Himmel und Erde.
Zwei unterschiedliche Frauen, die beinahe nichts gemeinsam hatten, außer ihre unzertrennliche Freundschaft. Zudem waren sie beide unerträgliche Tratschtanten, dass ich manchmal vergaß, aus welchen Grund sie uns überhaupt begleiteten - die perfekte Tarnung. Niemand würde darauf kommen, dass die beiden in Wirklichkeit Kriegerinnen waren.
"Ist es wahr, dass du ein Kind erwartest?", fragte Violett aufgeregt und drückte meinen Arm fester. Unwillkürlich musste ich lächeln. Den zwei konnte ich nichts übel nehmen, auch wenn ich gerade versuchte, nicht daran zu denken, schafften sie es immer wieder, das ich mich meinen eigenen Anforderungen widersetzte.
"Ja, es ist wahr", erwiderte ich seufzend und wusste, sie würden vor Freude außer sich sein.
Und dem war auch so. Gina gab einen spitzen Freudenschrei von sich und hüpfte lächelnd durch die Gegend und Violett sprach ohne Luft zu holen auf mich ein.
"Denkst du es wird ein Mädchen oder ein Junge? Also ein Mädchen wäre natürlich toll, aber ein Junge sichert dir deinen Platz und den Thron. Aber Jungs sind immer so unberechenbar und zu nichts zu gebrauchen. Oh, wie wird Matthew wohl reagieren, wenn er es erfährt? Er wird außer sich sein. Dann wird er im Null Komma Nichts diese Hure vergessen haben und nur noch dich glücklich machen. Oh! Und wen von uns nimmst du als Patin für das Kind. Gina, Amalia oder mich? Oder niemanden von"
Irgendwann wurde mir ihr Geplapper zu viel und ich unterbrach sie mit den Worten:" Violett, Schluss jetzt. Erst müssen wir das hier überstehen. Danach machen wir uns darüber Gedanken. Verstanden?"
Dann sah sie mich mit großen Augen an und nickte beschämt. Eigentlich hatte ich nicht so hart zu ihr sein wollen, aber es gab nun mal wichtigere Dinge auf die wir uns konzentrieren mussten. Da hatten die Gedanken über die Zukunft mit Matthew, meinem Kind und meinen Hofdamen nichts zu suchen.
Als wir am frühen Abend am Bordell an kamen, nahmen wir den Hintereingang und traten ein.
Es war wirklich riesig und prunkvoll. Im Keller, in den wir durch den hinteren Eingang gekommen war, standen Fässer mir Wein, Bier und anderen erfrischenden Getränken und als wir eine hölzerne Treppe hinauf gingen und eine Bodenluke öffnete und heraustraten, staunte ich nicht schlecht.
Noch nie zuvor war ich in einem Bordell gewesen und so hätte ich es mir bestimmt nicht vorgestellt. Es sah eigentlich aus wie eine harmlose Kneipe, würden die Frauen hier etwas mehr anhaben und die Männer nicht mit Münzen nach ihnen werfen. Es gab eine große, edle Holztheke mit einigen Hockern, die auch schon mäßig von adeligen Herren besetzt waren. Hinter der Theke standen zwei Frauen. Sie hatten ihr blondes Haar in wilden Locken über die Schultern fallen lassen und trugen ein enges Kleid, welches ihre Brüste sehr freizügig zur Schau stellten. Und auch ihre Blicke entgangen mir nicht - weder die widerlich gierigen der Männer, noch die verzückten Blicke der Frauen.
Ich unterdrückte ein Würgen.
Als meine Mädchen und ich uns noch etwas umsahen, trat eine Frau mittleren Alters die Treppe von oben hinunter und kam direkt auf uns zu.
Sie trug ein wunderschönes blaues Kleid, welches mit goldenen Stickereien verziert war und weit um sie herum schwang. Anders als die anderen Frauen trug sie ihr Kleid hochgeschlossener und eleganter, was mich darauf schließen ließ, dass sie keine der Dirnen war. Sie musste Madame La Cour sein - die Herrin des Hauses.
"Herzlich Willkommen im Bonne Nuit", begrüßte sie uns freundlich, als sie näher trat. Meine Begleiterinnen verstummten und sahen nun alle zu der fremden Frau.
"Ich bin Madame La Cour und ihr müsst meine Mädchen des heutigen Abends sein", gab sie von sich und betrachtete uns augenscheinlich.
Sie wusste natürlich nicht über unseren eigentlichen Plan bescheid, sondern nur davon, dass wir von Cornway etwas haben wollten, was ihm nicht gehörte. Von Matthew, dem König von Bredinia, war nie die Rede gewesen.
Angespannt knetete ich meine Hände und erwiderte im Namen aller:" Es uns eine Ehre, Madame La Cour" Danach ging alles sehr schnell. Sie latschte in die Hände und rief ein paar Mädchen zu sich, die uns nun nach oben in die Garderobe brachten und neue einkleideten.
Ich bekam ein weißes, offenherziges Kleid übergezogen und nicht zu vergessen, ein Korsett umgeschnallt, welches meine Brüste nicht hielt, sondern beinahe herauspresste. Als das fremde Mädchen die Schnüre noch enger zeihen wollte, hielt ich sie mit einem Gedanken an mein ungeborenes Kind zurück. Natürlich wollte ich nicht riskieren, dass es einen Schaden davon nahm. Es sollte unversehrt und gesund sein, wenn es das Licht der Welt entdecken würde.
Als fertig eingekleidet vor meinen Hofdamen und Komplizinnen stand, begutachteten wir einander gründlich.
Amalia trug ein grünes Kleid, welches wunderbar zu ihrem roten Haar passte, aber dennoch sehr schlicht gehalten und freizügig. Es ging schließlich nicht darum, vornehm und prachtvoll auszusehen, sondern hübsch und anzüglich. Die Männer sollten sehen, was wir hatten.
Gina und Violett trugen beide blau und sahen wirklich aufreizend aus - wie echte Dirnen.
Ich hingegen fühlte mich mehr als nur Fehl am Platz. Meine Angst stieg von Stunde zu Stunde an. Was würde diese Macht geschehen? Würden wir es schaffen, Cornway und seine Männer lang genug abzulenken, sodass Jason, Zora und dessen Gefolge es schaffen würden, ihre Landsleute, unsere und Matthew zu retten?
Und was geschah dann? Die Frage war ungewiss, was mit Cornway passieren sollte.
Als die Uhr zwölf schlug, zuckte ich zusammen. Amalia trat an meine Seite und sah mich besorgt an. "Bist du sicher, dass du es schaffen wirst?"
Ich nickte. Was sonst konnte ich tun, um meinen Ehemann je wiederzusehen.
Und dann ging die Tür des Bordells auf und es traten etwa acht bis zehn Männer ein, vorne weg ein adeliger Mann mit braunen Haaren, einem gepflegten Bart und einem prachtvollen Äußeren. Ich schluckte schwer und konnte meinen Blick nicht von ihm nehmen, als er und seine Männer an uns vorbei gingen - nicht ohne ihre gierigen Blicke über unsere Körper schweifen zu lassen und zu grölen wie ein Bär - und einen Tisch am Ende des Raumes einnahmen.
Für Matthew, dachte ich und tanzte mit den anderen durch den Raum. Es gab sieben großen und vier kleine Tische, die heute alle gut besetzt waren, was die Sache umso leichter für uns machte. Schließlich waren die Mädchen von Madame La Cour alle schon einem Tisch zugeteilt, sodass wir freie Bahn bei cornway und seinen Männern hatten.
Gina und Violett hielten sich nicht zurück. Noch ehe all saßen und Getränke hatte, saßen die beiden schon bei zwei Männern auf dem Schoß und lachten. Für sie schien es einfacher zu sein, als für mich.
Ich wollte am liebsten davon laufen und mich dem Blick entziehen, den ich von Cornway zugeworfen bekam - lüstern und erregt.
Dann gab ich mir selbst einen Tritt in den Hintern, blickte lächelnd zu Amalia und nickte ihr zu. Wir liefen durch den Raum direkt auf den Tisch zu und ich erwiderte Cornways Blick mit Lust und Leidenschaft. Schwach wirken war in diesen wichtigen Momenten nicht erlaubt.
Ich musste meine Rolle spielen, so wie es sich gehörte und alles andere vergessen.
Als wir bei dem Tisch angelangt waren, lächelte ich den Mann gespielt lustvoll an und flüsterte an seinem Ohr :" Wie ist Euer Name, Mylord?"
Ich spürte ein Grinsen an meiner Wange, als er mich an der Taille packte und auf seinen Schoß zog. Einen kurzen Augenblick zuckte ich zusammen und wollte mich aus seinem Griff befreien, doch meine innere Stimme hielt mich davon ab.
Nun saß ich da, nur halb angezogen und beinahe vollständig entblößt auf dem Schoß meines Feindes. Würde ich ihn und seine Grausamkeit nicht kennen, würde ich sagen, dass er ein ansehnlicher junger Mann war. Sein Haar war weich, als ich hindurch fuhr und seine blauen Augen schienen freundlich, wenn der lüsterne Blick kurz verschwand.
"Mein Name ist Sebastian", sagte er mit rauer Stimme und ließ seinen Blick über mein Gesicht, meinen Hals bis zu meinen Brüsten gleiten. Erneut unterdrückte ich ein Würgen.
Wenn Matthew mich so ansehen würde, dann würde ich mich ihm auf der Stelle hingegen, doch meinem Feind würde ich es nicht so leicht machen.
Ich fuhr mit meinen Fingern unter sein Kinn und hob es a, damit er mir in die Augen sah. Er grinste und ich übernahm die Kontrolle, versuchte mit meinen Blicken ein wenig zu flirten und bis mir hin und wieder verstohlen auf die Unterlippe.
Dabei kam ich mir völlig dumm vor, doch es schien zu wirken. Cornway legte seine Hände an meinen Hintern und presste mich näher an sich heran.
"Du wirst meinen Namen schreien und mich anbeten, ich solle es noch einma tun", raunte er und begann meinen Hals zu küssen. Genauer gesagt ,küsste er meine empfindlichste Stelle, bei der ich auch unter diesen Bedingungen schwach wurde.
Ich konnte mir das Stöhnen nicht kneifen und spürte wie er an meinem Hals grinste.
"Wenn dir das schon gefällt, wie gefällt dir dann das"
Ehe ich begriff, was er meinte, schlüpfte seine linke Hand unter mein Kleid, strich über meine nackten Beine, rauf zu meiner heißen Mitte. Ich wollte mich wehren, wollte, dass er mich nicht dort beührte, wollte ihm das Messer, welches ich in meinem Strumpf versteckt hatte nehmen und ihm in die Kehle rammen, doch ich konnte nicht.
Ich saß bewegungslos da und wartete, dass seine Finger vordrangen während seine Lippen die meinen berührten. Es war widerlich. Er schmeckte nach Bier und Rauch. Und seine Lippen waren rau und unangenehm.
Und dann geschah es.
Schafft Lyla es sich zu widersetzen oder gibt sie sich ihm vollkommen hin?
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