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- David's P.o.V. -

,,Alter, was ist denn mit dir los?", fragte ich Marvin, der die ganze Zeit von einem Fuß auf den anderen trat. Eigentlich wollten wir uns gerade auf den Weg zu Geschichte machen, aber offenbar wollte er mir noch etwas sagen.

,,V-vi", begann er stotternd, doch redete nicht weiter, denn ein schmerzvoller Schrei ertönte und ich lief los, mit Marvin im Anschluss. Mir wurde sofort klar, dass der Schrei von meinem Mädchen kam und eine unbeschreibliche Angst durchfuhr meinen Körer. Als wir sie gefunden hatten, blieb ich geschockt stehen. Wie in Trance stand ich vor ihrem regungslosem Körper und Marvin rannte sofort zu ihr. Ich hatte mittlerweile auch verstanden was passiert war und lief unter Tränen zu ihr. ,,Vivienne", brüllte ich, doch sie zeigte keine Regung. Marvin wählte kreideweiß die Nummer vom Krankenwagen und ich sah die Treppen herauf, von der sie gestürzt war.

,,Und die Polizei kannst du direkt mitrufen", rief ich wutentbrannt und lief die Treppen zu der Clique hoch.

Meine Freunde waren auch eingetroffen und blieben bei Vivienne, denn mich hatte der Zorn gepackt und ich schubste Michelle zur Seite. Jonas und Marcel standen hinter ihr und ich holte aus. Es war mir scheiß egal, wen ich jetzt erwischte, denn sie hatten es alle verdient. Mit voller Wucht und Zorn, der sich die letzten Monate angestaut hatte, schlug ich in Jonas Gesicht. Ich könnte schwören, seine Nase knacken gehört zu haben und stieß ihn heftig vor die Wand. Ich holte erneut aus und diesmal traf ich Marcel. Dieser wehrte sich hingegen und schlug mir auf die Lippe. Das ließ ich jedoch nicht auf mir sitzen und trat so oft in seine Magengegend, bis er sich vor Schmerzen krümmte und am Boden lag. Die drei Mädchen standen unter Schock daneben und ich schubste Sophie mit einer verdammten Kraft vor die Wand, sodass sie kurz benommen war. Jetzt hatten sie vor mir Angst. Nicht wie sonst immer, dass meine Freundin vor ihnen Angst haben musste.

Ich packte Sophie am Hals und drückte sie noch fester als vorher schon gegen die Wand. ,,Dafür werdet ihr bezahlen", brüllte ich mir die Seele aus dem Leib und drückte zu.

,,David", schrie jemand und ein mittlerweile eingetroffener Polizist drängte sich dazwischen. Er wollte mich festnehmen, aber Kim erklärte ihm alles, sodass ich zuerst zu einem Krankenwagen gehen sollte, weil noch zwei weitere gerufen wurden. Ein Sanitäter verarztete meine blutende Lippe und meine rechte Hand.

Ich realisierte erst dann was ich getan hatte und besonders warum.

,,Wo ist meine Freundin?", fragte ich aufgebracht und der Sanitäter deutete auf den Krankenwagen neben uns. Ich lief rüber und sah, wie Lara und Kim sich weinend im Arm hielten. Marvin saß noch immer aussehend wie eine Wasserleiche auf der Stufe des Krankenwagens. Ich ging in den Wagen herein und hielt ihre Hand.

,,Vivienne." ,,Vivienne", flüsterte ich immer wieder weinend und stützte mich auf der Liege ab, weil es sich anfühlte, als würde mir der Boden unter den Füßen weggerissen werden. Zwei Sanitäter kamen plötzlich und wollten die Türen des Krankenwagens schließen.

,,Sind Sie ein Angehöriger?", fragte mich die Frau musternd und ich antwortete ihr : ,,Nein, aber ihr Freund. Bitte, ich muss mitkommen." Sie nickte nach kurzem zögern und Lara rief mir noch ein "Wir fahren sofort hinterher" zu.

Die beiden Sanitäter, die hinten im Wagen waren, riefen sich die ganze Zeit irgendwelche Sachen zu, die für mich wie Chinesisch klangen und die ich nicht verstand. ,,Wird sie es schaffen?", fragte ich vollkommen am Ende.

,,Hoffen wir das beste. Jetzt hängt alles von ihr ab", antwortete mir der Mann und nickte mir zu. Ich drückte Viviennes Hand stärker und lehnte mich an die Wand des Wagens an. Mit Blaulicht und gefühlten 300km/h fuhren wir in das Krankenhaus.

Und erneut musste ich erst realisieren, was passiert war. Die Clique hatte Vivienne die Treppe heruntergeschubst und ich hatte Jonas und Marcel grün und blau geschlagen. Das hatte Konsequenzen, das wusste ich, aber erstens hatten diese Drecksschweine es sowas von verdient und zweitens würde ich alles für Vivienne tun. Die Wut brodelte wieder in mir hoch, aber ich hielt mich zurück.

Als wir im Krankenhaus eintrafen, wurde mir Vivienne wortwörtlich entrissen. Die Sanitäter hatten die Trage hochgehoben und irgendwo hingebracht. Ich stand regungslos und wie in Trance vor dem Eingang des Krankenhauses, dort wo die Wagen immer eintrafen, und fand mich erst wieder als Lara, Kim, Marc, Tom und Marvin herkamen. Marc legte eine Hand auf meine Schulter und auch er war nicht der typische Marc, der immer Witze riss, sondern genauso schockiert und angespannt. Jonas und Marcel wurden ebenfalls eingeliefert, konnten aber laufen. Unsere Clique warf ihnen finstere Blicke zu und in Lara's und Kim's Augen war auch jede Menge Enttäuschung zu sehen, denn dieses Mal hatten sie es definitiv zu weit getrieben.

Eine halbe Stunde saßen wir nur rum und waren eine Mischung aus ängstlich, komplett fertig und hibbelig. Vivienne wurde vorhin sofort in den OP-Raum geschoben und eine weitere viertel Stunde später sahen wir, wie ein Arzt sie in den Fahrstuhl schob und wahrscheinlich auf ein Zimmer brachte. Tom musste mich zurückhalten, dass ich nicht direkt hinterher lief. Wir entschieden uns zum Empfang zu gehen und nachzufragen. Die Sekretärin hinter der Glasscheibe musterte uns kurz durch ihre Brillengläser, bis sie Anfing zu sprechen : ,,Was genau geschehen ist kann und darf ich noch nicht genau sagen. Aber sie hat eine Operation hinter sich und liegt jetzt im 3. Stock auf Zimmer 27 und braucht viel Ruhe. Den Rest fragt ihr am besten den Arzt, der bald nach ihr sehen wird. Wenn ihr zu ihr wollt, nur kurz, denn eigentlich dürft ihr das noch gar nicht."

,,Danke", sagte Lara sprachlos und wir stiegen schnell in den Fahrstuhl, der sich gerade geöffnet hatte. Bei Zimmer 27 angekommen, sahen wir kurz durch die kleinen Rolladen hindurch und entschieden vorerst auf einen Arzt zu warten. Wir setzten uns schweigend auf die Stühle, bis wir zwei Menschen den Gang runterliefen sahen. Vivienne's Eltern.

Shit, wie sollten wir ihnen das jetzt erklären? Meine Freundin hatte ihren Eltern nie davon erzählt und ich wollte das nicht für sie tun, da sie eigentlich geplant hatte es im richtigen Moment zu machen.

,,David?", rief Ella hysterisch. ,,Was ist mit ihr passiert?", fragte sie bestürzt und ihr Mann legte ihr zwei Hände auf die Schultern, um sie zu beruhigen.

Wir anderen blickten in ihre Richtung und wir fingen an : ,,Hallo. Ich bin Lara, eine Freundin von ihrer Tochter. Das sind Kim, Marc, Tom und Marvin", stellte sie die anderen vor und fuhr direkt fort , ,,Ich weiß nicht, ob sie es wissen, aber ihre Tochter war die letzten Jahre nicht sehr beliebt. Aber den Rest wird sie euch erzählen, sobald sie bereit dazu ist. Und heute.. nun ja sie wurde die Treppen hinuntergestoßen. Wir wissen nichts über ihren Zustand, aber ihr Freund David", sagte sie und deutete auf mich, ,,hat die Täter schon übel zusammengeschlagen. Das reicht natürlich noch längst nicht, weil sie daraus auch nicht wirklich lernen."

Ihr Vater ballte wütend die Fäuste zusammen und Ella schlug sich geschockt eine Hand vor den Mund. ,,Und.. und wir haben nie etwas mitbekommen", flüsterte sie kreideweiß und setzte sich auf einen Stuhl, den ich ihr sofort anbot.

,,Wer sind die Menschen, die ihr das angetan haben?", fragte Adam mit zusammengebissenen Zähnen. Ich sah, wie Marvin hart schluckte und aufstand und ihm die Hand reichte. ,,Ich bin Marvin, wahrscheinlich kennen sie mich noch von früher. Die Menschen, die sie die letzten Jahre nieder gemacht haben sind Sophie, Adriana, Michelle, Jonas, Marcel und ich war auch einer von ihnen. Es ist nur fair gegenüber Vivienne und meinen Freunden, wenn ich das jetzt hier vor Ihnen zugebe. Ich habe in den letzten Monaten jedoch meine Meinung komplett geändert und bin mit ihrer Tochter und diesen Leuten hier befreundet. Meine alten Freunde, waren keine Freunde. Ich verstehe, wenn Sie mich jetzt hassen und mir am liebsten eine reinhauen würden, aber ich habe mich geändert. Sonst würden mich meine neuen Freunde und vor allem Vivienne hier nicht akzeptieren."

Wir nickten alle zustimmend und ich war total baff von seiner Rede. Adam nickte ernst und ich sah ein wenig Wut in seinen Augen aufblitzen, die aber schnell wieder verschwand, denn seine Frau hatte ihren Kopf in ihren Händen vergraben und schluchzte.

,,Ich habe als Mutter versagt", wimmerte sie und ihr Mann strich ihr über den Arm. ,,Nein hast du nicht ", versuchte er besänftigend Ella zu beruhigen und ich sah ihm an, dass er für seine Frau stark bleiben musste und nicht auch in Tränen ausbrechen wollte oder überhaupt etwas Trauer zeigen wollte.

Als wir einen Arzt auf uns zukommen sahen, wurden wir alle nervös.

***

Ihr seid alle toll, nicht vergessen <3

Song im Anhang : Linkin Park (feat Kiiara) - Heavy

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