- Opfer -

"Ah, Adrian Fray und Adam Ovan. Ich wünsche ihnen ebenfalls einen guten Morgen."
Ein Raunen ging durch die Menge an Schülern, bei denen der Mund offen stand, andere wiederum hatten überrascht nur ihre Augenbrauen hochgezogen oder ihre Augen so zu Schlitzen verrengt, dass ich mich fragte, ob sie überhaupt noch etwas sahen.
Adrian stützte den Arm über meine Schultern am Türrahmen ab, während Adam kaugummikauend mit verschränkten Armen leicht schräg hinter uns stand.
Ich spürte, wie ich wegen Adrian's Nähe langsam nervös wurde.
"Dankeschön. Hoffen wir mal, dass der Morgen gut wird, stimmts?", meinte dieser schon fast mit einem lauernden Unterton.
Mr Deege reagierte darauf etwas aus dem Konzept gebracht. "Ja.. ähm... ja. Setzen sie sich am besten."
"Endlich ist die Show vorbei." Adam schob sich an uns vorbei, knallte die Tür zu und ging zügig, gefolgt von mir und Adrian, den Gang hoch in die letzte Reihe zu seinem Platz.
Etwas zeitverzögerter quetschte ich mich hinter ein paar anderen Mädchen vorbei zu meinen Platz in der Ecke in der vorletzten Reihe, der sich leider genau vor Adrian's und Adam's Platz befand.
Ganz super.
Ich hatte schon das ganze Vierteljahr, in dem die Schule wieder angefangen hatte, gerätselt, warum sich ausgerechnet dort niemand von den Mädchen hingesetzt hatte. So waren sie schließlich am dichtesten an den Playern dran. Bis bei mir dann der Groschen endlich gefallen ist und mir klar wurde, dass alle einen Platz gewählt hatten, von dem sie die beiden Mitglieder der Gruppe unbemerkt beobachten konnten.
Außer bei mir wurde es schwierig.
Sollte ich Interesse haben, müsste ich mich komplett um 180° umdrehen und das wäre ja wohl mehr als auffällig.
Außer man stand darauf und hatte einen Aufmerksamkeitsdefizit.
Mr Deege fing an, weiter über Adenin, Thymin, Cytosin und Guanin zu reden, dabei zeigte er in regelmäßigen Zeitabständen auf das Modell vor ihm auf den Tisch, das, ihm nach, einen DNA - Strang darstellen sollte.
Wahnsinnig interessant.
Aus den Augenwinkeln erkannte ich nach ein paar Minuten, dass mich die meisten aus dem Kurs immer noch anstarrten. Oder wenn ich Glück hatte, dann nur Adrian und Adam, die ja nach wie vor direkt hinter mir saßen.
"Sag mal, läuft bei dir und Adrian etwas?"
Stirnrunzelnd guckte ich zu Abigail, die sich ein Stück zu mir herübergebeugt hatte. Ihre hellbraunen Augen schauten mich mit einer Mischung aus Überraschung, Erstaunen und Eifersucht prüfend an.
"Nein", betonte ich extra stark.
Sie schnaubte ungläubig und verdrehte genervt die Augen. "Das kannst du deiner Oma erzählen, Cassandra."
Was fragte sie dann bitte, wenn sie mir sowieso meine Antwort nicht glaubte?
Ich versuchte nach außen desinteressiert zu wirken und packte demonstrativ langsam meinen Block, mein Buch und meine Federtasche aus meiner Tasche aus. "Tja, leider geht das nun nicht mehr, da sie tot ist, Abigail ", erwiderte ich und guckte sie nach dem Aufeinanderstapeln meiner Sachen wieder an.
Für einen kurzen Moment wirkte sie ehrlich betroffen, bis sie mich wieder böse ansah. "Also was ist nun?", zischte sie. "Hast du was mit Adrian!?"
Oh wow.
Ich dachte echt immer, dass dieses dunkelblondhaarige Mädchen neben mir mit dem sonst so verträumten Lächeln im Unterricht nett war. Schließlich hatten wir auch schon in den vergangenen Wochen öfters zusammengearbeitet.
Aber wenn es wohl um diese Jungsgruppe ging, war man Opfer.
Meine Güte.
"Ich darf dich wohl netterweise daran erinnern, dass Adrian immer noch hinter dir sitzt", nahm mir Adrian selbst die Antwort ab. "Also solltest du Fragen haben, die Lov- , die Cassandra nicht beantworten kann, dann frag mich doch direkt."
Wollte er wieder Lovely sagen?
Abigail erötete leicht, als sie ihm flüchtig einen entschuldigenden Blick zuwarf.
Ich traute mich gar nicht erst umzudrehen, alleine deswegen schon, weil immer noch viele in unsere Richtung starrten.
Glücklicherweise war meine Sitznachbarin nach seinem Satz nicht mehr penetrant und versessen genug, um aus mir die richtige Antwort herauszubekommen, weshalb ich mich jetzt etwas entspannter im Stuhl zurücklehnte. Die nächsten Minuten zogen an mir vorbei, genauso wie der langweilige Monolog von Mr Deege und den gelegentlichen Meldungen der sehr lernbedürftigen Schülern in der ersten und zweiten Reihe.
Wie konnte man das alles nur so gespannt mitverfolgen?
Ich spürte, dass Abigail's Blick auf meinen Hals gerichtet war, worauf mir mental aufstöhnend dieser riesige Knutschfleck einfiel, der nach wie vor nur halb abgedeckt war.
War ja klar, dass sie mir nicht glaubte. Generell wie die ganzen anderen Leute hier im Raum.
Jemand zog hinter mir an meiner Haarsträhne. Erst ignorierte ich es, aber als ich mir dadurch schon wieder grimmige Mienen der anderen Mädchen im Raum einfing, drehte ich mich in dem Moment, in dem Mr Deege sich der Tafel wieder zuwandte, halb zu Adrian.
"Was ist?", flüsterte ich verwirrt.
Adrian schüttelte nur leise in sich hinein lachend den Kopf. "Du hattest Schokolade in einer Haarsträhne. War das als Snack für Zwischendurch gedacht?"
Mein Gesicht wurde heiß.
Wie peinlich.
"Uhm... nein..."
"Schön, dann wäre das jetzt auch geklärt", meinte Adam entnervt, bis er dann noch lauter in den Raum sagte: "Und ihr anderen dürft euch jetzt auch gerne wieder umdrehen. Wenn ich angestarrt werden will wie bei einer Raubtierfütterung, dann gehe ich in den Puff. Dankeschön."
Der war echt unverbesserlich.
Die nächsten zwanzig Minuten zogen sich unnötig in die Länge. Als endlich der erlösende Gong erklang, schmiss ich meine Sachen achtlos in die Tasche, um mich dann so schnell wie möglich zwischen den Reihen durchzuquetschen und zügig den Raum zu verlassen.
Ich hatte keine Lust, dass mich manche genauso wie Abigail auf den Vorfall mit Adrian und Adam ansprachen und sich mein Weltbild anderer Menschen wieder veränderte.
Relativ pünktlich kam ich im Physikkurs an und setzte ich mich auf meinen Stuhl in der letzten Reihe am Fenster.
Gott sei Dank hatte niemand von ihnen Physik gewählt, so konnte ich nun ein wenig entspannen und hoffen, dass die Situation aus dem Biologieunterricht noch nicht so schnell die Runden gemacht hatte.
Bei meinem nächsten Blick auf meinen Stundenplan direkt im Unterricht fiel mir schaudernd auf, dass mein nächster Kurs Englisch war, was hieß, dass ich dort erstens, meinen langweiligen zehnminütigen Vortrag über Shakespaere machen musste und zweitens, wieder auf Adrael traf. Und Ian.
Naja, wenigstens kriege ich meine Donuts wieder. Das war doch... positiv. Und motivierend.
Nervös verflocht ich meine Hände ineinander.
Zum Glück war gleich nochmal eine größere Pause, in der ich noch mit Olivia reden konnte. Ich musste schon so viel an Informationen loswerden und dabei hatte der Montag erst begonnen.

Ich freue mich immer mega über eure lieben Kommentare. Auch wenn ich nicht immer antworte, lese ich sie mir trotzdem durch, weil sie unglaublich motivierend sind.
♡
Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top