21
Mandrik und Alana sind wieder bei Alana Zuhause angekommen und setzen sich an den Computer. Die beiden wollen noch ein wenig recherchieren, bevor sie heute zurück zum Zirkus gehen. Alana sucht weiter in ihrem Computer nach Informationen. Sie will sich eigentlich keine neuen Geisterbilder anschauen oder über andere Geisterarten recherchieren, weshalb sie sinnlos in ihrem auf ihrer Tastatur rumhämmert. Mandrik schaut sich währenddessen noch einmal die Akten der anderen Geister an. Immerhin haben die beiden immer noch nicht herausgefunden, wie Cato und Mandrik gestorben sind. Alana nimmt sich noch einmal die Liste, auf die sie alle Fragen geschrieben hat, schreibt neue hinzu und streicht alte durch. Sie muss noch so einiges herausfinden. Sie sind immer noch nicht in den Dingen weitergekommen, weshalb der Zirkus verschwindet, wie die beiden gestorben sind und warum ausgerechnet diese Menschen in dem Zirkus feststecken. Sie haben vielleicht schon eine Antwort darauf, wo die anderen Geister, die anderen Toten sein könnten. Die Verbindung zwischen den Geistern haben sie auch schon herausfinden, aber noch nicht, wie sie den Bann brechen könnten, um sich zu berühren. Die Lücke im System gilt es herauszufinden. Warum Mandrik eine Kuhle hinterlässt. Als Alana sich noch einmal die Fragen und die Antworten anschaut, frustriert sie es ein wenig, denn sie hat das Gefühl, noch gar nichts herausgefunden zu haben. Nur neue Fragen aufgebracht zu haben. Es ist noch die Frage hinzugekommen, ob die Menschen Dinge aus dem Zirkus, wie Mandriks Pullover an ihr sehen können. Momentan hat sie noch keine Idee, wie sie all das herausfinden soll, weil sie gefühlt schon das ganze Internet durchforstet hat. Immerhin ist sie sogar im Darknet gelandet. Sie schließt die Augen und nimmt die Hände vors Gesicht. Mandrik bemerkt dies nach einigen Minuten und fragt sie, was mit ihr los sei. Sie kann einfach nicht mehr, sie will endlich antworten, aber weiß nicht, wie sie diese bekommen soll. Es ist wahrscheinlich extra so schwer, an diese ganzen Informationen zu kommen, immerhin spekulieren die Menschen seit Jahrtausenden, ob es ein Leben nach dem Tod gibt. Da wird man das nicht einfach Mal eben googeln können.
"Es ist schon ganz schön spät, ich sollte jetzt auch gehen. Die Vorstellung beginnt bald. Wir machen morgen mit der Recherche weiter. Es ist doch schon ganz schön anstrengend" , sagt er lächelnd.
"Mandrik" , sagt sie. "Ich würde dich so gerne küssen" , sagt sie schluchzend. An diesem Abend bricht sie einfach zusammen. Es ist so schrecklich, jemanden zu lieben und ihn nicht berühren zu können. Er spitzt seine Lippen und gibt ein Kussgeräusch von sich, was sie zum Lachen bringt. Sie macht die Geste nach.
"Unser erster Kuss" , grinst er. Danach löst er sich einfach in Luft auf. Es ist nicht, wie die anderen Male, als er durch die Wände gegangen ist. Er ist von der einen auf die andere Sekunde einfach nicht mehr da. Sie ist auf einmal wieder hellwach und zieht sich Straßenschuhe über. Sie rennt zu der Wiese, auf der der Zirkus steht. Zumindest wahrscheinlich bis vor ein paar Minuten hat er dort gestanden, denn dort ist nun nichts mehr. Kein Zirkus und auch kein Abdruck des Zeltes. Mandrik ist verschwunden. Schon wieder. Und dieses Mal sogar genau vor ihren Augen. Sie weint, denn es ist schlimmer als eine Fernbeziehung, wenn dein Freund einfach so verschwindet. Von der einen auf die andere Sekunde und du nicht weißt, wann er wiederkommt. Ob er überhaupt wiederkommt.
Sie schmeißt sich vor der Wiese auf die Knie, nimmt die Hände vors Gesicht und lässt alles raus. Sie kann das einfach nicht. Sie hasst dieses Leben. Sie will so einfach nicht mehr weitermachen. Es tut so weh.
"Ist alles okay?", fragt auf einmal ein Mädchen, welches ungefähr in ihrem Alter ist und sie gesehen haben muss.
"Ja" , lügt Alana. Als ob sie jemand fremdes ihre Gefühlswelt offenbart.
"Sicher?" , fragt sie und Alana sieht das verunsicherte Gesicht des Mädchens. Alle anderen Menschen wären wahrscheinlich einfach weitergehen.
"Nein, eigentlich nicht" , sagt sie und die beiden setzten sich auf eine Bank.
"Wenn du darüber reden willst, dann bin ich hier. Wenn du nicht darüber reden willst, können wir auch einfach hier sitzen. Aber du solltest jetzt nicht alleine sein" , sagt sie. Alana ist unglaublich beeindruckt von dem Mädchen und wünschte, sie wäre ein wenig mehr so, wie sie. Nachdem sie sich wieder ein wenig beruhigt hat, gehen die beiden gemeinsam nach Hause, denn das Mädchen bringt Alana.
"Danke" , sagt sie und umarmt das Mädchen zum Abschied. Sie kennt noch nicht einmal ihren Namen. Alana kramt ihren Kalender aus ihrem Rucksack. Dort hat sie jeden Tag ein Kreuz gemacht, als der Zirkus aufgetaucht ist und die Tage über da war. Sie stellt fest, dass es genau zehn Tage sind, die der Zirkus hier gewesen ist. Irgendetwas muss es mit der zehn auf sich haben, denn der Zirkus verschwindet und taucht immer wieder von einem Rhythmus in 10 Stunden, 10 Wochen, 10 Monaten oder so auf. Als sie dies herausbekommen hat, hat sie Angst, dass es irgendwann einmal zu 10 Jahren kommen könnte. Sie legt sich in ihr Bett und beginnt wieder zu heulen. Sie kann sich keine zehn Jahre ohne Mandrik vorstellen. Sie muss unbedingt herausfinden, wie sie bei ihm sein kann.
Die nächsten Tage weint sie viel und verbringt fast all ihre Zeit dort, wo der Zirkus gestanden hat. Sie recherchiert kaum noch weiter, obwohl es der perfekte Zeitpunkt gewesen wäre. Sie würde Mandrik nicht belasten und könnte so viel weiterkommen. Dann könnten sie vielleicht schon schöne Dinge unternehmen, wenn Mandrik wieder da wäre, aber seine Abwesenheit macht sie einfach zu traurig. Nach ein paar Wochen, in denen Mandrik immer noch nicht wieder da ist, ist sie immer noch traurig und hat das Gefühl einer Depression. Es fühlt sich so an, wie andere diese Erkrankung beschreiben, aber sie will es nicht wahrhaben. Sie ist einfach nur traurig, sie ist in keine Depression gefallen, redet sie sich ein. Sie schafft es noch zur Arbeit, auch wenn es morgens wirklich schleppend ist. Doch wenn sie nach Hause kommt, fällt sie mit schwerem Körper ins Bett und lässt der Traurigkeit freien Lauf. Sie hatte gehofft, dass es nur zehn Stunden oder wenigstens zehn Tage dauert, bis Mandrik und sein Zirkus wieder auftauchen. Da hat sie sich getäuscht, denn nach 12 Tagen ist der Zirkus immer noch verschwunden. Sie hasst dieses Gefühl. Nach ein paar Wochen denkt sie darüber nach, sich das Leben zu nehmen. Anstatt über den Zirkus zu recherchieren, sucht sie nach Arten, wie sie sich das Leben nehmen kann. Nur die Logik, die sie noch nicht verstanden hat, warum all diese Menschen in dem Zirkus sind, hält sie inzwischen davon ab. Sie weiß nicht, weshalb Gree im Zirkus ist und jemand anderes, der sich auch das Leben genommen hat, nicht auch dort ist. Immerhin haben sich mehr Leute als diese eine Person das Leben genommen und es sind auch mehr Leute bei einem Brand gestorben. Als sie über Suizid recherchiert, findet sie zufällig etwas über Catos Tod heraus. Bei ihrer Recherche findet sie heraus, dass es wohl vier Arten von Menschen gibt, die einen Suizid begehen wollen. Es soll Todessuchende, Todesinitiatoren, Todesverächter und Todesherausforderer geben. Es gibt aber noch zwei weitere Arten. Einmal den subinentionalen Tod, zu dem schwerkranke Menschen gehören, die willentlich gegen ihre Medikationspläne verstoßen und ähnliches und den chronischen Selbstmord. Das sind Menschen, die sich in gewisser lebensgefährdender Weise verhalten. Über diese Seiten des Suizides kommt sie auf ganz kuriose Seiten im Internet. In diesen Foren treffen sich die Menschen, um sich gemeinsam das Leben zu nehmen. Sie hat das Gefühl in den Abgründen des Internets gelandet zu sein. In diesen Foren trifft sie auf einen Namen, der Catos sehr ähnlich ist. Sie könnte es damals gewesen sein. Tatsächlich hat Cato auch ein Profilbild und als sie einen Screenshot macht und schließlich an das Bild herauszoomt ist sie sich sicher, dass es die Cato aus dem Zirkus ist. Nun fragt sich Alana, ob Cato sich auch umgebracht haben soll. Als Alana jedoch weiter recherchiert, merkt sie, dass an dem Profil etwas nicht stimmt. Cato macht auf irgend ein Projekt in Amerika aufmerksam, dass einem helfen soll, wieder gesund zu werden. Eigentlich eine gute Sache, doch als sie über das Projekt recherchiert, merkt sie, was mit den Menschen dort geschieht.
Sie bemerkt, dass diese Menschen aus dem Projekt Lügen erzählen. Sie wollen die Teilnehmer gesund machen, dies stimmt schon. Aber die Möglichkeiten, wie sie dies machen, sind doch ziemlich fragwürdig. Alana ist wirklich schockiert, als sie von den ganzen Experimenten erfährt. Sie gibt das Projekt in die Suchleiste ein und findet einige Zeitungsartikel über das Projekt. Sie sind alle auf Englisch, doch zum Glück ist ihr Englisch einigermaßen gut, sodass sie alles versteht. Darin taucht auch Catos Name auf. Sie scheint an Depressionen gelitten zu haben und wollte sich das Leben nehmen, bis diese Organisation in ihr Leben getreten ist. Alana weiß, dass es Operationen des Gehirns gibt, wenn man an sehr, sehr starken Zwangsstörungen leidet und fragt sich, ob es dies auch für Depressionen gibt. Anscheinend reden die Forscher den Probanden dies ein und willigen so deine Unterschrift ein, obwohl im kleingedruckten was ganz anderes steht. Die Menschen werden so für Experimente missbraucht, bei denen sie sterben könnten. Da diese Menschen sowieso Suizid begehen wollen, hat man sich für dieses Konzept entschlossen. Cato ist in eine Falle getappt, denn eigentlich wollen diese Menschen doch gesund werden, wenn sie sich dort anmelden. Ethisch ist das ganze Konzept sehr, sehr fragwürdig. Alana liest noch einige Stunden in dem Forum und erschrickt über all das, was dort vor sich geht. Sie wollten Cato und die anderen Menschen wohl zu einer Geheimwaffe machen, weshalb sie an den Menschen herumexperimentieren. Alana denkt noch einmal über die Showeinlage nach und fragt sich, ob das Manipulieren der Gedanken der Zuschauer etwas mit den Experimenten zusammenhängt, die sie mit Cato durchgeführt haben. In Alana steigt das erste Mal seit Wochen wieder ein Glücksgefühl hoch. Gleichzeitig ist ihr jedoch speiübel. Auch Catos Tod ist ein unnatürlicher Tod. Die Verbindung zwischen den Geistern besteht weiterhin. Sie scheinen die richtigen Schlüsse gezogen zu haben.
Nun ist Mandrik der einzige, dessen Todesursache sie immer noch nicht kennt. Gleich nachdem Alana die ganzen Sachen über diese unheimliche Organisation ausgedruckt hat, widmet sie sich Mandrik, dessen Tod sie eigentlich am meisten interessiert. Bisher hat sie allerdings noch nichts über ihn gefunden und auch wenn man seinen Namen in der Suchleiste eingibt, taucht nichts auf. Es scheint nie einen Mandrik gegeben zu haben. Sie sucht noch einige Stunden, bis sie schließlich aufgibt. Jetzt hat sie aber endlich wieder einen Tatendrang gefunden und denkt nicht länger darüber nach, sich das Leben zu nehmen. Sie müsste vorher unbedingt auch noch seine Todesursache herausfinden, denn sie kann nicht in den Tod gehen, bevor sie allen Geistern ein Stück weit geholfen hat. Sie kann nicht gehen, ohne nur einen von ihnen ahnungslos stehen zu lassen.
Sie will, dass der Zirkus endlich wiederkommt, sodass sie ihnen davon erzählen kann, dass sie wieder etwas herausgefunden hat. Nun ist sie wieder von der Suche angetan, das Rätsel zu lösen und kann es kaum abwarten, noch mehr über das Leben nach dem Tod zu erfahren. Sie beschließt, sich noch einmal auf den Weg in die Bibliothek zu machen. Sie hofft ein wenig, dass sie die Frau wiedersieht, die die beiden das letzte Mal bedient hat. Außerdem braucht sie einen Tapetenwechsel und dort gibt es auch Computer. Als sie in der Bibliothek angekommen ist, setzt sie sich sofort an einen der Computer und gibt das Wort Geister ein.
Sie kommt auf eine Seite, auf der die berühmtesten Geisterfotos abgebildet sind. Einige davon sind sicherlich gefälscht, stellt ein Forscher fest, doch ein Bild gilt von Experten als echt, genauso wie die Brown Lady. Das Bild ist im National Maritime Museum in England aufgenommen wurden und zeigt eine geisterhafte Gestalt, die sich am Handlauf einer Tulpentreppe festhält. Experten sind sich bei diesem Bild einig, dass das Bild nicht manipuliert wurde und daher als echtes Beispiel für die Existenz von Geistern gilt. Geist der Tulpentreppe, liest Alana. Außerdem findet sie noch ein Bild, welches als echt angesehen werden soll, da es als Polaroidfoto aufgenommen wurde. Es zeigt einen Menschen, der eine Rede hält und den Geist seines verstorbenen Bruders, der über ihn hinwegschaut. Sie findet noch zwei weitere Bilder. Eine Frau hat ein Foto aufgenommen, nachdem sie seltsame Messwerte auf ihrem Gerät auf dem Friedhof feststellte. Zu dem Zeitpunkt, als das Foto aufgenommen wurde, sahen die beiden Damen nichts, aber als das Bild belichtet wurde, zeigte es eine Frau in weißer Kleidung, die auf einem der Gräber saß. Ein weiteres gruseliges Beispiel findet Alana. 2006 wurde das Bild in einem verlassenen Tuberkulosekrankenhaus aufgenommen. Als die Krankheit herrschte, gab es sehr viele Todesfälle, was viele Leute dazu veranlasste, daran zu glauben, dass es dort spuken könnte. Das Bild soll eine Krankenschwester zeigen, die sich in dem Krankenhaus erhängt hat. Alana bekommt schon wieder Gänsehaut, als sie sich all die Bilder anschaut. Sicherlich sind viele Fälschungen auf der Seite dabei, aber sie kann sich vorstellen, dass es wirklich Geister sind. Dass es wirklich die Krankenschwester ist, die damals dort gearbeitet hat. Immerhin gibt es Geister, wie sie weiß. Es sind noch mehr Geisterfotos auf der Seite, aber sie braucht erst einmal eine Pause. Sie erschrickt total, als auf einmal eine Frau hinter ihr mit ihr redet, die sie gar nicht bemerkt hatte.
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