chapter 51


Be Alright • Dean Lewis


Ich wusste, dass es irgendwann einmal dazu kommen würde. Mir war klar, dass ich Dean nicht einfach so aus meinem Leben streichen und meine Geschichte mit ihm vor Derek geheim halten könnte. Schließlich gehört meine Vergangenheit zu mir. Selbst, wenn ich mit ihr abschließe und einen neuen Weg einschlage, wird sie immer ein Teil von mir sein. Denn sie hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.

Und obwohl mir das immer schon bewusst war, habe ich diese Kenntnis irgendwie versucht zu verdrängen. Zumindest in den letzten Monaten und Wochen, weil ich einfach nicht damit klarkam.

Heute weiß ich, dass ich Derek kennenlernen möchte, und das, weil mir wirklich etwas an ihm liegt. Ich weiß, dass Derek der Kerl ist, mit dem ich zusammen sein will. Egal in welche Richtung genau, ich genieße seine Nähe einfach und mag ihn viel mehr, als ich wahrscheinlich sollte.

Genau deshalb fällt es mir nun auch so schwer, seine Frage zu beantworten. Theoretisch sollte ich einfach die Wahrheit sagen. Aber ich habe Angst, dass er dann weiter nachhakt und wir wieder zu dem Thema kommen und er mich vielleicht fragt, ob der Schul- und Stadtwechsel etwas mit Dean zutun hatte. Was natürlich totaler Schwachsinn ist, aber ihm Wahrheit zu sagen, hier und jetzt in dieser Bar, kommt für mich auch nicht in Frage.

Oh Gott, dass alles ist zu viel für mich...

»Vera.«

Mein Blick wandert zurück zu Derek und mir wird wieder ganz warm und kalt zugleich. Komm schon, Vera. Sag einfach irgendwas. »Das war Dean... Ein... ein alter Freund.«

»Ein alter Freund?«, wiederholt Derek und sieht mich an. Er will anscheinend, dass ich mehr dazu sage, doch das ist nicht ganz so einfach. Genauso wie er Probleme hat, über seine Vergangenheit zu sprechen, habe ich diese auch. Ich frage mich nur, ob ihm das überhaupt bewusst ist.

Ich zögere. »Er ist Lydias Bruder. Wir standen uns sehr nah.«

Derek nickt langsam und ich bilde mir ein, etwas dunkles über seine Augen huschen zu sehen. Doch eine Sekunde später ist es auch wieder weg und er reibt sich den Nacken. »Was wollte er hier? Oder wohl eher, was wollte er von dir?«

»Er wollte reden.«

»Über euch?« Nun sehe ich ganz deutlich, dass Derek das alles nicht willkommen heißt. Denn sein Blick ist einwenig dunkler und sein Gesichtsausdruck verrät mir, dass er eine ganz bestimmte Antwort von mir erwartet. Doch diese kann ich ihm leider nicht geben, so gerne ich auch würde.

»Ja, über uns«, bestätige ich also seinen Verdacht und sehe Derek dabei zu, wie er die Getränke wieder auf dem Tresen ablegt und dabei schwer ausatmet. Er will anscheinend nicht, dass ich merke, wie seine Laune umschlägt, doch das tue ich.

Und um ehrlich zu sein, gefällt es mir, dass es ihm nicht geheuer ist. Denn das zeigt mir zumindest, dass Derek etwas an mir liegt. Das kann er nämlich nicht mit Worten sagen, aber seine Taten sprechen dafür.

Und das ist doch das Wichtigste, oder?

Derek bleibt von mir abgewandt, als er erneut zum Reden ansetzt. »Wart ihr zusammen?«

»Nein« Ich spiele nervös am Saum vom Shirt rum und versuche mich damit zu beruhigen. »Wir waren nie zusammen. Aber eigentlich auf einem guten Weg dahin. Trotzdem... waren wir immer nur Freunde.«

Derek dreht sich endlich wieder zu mir und atmet tief durch. »Okay.«

Ich betrachte ihn unsicher. »Bist du sauer?«

»Nein. Nein, natürlich nicht.« Derek seufzt, als er einen Schritt auf mich zumacht, dann jedoch für einen Moment zögert. »Liebst... liebst du ihn denn noch?«

Überrumpelt schließe ich den Mund. Denn das Derek so direkt fragt, kommt wirklich überraschend. »Nein«, antworte ich leise, aber ehrlich. »Ich liebe ihn nicht mehr. Zumindest nicht in die Richtung, an die du denkst.«

»Okay«, wiederholt Derek nur und ich erkenne, wie eine kleine Last von ihm fällt, als er ausatmet und seine Schultern sinken lässt. Er wirkt nicht mehr so angespannt, als er sich über die Lippe leckt und dann auf die anderen deutet, die Gottseidank total in ihr Gespräch verwickelt sind. »Dann lass uns mal langsam zurück.«

Ich nicke, ehe ich Derek dabei helfe, die Getränke zu tragen und wir uns zusammen zurück zu den anderen gesellen.

»Das hat aber lange gedauert«, bemerkt Liv, die uns als erstes bemerkt.

Mein Herzschlag beschleunigt sich, als ich Lydias Blick auf mir spüre. »Ja... sorry.« Ohne noch etwas zu sagen, setze ich mich und trinke so viel von meiner Cola, als wäre ich am verdursten und entkomme somit dem Druck, noch etwas sagen oder mich gar rechtfertigen zu müssen. Denn dann würde ich mich dazu gedrängt fühlen, zu lügen. Und das will ich nicht, verdammt.

»Okay, da war dieser eine krasse Moment, als...«, beginnt Lydia voller Elan zu erzählen, während Asher an ihren Lippen hängt und ihr total interessiert zuhört, doch ich bin mit dem Kopf ganz wo anders und bin keine Sekunde später mental nicht mehr anwesend.

Meine Ohren schalten auf Durchzug, genauso wie mein Verstand, der sich absetzt und mich mit meinen Gedanken alleine lässt...

****

Tage vergehen.

Tage, in denen ich nichts von Derek höre. Und ob ich will oder nicht, ich kann die Enttäuschung darüber nicht verbergen. Denn ich habe gehofft, dass wir uns nach allem was zwischen uns war, nicht mehr aus dem Weg gehen.

Gut, ich kann Derek nicht unterstellen, dass er mir aus dem Weg geht, doch dass ich in den letzten fünf Tagen nichts von ihm gehört habe und ihn auch kein einziges Mal in der Highschool gesehen habe, ist komisch.

Normalerweise begegne ich ihm des Öfteren im Korridor oder zumindest einmal in der Cafeteria. Doch nichts von beidem war der Fall, was mich beunruhigt. Wer weiß, vielleicht übertreibe ich auch maßlos, ich kenne mich schließlich nicht groß mit Kerlen aus, aber das Derek wie vom Erdbeben verschlungen scheint, dass kann doch nicht normal sein.

Und schon garnicht dann, wenn wir doch ausgemacht haben, uns besser kennenzulernen.

Demnach bin ich auch alles andere als motiviert. Ich muss ehrlich sagen, dass ich Derek vermisse und mich dieses Gefühl runterzieht. Vor allem wenn ich denke, dass es meine Schuld ist. Vielleicht hält er sich fern von mir, weil er sauer wegen der Sache mit Dean ist. Aber irgendwie kann ich mir das nicht vorstellen. Zumindest nicht, dass es nur deshalb ist.

Da muss doch noch was anderes sein.

Oder glaubt er vielleicht, dass ich gelogen habe? Das da etwas zwischen Dean und mir ist? Das ich noch nicht mit ihm abgeschlossen habe?

»Kommst du?« Dad wirft mir einen Blick zu, der mich dazu bringt, den Einkaufswagen weiterzuschieben. »Holst du noch schnell zwei Packungen Spagetti?«

Ich nicke nur und laufe zurück, während sich Dad schonmal auf die Kasse zubewegt. Dabei schlurfe ich vor mich her und schnappe mir auf den Weg dahin noch eine Packung Kekse. Heute Abend wird schließlich eine lange Phase in der ich mich ablenke und Filme allein reichen da leider nicht aus. Ich brauche noch Schokolade, Chips, Kuchen und jetzt habe ich auch Lust auf Kekse bekommen.

Verständlich.

Als ich bei den Nudeln ankomme, schnappe ich mir zwei Packungen Spaghetti und will schon wieder los, als meine Aufmerksamkeit von etwas eingefangen wird. Meine Augen erfassen nämlich eine Person auf der anderen Seite und mein Herz rutscht mir mit einem Mal in die Hose. Ich blinzle zweimal und kneife anschließend die Augen zusammen, doch an meiner Erkenntnis verändert sich nicht.

Denn die Person da drüben ist ganz klar Rider.

Auch wenn er komplett dunkel gekleidet ist und die Kapuze seines schwarzen Hoddies tief ins Gesicht gezogen hat, erkenne ich ihn. Und als mein Puls zu rauschen beginnt, genauso wie mein Blut und ich Panik bekomme, will ich los. Doch genau in dem Moment erfassen mich seine Augen. Und ob ich will oder nicht, ich bin wie gelähmt. Mein Körper bringt keine Reaktion zu Stande und so kommt es, dass ich wie eine Statue stehenbleibe und einfach nur in seine intensiven grünen Augen starre.

Rider beißt den Kiefer zusammen und seine Augen blitzen auf, als er mich erkennt. Und so vergehen Sekunden. Sekunden, in denen er einfach nur zu mir sieht und ich erkenne, dass sich etwas an dem Blick verändert hat, mit dem er mich betrachtet.

Und als er seufzt und sich dann abwendet, ohne etwas zu sagen oder noch einmal zu mir zurücksehen, bin ich verwirrt und erleichtert zugleich.

Denn ich hätte um ehrlich zu sein nicht damit gerechnet, dass er mich einfach so stehen lässt. Derek sagte zwar, dass er das mit Rider geklärt hat, aber das nichtmal ein Kommentar von ihm kommt, ist wirklich... erstaunlich.

»Vera?«, höre ich meinen Vater rufen und ich zucke zusammen, um dann zu ihm rüber zu laufen und ihm die Packungen Spaghetti zu überreichen.

»Wieso hat das so lange gedauert?«

Überrumpelt sehe ich zu meinem Vater und zucke dann schwach mit den Schultern, während mein Blick dabei wie von selbst durch den Supermarkt schweift, doch nirgends ist auch nur eine Spur von Rider zu erkennen.

Und auch wenn ich es nicht will, dass macht mich stutzig. Vor allem, weil ich den Ausdruck in seinem Blick nicht vergessen kann. Denn er hat mich angesehen, als wäre nichts menschliches an mir.

Als wäre ich der Dreck unter seinen Schuhsolen.

So, als hätte ich ihm etwas angetan.

Und das bringt mich dazu, darüber nachzudenken, wie Derek das geregelt hat? Was hat er gesagt oder getan, um Rider dazu zu bringen, sich so zu verhalten?




A/N:

Ein eher kurzes Kapitel, I know

Muss eigentlich SO VIEL für die Schule tun und mega viel lernen, aber stattdessen schreibe ich ein Kapitel. Das ist eigentlich so dumm und ich verarsche mich selbst damit, aber auf einmal kann ich mich nur noch darauf konzentrieren 😂🥊

Naja, was soll man machen. 🐢

Wie läuft es bei euch so mit der Schule und dem Leben an sich?

xx

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