SPECIAL

Okay...Ihr müsst euch das folgendermaßen vorstellen...Ich logge mich bei Wattpad ein, checke als erstes Mal die Benachrichtigungen und freue mich, wenn neue Leute für meine FF voten und zu ihrer Leseliste hinzufügen. Dann sah ich, dass "Collide" die 2k erreicht hat und FLIPPE VOLLKOMMEN AUS! :D Danke!!!!! Im Anschluss drehe ich die Musik so laut auf, dass der Bass das ganze Haus wackeln lässt, aber das mal nur so nebenbei bemerkt. ;)

Das Special ist für mich persönlich eine ziemlich emotional berührende Angelegenheit: Es handelt sich um einen Fralice-Oneshot. :) Ich habe mich mal hingesetzt (im Sportunterricht) und angefangen, ein Kapitel über ein Pairing zu schreiben, das JEDER shippt: Frank und Alice Longbottom. Nevilles Eltern. Mitglieder des Phönixordens. Auroren. Wunderbare Menschen. Der OS wird abwechselnd aus der normalen Erzählperspektive und aus der rückblickenden Sicht von Alice erzählt. Viel Spaß beim Lesen und ein großes Dankeschön für die 2k! <3


Als Alice Fortescue mit elf Jahren nach Hogwarts gekommen war, hatte sie ihre Mum verloren. Die Tränen waren längst getrocknet, doch die Wunde schmerzte noch immer. Das war nicht weiter verwunderlich: Mrs Fortescue war der Halt in Alices Leben gewesen, hatte ihr den Rücken gestärkt und sie zu dem Menschen gemacht, der sie war. Ihre Mum war jedem als eine herzensgute Frau in Erinnerung geblieben und sie hatte ihre eigenen Bedürfnisse stets hinter die ihrer einzigen Tochter gestellt. Bis heute verstand Alice nicht, was ihre Mum an ihrem Vater gefunden hatte. Er war ein eitler, von sich selbst überzeugter und immer beschäftigter Mann. Zeit hatte er nur für seine Arbeit im Ministerium, doch das Leben von seiner Tochter interessierte ihn erschreckend wenig. Alice hatte früh gelernt, für sich selbst zu sorgen und selbstständig Entscheidungen zu treffen. Sie war ihre eigene Mutter geworden. Niemals hätte Alice erwartet, in Hogwarts so gute Freunde zu finden, und doch hatte sich dieses blonde, nette Mädchen namens Mary während ihrer ersten Fahrt nach Hogwarts zu ihr gesetzt. Alice dachte daran, als wäre es erst gestern gewesen.

Ich  sah gedankenverloren aus dem Fenster. Die Landschaft zog an mir vorbei und ich konnte grüne Wiesen, Felder und Hügel  erkennen. Ein verzagtes Klopfen ließ mich hochschrecken und zur Tür meines Abteils blicken: Dort stand ein kleines Mädchen und lächelte mich schüchtern an. "Darf ich mich bitte zu dir setzen? Die anderen Abteile sind so voll . . ." Ich nickte und unterdrückte ein Grinsen: "Klar, komm rein!" Dankbar schleppte sie sich vollbeladen und mit einem viel zu großen Koffer  durch die Tür. Abwartend sah ich zu, wie sie mühsam versuchte, ihr Gepäck auf die Ablage zu hieven, doch sie war zu klein. Ich stand auf und half ihr dabei. "Danke", schniefte sie. Da sah ich, dass ein paar Tränen in ihren hellbraunen Augen glitzerten, die sie schnell wegblinzelte. Wahrscheinlich wegen des Abschiedes von ihrer Familie, das dachte ich zumindest im ersten Moment. Meine Vermutung bestätigte sich, als sie sich auf den Sitz neben mir fallen ließ und mit erstickter Stimme erzählte: "Weißt du, ich bin die Jüngste in unserer Familie, meine zwei Schwestern sind schon erwachsen und mein Bruder Felix geht noch nach Hogwarts, aber Paul ist schon draußen. Ich vermisse sie so! Und jetzt sehe ich Mum und Dad auch nicht mehr . . ." Tröstend legte ich den Arm um ihre zierliche Schulter, obwohl ich sie noch nicht einmal fünf Minuten kannte. Das Mädchen erweckte in mir einen fürsorglichen Beschützerinstinkt. Ich selber hatte keine Geschwister. Im Gegensatz zu ihren Eltern hatte mein Vater sich nicht im Geringsten darum gescheert, mich am Bahnhof zu verabschieden. Einer seiner Angestellten sollte mich zum Gleis 9 3/4 bringen und hat mich dann da schließlich stehen gelassen. So alleine hatte ich mich noch nie in meinem Leben gefühlt, auch nicht auf unserem riesigen Anwesen, wenn mein Vater mal wieder bis spät abends gearbeitet hatte. "Ich bin halbblütig und habe mich so gefreut, dass ich nach Hogwarts kann! Wie gesagt, Paul und Felix sind auch magisch, genau wie Mum, aber Jane ist ein Muggel. Meine älteste Schwester Juliet war auch in Hogwarts, aber das war kurz nach meiner Geburt. Sie arbeitet jetzt im St. Mungo, das will ich auch später machen! Ich bin übrigens Mary!", erzählte sie und ein kleines Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. Ich lächelte zurück. "Ich heiße Alice", sagte ich. Mary erzählte mir noch etwas über ihre Familie und ich hörte ihr zu. Später berichtete ich ihr dann zögernd von meiner toten Mum und von meinem Vater. Ich sah echtes, aufrichtiges Mitleid in ihren ehrlichen Augen und ich glaube, das war der Moment, in dem ich Mary wirklich vertraute. Normalerweise hasste ich es, bemitleidet zu werden, aber bei Mary war es in Ordnung, weil sie es ernst meinte. Als der Süßigkeitenwagen kam, kauften wir uns ganz viele Schokofrösche und teilten sie uns, bis die Abteiltür erneut aufgestoßen wurde. Ein hübsches, blondes Mädchen erschien. "Marlene McKinnon", stellte sie sich selbstsicher und mit einem strahlendem Lächeln vor. "Darf ich mich zu euch setzen? In dem Abteil, in dem ich vorher war, halte ich es nicht länger aus! Wir sind noch nicht mal in Hogwarts und schon werde ich von allen Jungen um ein Date gefragt. Die sind vielleicht hartnäckig, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen!" Ich grinste in mich hinein. Das würde ja lustig werden . . . Mary räumte bereitwillig ihre Sachen weg und Marlene quasselte munter weiter. Zu dem Zeitpunkt wusste ich ja noch gar nicht, dass sie eine der treuesten und mutigsten Seelen auf Erden war . . .

Später hatte der Sprechende Hut die junge Alice nach Gryffindor eingeteilt. In Ravenclaw wäre sie wahrscheinlich auch ziemlich gut aufgehoben gewesen, aber in ihr schlummerte ein Löwe, der nur darauf wartete, geweckt zu werden. Später, im Schlafsaal der Erstklässlerinnen, trafen die drei neuen Freundinnen auf Lily Evans. Lily war Alice von Anfang an sympathisch gewesen, weil sie Alice verstand und ihr zu hörte. In gewisser Weise war Lily eine Mischung aus Marlene und Mary, aber für Alice war jede ihrer Freundinnen etwas ganz Besonderes. Die wichtigste Person hatte sie jedoch gleich am ersten Tag nach ihrer Anreise getroffen: Frank Longbottom.

"Verdammt, Marlene, warum musstetst du dich denn noch so lange schminken!", stöhnte Lily wütend, als wir zu viert gehetzt aus unserem Schlafsaal rannten. Das Frühstück hatten wir längst verpasst, aber den Unterrichtsanfang wollten wir nicht auch noch versäumen. In der ersten Stunde würden wir Verwandlung haben und wenn man den Geschichten von Marys älteren Geschwistern Glauben schenken konnte, dann sollten wir uns wohl besser hüten, am ersten Tag bei Professor McGonagall zu spät zu kommen. "Wo müssen wir eigentlich hin?", keuchte Mary fragend. Die Bücher unter ihrem Arm drohten beim Rennen herunter zu rutschen und nur mühsam konnte sie mit unseren großen Schritten mithalten. Das war eine gute Frage. Verzweifelt sahen wir zwischen all den Treppen umher und suchten nach dem richtigen Weg. Marlene war kurz vor einem Wutanfall, Lily raufte sich genervt das rote Haar und Mary schien gleich in Tränen auszubrechen. "Okay, lasst uns ganz ruhig bleiben!", meinte ich schnell. "Wir finden schon eine Lösung, am besten werden wir einfach-", doch ich kam nicht dazu, meinen Satz zu beenden. Einerseits raubte mir den Anblick des Jungen vor mir schlichtweg den Atem und außerdem fragte eben dieser Junge mit klarer, heller Stimme: "Kann ich euch vielleicht helfen?"

Er war ein Zweitklässler aus Gryffindor. Sein braunes Haar lag etwas unordentlich und er stand etwas unsicher auf den Beinen, aber seine dunkelbraunen Augen sahen mich vertrauenserweckend an. Er schaute mich an. Nicht Marlene, die all ihren Charme aufbrachte und sich hoffnungsvoll eine Haarsträhne um den Finger wickelte. Nicht Lily, die jetzt etwas weniger sauer aussah. Nicht Mary, die hoffnungsvoll zu dem Jungen hochstrahlte. Mich. Ich stotterte verlegen: "Ähm, ja. Wir finden unseren Raum nicht." Bei Merlins Bart, das klang so dämlich!  Aber anstatt blöd zu lachen oder dumme Sprüche zu reißen wie die Jungen aus unserem Jahrgang es getan hätten, lächelte er schüchtern und erinnerte sich schmunzelnd: "Das ging mir in den ersten Tagen auch so. Aber keine Sorge, bald kennst du Hogwarts in- und auswendig." Du. Er hatte mich angesprochen. Mein Herz spielte irgendwie total verrückt und in meinem Bauch feierten die Schmetterlinge gerade eine wilde Sylvesterparty. Ich grinste vorsichtig zurück. "Ich bin übrigens Frank", fügte er hinzu und hielt den Blick auf mich gerichtet. "Alice", stellte ich mich ebenfalls vor. Mit elf Jahren hatte ich mich mit einem Schlag so heftig verliebt, obwohl ich alle Jungen vorher immer nur 'doof' gefunden hatte. Aber Frank war anders. Auf meine Freundinnen achtete ich nicht weiter, bis Lily sich räusperte. "Soll ich euch zu eurem Raum bringen?", bot Frank hilfsbereit an. Die anderen bejahten die Frage eifrig, aber ich zögerte: "Musst du nicht auch zu deinem Unterricht?" Marlene knurrte aus dem Mundwinkel: "Das ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, um höflich zu sein." Frank schmunzelte. "Nein, schon gut. Ich habe jetzt eigentlich 'Geschichte der Zauberei' und habe mein Buch im Schlafsaal vergessen, deshalb bin ich noch nicht im Unterricht. Aber Professor Binns bemerkt sowieso nie etwas, da kann ich ruhig ein paar Minuten später kommen", sagte er. "Also, soll ich euch begleiten?" Ich konnte nur nicken.

"Na, endlich!", murmelte Marlene von hinten. "Sei du bloß still, wegen dir sind wir doch zu spät!", antwortete Lily, klang aber schon viel versöhnlicher. Zielsicher brachte Frank uns zum Klassenzimmer und wir kamen kurz vor Professor McGonagall an. "Danke", flüsterte ich ihm zu, bevor die Tür hinter uns zuschlug. 

Von diesem Tag an wurde Alice jeden Morgen von Frank zu ihrem Unterricht gebracht. In den ersten Wochen kam ihr das Schloss wie ein wunderschönes, riesiges Labyrinth vor, in dem sie sich dauernd zu verirren schien. Frank war ihr Wegweiser. Er sah sie immer mit diesem Blick an, in dem vom ersten Moment an so viel Liebe, so viel Zuneigung und so viel Geborgenheit gesteckt hatte. Es war zu einer Art Tradition geworden, dass Frank Longbottom Tag für Tag vor dem Mädchenschlafsaal auf Alice Fortescue wartete. Nach einiger Zeit schien sich niemand mehr darüber zu wundern und hinter ihrem Rücken wurden Wetten abgeschlossen, wann die beiden wohl endlich zusammen kommen würden. Er begleitete sie auch dann noch zu ihrem Klassenzimmer, als Alice sich bereits sehr gut alleine zurecht gefunden hätte. Aber auch sie hatte nichts gegen seine Gegenwart einzuwenden, am Anfang waren ihre Unterhaltungen schüchtern und zurückhaltend verlaufen, doch mit der Zeit fingen die beiden an, sich gegenseitig zu vertrauen. Ihre Gespräche wurden privater und Alice vertraute all ihre Probleme Frank an. Er hörte ihr zu und gab ihr ein Gefühl, das ihr Vater elf Jahre lang nicht geschafft hatte: geliebt und verstanden zu werden. Irgendwann nahm Frank morgens einfach die Hand von Alice. Und so gingen sie, langsamer als sonst, zu ihrem Klassenzimmer. Es fühlte sich wunderbar an, seine Hand zu halten. Besser, als Alice es sich je vorgestellt hatte. Bald trafen sich die zwei auch am Nachmittag. Sie verbrachten viel Zeit zusammen, unterhielten sich, lernten zusammen, lachten . . . Er war der einzige Mensch, dem Alice gerne und freiwillig ihre eigenen Songs vorsang. Dem sie sich ganz und gar öffnen konnte, weil sie sich bei ihm gut fühlte. Wenn sie fiel, würde Frank sie auffangen. Wenn sie weinte, reichte er ihr ein Taschentuch. Wenn sie sich nicht hübsch fühlte, nahm er sie ganz fest in den Arm und sagte Alice, wie hübsch er sie fand. Wenn sie traurig war, brachte er sie zum Lachen. Wenn sie glücklich war, freute er sich mit ihr. Die Lehrer und Schüler von Hogwarts hatten schon oft erlebt, wie so junge Schüler und Schülerinnen sich ineinander verliebten und selbst in der 1. oder 2. Klasse zusammen kamen, aber dass diese dann auch zusammen blieben, das war ganz neu. Verwundert mussten selbst die kritischten Betrachter nach einiger Zeit zugeben, dass Alice und Frank perfekt füreinander waren. Sie schienen gar nicht genug voneinander bekommen zu können. Es ging so weit, dass die Rumtreiber das Namensschild an Alices Bett verhexten und die Buchstaben heimlich in "Alice Longbottom" umwandelten, was keinen der beiden Verliebten groß störte. Ihre ganz Schulzeit blieben Frank und Alice zusamen. 'Fralice' war das Traumpaar der Schule, sogar noch vor Lily und James. Nachdem auch Alice ein Jahr nach Frank ihren UTZ-Abschluss in der Tasche hatte, traten beide gemeinsam die Ausbildung zum Auror an. Dann begann der Krieg gegen Voldemort und die beiden traten zusammen mit all ihren Freunden dem Phönixorden bei, doch Alice und Frank ließen sich das Lachen nicht nehmen.

Verträumt schaute ich in die Wolken. Heute war ein sonniger Tag, der Himmel war blau und mein Kopf lag im Schoß von Frank. Alles war perfekt. Ab und zu lugte Augusta, die etwas strenge und temperamentvolle Mum von Frank, zwischen den Gardinen hervor und betrachtete uns mit ihrem kritischen Blick. Mittlerweile mochte sie mich eigentlich ganz gerne, aber am Anfang hatte sie mich bei jedem Besuch misstrauisch gemustert. Frank hatte nur gemeint, ich solle mir daraus nichts machen. Seiner Mum fiel es schwer, ihn loszulassen und der Gedanke, dass plötzlich eine andere Frau in seinem Leben wichtiger sein könnte als sie selbst, gefiel Augusta ganz und gar nicht. Als ich mir letztes Jahr mein langes Haar abgeschnitten hatte, war sie mir noch schlechter gesinnt gewesen. Aber dann musste sie wohl gemerkt haben, dass ich ihrem Sohn gut tat und jetzt hatte sich ihr Zorn gelegt, wenigstens akzeptierte sie mich. Glücklich und mit geschlossenen Augen lauschte ich im Garten der Longbottoms dem Vogelgezwitscher, bis Frank sich auf einmal bewegte. Verwundert setzte ich mich auch auf und sah ihn aufmerksam an. "Was ist denn los?", wollte ich beunruhigt wissen. Er richtete mit einem warmen Lächeln den Blick auf mich. "Ali", begann er. "Du bist ein wundervolles Mädchen. Als ich dich damals an dem Treppengeländer in Hogwarts sah, habe ich mich sofort in dich verliebt. Du hattest wohl etwas an dir, was mich gleich verzaubert hat. Aber bitte glaub' jetzt bloß nicht, ich würde nur dein Aussehen an dir lieben. Nein, ich liebe alles an dir, Alice Fortescue. Von deinem Namen über deine aufmerksamen Augen und deiner süßen Falte beim Lächeln, bis hin zu deinen tollen Liedern und all deinen Gedanken." Stumm liefen mir die Tränen über die Wangen. "Ich weiß gar nicht mehr, wie ein Leben ohne meine Alice ist. Ich will es ehrlich gesagt auch gar nicht wissen", Frank holte tief Luft und wischte mir liebevoll die Tränen weg, bis er schüchtern fort fuhr: "Alice, du bist das Licht in meinem Leben und ich will für immer bei dir sein. Willst du mich heiraten?" Ich musste gar nicht lange überlegen und stürzte mich schluchzend in seine Arme. "Ja, Frank, ja!", weinte ich und verbarg das Gesicht an seinem Hals. Seine Arme umschlossen mich fest und wahrscheinlich hätten wir uns nie wieder losgelassen, wenn nach einigen Minuten nicht Augusta zu uns gestoßen wäre. Zum ersten Mal sah sie mich mit einem aufrichtigen Lächeln an. "Willkommen in der Familie, Alice", sagte sie etwas versteift, aber sie meinte es ernst. Nichts hätte meine unfassbare Freude noch weiter steigern können. Das dachte ich zumindest, bis ich schwanger wurde. Wir zogen in ein kleines, gemütliches Haus auf dem Land nahe dem Wald. Als mein kleiner Neville geboren wurde, war unser Glück perfekt. Meine alten Freunde besuchten uns oft, doch natürlich blieb es nicht bei gemütlichem Kaffeklatsch: Wir planten unseren Kampf gegen Du-Weißt-Schon-Wen.

Und diesen Kampf gewannen sie. Alice verlor dabei eine ihrer besten Freundinnen. Tagelang weinte sie um Lily und James, sie konnte noch nicht einmal wirklich Freude bei dem Gedanken aufbringen, dass der Dunkle Lord verschwunden war. Frank und sie entschlossen sich, Dumbledore bei ihrem nächsten Treffen anzubieten, Harry selber großzuziehen. Er könnte mit ihnen und Neville leben, welches Ehepaar wäre dafür besser geeignet? Doch dazu kam es nie. Voldemort war zwar verschwunden, aber es gab noch genug Todesser für die Auroren. Bei einem ihrer Einsätze waren Frank und Alice in der Unterzahl und wurden von Bellatrix, Rodolphus und Rabastan Lestrange, sowie von Barty Crouch Jr. überwältigt.

Der Schmerz durchfuhr mich. Nie hatte etwas mehr weh getan als der Cruciatus-Fluch. "Wo ist er?", zischte die Stimme von Bellatrix Lestrange in mein Ohr. "Ihr wisst es, oder? Ihr müsst es wissen! Sagt es! Sagt es!", kreischte sie dann hysterisch und folterte mich weiter. Sie hörte einfach nicht auf. Lachend wurden wir von allen gleichzeitig gequält und es gab kein Entkommen. Das wusste ich. Unsere Zauberstäbe hatten sie uns weggenommen und niemand wusste, wo wir waren. Wer hätte denn auch erwarten sollen, dass sie nach Voldemorts Sturz noch Widerstand leisten würden? Ich fing an zu zittern und zu weinen. Frank saß neben mir in der Hocke und schaute mich blass an. Stumm ruhte sein Blick auf mir und meine Hand lag in seiner, wie vor all den Jahren auf den Korridoren von Hogwarts. Das beruhigte mich etwas und zumindest bewahrte ich meine Fassung. Der Schmerz zwang mich schließlich doch in die Knie, doch ich verriet nichts. Keine nützliche Information kam über meine Lippen. Schließlich sackte ich auf dem Boden zusammen und Barty Crouch Jr. hob grob meinen Kopf an. Durchdringend musterte er mich und sein Blick schien mich zu durchdringen. "Wo ist der Dunkle Lord? Verratet uns den Aufenthaltsort von unserem Meister und wir bereiten euch ein schnelles Ende", versprach er mir. Wut stieg in mir hoch und im nächsten Moment tat ich etwas sehr Mutiges und Dummes zu gleich: Ich spuckte ihm ins Gesicht. Zornig wich er zurück und der Cruciatus-Fluch quälte mich mehr als zuvor. Diese Schmerzen . . . Ich wollte, das es aufhörte. Verzweifelt presste ich die Lippen zusammen, doch Franks Hand ließ ich nicht los. Ich klammerte mich an seine Finger, bis Rodolphus Lestrange verächtlich mit dem Fuß unsere Hände voneinander trennte. "Blutsverräter!", fauchte er. "Wo ist der Dunkle Lord? Ihr werdet sowieso sterben, ihr könnt es uns genauso gut auch gleich sagen." Ich presste die Hände gegen den Kopf und schüttelte mich wild. Dann spürte ich Franks wunde Hand an meinem Rücken. Unter größter Anstrengungung blieb ich bei ihm. Ich rief mir immer und immer wieder den Anblick von Neville ins Gedächtnis, während die lauten "Cruciatus"-Rufe immer mehr in den Hintergrund rückten. Mein kleines Baby . . . Er war das Süßeste, was ich je betrachten durfte. Ich war mir sicher, dass er ein wundervoller Junge werden würde. Genauso wundervoll wie sein Vater. Voller Bitterkeit dachte ich daran, dass ich nicht bei seiner Einschulung dabei sein würde. Ich würde nie einen brief nach Hogwarts für ihn lossenden. Nie seine Frau und seiner Kinder kennenlernen. Ich fing an zu schreien. Immer un d immer lauter, auch Frank schien langsam die Beherrschung zu verlieren. Schnell atmend dachte ich an Lilys grüne Augen . . . an Marys schüchternes Lächeln . . . an Marlenes Witze . . . an die Streiche der Rumtreiber . . . an Frank und mich in Hogwarts. Frank. Wie sehr ich ihn liebte. Wir hätten so glücklich werden können, er und ich mit Neville und vielleicht mit Harry. Bald spürte ich gar nichts mehr. Der Schmerz war nebensächlich. Ich wusste gar nichts mehr. Ich hielt eine Hand. Es fühlte sich gut an. Eine Stimme sagte abfällig: "Von denen erfahren wir gar nichts mehr . . . Lasst sie hier!", dann trat jemand leicht gegen meine Hüfte. Ich blieb liegen.

Alice und Frank Longbottom wurden kurz darauf ins St. Mungo eingeliefert. Sie bekamen einen Orden für ihre Arbeit verliehen und die Verantwortlichen erhielten ihre gerechte Strafe in Askaban, aber ihr Gedächtnis blieb weg. Für immer. Alice war trotzdem glücklich. Sie hatte ja ihren . . . wie hieß er noch mal? Sie konnte sich nicht erinnern. Die Leute waren alle so freundlich hier. Einmal kam ein alter Mann im Anzug vorbei. Er hatteeinern verbissenen, ernsten Gesichtsausdruck. Alice erkannte ihren Vater nicht und er ließ sich nie wieder blicken. Oft besuchte sie eine alte Dame mit einem Jungen. Der Junge wurde über die Jahre immer älter und er sah immer etwas traurig aus. Alice mochte diesen Jungen. Wenn sie ihm über die Wange streichelte, blitzten in ihr kleine Erinnerungsfetzen auf. Alice schenkte dem Jungen immer Bonbonpapier, auch als er älter war. Abends kroch sie oft zu dem anderen Mann ins Bett. Er betrachtete sie immer mit so einem liebevollen Blick, sodass ihr ganz warm wurde. Auch ihn mochte sie gerne. Aber nach den Besuchen von der Frau und dem Jungen ging es ihr meist schlecht. Ihre verwirrten Gedanken schienen noch mehr durcheinander zu fliegen und sie hatte das Gefühl, irgendetwas vergessen zu haben. Der Gedanke schwebte vor ihr, sie wollte nach ihm greifen, aber nie bekam sie ihn zu fassen.

Eines Tages, als sie den Jungen auf die Stirn geküsst und ihm ein neues Bonbonpapier in seine Hand gedrückt hatte, lag sie in den Armen des Mannes. Alice dachte angestrengt nach, doch die Sätze blieben bloße Worte in ihrem Kopf. Da nahm der Mann ihre Hand und drückte sie fest. In Alice blitzte die Erinnerung an eine längst vergangene Zeit auf. Sie waren in einem Schloss und liefen händchenhaltend am Morgen durch die Korridore. Das musste wohl ein Traum gewesen sein, denn Alice konnte sich nicht daran erinnern, sich jemals so glücklich gefühlt zu haben. Da formten ihre Lippen seinen Namen: Frank. Ja. So hieß er. Frank lächelte sie unsicher an. Sie dachte an den Jungen. Neville. Er war wunderbar. Sie nahm sich vor, ihm bei seinem nächsten Besuch gleich zwei von den Bonbonpapieren zu schenken.

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