Crouch
Bartemius Crouch Juniors Leben war bis zu seinem neunzehnten Lebensjahr gut verlaufen.
Er war beliebt in Hogwarts gewesen und hatte dort viele Freunde gehabt. Seine Noten waren so gut, dass er im Ministerium hätte arbeiten können - dies erwartete man von ihm. Sein Vater arbeitete schließlich auch dort. Genau so wie sein Großvater und sein Urgroßvater und sein Ururgroßvater vor ihm.
Aber Barty wollte all das nicht.
Er wusste nicht, wann er auf "die schiefe Bahn geraten war", wie sein Vater zu sagen pflegte. Aber vielleicht war auch genau das der Grund. Sein Vater.
Immer hatte er das gemacht, was sein Vater, Bartemius Crouch Senior, von ihm verlangte. Er lernte für die Schule, war höflich, lernte tanzen - eben all das, was einem Sprössling reinen Bluts abverlangt wurde.
Je älter Barty wurde, umso größer wurde der Druck seinem Vater zu genügen. Um Anerkennung zu bekommen, mussten seine Noten besser werden, er musste beim Quidditch mehr Tore schießen und seinen Aufgaben als Vertrauensschüler gerecht werden.
Dieser Leistungszwang hinterließ Spuren. Barty nahm ab, aber das störte seinen Vater nicht, solange seine Zeugnisse gut waren. Er entwickelte Ticks, was seinen Vater allerdings sehr störte. Sowas duldete er nicht, weil es ein Makel war. Es ließ die Familie Crouch weniger gut dastehen. Am störendsten empfand er Bartys "Züngeln". Diesen Tick konnte sein Vater vor Besuchern nicht auf eine Stauballergie zurückführen wie er es immer bei Bartys Blinzeln tat.
Jedesmal versuchte er es, zu unterdrücken, doch je mehr es es vermied, desto häufiger geschah es. Und jedesmal wusste Barty, dass sein Vater in bestrafen würde, sobald sich ihre Blicke trafen.
Regelmäßig in den Ferien las Mr Crouch seinem Sohn die Leviten, nicht einsehend, dass dieser jenes nicht mit Absicht machte. Egal, wie oft Barty es erklärte, egal, wie oft seine Mutter dazwischen ging... Sein Vater blieb stur.
Als Ventil für all diese Wut auf seinen Vater, die Anstrengungen, die nicht gewürdigt wurden, versank Barty in den dunklen Künsten. Aufmerksam geworden durch eine Hausaufgabe, zogen sie ihn in ihren Bann. Das war es doch, was sein Vater wollte! Das reine Blut zu schützen! Zumindest glaubte Barty das.
Er glaubte daran, dass er mit seinem Beitreten der Todesser endlich den Erwartungen seines Vaters gerecht wurde und Barty war der festen Überzeugung das Richtige zu tun. Er war dem dunklen Lord treu ergeben. Er bekam keine kalten Füße, wie Regulus Black oder Igor Karkaroff - er war einer der treusten Diener des dunklen Lords. Selbst nach seinem Fall war Barty ihm treu ergeben - bis auf das eine Mal. Ein einziges Mal zeigte er Schwäche. Der Tag, an dem sein perfektes Leben den Bach runterging. Und wieder war es sein Vater, der ihn dazu veranlasste.
***
»Bringt sie rein«, hörte Barty die stark gedämpfte Stimme seines Vaters durch die Tür. Nur am Rande seines Bewusstseins nahm er sie war. Der Rest war auf die sechs Dementoren gerichtet, die ihn und seine vier Genossen nun in den Gerichtssaal führten. Der kalte Griff ließ ihn zittern und er durchlebte seine schlimmsten Erinnerungen noch ein Mal - alle beinhalteten seinen Vater. Dies rief Schwäche in ihm hervor. Das Verlangen sich einfach irgendwo zu verkriechen und zu weinen. Ein Verhalten, was der dunkle Lord nicht duldete.
Wispern erfüllte den Gerichtssaal und es wurde auf sie gezeigt. Hass, Wut und Angst lag in den Blicken der gaffenden Menge.
Die Glück verschlingenden Wesen zerrten die vier Gefangenen nun auf hölzerne, kettenbewehrte Stühle zu, die in der Mitte des Saals standen, genau zum Richter hingewandt. Dieser Richter war niemand anderes als Bartemius Crouch Senior höchstpersönlich. Trotz des kalten Blickes hoffte Barty, dass sein Vater diesen Prozess übernommen hatte, um ihn zu retten. Er hatte sich schließlich für das eingesetz, was sein Vater immer verlangte, und was Barty für richtig hielt. Muggel waren letztendlich weniger wert, so unbeholfen, wie sie ohne Magie waren...
Bellatrix ließ sich auf ihrem Stuhl nieder und die Ketten schlangen sich um ihre Gelenke. Ihr Blick verriet nichts. Und wie sie da saß, könnte man meinen, dass ihre Fesseln Schmuckstücke waren und sie eine Königin. Als könnte ihr all das nichts anhaben. Als wäre sie Herrin der Lage. Ihr Mann und ihr Schwager wirkten weitaus verstörter.
Barty leckte sich schnell über die trockenen Lippen, den Blick auf seinen Vater geheftet, in der Hoffnung irgendein Zeichen zu bekommen, dass alles gut werden würde. Am liebsten hätte er sich auf die Zunge gebissen: Er hatte vor dem gesamten magischen Rat seinen verbotenen Tick gehabt.
Mrs Crouch saß neben ihrem Mann und weinte stumm in ein Taschentuch. Das hatte Barty nicht gewollt. Seine Mutter war immer schon kränklich und von feinem Gemüt gewesen. Ihr solch einen Kummer zu bereiten, war nicht seine Absicht gewesen. Allerdings trug sein Vater größere Schuld. Wieso hatte er ihn nicht gleich bei der Festnahme hier rausgeholt? Stopp!, scholt er sich. Sein Vater war nicht Schuld. Sein Vater hatte nie Schuld. Alles, was er tat, tat er aus einem Grund, der nicht für kleine Leute wie Barty bestimmt war.
»Sie wurden hierher vor den Rat für das Magische Gesetz gebracht«, las Mr Crouch vor, »damit wir Sie für ein Verbrechen verurteilen, so abscheulich...«
»Vater«, sagte Barty. Was machte er denn noch für eine Show? Freispruch, ein Hammerschlag und schon war Barty wieder ein freier Mann. »Vater... bitte...«
»-so abscheulich, wie wir es in diesen Mauern dieses Gerichts selten zu Ohren bekommen...«, überging Barty Crouch Senior ihn einfach. »Wir haben gehört, welche Beweise gegen Sie vorliegen. Sie sind angeklagt, einen Auroren - Frank Longbottom - überwältigt und ihm den Cruciatus-Fluch unterworfen zu haben, weil Sie glaubten, er kenne den Aufenthaltsort Ihres geflohenen Herrn, dessen Name nicht genannt werden darf -«
»Vater, ich war es nicht! Ich war es nicht, ich schwöre es, Vater, schick mich nicht zu den Dementoren zurück -« Die dunklen Gestalten, die in den Ecken lauerten, zerrten immer noch an ihm.
Barty war sich keiner Schuld bewusst. Dieser Auror hatte es verdient, genau wie seine ehlendige Frau. Verlogenes Pack...
»Sie sind weiterhin angeklagt, den Cruciatus-Fluch gegen Frank Longbottoms Frau gerichtet zu haben, weil er selbst nichts preisgegeben hatte. Sie hatten die Absicht, ihm, dessen Name nicht genannt werden darf, wieder an die Macht zu verhelfen und die Welt erneut mit Gewalt zu überziehen, wie Sie es vermutlich schon taten, als er noch stark war -«
Tat sein Vater nur so oder wollte er ihm tatsächlich nicht helfen? Die aufgezählten Punkte, waren doch genau die, die das reine Blut wieder auferwecken würde! Sollten die ganzen Muggel und Schlammblüter doch verrecken.
»Mutter!«, versuchte Barty es jetzt bei Mrs Crouch, diese begann vor und zurück zu wippen und noch stärker zu weinen. »Mutter, sag ihm, er soll aufhören, Mutter, ich habe es nicht getan, ich war es nicht!«
Die Macht der Dementoren ließ aus Barty das verzweifelte Kind sprechen, dass er mit seinen neunzehn Jahren fast noch war.
»Ich fordere nun die Mitglieder der Jury auf, die Hand zu heben, wenn Sie mit mir der Meinung sind, dass für diese Verbrechen eine lebenslängliche Strafe in Askaban angemessen ist.«
Sein Vater machte ernst... Was war aus den ganzen Prinzipien und Etiketten geworden? Immer wieder suchte Barty nach Anerkennung und wurde jedesmal enttäuscht.
Die rechte Seite der Zuschauerränge hob die Hand, ausnahmslos jeder. Was waren das nur für Blutsverräter. Die andere Hälfte - die Schaulustigen - klatschte.
»Nein! Mutter, nein! Ich habe es nicht getan, ich war nicht dabei, ich wusste es nicht! Schick mich nicht dorthin, lass es nicht zu!«
Ich wusste es nicht, dass mein Vater letztendlich doch ein Feigling ist. Ein Feigling und Blutsverräter noch dazu!
Die Kälte der Dementoren griff mit langen Fingern wieder nach ihm. Sie kamen durch die Tür hereingeschwebt und packten ihn wieder. Barty schrie weiter, während seine Mitangeklagten schweigend aufstanden.
Als Bellatrix direkt vor Mr Crouch stand, erhob sie das Wort: »Der dunkle Lord wird wiederkommen, Crouch! Begrab uns ruhig in Askaban, wir werden warten! Er wird wieder aufsteigen und uns von dort erlösen, er wird uns fürstlicher belohnen als alle seine anderen Anhänger! Wir allein waren ihm treu! Wir allein haben versucht, ihn zu finden!«
Wie Recht sie doch hatte! Anders als sein Vater belohnte sein Herr seine Anhänger.
Trotzdem wehrte Barty sich weiter gegen den festen Griff der schleimigen Hände, die das Leben aus ihm saugten. Die Menge jubelte, als die jungen Todesser abgeführt wurden.
»Ich bin dein Sohn! Ich bin dein Sohn!«, schrie Barty ein letztes Mal, in der Hoffnung zu seinem Vater durchzudringen. Leckte sich aus Reflex über die Lippen, was er die ganze Zeit zwanghaft unterdrückt hatte. Der Blick seines Vaters war von Ekel erfüllt.
»Du bist nicht mein Sohn!«, bellte Crouch. »Ich habe keinen Sohn!«
Nach diesen Worten brach Mrs Crouch bewusstlos neben ihrem Mann zusammen, der dies gar nicht realisierte.
»Bringt sie fort! Bringt sie fort und lasst sie dort verrotten!«
»Vater! Vater, ich war nicht dabei! Nein! Nein! Vater, bitte!«
Aber sein Vater antwortete nicht.
~1468 Wörter
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