chapter 64
»Ich kann einfach nicht glauben, wie viel ich in einpaar Tagen verpasst habe«, flüstert Liv, als ich sie während der Mathestunde auf den neusten Stand der Tatsachen bringe. Obwohl das anscheinend gar nicht nötig gewesen wäre, denn sie hat schon über den Flurfunk mitbekommen, dass was ist, denn anscheinend spricht man nun schon über Derek und mich und unseren gemeinsamen Auftritt in der Highschool.
Dass das alles so schnell seinen Lauf nimmt, habe ich echt nicht kommen gesehen. Ich meine, seitdem wir einen Fuß in die Highschool gesetzt haben, sind gerade einmal zwei Stunden vergangen.
Meine Mitschüler sind wirklich schneller als jeder Nachrichtensender.
»Ja, ich kann es ja selbst nicht glauben«, flüstere ich nur, damit uns keiner versteht und schon gar nicht unser Mathe Lehrer, der heute wie es aussieht noch schlechtere Laune als sonst immer hat. Ich seufze. »Wenn ich ehrlich bin, hab ich nicht damit gerechnet, dass Derek sich auch in der Schule mit mir sehen lässt. Klar weiß ich, dass es ihn nicht interessiert, was die anderen denken, aber bisher war er immer nur alleine.«
»Er mag dich eben«, bemerkt Liv bis über beide Ohren grinsend und schubst mich dann leicht an, »Wobei, ich sollte lieber sagen er steht total auf dich.«
Ich werde gegen meinen Willen rot. »Woher willst du das denn wissen?«
»Ich sehe doch, wie er dich anguckt«, antwortet Liv, als wäre es ganz selbstverständlich. »Und du stehst sowieso schon seit langem auf ihn.«
Ich will versinken. »War das so auffällig für dich?«
»Jap.« Sie grinst wieder so breit, dass ich Angst um ihre Mundwinkel bekomme. »Aber genau das ist doch das Wundervolle daran.«
Ich senke meinen Blick auf mein Heft und starre auf die Zahlen, die darauf zu sehen sind. Genauso durcheinander wie diese mich machen, macht mich auch Derek. Wenn doch auf eine schönere Art und Weise. Zumindest meistens.
»Aber was willst du jetzt wegen Rider machen? Derek wird dich sicher nicht mehr aus den Augen lassen, so besorgt, wie er nach deinen Erzählungen zu sein scheint«, höre ich Liv's gedämpfte Stimme, die mich dazu verleitet, wieder zu ihr zu sehen.
»Ich weiß es nicht. Ich hoffe einfach nur, dass nichts Schlimmes passiert...«, murmle ich eher zu mir selbst als zu Liv und packe meine Sachen zusammen, als es genau in dem Moment zur Pause klingelt.
»Bei dem Mistkerl weiß man nie«, flüstert Liv nur und ich sehe mit großen Augen zu ihr. Oh mein Gott, ich hab glatt vergessen, dass ich Rider nie mehr in ihrer Gegenwart erwähnen wollte. Liv deutet meinen Blick und schüttelt nur den Kopf. »Ist schon gut.«
»Tut mir leid«, entgegne ich dennoch und verziehe das Gesicht. »Lass uns lieber über was anderes sprechen.«
»Wie zum Beispiel über dein bevorstehendes Treffen mit Dean«, beginnt Liv und sieht mich neugierig an. »Wann seht ihr euch nochmal?«
»Ich weiß nicht genau, Dean wollte mir noch einmal Bescheid sagen. Lydia wollte mitkommen, aber ich denke, es ist besser, wenn Dean und ich erst einmal alleine reden und hoffentlich alles klären«, erzähle ich und seufze. Ich vermisse Dean. Als einen guten Freund. Wir waren immer für einander da und zusammen mit Lydia waren wir das perfekte Trio gewesen. Hinter uns liegen viel zu schöne Zeiten, viel zu viele Erinnerungen und gemeinsame Momente, demnach wäre es einfach nur traurig, dass diese nun ein Ende haben sollen.
»Keine Sorge, dass wird schon«, kommt es von Liv, während wir durch den Korridor Richtung Hof laufen. Heute ist es einwenig wärmer als die letzten Tage, und die Sonne scheint sogar vereinzelt auf den Hof.
Ich atme tief durch, als wir an die frische Luft kommen und genieße diesen kurzen Moment der Ruhe. Diese verschwindet schnell, als uns die ersten auf dem Hof entdecken und zu reden beginnen. Doch ich ignoriere sie und versuche mich stattdessen auf die Sonne zu konzentrieren und sie ein letztes Mal zu genießen.
»Glückwunsch«, höre ich plötzlich jemanden sagen und ich schrecke zusammen, ehe ich Asher einen verwirrten Blick zuwerfe, der mit einem Lächeln bei uns zum stehen kommt.
»Wofür?«, frage ich dann, noch immer verwirrt, da sich das anscheinend an mich richtet.
»Na dafür, dass es endlich zwischen euch klappt«, entgegnet er, als wäre es ganz selbstverständlich und meine Wangen beginnen wie auf Kommando zu brennen.
Oh mein Gott, was ist nur los mit mir.
»Asher bitte, du siehst doch, dass sie es selbst noch nicht realisiert hat«, scherzt Liv und beginnt zu lachen, als ich ihr einen deutlichen Blick schenke. Asher schmunzelt, ehe er seufzt. »Ich wünsche euch auf jeden Fall das beste.«
Ich lächle. Oh Gott, warum lächle ich so blöd? »Wir... wir sind nicht zusammen, Leute.«
Liv grinst breit. »Noch nicht.«
»Liv«, bemerke ich und reiße die Augen auf, als ich Derek sehe, der gerade aus der Highschool gelaufen kommt. »Sei jetzt ruhig«, flüstere ich in Liv's Richtung, die verwirrt meinen Blick folgt und dann ebenso große Augen macht, als sie sieht, dass Derek direkt auf uns zugelaufen kommt.
»Hey«, bemerkt er, als er bei uns ankommt. Er schlägt bei Asher ein, während er Liv nur freundlich zunickt. Als sein Blick dann auf mich fällt, beginnt mein Herz wieder schneller zu schlagen.
Liv grinst im Hintergrund wieder so dümmlich und bringt mich dazu, ihre Mundwinkel herunter zu drücken. Oh Gott, ich will garnicht wissen, was Derek sich gerade denkt. Sicher ahnt er, dass wir gerade von ihm geredet haben.
Oh man...
»Vera?«, sagt er dann und meine Aufmerksamkeit fällt auf ihn zurück. Derek deutet in eine ruhigere Stelle, »Können wir kurz reden?«
Ich bin zwar verwirrt, nicke dann aber und verabschiede mich noch von Asher und Liv, ehe ich mich zusammen mit Derek von ihnen und allen anderen Mitschülern entferne. Wir halten an einer ruhigen Ecke inne und ich sehe Derek teils verwirrt teils neugierig an.
Er wirkt erneut so beunruhigt, als er sich in der Gegend umsieht, ehe er seinen Blick schließlich wieder auf mein Gesicht richtet. »Ist alles gut bei dir?«
Ich nicke zögerlich. »Ja, warum sollte es das nicht sein?«
»Ich frage nur«, entgegnet Derek und seufzt dann. »Du hast also nichts unnormales bemerkt? Rider hat dich nicht irgendwie kontaktiert oder so?«
Erneut verneine ich, indem ich den Kopf schüttle und Derek dazu bringe, merklich erleichtert auszuatmen.
»Aber warum fragst du? Warum hast du so eine Panik? Rider wird mir schon nichts tun, da bin ich mir sicher. Und schon garnicht in der Schule vor so vielen Menschen«, versuche ich, Derek zu beruhigen, doch das hat nur eine schwache Wirkung.
»Bei ihm bin ich mir einfach nicht sicher, dass ist alles«, antwortet er nur und verstummt dann.
Ich will etwas erwidern, möchte ihm erklären, dass ich es im Bauchgefühl habe, dass ich mir sicher bin, dass Rider nicht vor hat, mir irgendetwas anzutun, doch lasse es dann doch lieber. Schließlich kennt ihn Derek ja um einiges besser als ich.
»Apropos Rider, ich wollte dich etwas bezüglich ihm fragen«, beginne ich dann, als ich mich an das Gespräch mit Chip zurückerinnere und erlange damit sofort Derek's Aufmerksamkeit zurück.
»Was ist mit ihm?«
»Ich habe mich gefragt, warum er immer noch ein Teil dieser Gang ist, nach allem, was sie ihm damals angetan haben...«, sage ich leise, damit uns niemand hört.
Derek sieht mich für einige Sekunden einfach nur an, ehe er den Blick senkt. »Ich habe keine Ahnung.«
»Das habe ich mir gedacht«, entgegne ich nur leise und seufze. »Unglaublich, echt. Ich kann es einfach nicht verstehen. Warum tut er sich sowas an?«
Derek schluckt merklich. »Keine Ahnung... Vielleicht ist das seine Art, sich selbst zu bestrafen. Für alles, was passiert ist.«
»Vielleicht«, murmle ich nur, doch kann es trotzdem nicht verstehen. Das ist doch bestimmt grauenvoll für ihn.
Es ergibt einfach keinen Sinn für mich...
»Tust du mir einen Gefallen?«
Ich sehe überrascht zu Derek. »Was für einen?«
Seine Augen treffen auf meine und ich muss wieder aus dem nichts lächeln. Wow, wenn das Liebe ist, dann hat es mich ernsthaft erwischt. Derek erwidert mein Lächeln und sieht dabei so unglaublich süß aus, dass ich mir auf die Zunge beißen muss, um nichts falsches zu sagen, doch als er dann wieder ernst wird und einen Schritt auf mich zukommt, werde auch ich ernster und sehe mit großen Augen zu ihm auf.
»Bleib nicht alleine die nächste Zeit. Ich muss was erledigen, deshalb bleib am besten in der Nähe von Liv oder Asher«, sagt Derek und bricht dabei für keinen Moment unseren Blickkontakt, »Nachdem du Schluss hast komme ich dich abholen. Bis dahin, pass einfach gut auf dich auf.«
Ich nicke schwach. »Okay.«
»Danke.« Derek lächelt erneut und tut dann etwas, was mich dazu bringt, die Luft anzuhalten. Er hebt zögerlich die Hand und streicht mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Dabei berühren seine Finger sachte meine Wange und bringen meine Nackenhaare dazu, sich zeitgleich aufzustellen. »Ruf an, wenn irgendwas ist.«
Ich nicke erneut, unfähig, etwas anderes zu tun und unterdrücke das breite Grinsen, dass sich auf mein Gesicht schleichen will. Derek sieht mich noch einen Moment an, ehe er sich dann von mir abwendet und verschwindet.
A/N:
Wieder einmal bin ich zu faul das Kapitel zu überarbeiten, aber bin soooo stolz das ich endlich wieder produktiv bin und wieder was posten kann
Meine Fragen an euchhhh:
Wie hat euch das Kapitel gefallen?
Und natürlich: wie gehts euch momentan?
wir lesen uns bald wieder ❤️🎊
xoxo
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