chapter 22
Chapter -
It's all about you
Die nächste Woche zieht ziemlich monoton an mir vorbei. Ich stehe auf, gehe in die Schule, komme nach Hause, esse und gehe wieder schlafen. Am Samstag habe ich mich mit Olivia getroffen und ich muss zugeben, dass ich überraschend viel Spaß hatte. Doch als ich am Sonntag Abend wieder alleine in meinem Bett liege und mir die Nachrichten meiner Freunde durchlese, die ich ja eigentlich garnicht mehr so nennen darf, weil ich sie ohne eine Erklärung zurückgelassen habe, sinkt meine Laune wieder.
Ich denke lange nach und es kostet mich verdammt viel Mut, als ich eine halbe Stunde später Lydia's Nummer wähle und mit einem viel zu schnell schlagendem Herz darauf warte, ob sie meinen Anruf annimmt.
Gott, wenn ja, wie soll ich ihr erklären, was in mir vorgeht und warum ich einfach so verschwunden bin? Will sie mir nach alldem denn überhaupt zuhören, oder bin ich schon seit langem für sie gestorben? Schließlich sind seit meinem »Umzug« schon einige Wochen vergangen und in diesen habe ich ihr ein einziges Lebenszeichen gegeben.
Nicht mehr, und nicht weniger.
»Vera?«, höre ich urplötzlich jemanden durchs Handy sagen und ich zucke so heftig zusammen, dass es mir beinahe aus der Hand gefallen wäre. Doch sobald ich realisiere, wessen Stimme das gerade war, umklammere ich mein Handy fester. »Lydia...«
Ich höre sie am anderen Ende der Leitung nach Luft schnappen. »Bist... bist du es wirklich? Ich meine... wie... warum rufst du jetzt erst an?«
Ich seufze leise. »Es... Es tut mir so leid, dass ich dich und die anderen so lange warten lassen hab, dass war nicht meine Absicht... oder zumindest wollte ich keinem von euch bewusst Sorgen machen.«
»Hey... Das ist schon okay, Vera. Das einzig wichtige ist, dass du dich endlich meldest. Oh mein Gott, ich kann's nicht glauben. Verdammt, wie geht es dir?«, rattert Lydia ohne Punkt und Komma runter und ich muss beinahe lachen, da ich das unendlich vermisst habe.
»Es geht mir den Umständen entsprechend gut, mach dir bitte keine Sorgen. Was ist mit euch? Wie geht's dir und den anderen?«, höre ich mich selbst fragen und den plötzlichen Knoten in meinem Magen kann ich dabei nicht ignorieren. Denn wenn ich an Mona denke, die wahrscheinlich unendlich wütend ist, da ich mich bisher noch nicht bei ihr gemeldet habe und Dean, der sich wahrscheinlich noch immer große Sorgen macht, fühle ich mich wieder schlecht.
Wirklich schlecht.
»Den anderen geht es... ganz gut. Aber sie machen sich ebenso sorgen um dich.«, antwortet Lydia und ich weiß nicht warum, aber ich höre da noch etwas anderes in ihrer Stimme schwingen. »Hast du sie schon angerufen?«
Ich schüttle den Kopf, doch bemerke einen Moment später, dass sie mich ja nicht sehen kann. »Nein... nein, du bist die erste. Um ehrlich zu sein weiß ich garnicht, ob ich mich traue, Dean oder Mona anzurufen. Ich meine, Mona wird mich wahrscheinlich sowieso ignorieren und Dean.... ich habe Angst, dass er mich hasst.«
Lydia gibt einen ungläubigen Laut von sich. »Oh Gott nein, glaub mir, Dean hasst dich sicherlich nicht. Er hat sich die ganze Zeit über Gedanken gemacht und fragt mich immer noch täglich, ob du dich bei mir gemeldet hast. Mein Bruder ist verrückt vor Sorge um dich. Er würde dich niemals hassen können, Vera.«
Ich halte den Atem an. Doch das nur, weil mich ihre Worte ungemein erleichtern. Denn tief in meinem Inneren wollte ich genau das hören.
»Danke, Lydia. Danke, dass du mich aufbaust und nicht verurteilst, für das, was ich getan habe.«, sage ich und kann dabei nicht verhindern, dass meine Stimme zu zittern beginnt.
»Ich könnte dich niemals verurteilen, du bist doch meine beste Freundin. Ich verstehe, warum du verschwunden bist. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich nach so einem Schicksalsschlag wahrscheinlich genau das selbe getan.« Sie macht eine Pause, ehe sie fortfährt. »Ich hoffe nur, dass der Tapetenwechsel etwas bringt und es dir mindestens ein wenig besser geht. Und ich hoffe, dass du dich ab jetzt täglich meldest, weil ich würde die Ungewissheit nicht aushalten.«
»Aber klar, dass mach ich!«, rufe ich, erleichtert darüber, dass sie überhaupt noch etwas von mir wissen will. Gott, ich habe sie nicht verdient. »Danke für alles. Du bist der tollste Mensch, dem ich jemals begegnet bin.«
»Das kann ich nur zurückgeben.«
Ich lächle, weil ich zum ersten Mal im Leben bemerke, dass ich auch Glück habe. Das Glück, dass ich so einen unglaublichen Menschen kennen darf.
»Ist es okay, wenn ich dich morgen nochmal anrufe und dir dann alles genauer erkläre?«, frage ich, da mir auffällt, dass ich mich auch bei Dean und Mona melden sollte.
»Aber klar. Mach dir keinen Stress. Ich warte.« Lydia lacht und ich kann nicht anders, als mit einzustimmen.
»Gut, dann hören wir uns morgen.«
»Bis morgen.«
Das altbekannte Piepen ist zu hören und ich bleibe einen Moment einfach so sitzen, mit dem Handy an meinem Ohr und meinem erleichterten Atem, ehe ich es von meinem Gesicht entferne und Dean's Nummer eintippe.
Ich warte und warte, doch er geht nicht ran. Auch beim zweiten Mal kommt keine Antwort und mir wird einwenig mau. Ich weiß, dass er nicht rangeht, heißt nicht direkt, dass er nicht mit mir reden will, vielleicht hat er sein Handy gerade einfach nicht bei sich oder ist beschäftigt, aber dennoch überkommt mich ein mulmiges Gefühl.
Kurzerhand entscheide ich mich dazu, es bei Mona zu versuchen, doch auch sie hebt nicht ab. Und bei ihr liegt es sicherlich daran, dass sie wütend auf mich ist.
Das ist auch der Grund, weswegen ich mich dazu entscheide, ihr eine Nachricht zu hinterlassen.
Nachricht an Mona:
Egal wie sauer du auf mich bist, bitte lass mich dir zumindest versuchen, alles zu erklären. Du bist meine Freundin und es ist mir wichtig, dass du zumindest die Wahrheit kennst.
Ohne zu Zögern drücke ich auf senden und entscheide mich kurzerhand auch dafür, Dean eine Nachricht zu hinterlassen.
Nachricht an Dean:
Hey, ich hab versucht, dich anzurufen. Wenn du das liest, bitte ruf zurück. Wir müssen reden. Ich hab schließlich viel zu erklären, und ich hoffe, du willst mir noch zuhören.
Sobald ich auch den Text abgeschickt habe, lege ich mein Handy auf mein Bett und erhebe mich, um mir etwas zum Essen zu machen. Doch ich schaffe es noch nicht einmal bis zu Tür, als mein Handy zu klingeln beginnt und ich innehalte.
Blitzschnell laufe ich zurück zu meinem Bett und greife nach meinem Handy, doch als auf dem Bildschirm weder Dean, noch Mona, sondern Olivia's Name erscheint, muss ich mich davon abhalten, enttäuscht zu seufzen. Nicht, weil ich nicht mit Liv sprechen möchte, sondern einfach, weil ich dachte, einer von beiden ist bereit dazu, mich anzuhören.
Ich sammle mich, ehe ich den Anruf annehme. »Hey Liv.«
»Hey Vera, Gottseidank. Ich hatte kurz die Befürchtung, du wärst am schlafen oder so.«, höre ich sie aufgeregt sagen und ich kann nicht anders, als zu lachen.
»Okay, neun Uhr ist selbst für mich einwenig früh.«, bemerke ich belustigt.
Liv steigt in mein Lachen ein. »Ich habe gute Neuigkeiten. Heute Nacht ist die Nacht des Jahres.«, trällert sie und macht mich tatsächlich neugierig.
»Die Nacht des Jahres?«
Sie zieht scharf die Luft ein. »Sag mir nicht, du weißt nicht, was das heißt.«
»Ich habe keinen blassen Schimmer.«
»Ach ja, ich vergesse immer wieder, dass du neu in der Stadt bist. Guck mal, jedes Jahr gibt es eine Party, wir nennen sie die Nacht des Jahres. Das ist die krasseste Party hier und einfach jeder geht hin. Gerade ging die Nachricht rum, dass die Party in kürze stattfindet, der Standort wurde auch rumgeschickt. Und rate mal, wer mich auf diese Party begleiten wird?«, ruft Olivia und man könnte meinen, sie hätte tatsächlich ein Jahr lang auf diesen Abend gewartet.
Ich stocke. »Ich?.«
»Exakt.« Sie lacht erneut. »Und? Willst du mich begleiten?«
Ich überlege einen Moment. Um ehrlich zu sein, ist das keine so schlechte Idee. Denn ich glaube, wenn ich heute zuhause bleiben würde, würde ich wahrscheinlich die halbe Nacht wachliegen und mir den Kopf darüber zerbrechen, warum Mona und Dean nicht rangegangen sind. Das ist auch der Grund, warum ich mich räuspere und zusage. »Ja, warum nicht. Ich schätze, ich muss langsam anfangen, diese Stadt und die Menschen hier besser kennenzulernen. Das kann ja nicht schaden.«
Olivia quiekt erfreut auf und in diesem Moment erinnert sie mich ein bisschen an ein kleines Mädchen, dass ihre heiß geliebte Puppe bekommen hat. »Perfekt! Ich bin in einer halben Stunde bei dir. Mach dich schnell fertig, die Nacht wird unvergesslich!«
»Okay, bis gleich.«
»Halleluja!« Mit diesen Worten legt sie auf und ich lasse mich mit dem Rücken zurück in mein Bett fallen. Für einen Moment bleibe ich einfach so liegen und starre stumm an die Decke. Einen Moment konzentriere ich mich einfach nur auf die Stille und dem Schlag meines Herzens, ehe ich aufspringe, zu meinem Schrank renne und anfange, mich vorzubereiten.
Und das tatsächlich mit einem Lächeln auf den Lippen.
A/N:
Hoffe wie immer ihr hattet Spaß beim lesen und freut euch aufs nächste Kapitel, meine Freunde.❤️
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