🧸 High up - down fall 🧸

Die nächsten Tage und wenige Wochen verflogen, ehe sich die kleine dreiköpfige Familie versah. Sie waren unfassbar glücklich und genossen die gemeinsame Zeit, doch eine kleine Unsicherheit zupfte an Ihrem Gewissen, zumindest von den beiden Erwachsenen, da die kleine nicht über sowas nachdenken sollte.

Der Gerichtstermin.

Der ausschlaggebende Tag kam immer näher und näher, bis  jener besagte Tag durch die hellen Sonnenstrahlen und das zwitschern der Vögel eingeleitet wurde.

Und auch wenn die beiden idyllisch und für ihre Verhältnisse spät aufwachten - sie beide hatten sich wegen des Anlasses frei genommen, auch Jungkook weil er dem Älteren beistehen wollte - war Taehyung direkt angespannt.

Das merkte Jungkook sofort. Er winkelte einen Arm auf der Matratze an, richtete sich Mithilfe dessen auf, sodass er leicht über Tae lehnte.

"Gut geschlafen, Bärchen?", grinste er, auch wenn er ein wenig angespannt innerlich war.
Er lehnte sich vor, zu einem kleinen, aber bedeutungsvollen Kuss.
Sofort hoben sich die Mundwinkel des anderen ein klein Stück, bevor er seinen Kopf schüttelte.

"N-nicht wirklich... ich bin ziemlich schwer eingeschlafen und - und oft wach geworden.", murmelte er leise.
Der Jüngere seufzte.
Er konnte ihn jedoch verstehen. Auch wenn er kein leibliches Kind besaß, konnte er sich vorstellen, dass Sora mit Abstand das wichtigste in seinem Leben war. Somit hatte er Angst und Bange diese zu verlieren.
Und auch wenn ihre Chancen sehr gut standen, so nagte immer ein kleiner Funken Unsicherheit an der Seele.

"Tae du brauchst dir keine Sorgen zu machen, es wird alles gut werden. Wir werden Sora behalten und niemand wird unsere kleine Familie kaputt machen können."

Das Herz des anderen wurde schwer, aber auf eine gute Art und Weise. Es waren wundervolle Worte, die sein Herz berührten. Seine Lippen weiteten sich zu einem liebevollen Lächeln und er hob die Hand hoch, um Jungkook eine wirre blaue Haarsträhnen hinters Ohr zu streichen.

"Ich liebe dich, Gguk. So sehr.", flüsterte er leise, mit einer unfassbaren Sänfte in seiner Stimme.

Jungkook grinste von Ohr zu Ohr, als er seine aufgestützten Arm bückte, um das Gesicht näher an das des Älteren zu bringen und ihre Lippen gegeneinander streifen zu lassen.

"Und ich dich erst, Bärchen.", hauchte er gegen die vollen, roten Lippen des Älteren.

Kurz bevor er ihre Lippen richtig aufeinander drücken konnte, wurde die Tür aufgestoßen.
"Kuschelattacke!!!!", schrie eine hohe Stimme, gefolgt von Gekicher und kurz darauf spürte Jungkook, wie eine kleine Figur auf seinen Rücken sprang.

Überrascht knickste sein Arm weg und er landete auf Taehyung, ohne ihn zu verletzen. Sein Gesicht wurde gegen die Halsgrube seines Mannes gedrückt, während dessen Tochter sich wie ein Koala an seinen breiten Rücken klammerte.

Sein plötzliches Gewicht drückte Taehyung die Luft aus den Wangen und er lachte leise auf, als er Soras Kopf mit den zerzausten Zöpfchen über Jungkook sah.

"Na warte!", brummte Jungkook grinsend, hielt ihre Arme fest - damit sie nicht von seinem Rücken rutschte und sich noch verletzte - bevor er sich mit dem Fliegengewicht auf dem Rücken aufstemmte und sie auf die Matratze plumpsen ließ, neben ihrem Vater.

Die quittierte dies mit einem lauten, aufgeregten Quietschen.
Ihr Lachen schallte durch das Schlafzimmer, als das Ehepaar sie kitzelten.

Nach der kleinen Kitzelrunde - das nächste Opfer war Jungkook - und einer Mini Kissenschlacht - dieses Mal verschwörten sich Gguk und Sora gegen Taehyung - machten sich die drei fertig und frühstückten.

Sora setzten sie in der Schule ab und heute holten Jimin und Yoongi sie nach den Vorlesungen netterweise ab, denn die beiden hatten um kurz nach 11 den Gerichtstermin...

Nach dem schönen Morgen, war Taehyung ein wenig besser gelaunt, dennoch waren seine Schultern angespannt, als sie Hand in Hand den Ort betraten, welcher beschließen würde, ob sie Sora behalten dürfen.

Und seine Schultern spannten sich umso mehr an, als er seine Ex von weitem erblickte.
Jungkook verfestigte den Griff.
"Lass dich nicht einschüchtern. Sie ist diejenige, die alles falsch gemacht hat.", wisperte Jungkook ihm während des Laufens zu.

Sie war nicht alleine, sondern mit ihrem Anwalt, der ihr etwas erklärte. Als die beiden näher kamen, hörte sie die Schritte und drehte sich umher.
Dabei ließ sie abschätzend den Blick über ihren Ex und dessen neuen Partner wandern.

Sie schnaubte abfällig. "Hast du deinen Toyboy allen Ernstes hierhin mitgeschleppt?"
Sie ließ ihre Augen über den Blauhaarigen wandern, als sei er Abschaum.
Doch ihre Meinung war Jungkook egal.

Aber dafür Taehyung nicht. Er begann innerlich zu kochen.
Was bildete sie sich ein? Sie hatte ihn betrogen, war mit einem anderen verlobt, während sie in seinem verdammten Haus lebte und auf seine Kosten alles machte. Während er wie der größter Idiot sie auf Händen trug und sie trotz ihrer schlechten Seiten liebte.

"E-er ist nicht m-mein Toyboy. Pass a-auf wie du über ihn sprichst. D-du hattest zwei zeitgleich."

Daraufhin stand ihr für einen minimalen Moment der Schock ins Gesicht geschrieben- hatte Taehyung zum ersten Mal sich getraut, so zu reden? Sie war baff. Das hätte sie sich nie von ihm vorstellen können. Sie kaschierte es mit einem trockenen auflachen.

"Entschuldige. Habe kurz vergessen, dass wenn jemand der Toyboy ist, dann du seiner, Kim Taehyung. Nur ist die Frage wie lange du ihm genügen wirst, bevor du auch ihm zu nervtötend und eintönig wirst."

Taehyung wusste, ihre Worte waren purer Schwachsinn- Jungkook liebte ihn und das so sehr, dass er seine Zukunft und alles für ihn aufopfert - seine Wildheit und Freiheit gewissermaßen, indem sich mit der Ehe an Tae band. Aber trotzdem schaffte sie es, ihn mit ihren dornigen Worte wie ein Pfeil ins Herz zu schießen.

Der Schriftsteller schluckte ein wenig betroffen, blinzelte mehrere Male und zwang sich, die aufkommenden Tränen zu unterdrücken.

Denn irgendwo traf sie einen Nerv, einen wunden Punkt, eine verborgene Sorge.

Vielleicht würde er Jungkook ja wirklich zu langweilig werden. Der Ältere liebte laute Partys und hatte ziemlich wilde Zeiten und hatte sich vorher nie lange an jemanden binden lassen. Was wenn er schon in wenigen Wochen seine Entscheidung bereuen würde.

"Die eigentliche Frage ist doch...", meldete sich Jungkook Stimme, in der unterdrückter Zorn verborgen war. "Wann dein guter Verlobter bemerkt, welch eine Schlange du bist. Schade, dass er heute nicht hier ist. Sonst hätte ich ihm ein wenig von meinem reizenden Eindruck von dir erzählt."
Er lächelte sie böse an.
Ihr Kopf wurde rot, sie warf sich das Haar hinter die Schulter.

Sie wandte sich an Tae und hob den Finger mit dem rot lackierten Fingernagel vor seine Nase. "Nie und nimmer überlasse ich meine Tochter dir und diesem - diesem Spinner!"

"Ich habe sie großgezogen, w-während d-du zu beschäftigt warst- wer weiß w-womit.", Tae verzog bei seinem letzten Wort vielsagend sein hübsches Gesicht.
Sie brodelte innerlich.

Seokjin vertrat Tae als Anwalt und gab ihm in wenigen Minuten ein Zeichen, dass es losging. Auch Sunmis Anwalt holte sie ab.
Der Richter verkündete den Streitpunkt und der klagende - also Sunmis Anwalt - wurde aufgefordert den Grund und Standpunkt zu erläutern. Auch erwähnte er natürlich die Verlobung und geplante Hochzeit von ihr und ihrem Kollegen und Partner. Taehyung biss sich unsicher auf die Unterlippe, als er den Ausdruck des Richters sah.

Er nickte anerkennend.

"Nun dies ist ein ziemlicher Vorteil für die Großziehung eines Kinds. Alleine wird es schwer. Hingegen ein Paar versichert eher ein gutes Umfeld für ein Kind. Insbesondere eine intakte Familie ist besonders."

"Wenn sie erlauben, würde ich gerne eine Ergänzung vorzunehmen.", meldete sich Seokjin zu Wort. "Auch mein Mandat, Herr Kim, Vater von Kim Sora wäre nicht alleinerziehend. Seit einigen Wochen ist er mit Herrn Jeon Jungkook vermählt, welcher ebenfalls mit ihm und Sora wohnt. Zudem versteht sie sich sehr gut mit und sie waren sich auch vorher bekannt."
Auf Anforderung reichte er die Urkunde ihrer Hochzeit ein. Und den Nachweis, dass Jungkook bei Ihnen wohnte - sie waren so schlau (Seokjin) dies als eine Art Vertrag festzuhalten, weil jener behauptete es könne einen Vorteil erschaffen.

Auch wurde aufgeführt, dass Soras Bindung zu ihrem Vater sehr gut war, weil er sie überwiegend in der Kindheit großzog, weil Sunmi arbeitete. Genau so wie der Fakt, dass er Schriftsteller war und zusätzlich Angestellt im Verlagkreis war und doppelt gesichertes Einkommen besaß.

Der Richter verkündete eine kurze Pause und danach würde die Entscheidung präsentiert werden.
Seokjin war sich sicher, sie würden gewinnen. Sunmi prahlte nicht mehr allzu viel mit Selbstsicherheit wie vor der Nachricht der Ehe. Sie wusste es war ein wichtiger Dreh und Angelpunkt. Ihre Miene war angesäuert.

"Nach Anbetracht aller aufgeführten Fakten, sind wir zu einer eindeutigen Entscheidung gekommen. Das Sorgerecht von Kim Sora"

Taehyung schloss die Augen und atmete zittrig aus, während er die Hände zu Fäusten ballte.

"Bleibt und geht an den Vater des Kindes, Herrn Kim Taehyung. Der Mutter ist jedoch erlaubt, das Kind zu sehen. Die Details und das Ausmaß darf privat mit dem Vater des Kindes abgesprochen werden. Sollte jedoch dies abgestritten werden, muss ein triftiger Grund vorgelegt werden, warum die Mutter kein gutes Umfeld gewähren würde. Das Urteil ist somit beendet."

Taehyung fiel ein Stein vom Herzen und als er die Augen aufschlug, war seine Sicht vor Tränen verschwommen. "Oh mein Gott...", flüsterte er und presste sich die Hand auf den Mund. Sein Blick suchte automatisch den seines Mannes aus, der ebenfalls strahlte bevor er ihm um den Hals fiel.

"Ich habs dir doch gesagt, Babe. Wir behalten sie, wir behalten Sora bei uns!"

Er nickte unter Tränen. Er fühlte sich beflügelt.

Doch dieses Gefühl würde nicht lange anhalten.

Denn später, kurz nachdem sie den Fuß aus dem Gerichtssaal setzten, bekam Jungkook einen Anruf.
Doch als er den Anrufer sah, seufzte er.

Er wusste nicht einmal warum er sie eingesprichert hatte.

Seufzend drückte er den Anruf weg, bevor er das Handy wegsteckte. "Ist nichts wichtiges versicherte er Taehyung.
Doch sein Handy klingelte wieder. "Bist d-du sicher?  Geh ruhig ran.", murmelte er verständnisvoll.
"W-wer ist es denk überhaupt?", wisperte er vorsichtig.

"Meine Stiefmutter...", presste er hervor.

"Geh ran Gguk. Vielleicht ist es ja wichtig."

Obwohl er absolut keine Lust auf sie hatte, musste er sich eingestehen, Taehyung behielt irgendwie recht.
Also ging er ran.

"Ja... Jungkook hier.", murrte er träge.

Seine Augenbrauen fuhren zusammen, als er die gehetzte Geräuschkulisse auf der anderen Seite der Leitung hörte.

"Jungkook! Endlich gehst du ran! Ich habe hundert mal versucht dich zu erreichen."
Ihre sonst so ruhige Stimme klang aufgewühlt, weswegen er sich leicht anspannte.

"Ist was... geschehen?"
Normalerweise rief sie ihn nicht an.

"Dein Vater! Liebling, verfall nicht in Panik,  aber er hatte einen Herzinfarkt..."

Jungkook wusste nicht wohin, doch er begann zu rennen.

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