chapter 66
Ich halte es nicht mehr aus.
Während der ganzen Zeit, die ich draußen mit Asher warte, schaffe ich es nicht, auch nur für eine Sekunde meine Sorgen abzulegen. Ich denke die ganze Zeit an den Kampf, an Derek's Wunden und an Rider's Drohung, die sich so real angehört hat. In ihm sprach tiefe Wut und ich bekomme noch immer eine Gänsehaut, wenn ich an seinen Blick denke.
Es kann doch nicht sein, dass in der kurzen Zeit, in der Derek etwas erledigen wollte, sowas daraus entstanden ist. Das alles darf doch einfach nicht wahr sein...
»Beruhig dich, Vera«, versucht Asher mir beruhigend zuzusprechen, während er tröstend über meinen Rücken streicht. Dabei muss ich nicht getröstet werden. Jemand sollte mich lieber aufklären, denn ich verstehe gar nichts mehr. Nicht nur die Show gerade sitzt mir tief in den Knochen, sondern auch die Tatsache, dass Mr. Kennedy Rider zu kennen scheint. Alles hängt miteinander zusammen, nur ich scheine es nicht zu verstehen.
Egal was ist, Derek sollte verdammt nochmal aufhören, sich immer in solche Situation zu bringen. Er selbst sagte doch immer, dass Rider gefährlich sei, vor allem dadurch, dass er nichts mehr zu verlieren hat. Warum um alles in der Welt legt er sich dann jedes Mal aufs Neue mit ihm an?
Ich kann es einfach nicht verstehen, selbst wenn ich es wie verrück versuche!
»Vera, es ist vorbei. Du musst runterkommen, es bringt nichts, wenn du dich hier verrückt machst«, beginnt Asher erneut, als er bemerkt, dass mein Atem wieder unregelmäßiger wird.
Oh Gott, was passiert hier nur.
»Sorry, ich bin... ich bin nur so nervös«, entgegne ich total aufgelöst und sehe unsicher zu ihm auf, »Ich hoffe, es geht ihm nicht allzu schlecht. Und ich hoffe auch, dass er nicht zu viel Ärger bekommen wird. Rider ist schließlich abgehauen und jetzt bleibt alles an ihm hängen.«
Asher wird hellhörig. »Rider? Hieß der andere Kerl mit dem er sich geprügelt hat so?«
Ich nicke schwach.
»Kennst du ihn etwa?«, fragt er dann, und ich muss erneut nicken, dieses Mal jedoch zögerlich.
»Man kann es nicht kennen nennen, ich bin ihm nur schon öfter über den Weg gelaufen, dass ist alles«, erkläre ich, auch wenn da schon mehr dabei ist. Aber ich denke, es wäre gut, wenn ich Asher die hässlichen Details erspare. Es reicht schon, dass Liv sie miterleben musste. »Ich kann einfach nicht glauben, dass sie sich so verletzt haben... Oh Gott, was dachte sich Derek nur dabei?«
»Das wirst du jetzt wahrscheinlich erfahren...«
Ich sehe überrascht zu Asher, der jedoch in eine ganz andere Richtung sieht. Ich folge seinem Blick zum Eingang der Highschool, durch die gerade Derek geschreitet kommt. Sein Gesicht sieht besser aus, es ist offensichtlich, dass jemand sich um die Wunden gekümmert hat, und ich bin einwenig erleichterter, doch als ich seinen Gesichtsausdruck erkenne, wird mir wieder so unwohl zumute.
»Ich muss zu ihm, tut mir leid. Wir reden morgen, Okay?« Ich warte noch, bis Asher nickt, ehe ich mich dann nochmal verabschiede und sofort auf Derek zulaufe, der mich im ersten Moment garnicht wahrnimmt.
»Derek!«, rufe ich, als ich vor ihm zum stehen komme und er hält inne, ehe er den Kopf hebt und sich unsere Blicke treffen. »Wie gehts dir? Tut es sehr weh?«, frage ich vorsichtig und betrachte die Wunden in seinem Gesicht. Mein Brustkorb zieht sich zusammen.
Derek schüttelt den Kopf. »Alles gut, es ist schon viel besser.«
Ich runzle besorgt die Stirn, als er kurz das Gesicht verzieht und sich an seine Rippen fasst. »Das sieht aber nicht gut aus.« Ich lege meine Hand auf seine. »Was sollte das, Derek? Was hast du dir dabei gedacht, dich mit ihm zu schlagen? Bist du lebensmüde geworden?«
Derek senkt den Blick und ich spüre, wie seine Hand unter meiner verkrampft, als er den Kiefer zusammenpresst und einen Seufzer ausstößt. »Ich... in dem Moment konnte ich einfach nicht mehr klar denken«, erklärt Derek, doch das bringt nicht besonders viel Licht ins Dunkel.
»Weißt du was, erzähl mir die Details später. Wir sollten dich erstmal in ein Krankenhaus bringen, damit die dich dort genauer untersuchen können«, beginne ich und will gerade losgehen, als er meine Hand umschließt und mich damit zum stehen bringt.
»Nein, dass ist nicht nötig. Ehrlich, es ist nichts Schlimmes«, stellt Derek klar und ich glaube ihm, auch, wenn ich ihn trotzdem am liebsten erst von einem Arzt durchchecken lassen würde.
»Bist du dir sicher?«
»Ja, bin ich.« Derek lächelt schwach und streicht mir dann über die Wange. Ich genieße die Berührung, doch als ich seine Handknöchel sehe, die total rot und aufgeschürft sind, verziehe ich das Gesicht, »Warum hast du dir das angetan, Derek? Echt... was hast du dir nur dabei gedacht...«
Derek antwortet nichts, er steht lediglich da und sieht mich für eine Zeit lang an. »Tut mir leid, dass du das mitansehen musstest.«
Überrascht über seine Worte und dem warmen Ausdruck, der in seinen Augen liegt, kann ich nicht anders, als nachzugeben. Mein Herz wird von einer angenehmen Wärme ergriffen und ich vergesse für einige Momente die Aufregung und Probleme, die gerade noch in meinem Verstand waren.
»Ist schon okay«, entgegne ich nach einigen Sekunden der Stille. »Ich hoffe nur, dass das nicht noch einmal passieren wird.«
Derek senkt den Blick und obwohl mich das beunruhigt, sage ich nichts weiteres dazu, sondern streiche sachte über eine heile Stelle in seinem Gesicht, was ihn dazu bringt, mich wieder anzusehen.
»Komm, ich bring dich nach Hause. Und dann will ich, dass du mir alles in Ruhe erzählst.« Mit diesen Worten setzte ich mich in Bewegung und bin heilfroh, als Derek es mir ohne Widerworte nachtut.
****
Als wir bei Derek zu Hause ankommen, ist es wieder ruhig. Wir sitzen in seinem Zimmer, wie an jedem Abend, als ich zusammengeklappt bin, und sind zunächst noch leise. Derek reicht mir eine Cola, die ich dankend entgegennehme. Sofort nehme ich einen Schluck, denn ich hab richtig gespürt, wie mein Blutzucker durch den Schock und der Aufregung runtergegangen ist.
»Sind die Schmerzen wirklich nicht so schlimm?«, hake ich nochmal vorsichtig nach und betrachte dabei sein Gesicht. Es sieht einfach so schmerzhaft aus.
»Nein, es ist wirklich okay. Ich hab schon schlimmeres überlebt.«
Ich ziehe die Brauen zusammen und mein Hals wird wieder ganz trocken. »Schlimmeres als das gerade? Du tust ja so, als wäre das eine normale Prügelei gewesen«, beginne ich und mein Atem wird wieder unruhiger, als mir Bilder von der Situation von vorhin durch den Kopf schießen, »Derek, hätte man euch nicht voneinander getrennt, hättet ihr euch die Köpfe eingeschlagen. Keiner von euch hatte auch nur den Gedanken, aufzuhören.«
Und das meine ich auch so. Ich war da, ich habe gesehen, wie unglaublich wütend die beiden waren. Es lag eine so schneidende Anspannung in der Luft, die mir das Atmen erschwert hat.
Irgendetwas wirklich Schlimmes muss passiert sein...
»Warum habt ihr euch geschlagen? Was war los?«, frage ich dann gerade heraus und erwarte zum ersten Mal nichts anderes als die Wahrheit. Schließlich hänge ich da irgendwie mit drinnen. Derek wollte nämlich nur mit Rider sprechen, weil er das alles klären wollte.
Wobei letztlich wohl nicht von klären die Rede sein kann...
»Ich bin echt mit dem Gedanken zu ihm gegangen, das alles aus der Welt zu schaffen, dass musst du mir glauben«, erklärt Derek und ich nicke, da ich ihm glaube. Ich weiß, dass er nichts verschlimmern wollte.
Ich seufze. »Wie konnte das alles dann so enden? Das verstehe ich nicht.«
Derek fährt sich verzweifelt übers Gesicht. »Ich bin zu ihm hin, und mir war direkt bewusst, dass er wütend war. Er wusste Bescheid, dass du nun auch alles weißt und ist dann eben direkt ausgerastet. Ich habe versucht mit ihm zu reden, doch er hat mich einfach nicht gelassen. Dann bin ich halt gegangen, es hat ja sowieso keinen Sinn ergeben, mich weiter aufzuregen«, erzählt Derek und für einen Moment empfinde ich aus irgendeinem Grund Mitleid mit Rider.
Denn ich kann mir vorstellen, dass es ihm wehtut. Ich kannte Lesley nicht einmal, und doch haben sie mir ihre Geschichte erzählt.... und doch, ist das kein Grund, Derek so anzugreifen.
»Warte mal, also bist du danach gegangen?«, frage ich dann, als ich seine Worte realisiere.
»Ja, ich bin wieder los und wollte zurück, ich hab dir ja gesagt, dass ich dich abholen komme«, bestätigt Derek und ich bin wieder verwirrt. »Ich dachte, dass wärs fürs erste. Ich wollte erstmal, dass sich Rider ein bisschen abregt, denn ich weiß, dass man kein normales Gespräch mit ihm führen kann, wenn er in so einem Zustand ist.«
Ich werde hellhörig. »Und dann? Wie kam es zur Prügelei?«
Derek lacht leise, doch dieses Lachen ist alles andere als positiv. Es hört sich richtig verzweifelt und überfordert an... und auch, einwenig wütend. »Ich... ich kann es immer noch nicht glauben, ehrlich. Ich...« Derek bricht ab, und kurz nach Luft zu schnappen, ehe er fortfährt, »Er ist mir anscheinend gefolgt. Gerade, als ich vom Motorrad abgestiegen bin und Richtung Hof gelaufen bin, hat er plötzlich meinen Namen gerufen. Er ist aus dem nichts ausgerastet, hat angefangen, mich zu beleidigen und alles...«
Ich senke betroffen den Blick. Das kann doch nicht wahr sein. Was denkt sich Rider dabei? Was ist nur los mit ihm?
»Und dann... dann bin ich irgendwann auch wütend geworden...«, erzählt Derek weiter und hält dann inne. Er erhebt sich, da er es einfach nicht mehr im sitzen aushalten kann und fährt sich mehrmals über die Haare. Gott, er wirkt so fertig. »Dann irgendwann ist alles ausgeartet...«
»Aber warum hat er zugeschlagen? Du hast doch nichts getan!«, entkommt es mir total benommen und ich bin so frustriert, wie schon lange nicht mehr.
Doch als ich dann zu Derek sehe und bemerke, dass er meinem Blick ausweicht, werde ich stutzig.
»Er... er hat nicht als erstes zugeschlagen«, gesteht Derek und nun verstehe ich gar nichts mehr.
»Also hast du...«, beginne ich, lasse den Satz jedoch offen, als er nickt. Er beißt sich auf die Lippe und wirkt wieder richtig verzweifelt.
»Ich war so wütend. Als er diese Andeutungen gemacht hat... ich konnte nicht mehr klar denken. Ich war wie ein anderer Mensch... ich... ich konnte es einfach nicht aushalten«, erwidert Derek aufgelöst und total neben der Spur. Er bricht ab, schließt die Augen, während ich immer unruhiger werde.
»Was für Andeutungen?« Meine Stimme ist verständlich, und doch antwortet Derek zunächst nicht auf meine Frage. »Derek... Was für Andeutungen hat Rider gemacht?«, wiederhole ich deshalb, diesmal jedoch mit mehr Nachdruck.
Und als Derek mir dann in die Augen sieht, bleibt mir die Luft im Hals stecken.
»Er... er denkt...«, presst Derek nur schwer hervor und schluckt mehrmals, ehe er sich wieder halbwegs zusammengerissen hat und dann etwas sagt, dass selbst mich dazu bringt, zu verstummen.
»Er meinte, ich hätte was mit dem zutun, was Lesley damals passiert ist.«
A/N:
Ich bin wieder daaaa
Ich würde euch so gerne schon sagen können, wann die Lesenacht kommt, aber da ich echt keine Ahnung habe, wie viele Kapitel noch insgesamt kommen, kann ich noch nichts genaues sagen
Ihr merkt, ich habe selbst keinen Überblick
Schreibt mir bitte Feedback und Motivation in die Kommentare, will so gerne endlich mal mehr hier schreiben und die Geschichte beenden❤️💯
Also, ich freu mich schon und sage: bis zur (hoffentlich) Lesenacht!
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