Hogsmeade

Lily P. o. V.

Als James mir voller Begeisterung und mit wahrem Enthusiasmus eröffnet hatte, dass er seinen Geburtstag mit mir in Hogsmeade verbringen wollte, hatte ich mich aufrichtig gefreut. Es war doch wirklich ein Glück, dass der Ausflug ins Dorf genau auf den 27. März fiel. Dann hatte ich allerdings erfahren, dass er auch die Rumtreiber, Marlene, Mary, Alice, Frank und so ziemlich unseren gesamten Jahrgang eingeladen hatte. Und ich Dummkopf hatte geglaubt, er wolle ganz romantisch mit mir alleine sein! Mit einer Mischung aus Belustigung und Ärgernis schüttelte ich den Kopf, während James wild gestikulierend und mit feuriger Leidenschaft auf mich einredete: "Aber Lily, stell dir das doch mal vor, das wird ganz wunderbar! Wir alle zusammen in Hogsmeade, och, komm schon, kannst du dir vorstellen, wie lustig das wird? Überleg' doch mal, das wäre so wahnsinnig krass! Aber wenn du wirklich nicht willst, ist das in Ordnung, dann sage ich das einfach wieder ab und-", doch ich unterbrach ihn mit einer unwirschen Handbewegung. "Meine Güte, Junge, mach mal halblang!", stöhnte ich genervt. "So war das gar nicht gemeint. Ich finde deine Idee super. Ehrlich! Ich hatte es nur falsch verstanden, es ist nicht weiter schlimm." Wie immer. War ich einfach blöd? Oder drückte er sich lediglich dauernd doof aus? So oder so, es war nicht von Bedeutung, da ich mich aufrichtig auf James' Geburtstag freute. "Echt?", er schien perplex. Mein Zeigefinger lag noch immer auf seinen Lippen, sodass er die Worte etwas genuschelt aussprach. Ich musste lächeln und strich ihm über die Wange. "Ja, du Idiot", flüsterte ich sanft und küsste ihn auf die Nasenspitze. Dann nahm ich ihn an der Hand und wir gingen zusammen zum Gemeinschaftsraum.

Der 27. März kam dann jedoch schneller als gedacht und wenn ich ganz ehrlich war, so wusste ich, dass ich gar keine Lust auf Party hatte. Da James allerdings schon am Morgen seines Geburtstages von den Rumtreibern auf den Schultern mit einer Flasche Feuerwhiskey in der Hand durch den Gemeinschaftsraum getragen wurde und laut brüllte: "Alter, ich bin jetzt 16! Heute wird so richtig gesoffen!", machte ich mir nicht allzu große Hoffnungen, ihn zu einem gemütlichen Abend zu zweit überreden zu können. Aber ich war ja seine Freundin und es war somit meine Pflicht, an seinem Geburtstag zu machen, was er wollte. Daher verkniff ich mir jeglichen Kommentar und unterdrückte mühsam sogar ein Augen-Rollen (was mir ausgesprochen schwer fiel). "Happy Birthday, Potter", meinte ich stattdessen nur und küsste ihn vor der versammelten Mannschaft, was allgemein viele "Uhhhh"s von den Mädchen und dumme Sprüche von den Jungen erntete. Jaah, ich habe einen Freund und jaah, ich küsse ihn auch in der Öffentlichkeit. Oh Merlin! "Danke, Lily-Mäuschen", murmelte James in mein Ohr und brachte mich zum Schmunzeln. Obwohl alle zusahen, erwiderte er meine Zärtlichkeiten voller Leidenschaft, ein Gegensatz, der scheinbar unmöglich schien. Nun, James machte es möglich. James machte alles möglich, mit ihm fühlte ich mich grenzenlos und uneingeschränkt. Nun, egal wie sehr ich ihn liebte, den ganzen Nachmittag bekam ich ihn kaum zu Gesicht, weil er mit den Jungs einen Besenflug zu irgendeinem schottischen See unternommen hatte. Mir sollte es Recht sein. Ich hatte am Vortag meine Tage gekriegt, mein Unterleib schmerzte höllisch und ich war grottenschlecht gelaunt. Daher verbrachte ich den Geburtstag meines Freundes größtenteils grummelnd mit einem Buch unter der Bettdecke. Allein! Als dann kurz vor 20:00 Uhr Marlene herein platzte, um mich zu informieren, dass wir bald mal los müssten und ob ich nicht mal "aus den Puschen kommen wolle", rappelte ich mich mit einem qualvollen Stöhnen hoch, nur um dann von der Bettkante zu fallen. "Autsch", jammerte ich und rieb mir den Kopf. "Lily", knurrte Marlene düster blickend. "Jaja", gab ich pampig zurück und sprang unter die Dusche. Danach hätte ich am liebsten meine Jogginghose wieder angezogen, aber das sähe laut meiner besten Freundin "komplett bescheuert" aus und wäre angeblich ein "unverzeihliches Modeverbrechen". Keine Ahnung was sie meinte. Es war wenigstens angenehmer als das hautenge Cocktailkleid, zu dem sie mich im Anschluss überreden wollte. Nachdem ich zehn Minuten meines Lebens damit verschwendet hatte, verhement dagegen zu protestieren, war Marlene einem Anfall nahe. "Lily, zieh dir bitte endlich etwas an! Wir sind bereits spät dran und du willst doch einigermaßemn hübsch aussehen, oder? Für James! Komm schon!" Okay, damit hatte sie definitiv das Falsche gesagt. "Wieso muss ich für meinen Freund gut aussehen, hm? Welches dumme Klischee besagt denn jetzt wieder, dass man als Mädchen knappe Röcke und weiten Ausschnitt tragen muss, um zu gefallen? Das ist total frauenfeindlich und bestärkt das typische Bild, dass Frauen mangelndes Selbstbewusstsein und Hohlheit durch viel Schminke und aufreizende Outfits kompensieren sollten, um in der Gesellschaft angesehen zu werden!", erklärte ich mit meinem arroganten Oberlehrerblick und in die Hüfte gestemmten Armen. Da war mal wieder die Feministin aus mir herausgebrochen. Marlene vergrub wie jedes Mal wenn ich ihr die grundlegende Problematik zu erklären versuchte verzweifelt den Kopf in den Händen. "Lily", flehte sie. "Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Zieh dir bitte endlich etwas an, egal was, zieh dir einfach etwas an. Jetzt." Sie hatte ihre Augen weit aufgerissen und sprach jedes Wort betont langsam aus. In ihre Stimme hatte sich etwas leicht Wahnsinniges geschlichen und sie schien den Tränen nahe. Nun, wenn ich Marlene McKinnon fast zum Weinen brachte, war das ein Zeichen, dass ich besser einen Gang runter schalten sollte. Daher unterdrückte ich das neue Verbalfeuer, das schon wieder in mir hochstieg, und griff wahllos ohne hinzusehen in Marlenes Kleiderschrank. Heraus zoh ich ein grünes Kleid, das fast bis zu den Knien fiel und nicht zu viel Ausschnitt zeigte. "Na bitte, das ist super!", sagte ich versöhnlich und ging beschwingten Schrittes ins Bad, um mich umzuziehen. Ich spürte Marlenes ungläubigen Blick angesichts meines plötzlichen Stimmungswandels im Rücken und hörte sie etwas wie "Pubertät . . ." murmeln. Mit einem frechen Grinsen auf den Lippen schloss ich die Tür hinter mir.


Mürrischen Blickes zupfte ich so unauffällig wie möglich an meinem Slip herum. Warum musste ich ausgerechnet jetzt meine Periode haben? Jungen können sich gar nicht vorstellen, wie es ist, eine Woche lang zu bluten und dann auch noch so tun zu müssen als wäre nichts! Abgesehen davon, dass ich mich einfach nur dreckig fühlte und ich Schmerzen hatte, musste ich gefühlt alle fünf Minuten auf die Toilette rennen. So ging man doch gerne feiern. Dabei ging die Party gerade erst los, tatsächlich stand ich gerade mit Mary, Alice und Marlene am Eingang der Drei Besen, die James mit Erlaubnis der Lehrer für den ganzen Abend gemietet hatte, und begrüßte die Gäste. Als Gideon und Fabian Prewett den Raum betraten und bei uns ihre Jacken abgaben, stellte ich amüsiert fest, wie Remus sich hinter den Tresen duckte und Marlene kokett lächelnd ihr Haar zurück warf. Meine Güte, so toll waren die nun auch nicht! Trotzdem musste ich schmunzeln und fragte mich, auf welchen der Zwillinge Marlene wohl stand. Wahrscheinlich auf beide. Besorgt und mit einer Spur Neugier dachte ich daran, was heute Nacht wohl noch alles passieren würde. "Lily!", James setzte mir von hinten ein Partyhütchen auf und küsste mich grinsend, was mir die Röte auf die Wangen trieb. "Du siehst zauberhaft aus", wisperte er in mein Ohr und ich spürte seine weichen Lippen und seinen warmen Atem an meinem Hals. Ich wirbelte herum und eine Sekunde später lagen mein Knutschorgan schon wieder auf seinem. Die ganzen "Nehmt euch ein Zimmer!"-Rufe ignorierten wir und nach viel zu kurzer Zeit mussten wir uns schon wieder voneinander lösen. "Ähm . . . jaah . . . danke, dass ihr alle gekommen seid!", meinte James verlegen und kratzte sich am Hals. Doch sofort hatte er seine unerschütterliche Selbstsicherheit aber auch schon wieder zurückgewonnen. "Geschenke bitte da hinten auf den Tisch, den Alkohol findet ihr reichlich an der Bar, wenn ihr kotzen müsst bitte schnell ins Bad, mögliche Techtelmechtel bitte woanders ausführen. Alles klar?", ordnete er grinsend an und zog die Augenbrauen hoch. Die Menge jubelte. Die Menge liebte ihn. Trotz Sirius' empörten Protest und teilweise auch durch meine geschickte Manipulation hatte James dafür gesorgt, dass nicht nur die Beatles liefen und Remus statt Sirius am Plattenspieler stand. Dieser spielte aufgrund der vielen klimpernden, bittenden Mädchenaugen Dancing Queen  von ABBA. Wir weiblichen Feierlaunigen stürmten natürlich wie irre auf die Tanzfläche und rannten dabei fast alle trägen Jungen um.

https://youtu.be/S9otrK5mb6g

Zuerst tanzten nur wir vier mit den schrägsten Bewegungen wild herum und hüpften ohne Hemmungen zum Takt, dann gesellten sich immer mehr Mädchen zu uns und dicht aneinander gedrängt schrien wir den Text mit. Schließlich sprang Marlene auf den Tisch und  schwang ordentlich die Hüfte, während sie ausgelassen ihr Haar schüttelte und immer wieder verführerische Blicke zu den gebannten Jungs warf, die auf einmal gar nicht so recht wussten, wohin sie schauen sollten. Das war die Marlene, die ich kannte und liebte. Auch ohne Alkohol war sie total ungehemmt und lustig drauf, sie wusste einfach immer, wie sie die ganze Aufmerksamkeit auf sich zog, ohne dass es peinlich wurde. Lachend zog sie mich, Mary und Alice mit auf ihre persönliche Bühne und jubelnd zeigten wir jedes Mal wieder beim Refrain auf Marlene, die nun laut fordernd die Jungs dazu holen wollte. Merlin, das Mädchen wusste einfach, wie man so ordentlich Stimmung machte! Sie ließ mich sogar meine anfänglichen Schmerzen wegen meiner Regel vergessen und war nicht mehr sauer aufgrund meines Kleidungsdesasters vorhin im Schlafsaal. Wir sprangen wieder von den Tischen in die tanzende Menge, wo Marlene sofort von unzähligen Verehrern umworben wurde. Die Dancing Queen des heutigen Abends war ohne Zweifel und einstimmig gewählt worden . . . Plötzlich schmiegten sich zwei starke Arme um mich und nach einem überraschten Seitenblick erblickte ich James, der seinen Kopf mit geschlossenen Augen auf meine Schulter legte. Ich spürte ein wildes und aufgeregtes Kribbeln in der Magengegend, und das lag ganz gewiss nicht an meiner Periode. Als der Song vorbei war, brachen alle in ohrenbetäubendes Johlen und klatschen aus. "Ich brauch' jetzt erst mal was zu trinken!", schrie ich in James' Ohr und er nickte. Händchenhaltend schlängelten wir uns durch die Menge zur Bar. Er reichte mir breit grinsend einen Biermix. Dankbar schlürfte ich an dem alkoholarmen Getränk. James wusste, dass ich nicht so darauf stand, mir grundlos die Kante zu geben und akzeptierte es zum Glück, dass ich lieber auf den Feuerwhiskey verzichtete. "Du hast ja echt halb Hogwarts eingeladen!", stellte ich fest und ließ meinen Blick über den vollen Raum schweifen. "Dein Freund ist halt ein angesehener Mann . . .", erwiderte er frech und verbarg sein Lächeln gekonnt im Rand seines Glasses. "Danke, dass du Sirius den Gedanken austreiben konntest, nur die Beatles spielen zu lassen!", flüsterte ich verführerisch, während ich meine Arme um seinen Hals schlang. "Für meine Schöne würde ich doch alles machen . . .", murmelte er und küsste mich gierig. Irgendwie gefiel es mir und trotzdem löste ich mich von ihm, weil ich genau wusste, dass ihn diese Unterbrechung verrückt machte. Und tatsächlich sah er mich mit einem wehleidigen Blick an. Bevor er etwas sagen konnte, meinte ich nur unschuldig: "Ich muss dir ja noch dein Geschenk geben. Komm, wir gehen nach draußen." Verdrießlich blickend folgte er mir und ich unterdrückte ein Lächeln. Vor den Drei Besen blieben wir stehen. Durch die Stille der klaren Nacht hörte man nur gedämpft den Lärm des Clubs. Die Kälte legte sich wie ein Schleier über uns und wir lächelten einander etwas schüchtern an. James trug nur ein T-Shirt, während ich über meinem Kleid und meinem Jäckchen noch einen dicken Pullover dabei hatte. "Hier", ich reichte ihm ihn. "Was? Nein, nimm du ihn, du bist das Mädchen, ich müsste dir meine Jacke geben, das geht nicht!", stotterte James abwehrend. Leicht henervt drückte ich ihm den Pullover energisch an sie Brust. "Jetzt hab dich nicht so. Scheiß doch auf die Rollenklischees!" Ich weiß nicht, was ihn umstimmte: Vielleicht war es meine Beharrlichkeit, aber wahrscheinlich war er so überrascht von meiner für mich untypischen Ausdrucksweise, dass er einfach zustimmte und sich meinen Pullover überzog. Der weibliche Schnitt sah an ihm einfach bescheuert aus, sodass wir beide in Lachen ausbrachen. Verliebt strich er mit einem einzelnen Finger über meine Wange, sodass es an meinem ganzen Körper kitzelte und kribbelte. Wie machte er das bloß? Bevor er mich weiter unter Feuer setzen konnte, zog ich mein verpacktes Geschenk hervor und reichte es ihm. Wie ein kleiner Junge riss er achtlos das Papier ab, was mich zum Schmunzeln brachte. Sein Blick, als er das Bild in den Händen hielt, war allerdings unbezahlbar: "Lily . . .?", ungläubig fragend sah er mich an. "Ist es das, was ich denke, das du mir schenkst?", er schien es kaum glauben zu wollen. "Glaubst du denn, was ich glaube, dass du glaubst?", hakte ich grinsend nach und trat ganz nah an ihn heran. "Sorry", murmelte er. "Was hast du gerade gesagt? Ich kann nicht klar denken, wenn du so dicht bei mir bist und dein betörender Erdbeergeruch zu mir herüber weht, aber wenn du deinen Satz nochmal wiederholst, kann ich dir sicher folgen und-", doch ich küsste ihn einfach, sodass er zum Schweigen gezwungen war. "Wir fahren ans Meer? Wann? Wo? Wie? Was?", stammelte er schließlich verwirrt. Mit meiner ruhenden Hand auf seiner Brust ging ich einen Schritt zurück. "Gratulation", lächelte ich. "Du hast es erfasst. Wir fahren im Sommer zusammen nach Kroatien. Zwar mit meinen Eltern und Petunia, aber wir haben ein eigenes Zimmer und sind ganz unabhängig von ihnen!" Begeistert und jauchzend wirbelte James mich im Kreis herum. Vergnügt kreischte ich auf und schlang meine Beine um ihn. Sein Gesicht schwebte direkt vor meinem und seine haselnussbraunen Augen musterten mich begierig. "Ich freue mich", sagte er dann mit einem intensiven Blick. Ich lachte: "Ja, das ist mir aufgefallen! Lass uns wieder rein gehen." Er setzte mich ab und hielt mir galant die Tür auf. Noch total im Rausch unserer Gefühle und Empfindungen traten wir ein. Sofort schlug uns ein Schweißgeruch entgegen, man konnte das Adrenalin und die aufgeladene Stimmung förmlich riechen. Sofort war James wieder von einer Menschenmasse umringt. "Kumpel, wo hast du so lange gesteckt?", brüllte Fabian Prewett ausgelassen und schlug ihm freundschaftlich auf die Schulter. "Ähm, ich war nur-", fing James verlegen an, aber eigentlich wollte das niemand hören. "Wo krieg' ich noch so einen geilen Feuerwhiskey her?", mischte sich nun Gideon ein. "Da musst du zu meinem Freund Remus gehen, der steht da drüben an der Bar!", meinte James belustigt und konnte ein Grinsen nicht unterdrücken. Er wusste genau wie ich von Remus' Bisexualität, sowie von seiner Schwärmerei für Gideon. Da James nun in den besten Händen war, verschwand ich schnell auf der Toilette um meinen Tampon zu wechseln. Ein kurzer Blick in den Spiegel bestätigte mir, dass ich auch ohne aufreizende Kleider und Tonnen von Schminke hübsch aussehen konnte. Eine gesunde Röte zierte meine Wangen und ein glückliches Lächeln lag auf meinem Gesicht. Als ich wieder zurück war, zogen die anderen Rumtreiber meinen Freund gerade auf das kleine Podest. "Alle mal herhören!", rief Sirius mit weit ausgebreiteten Armen und die Gespräche verstummten. "Wir sind heute wegen meinem besten Freund James hier, der jetzt fast offiziell ein Mann ist!" Dieser Seitenhieb erntete einige Lacher, selbst James grinste. "Ich bin sehr froh, dass ich ihn bis zu seinem 16. Geburtstag begleiten durfte. Eine wahnsinnig große Ehre! Nein, Leute, ernsthaft. Mich während unserer ersten Zugfahrt neben James zu setzen war das Beste, was ich tun konnte. Ohne ihn wäre ich heute wohl kaum der Mensch, der ich nun einmal bin. Ich meine, klar, ich wäre trotzdem so gutaussehend und charmant, aber irgendetwas würde fehlen. Also, erheben wir unsere Gläser auf James Potter!" Seine Rede erntete jede Menge Johlen und Zurufe. James freute sich sichtlich und Mary starrte verliebt grinsend Sirius an. Dann trugen Peter und Remus mit einem scheinheiligen Ausdruck in den Augen eine riesige Torte mit einem großen goldenem Schnatz auf der Oberfläche herein. James bemerkte nichts und rastete vor Freude fast aus, aber mir kam irgendetwas falsch an der ganzen Sache vor. Belustigt und mit verschränkten Armen wartete ich ab. "Du musst die Kerzen auspusten", wies Peter James unschuldig guckend auf das Offensichtliche hin. James beugte sich vor und holte tief Luft, doch als er die Flammen auspusten wollte, explodierte der Schnatz in tausend Einzelteile. Während auf uns Feiernde nur goldene Schnipsel herabrieselten, bekam James die kuchenartige Masse komplett ins Gesicht. Sirius, Peter und Remus schlugen sich auf die Schenkel vor Lachen und von James' deprimierten Gesicht fiel ein Stück Kuchen, sodass seine Augenpartie frei war. Wenn ich nicht so sehr hätte lachen müssen, hätte er mir fast Leid getan! Aber mal ehrlich: Was wäre ein waschechter Rumtreiber-Geburtstag ohne einen fiesen und zugleich lustigen Streich am Geburtstagskind? Einmal im Jahr dürfen die Opfer seiner eigenen Scherze wohl auch mal über den Streiche-König höchstpersönlich lachen. Und das taten wir tatsächlich, sogar James fand es nach einiger Zeit recht witzig. Nachdem der Rest des Kuchens aufgeteilt und verspeist worden war, stellte ich mit einem Blick auf die Uhr fest, dass es bereits nach Mitternacht war. Grinsend schlenderte ich zu Remus, der sich mehr oder weniger locker mit Gideon unterhielt. "Na, ihr beiden!", lachte ich und stellte mein Glas mit einem Ruck ab. Remus wurde knallrot und gab rasch vor, etwas unter dem Tresen zu suchen. Gideon hingegen runzelte die Stirn: "Wieso sagt das denn heute Abend jeder zu uns mit diesem merkwürdigem Unterton?" Ich prustete los und winkte zwinkernd ab. "Ich weiß gar nicht, was du meinst . . .", mit einer albernen Handbewegung winkte ich ab. Okay, der Alkohol zeigte seine Wirkung! Ich vertrug ja wirklich gar nichts! Gideon nahm kopfschüttelnd einen weiteren Schluck und Remus warf mir lediglich einen bösen Blick zu. Och, war das niedlich wenn Remus böse gucken wollte! "Hey, Loverboy!", rief ich ihm übermütig und vom Alkohol beschwingt zu. "Spiel mal lieber wieder etwas gute Musik! Ich will tanzen!" Remus kannte seit Halloween ja die Folgen des Alkohols auf mich und tat zu seinem eigenen Glück besser, was ich verlangte. "Passt mal genau auf, gleich geht es ab!", warnte ich grinsend meine Freundinnen. Mit offenen, gespannten Mündern warteten wir hoffnungsvoll und jubelten in einer ohrenbetäubenden Lautstärke auf, als die ersten Takte von Gimme Gimme Gimme  erklangen.

https://youtu.be/T4aEl1wui9U

"Seht zu und lernt!", schrie Marlene keck über den Lärm hinweg und sprang dieses Mal elegant auf den Tresen. Abgesehen davon, dass sie in ihrem knappen, roten und rückenfreien Kleid, mit dem offenen blonden Ombre-Haar und den riesigen High Heels einfach atemberaubend aussah, konnte sie auch gut schauspielern und den Text auswendig singen. Sagen wir es mal so: Gimme Gimme Gimme  war so etwas wie die Hymne ihres Lebens, der Takt ihres Herzens, und das sah man auch.

"Half past twelve
And I'm watching the late show in my flat all alone
How I hate to spend the evening on my own
Autumn winds
Blowing outside my window as I look around the room
And it makes me so depressed to see the gloom
Is there a man out there
Someone to hear my prayer"

Auch wenn man Marlenes Stimme nicht hörte, so bewegte sie doch ihre kirschroten, vollen Lippen so exakt zu der Musik, dass man glatt glauben konnte, sie würde ganz alleine singen. Ein Wunder, dass überhaupt jemand einen Schritt auf diesen Schuhen machen konnte, doch meine Freundin stolzierte mit Bravour über den Tresen als wäre es ein Laufsteg. Ihr Laufsteg. Marlene wusste wirklich, sich ihre eigene Bühne zu erschaffen und alle Blicke auf sich zu ziehen. Mit ihren lackierten Fingernägeln deutete sie direkt auf Fabian Prewett, der genau wie alle anderen Jungen mit einem Bier in der Hand gaffte. Aha, Fabian war also ihr Auserwählter.

"Gimme gimme gimme a man after midnight
Won't somebody help me chase the shadows away
Gimme gimme gimme a man after midnight
Take me through the darkness to the break of the day"

Sie machte eine auffordernde Handbewegung, die zum Mittanzen motivieren sollte. Binnen von Sekunden war die Masse wieder vereint. Mary wirbelte ungewohnt sexy und ungehemmt um den strahlenden Sirius herum, scheinbar hatte auch sie zum Wundermittel Alkohol gegriffen. Mit knapp 16 Jahren war das ja gewöhnlich immer eine gute Idee. Niemanden wunderte es, dass Marlene und Fabian noch vor dem nächsten Refrain eng umschlungend auf dem Tresen standen und gegenseitig eifrig Speichel austauschten. Dieses Mädchen wusste wahrhaftig, wie man einen heißen Jungen aufriss! In diesem Augenblick spürte ich bereits zum zweiten Mal in dieser Nacht eine Hand in meinem Nacken. James fing an, meinen Hals mit heftigen Küssen zu bedecken und fuhr mit seiner anderen Hand sanft an meiner Hüfte entlang. Er stand hinter mir und hatte sich dicht an meinen Rücken gepresst. Mir entwich ein überraschtes Stöhnen und ich musste zugeben, dass ich es genoss. Wenn sich Erwachsenwerden so anfühlte, dann war es doch nicht so schlimm wie zuvor behauptet. Ich fühlte den Beat in mir drin, während James' Küsse immer fordernder und leidenschaftlicher wurden. Es kümmerte mich nicht, dass ich morgen früh ein paar auffällige Knutschflecke haben würde. Es scherte mich nicht im Geringsten, dass ich morgen verkatert und übermüdet aufwachen würde. Alles, was mich jetzt interessierte, war, dass ich zu fantastischer Musik mit einem fantastischen Jungen auf einer fantastischen Party, umgeben von meinen fantastischen Freundinnen auf und ab sprang. Irgendwann drehte ich mich zu James herum und löste mich gleichzeitig von ihm. Ohne seinem durchdringendem Blick nachzugeben tanzten wir rhythmisch und energiegeladen weiter. Remus spielte den nächsten Song und ohne Unterbrechung, ohne Pause und ohne Luftzuholen tanzten wir weiter durch die Nacht. Ich für meinen Teil hatte meinen Mann nach Mitternacht gefunden . . .

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Erst mal danke für die krassen 7k bei "Collide"  und auch für die 1k bei "Smells Like Teen Spirit" ! ❤️

Darüber freue ich mich total, aber am besten sind sowieso eure Kommentare! :) Sorry dass das Kapitel so endlos war, ich habe auch echt lange daran gesessen. Es ist ein sehr schönes und bewegendes Gefühl, dass ich euch mit meinen Worten und meiner Geschichte berühren kann und es gibt mir in gewisser Weise Mut. Danke! :***

Und wundert euch nicht, dass Lily ihre Tage hatte...Das musste einfach mal mit rein, da ich es unnatürlich finde, dass die Mädchen in den meisten FFs NIE ihre Periode haben und auch NIE zur Toilette müssen. Es sind zwar nicht die schönsten Themen, aber es ist doch WAHR! ;D

Ich für meinen Teil habe jetzt extreme Lust auf Mamma Mia . . . xD Weiß einer von euch, wie ich jetzt nachträglich noch einen Prolog schreiben kann??? Das wäre mir echt wichtig. Nun, ich wünsche euch noch einen bezaubernden Abend (ich für meinen Teil werde ihn mit Abba, Meryl Streep und der wunderbaren Amanda Seyfried verbringen! ;D) und sowieso nur das Beste! :)

Küsschen, Jean ❤️❤️❤️

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