🧸 cold - behaviour 🧸
Grummeln war das erste, was dem jungen Schriftsteller entkam, sobald er seine Augen wieder öffnete.
Die sanfte Wärme, die von den Sonnenstrahlen ausging, kitzelte seine goldgebräunten Wangen.
Es fühlte sich angenehm und schön an, er würde sicherlich so weiterschlafen können...
Würden sich nicht im nächsten Augenblick nicht die schrecklichen Kopfschmerzen in sein Bewusstsein drängen.
Widerwillig öffnete der Braunhaarige seine dunklen Augen, stieß ein kleines Seufzen aus und verengte seine schönen, symmetrischen Augenbrauen leicht.
Mit den Händen stützte er sich auf der mittelweichen Matratze ab, sodass er sich aufsetzte.
Taehyung befand sich in seinem elegant eingerichteten Schlafzimmer, auf dem großen Kingsized Bett, wo er unter seiner Decke eingehüllt war.
Doch wie er dorthin kam, das wusste er leider nicht mehr.
Ungläubig blinzelte der junge Mann, biss sich verstohlen auf die Unterlippe, obwohl sein Kopf sich wie ein platzender Luftballon anfühlte.
Dennoch konnte er das kleine Kichern nicht verhindern, er sich als wäre er ein Teenager.
Er hatte scheinbar den ersten Filmriss in seinem Leben.
Und offenbar war er viel zu aufgeregt über diese kleine Tatsache, dass es ihn breit Lächeln ließ.
Doch dann stutzte er für einen Moment, versuchte sich anzustrengen. Hmm, was war die letzte Erinnerung, die er besaß?
Er wusste, dass Jungkook und er feiern waren, er hatte einiges getrunken, seine Brille kaputt gemacht und sich von dem Blauhaarigen nach Hause bringen lassen.
Da hörte die Erinnerung auf. Das letzte, woran er sich entsinnen konnte, war wie er sich beim einsteigen ins Taxi, den Kopf gestoßen hatte.
Der ganze Rest war futsch.
Taehyung schlug langsam die Decke beiseite. Auf seinem Nachttisch fand er ein Glas Wasser auf, und Tabletten, die sich als Paracetamol erwiesen. Daneben befand sich ein kleines gefaltetes Blatt Papier, welches er mit seinen Fingern von dem Tisch fischte.
Aus einer Schublade griff er nach einer von vielen weiteren Brillen, die er hatte und setzte sie auf, um sich nicht mehr allzu blind vor zu kommen.
Immerhin hatte er gestern Abend nicht seine Lieblingsbrille kaputt gemacht.
Er faltete es auf, darin befand sich eine Nachricht in etwas krakeliger Schrift.
'Du wirst mit ziemlichen Kopfschmerzen aufwachen, also nimm die Tablette ein. Trink viel nach.
-Jungkook'
Sein Herz nahm an Geschwindigkeit auf und er las sich den einfachen Satz mehrfach durch.
Neben der Aufregung, kam nun die Frustration.
Also war Jungkook mit ihm in die Wohnung reingekommen... doch er wusste nicht, was noch geschehen war. Taehyung strengte sich an, doch die Erinnerungen wollten nicht zu ihm zurück kommen.
Er hatte sicherlich nichts wichtiges vergessen, oder?
(A/N: Was glaubt ihr, was geschehen ist ;)?)
Taehyung legte das sorgsam gefaltete Blättchen in eine Schublade seines seiner Kommode, mit einem kleinen Lächeln.
Es ließ jedes Mal sein Herz schneller schlagen, wenn Jungkook durch solche kleinen Gesten zeigte, wie sehr er sich um Taehyung kümmert.
Ob Jungkook noch da war? Nein... bestimmt war er wieder gegangen, sobald er den betrunkenen Taehyung nach Hause gebracht hatte.
Somit machte er sich nicht die Mühe, sich etwas anderes, als den Pyjama den er trug, anzuziehen und watschelte müde aus seinem Schlafzimmer, sobald er die Tablette eingeworfen und das Glas Wasser hinterher geleert hatte.
Erstaunlicherweise machte er blaue Haarsträhnen aus, als in sein Wohnzimmer trat. Sein Herz setzte einen Schlag aus und seine Hände wurden schwitzig.
Jungkook war noch hier!
"J-jungkook ssi."
Die Stimme des Jungen Vaters klang krächzig und schwach.
Der Blauhaarige drehte sich zu ihm herum, musterte den Älteren mit sanften Blick in seinen Augen.
Plötzlich fiel Taehyung auf, wie er aussehen musste. Vor Scham lief er rot an, zupfte an seinem Pyjama und strich sich mit den inzwischen schwitzigen Handflächen die anstehenden Haare ein wenig glatt.
"Morgen, Hyung. Du hast ziemlich lange geschlafen, also habe ich schon dein Auto geholt. Es steht in der Garage."
"Danke..."
Stille herrschte zwischen den beiden jungen Männern und irgendwie ließ es Taehyung Gänsehaut bekommen. Da der Schriftsteller nicht der gesprächigste Mensch war, kam es relativ oft zwischen den beiden vor, dass eine Stille zwischen ihnen herrschte, alleine schon auf der Arbeit. Doch diese Mal fühlte es sich ein wenig anders an. Es war nicht die gewohnte, angenehme Stille, die Taehyung immer mochte. Nein, es hing dieses Mal etwas schweres in der Luft und es ging von Jungkook aus.
In dem Schriftsteller stieg Panik auf, dass er im betrunkenen Zustand etwas falsches gemacht hatte. Verflixt, wenn er sich bloß an die Nacht erinnern könnte.
Jungkook stand auf und wollte gehen, als Taehyung ihn am Arm festhielt. "Wi-Willst du zum Essen bleiben?" Jungkook schien hin und her gerissen zu sein, doch dann nickte er schließlich. So kam es, dass die beiden wenig später in der großen Küche waren und sich an den ausfahrbaren Esstisch für maximal zwei Leute setzten. Es würde sich kaum lohnen dafür in das Esszimmer zu gehen.
"Hast du Kopfschmerzen, Übelkeit?", meldete sich Jungkooks Stimme aus etwas Distanz. "Nur Kopfweh... Es- es ist aber besser, d-danke." Jungkook nickte das nur ab und kochte Kaffee für sich auf. Kurz darauf saßen sie gegenüber voneinander und begannen zu essen.
Taehyung wurde ganz mulmig bei der Atmosphäre, weswegen er versuchte, mit einigen Fragen diese aufzulockern. Kaum zu glauben, dass er mal derjenige sein würde, der diese Aufgabe übernimmt. Doch das Verhalten des Blauhaarigen an diesem Morgen war anders. So abwesend hatte er Jungkook nie erlebt.
"I-ich habe gestern doch nichts pe-peinliches gemacht, oder?", wisperte er irgendwann verzweifelt und endlich schaute Jungkook von seinem Teller auf, um in sein Gesicht zu blicken. Taehyung begann zu schwitzen, weil er so nervös war.
"Nicht wirklich, warum?"
Eigentlich würde der Jungkook, den er kannte, ihn necken und erwähnen, wie lustig er sich benommen hatte und wie dicht er gewesen war. Zumindest das mit der Brille hätte er auf jeden Fall erwähnt, doch nichts dergleichen kam. Stattdessen schaute er nur forschend in das nervöse Gesicht des anderen.
"N-n-nur s-so.", murmelte Taehyung unsicher. Durch die Panik, was geschehen war, intensivierte sich sein übliches Stottern.
"E-Es ist nur... I-ich habe m-meinen ersten Filmriss über-überhaupt.", er versuchte seine Worte durch ein kleines heiseres Lachen zu unterstreichen.
Jungkook verengte die Brauen. "Heißt das, du erinnerst dich an nichts mehr?", wollte er wissen. Sein Tonfall klang fast schon beleidigt, fassungslos.
Was um Himmels Willen war bloß vorgefallen? Unsicher schüttelte er seinen Kopf. "d-doch schon, nur bis zum Taxi." Etwas in Jungkooks Miene fiel, doch der junge Vater konnte nicht sagen, was genau es war.
Er fasste seinen gesamten Mut zusammen, um die nächste Frage zu formulieren: "G-gibt es etwas, woran ich mi-mich er-erinnern sollte...?" Sein Herz schlug unfassbar schnell, doch dieses Mal aus Angst. Er war sich sicher, etwas muss vorgefallen sein.
Jungkook sagte einen Moment lang nichts, trank den letzten Schluck seines Kaffees. "Nein. Nein, gibt es nicht." Taehyung legte seine Hände auf den Schoß, wo sich diese um den Stoff seiner Schlafhose verkrampfte. Seine innere Unruhe erschwerte ihm ein wenig das Atmen. Hastig schaute er hoch, als Jungkook sich von seinem Platz erhob.
"Ich sollte langsam gehen." sagte der Blauhaarige. Taehyung schaute zu ihm, dann auf seinen halbvollen Teller. Er hatte nicht einmal zu Ende gegessen... Doch statt dies einzuwenden, nickte Taehyung nur schwach und folgte dem Blauhaarigen zu seiner Haustüre.
Bevor der andere ging, sprach Tae leise seinen Namen aus. "Gguk i-ist etwas passiert? Ha-habe i-ich was falsch g-gemacht?"
Sein Tonfall war verzweifelt und das konnte man auch seinem gestressten Gesichtsausdruck entnehmen. Nun wurden die Augen des Jüngeren doch noch ganz sanft, er seufzte leise auf. Taehyung bemerkte wie der Mann seine Hand hob, anhand des Zuckens. Er wartete bereits fast schon sehnsüchtig auf das Gefühl der warmen Handfläche auf seiner Haut, doch es kam nicht. Auf halben Wege, zog Jungkook seine Hand zurück, seine Finger verkrampften sich zu einer Faust.
"Du hast nichts falsch gemacht Hyung.", beteuerte er mit einer Sänfte in seiner Stimme und blickte in Taehyungs verzweifelt schimmernden Augen.
Dann geh bitte nicht, bleib bei mir. Lass mich bitte nicht alleine-
"Sondern ich."
Obwohl die Worte nur geflüstert war, nahm Tae diese klar und deutlich war. Überfordert blickte er den Jüngeren an, völlig aus der Bahn geworfen, betrachtete er, wie Jungkook seine Wohnung verließ und ihn alleine ließ.
Er stand noch für Minuten an der Türschwelle, starrte Löcher das edle Holz, als könne er auf diese Weise Antworten ergattern.
Mit voller Wucht wurde er von der Einsamkeit und der Probleme, seiner derzeitigen Lebenssituation eingeholt. Es schnitt ihm die Luft ab, sodass er schwer nach jener rang. Auch wenn es für Stunden gewesen war, hatte er diese gestern mithilfe des Blauhaarigen vergessen gehabt.
Doch nun, wo der andere nicht mehr da war, brachen sie alle auf ihn ein...
Taehyung stand lange an der Tür, er wusste nicht ob es Minuten waren, oder ob gegebenenfalls sogar Stunden vergingen. Doch die Sonne stand bereits hoch am Himmel, als er von einem Klingeln in die Realität gerissen wurde.
Verpeilt kam er zu sich, öffnete die Tür mit erschütternd zitternden Händen. Kaum stand diese einen Spalt offen, wurde sie durch Gegendruck von der anderen Seite aufgedrückt.
"Daddy! Daddy!"
Automatisch ging er in die Knie, als er die Stimme seines kleinen Engels hörte. Kurz darauf lief sein kleines Mädchen in seine Arme und drückte sich an ihren Vater, als habe sie diesen wochenlang nicht mehr gesehen. "Dada ich habe dich sooo vermisst."
Auf seinen vollen Lippen nahm ein Lächeln platz, während er seine Arme noch enger um seinen Liebling schlang und seine Nase in ihrem nach Erdbeere duftenden Haar vergrub. Unmittelbar wurde seine Nervosität abgebaut, sobald er sie in seinen Armen hielt.
"Ich hab dich auch vermisst, Bärchen."
Mit ihr auf den Arm, erhob er sich wieder, um seine zwei weiteren Gästen willkommen zu heißen. Seine beiden Cousins schauten ihn mit einem entzückten Lächeln an. "M-morgen Joonie Hyung, morgen Jinnie Hyung.", grüßte er die beiden. "Kommt rein."
Egal wie alt er werden sollte, Namjoon und Seokjin würden für ihn immer seine Joonie und Jinnie Hyungs bleiben, wie er sie in Kindheit immer nannte.
"Sora, hast du gefrühstückt?", fragte er seine Tochter liebevoll, woraufhin sie eifrig nickte. "Mit Onkel Jinnie und Onkel Joonie habe ich gegessen!" Er gab seiner kleinen Prinzessin einen Kuss auf die Wange und trug sie in das Wohnzimmer.
Forschend blickte sich Sora dort um, dabei bildete sich ein kleines Schmollen auf ihre Lippen.
"Daddy... wo ist Mommy?"
Taehyungs Kehle schnürte sich plötzlich zu. Der Moment, vor dem er sich zu fürchtete, war nun gekommen-
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