chapter 26
Chapter 26 -
Twisted
Ich kann es einfach nicht glauben. Ich kann nicht glauben, dass es Menschen wie Derek gibt. Menschen, die andere von sich wegstoßen, aber zur selben Zeit an sich ziehen. Menschen, die einen gegen den Willen in den Bann ziehen.
Und das ohne jegliche Vorwarnung...
Gott, ich hasse es einfach, dass er mich immer wieder vor den Kopf stößt und mir dann kurz einen Einblick auf seinen Charakter gibt, um danach wieder zu zumachen und mir das Gefühl zu geben, ich mache etwas falsch.
Oder, dass etwas an mir falsch ist.
Was es auch ist, es macht mich fertig. Ich will es zwar nicht an mich ranlassen und mir schon garnicht den Kopf über Derek's verkehrtes Verhalten zerbrechen, doch ich kann nicht anders. Dieses komische Gefühl lässt mich einfach nicht los.
Ich bin mir sicher, dass da etwas vorgeht.
Einfach so ist Derek sicher nicht so, wie er ist. Irgendetwas muss ihn geprägt haben. Irgendetwas muss ihn zu dem kalten und verschlossenen Menschen gemacht haben, der er heute ist.
Ich selbst kann sowas am besten beurteilen, schließlich ist es bei mir ähnlich. Ich habe mich verändert weil schreckliche Dinge passiert sind, die ich nicht rückgängig machen kann, aber ich frage mich, was Derek alles durchmachen musste, um so verbittert zu sein, wie er es ist.
»Was ist los?«, höre ich Olivia über die laute Musik hinweg rufen, doch im ersten Moment bin ich so neben der Spur, dass die Worte nur an meinem Kopf abprallen. Olivia sieht besorgt aus, als sie mich im nächsten Moment in den Arm zwickt. »Hallo? Vera... Ist alles okay?«
Ich blinzle zweimal, ehe ich wieder bei Verstand bin und schwach nicke. »Alles... alles ist gut.«, erwidere ich dann noch immer benommen und sehe mich zum millionsten Mal in der Menge um, doch nirgends kann ich Derek ausmachen.
Wahrscheinlich ist er schon gegangen oder Gott weiß wo...
»Natürlich ist irgendwas, dass kann ich doch sehen. Hat es etwas mit deiner Abwesenheit vorhin zutun?« Liv zieht ihre Stirn in Falten und zieht mich an die Seite, weg von all den tanzenden Menschen. »Wenn du willst kann ich dich sofort nach Hause fahren. Ich sehe doch, dass es dir nicht gut geht und-«
»Nein!« Ich reiße die Augen auf und bekomme es mit einem Mal mit einem schlechten Gewissen zutun. Sie muss mich nun nicht nach Hause fahren. Ich weiß doch, wie lange sie auf diese Party gewartet hat und ich möchte ihr den Spaß nicht verderben. Das wäre einfach nicht okay. »Das ist wirklich nicht nötig. Es geht schon, ehrlich.«, beteure ich dann und sie glaubt mir.
Natürlich tut sie das. Denn in Sachen lügen über die Gefühlslage bin ich die beste. Ich glaube, wenn ich es wollen würde, was ich oft tue, würde niemals irgendjemand hinter meine Maske schauen können. Ich bin ganz einfach geübt darin, alles in mich zu fressen und einfach zu tun, als wäre alles in Ordnung.
»Okay.« Liv atmet tief durch und schenkt mir dann ein breites und anzügliches Lächeln. »Asher war vorhin noch hier und hatte nach dir gefragt. Anscheinend hat er auf dich gewartet...«
»Echt?« Oh man, ich hatte gehofft, dass er einfach gegangen ist. Ich wollte ihn nicht warten lassen, dass war echt nicht meine Absicht.
Hoffentlich nimmt er es mir nicht übel...
Liv's Grinsen wird noch breiter, als sie fortfährt. »Läuft da irgendwas zwischen euch? Ich meine, ich hab euch ja auch letztens in der Schule zusammen gesehen und.... ihr würdet ein wirklich süßes Paar abgeben.«
Ich reiße die Augen auf und hätte fast gelacht, so abwegig ist der Gedanke, sie könnte ehrlich glauben, Asher und ich seien ein Paar. »Nein, keine Sorge, da läuft rein gar nichts zwischen uns. Asher ist mir nur ein echt guter Freund geworden, in den vergangenen Tagen. Das schätze ich zumindest...«
Liv grinst immer noch. »Ach so. Aber naja, wer weiß. Was nicht ist, kann ja noch werden.«
Ich schüttle den Kopf, doch belasse es dabei. Desto mehr ich dazu sage, umso mehr wird sie da hineininterpretieren. Deshalb lasse ich es lieber gleich. Es reicht ja schon, wenn Asher und ich wissen, dass wir ganz einfach Freunde sind.
Und ich hoffe, daran wird sich nichts verändern. Denn ich mag ihn wirklich. Er ist ein toller Mensch und ein noch tollerer Freund. Wenn man das überhaupt so sagen kann.
Ich lächle und nehme einen Schluck von meiner Cola, ehe ich mich ein weiteres Mal in der Menge umsehe, und als ich dann eine bekannte Gestallt erspähe, die gerade in die Küche läuft, halte ich die Luft an. Wenn ich mich nicht irre, könnte das Derek gewesen sein. Zumindest könnte ich schwören, dass er es war.
Hastig drehe ich mich weg und nehme noch einen großen Schluck.
Ich muss damit aufhören.
Endgültig.
Ich nicke mir selbst zu und bestärke meine Gedanken, indem ich mich wieder an Liv wende und nach draußen auf den Hinterhof deute. »Hast du Lust, dich in die richtige Party zu stürzen?«
Liv braucht einen Moment, ehe sie erfreut in die Hände klatscht und sich mit einem quieken in Bewegung setzt. Ich folge ihr lachend und versuche alle bösen Gedanken und Gefühle loszulassen, was mir spätestens dann gelingt, als wir draußen auf dem Rasen stehen und überwältigt die Leute beobachten.
Es kommt mir so vor, als wären es nur noch mehr geworden.
Wow...
»Wollen wir Dominik und Blerona suchen gehen?«, höre ich Liv's Stimme gerade noch so, denn hier draußen ist es noch lauter als drinnen, und das soll was heißen. Mir tun die Nachbarn echt total leid.
»Wie du willst. Such du vorne bei den Trinkspielen und ich klapper den Poolbereich ab. Lass uns dann in zehn Minuten wieder hier treffen.«, entgegne ich und warte nur auf ein Nicken ihrerseits, ehe ich mich auch schon auf die Suche nach Liv's Freunden mache, was sich als nicht besonders erfolgreich entpuppt. Denn ich finde sie nirgends. Ich laufe zweimal um den Pool und sehe mich nicht nur im Wasser, sondern auch bei den Liegen und bei der Anlage um, doch ich sehe nirgends auch nur einen von ihnen, was komisch ist.
Wer weiß, vielleicht hat Olivia sie ja gefunden.
Mit diesem Gedanken möchte ich zurück zu dem Ort, an dem wir ausgemacht haben, uns am Ende wieder zu treffen, doch ich komme nicht weit, da ich von einer mir bekannten und nicht gerade sympathischen Person aufgehalten werde.
Ich seufze, als George sich mir in den Weg stellt und zu meiner Überraschung ein überhebliches Grinsen auf den Lippen trägt. Um ehrlich zu sein dachte ich, dass er nach der Sache mit Derek vergessen hat, wie das geht.
»Na sieh mal einer an...«, beginnt er und ich möchte kotzen, weil mich selbst seine Stimme so aggressiv macht, dass mir übel wird. »Der Teufel höhst persönlich.«
Ich schnaube. »Genau das selbe habe ich auch gedacht.«
»Ach wirklich?« George hört urplötzlich auf zu Grinsen und sieht mit einem Mal gruselig aus. In seinem Gesicht liegt nichts überhebliches mehr, im Gegenteil, er sieht ganz plötzlich gefährlich monoton aus. Doch ich merke, dass er wütend wird. »Ich hab die Sache von letztens noch nicht vergessen. Wir haben noch eine offene Rechnung, falls du das vergessen hast.«
»Eine offene Rechnung?«, wiederhole ich und bekomme es mit einem Mal auch mit der Wut zutun. Und sie ist kaum zu bändigen. »Du bist so unfassbar dumm. Geh mir einfach aus den Weg.« Ich will an ihm vorbeilaufen, doch er packt mich am Unterarm und drückt nicht gerade sanft zu, was mich einen Moment aus der Bahn wirft.
Ich will ihm meine Hand entziehen, aber er packt nur noch stärker zu. »Bist du bescheuert? Lass mich los!«, rufe ich, doch er regt sich nicht und denkt wahrscheinlich nicht einmal daran, meinen Arm loszulassen.
»Du hast mich wirklich wütend gemacht. Und das war nicht sehr schlau von dir...«, höre ich ihn dicht an meinem Ohr sagen und es läuft mir kalt den Rücken hinab.
»Nicht schlau?« Ich sehe George an, der nun lächelt. »Weißt du was nicht schlau war? Das du es gewagt hast, mich erneut zu berühren und mir noch einmal so nahe zu kommen. Genieß die Abkühlung, vielleicht hilft sie dir ja dabei einen klaren Gedanken zu fassen.« Ehe er verstehen kann, was ich damit meine, reiße ich meinen Arm mit einem Mal aus seinem Griff und schubse ihn mit aller Kraft zurück.
Und es klappt tatsächlich.
George ist so unvorbereitet, dass er es nicht mehr schafft, sich abzufangen und keine zwei Sekunden später rückwärts und mit einem lauten Platschen im Pool landet.
Ein Raunen geht durch die Menge und viele Menschen halten inne, um erst zu George, der mit seinen nun nassen Klamotten im Pool auftaucht und wütend ins Wasser schlägt, und anschließend zu mir zu sehen.
Ich schlucke und stecke die Blicke weg, ehe ich mich wieder in Bewegung setzte und mich von dem Pool und somit auch von George entferne. Doch weit komme ich nicht, denn nach einigen Schritten halte ich inne. Und das nicht, weil ich mir unsicher bin oder so. Ich halte inne, weil ich beinahe in Derek gerannt wäre.
»Oh mein Gott«, stoße ich erschrocken hervor, doch Derek scheint mich garnicht so richtig wahrzunehmen, denn sein Blick geht starr an mir vorbei.
»Warum hast du ihn in den Pool geschubst?«
Ich erstarre, denn die Tonlage, in der er die Frage stellt, ist angst einflößend. Er hört sich so an, als wäre er jederzeit bereit, zu George rüberzulaufen und ihn zu töten. Und ich weiß nicht genau, was ich davon halten soll.
Ich räuspere mich und bin für einen Augenblick unsicher, doch dann reiße ich mich wieder zusammen und erinnere mich an das zurück, was Derek vor einer Stunde abgezogen hat. »Das geht dich nichts an.« Mit diesen Worten will ich an ihm vorbeilaufen, doch er stellt sich mir wie George zuvor in den Weg. Doch anders als bei George macht mein Herz bei Derek hüpfe, was ich eigentlich nicht will.
Doch ich habe anscheinend kein Mitspracherecht...
Nun sieht mich Derek an und in dem Moment, als sein Blick auf meinen trifft, werde ich schwach. Ich werde schwach, weil ich seine Augen liebe und weil ich nicht abstreiten kann, dass ich das Gefühl liebe, das ich empfinde, wenn er mich ansieht. Wenn er mich ansieht, wie er es jetzt gerade tut.
Direkt und ohne Umschweife.
Und so dumm sich das auch anhört, es fühlt sich so an, als würde sein Blick direkt auf meine Seele treffen.
»Antworte einfach. Hat er dir irgendetwas getan? Ist er dir zu nahe gekommen?«, wiederholt Derek und seine Stimme ist messerscharf.
Eine Gänsehaut macht sich auf meinem Körper breit, die ich mit einem Mal wegstreiche. Ich schüttle den Kopf und lasse die Wut zu, die mich mit einem Mal packt und allem anderen Luft macht. »Weißt du was? Dafür, dass ich dir doch so gleichgültig bin, scheinst du dich ziemlich um mein Wohlergehen zu kümmern.«
Derek sieht mich an. Er kneift die Augen zusammen und kommt mir noch einen Schritt näher, sodass wir nun unmittelbar gegenüber von einander stehen. Mein Atem kommt nur noch stoßweise, und das liegt nicht nur an meiner Wut.
»Wo hat er dich berührt?«
Okay, dass wars.
Verärgert und benommen zugleich ziehe ich die Brauen zusammen und bemühe mich darin, meine Maske weiterhin aufrecht zu erhalten.
Gott, hört er mir überhaupt zu?
»Das geht dich einen Dreck an, Derek. Verstehst du das nicht?« Ich fasse mir an die Schläfe und schließe die Augen, weil ich nicht fassen kann, wie verwirrend er ist. »Du warst doch der jenige, der vorhin noch gesagt hat, dass ich mich von dir fern halten soll. Also... was soll das?«
Derek seufzt schwer und fährt sich durch die Haare, ehe er seine Hand im Nacken verweilen lässt und mit sich selbst ringt. Das bemerke ich, weil er eine ganze Zeit lang braucht, bevor er mir nach einem tiefen Atemzug antwortet. »Du hast recht.«
Es verletzt mich, sowas zu hören. Das tut es wirklich. Denn ich hatte gehofft, dass er mir nicht zustimmt und sich stattdessen für das von vorhin entschuldigt, doch wie es aussieht meint er das, was er gesagt hat. Er will nichts mit mir zutun haben...
»Ja, leider.«, sage ich nur und versuche garnicht erst, die Enttäuschung in meiner Stimme zu verbergen. Ich versuche es nicht, da ich es satt bin. Soll er doch sehen, dass mich seine Worte treffen. Interessieren tut es ihn ja sowieso nicht.
Derek erwidert nichts, er sieht mich einfach nur an. Und irgendwann habe ich genug davon. Ich schlucke schwer und reiße meine Augen schweren Herzens von seinen los, ehe ich meinen Weg zu Olivia fortführe.
Meine verletzten Gefühle und die Enttäuschung in meinem Herzen ignoriere ich dabei.
Okay, zumindest versuche ich es.
Auch wenn es schwer ist.
A/N:
Okay, hier kommt das versprochene Kapitel und ich bin so gehyped, weil ich schon weiß, was als Nächstes kommen könnte, hehe. Seid einfach gespannt und lasst euch überraschen.
Ich hoffe sehr, das nächste Kapitel lässt nicht allzu lange auf sich warten und ich bin beim Schreiben voller Motivation.
Also, dass wars auch schon (fürs erste) - ich wünsche euch einen wunderschönen Abend und sage bis zum nächsten Kapitel,
KISSES
Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top