Fred

Ich öffnete die augen. Alles war schwarz um mich herum und es wirkte, als wäre der Boden mit klebrigem Teer bedeckt.

Ich saß im Schneidersitz auf dem Boden und spürte, wie dieses klebrige etwas an mir zu nagen begann. Es besetzte bereits meine Beine und mir war klar, dass ich nun nicht so leicht aufstehen konnte.

"Mary, Mary!!!", sagte eine Stimme direkt vor mir. Das eigenartige war, dass ich meine eigene Stimme hörte. "Wer ist da?!", wollte ich sagen, doch ich konnte nicht.

Auf einmal loderte eine gewaltige Flamme vor mir auf.

Dann sprach sie: "So viel hast du erlebt und überlebt.  Dein Körper hat so viel mitgemacht und nun stirbst du wegen einer einzigen Kugel?", die Stimme lachte.

Also war ich Tod? Irgendwie überraschte mich das keineswegs und Angst machte es mir auch nicht. Im Gegenteil. Jetzt waren meine Schmerzen bestimmt vorbei.

"Du denkst, du würdest hier nichts fühlen, was?", wieder lachte sie.

Ja, dachte ich stumpf. Wieder lachte die Stimme und mir wurde bewusst, dass ich selbst zu mir Sprach. Und jetzt erkannte ich auch zum ersten mal ein Gesicht in der Flamme. Es war mein eigenes!

"Du hast es ja schnell begriffen. wie schön! ", höhnte die Stimme.

Na schön du Gedanken lesendes Ich. Wie komm ich hier raus? fragte ich in Gedanken.

"Na  so wie alle anderen auch. Gar nicht.", wieder gackerte Ich.

Wie komme ich hier raus, fragte ich noch einmal.

" Na schön kleines. Ich will gnädig sein. Es gibt zwei Wege hier raus. Gehe immer weiter nach links und du wirst zurück ins Leben finden, gehe nach rechts und man wird dich der Qual entbinden.  Aber bedenke. Hier wirst du nur im Kreis laufen, denn dies ist das nichts und der einzige Ausgang, ist der Weg,  der hinein führte! " Das half mir natürlich auch nicht weiter.

Ich blieb im Schneidersitz.

Mir war klar, dass es unmöglich war, den Ausgang zu finden, und den unendlichen Weg des Nichts zu betreten.

Wie sollte ich es hier herausschaffen? Ich schloss die Augen.

"Du wähltest diesen Weg.", sagte meine Stimme und es war, als würde ich in meinen eigenen Kopf hineingezogen.

Ich erwachte in dem Bunker, in dem ich einst gewesen war. War das alles ein Traum gewesen, den ich geträumt hatte? "Nein. Das sind nur die Bilder aus deiner Erinnerung! ", sagte die Stimme. Sie war also hier.

"Wolfy!", sagte ein kleines Mädchen hinter mir, dass mich nicht zu bemerken schien. Sie war noch sehr Jung und ihre Stimme zittrig. Es war mein jüngeres Ich und es hatte noch nicht ganz so viele Narben am Körper,  wie sie  es eines Tages haben würde.

Ich erinnerte mich an diesen Tag. Man hatte mir Wolfy weggenommen. Ich wollte wissen, was sie ihm antun würden,  denn was mit mir passierte wusste ich bereits. Ich brauchte die Tür nicht zu öffnen,  ich ging einfach hindurch, während mein altes ich sich vor Angst in einer Ecke zusammengekauert hatte.

Draußen im Flur, sah ich Ben, wie er mit einem Lächeln auf dem Gesicht einem kränklich wirkendem Jungen Wolfy überreichte.

"Bleib nicht hier. Folge ihm!", sagte meine Stimme und ich gehorchte ohne zu überlegen. 

Ben ging in ein Büro mit einem Leiter aus Abteil 4. Ich erinnerte mich, dass an diesem Tag ein Mittel gegen Bomben geprüft worden war und dass das Mädchen aus Abteil 4 bei den Tests gestorben war.

Doch der Leiter sah nicht unglücklich aus. Im Gegenteil, er lachte. "Hey Ben. Das Mädchen aus meinem Abteil ist heue Vormittag drauf gegangen.  War ja klar, dass das Mittel nicht funktionieren konnte. Ben?"

Erst jetzt bemerkte auch ich die tiefe Trauer und Verzweiflung in Bens Gesicht. Irgendwie bekam ich Mitleid mit ihm.

"Was ist los?", fragte der Mann. "Mein Sohn hat die selbe Krankheit, wie die, an der meine Frau gestorben ist.  Ich hab ihn mit dem Wolf allein gelassen.  Vielleicht stirbt er dann schneller und muss nicht so leiden. Mein armer Sohn Fred."

Die Szene veränderte sich.  Ich stand wieder bei dem Jungen. Er sah gesund und sein Vater überaus glücklich aus. Ich wusste, dass war Fred als Kind.

"Der Wolf hat dich gerettet!", rief Ben überglücklich.

Ein weiterer Szenenwechsel. der Bunker war bereits abgebrannt und ein verängstiger Fred fragte einen Feuerwehrmann etwas.

Mir wurde bewusst, warum Fred glaubte, ich hätte seinen Vater auf dem Gewissen.  Er glaubte, weil ich die einzigste überlebende war, hätte ich das Gebäude in die Luft gesprengt.

Wieder veränderte sich die Szene. Fred, ungefähr zehn Jahre alt saß am Computer und recherchierte fieberhaft.

"Komm schon, ein Mädchen mit einem Wolf!"

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