8. Kapitel

„Ähm... bis später dann!", verabschiedete ich mich vom schweigsamen Peter und winkte ihm kurz zu, nachdem ich ausgestiegen war. Wie affig grummelte meine kleine Stimme. Aha, sie war also immer noch da.

Ich zückte mein Handy und checkte die Mail, die mir Jeff heute Morgen geschickt hatte, dann folgte ich seinen Anweisungen und betrat das Gebäude vor mir. Es ähnelte dem Studio, in dem das Meeting am Vormittag stattgefunden und in dem Holly mich fertig gemacht hatte. Mit festen Schritten trat ich über die Schwelle und fand mich augenblicklich in einer schicken, noblen Lobby wieder.

„Miss!" Eine helle, klare Stimme hallte durch den Raum. Erschrocken zuckte ich zusammen. Am anderen Ende der Lobby entdeckte ich eine Rezeption und zügig durchquerte ich den Raum.

„Hi!", sagte ich atemlos, als wäre ich gerade einen Marathon gelaufen. Ich konnte mein Herz bis zu meinem Hals klopfen spüren, mein Puls wurde immer schneller. Langsam kroch mir die Röte ins Gesicht und die Haut auf meinen Händen wurde fleckig. Okay, nur nicht durchdrehen, ganz schön ruhig bleiben, Williams, ermahnte ich mich selbst. Holly würde mich umbringen, wenn sie wüsste, dass ich ihr ganzes Kunstwerk zerstörte!

„Ich bin Lottie Williams, ich soll hier auf Harry Styles warten!", erklärte ich dem Rezeptionisten mit einem Atemzug. Prüfend sah er mich an und ich trat ungeduldig von einem Fuß auf den anderen. Verdammt, wo blieb Harry?

„Mhm, setzten Sie sich", meinte er schließlich mit einem ziemlich starken französischen Akzent und deutete auf eine der senfgelben Couchen in der Lobby. Dankbar lächelte ich ihn an und setzte mich wie geheißen dorthin.

Ich versuchte ruhig zu bleiben, doch immer wieder sprang ich vom Sofa auf und ging ungeduldig auf und ab. Ich spürte den Blick des Rezeptionisten auf mir und setzte mich wieder hin, doch es dauerte nur einige Minuten, bis ich wieder auf den Beinen war.

Setz dich doch endlich hin du dummes Ding!

16.11 Uhr. Harry und ich waren um 16 Uhr verabredet gewesen - er hielt sich wohl an das künstlerische Viertelstündchen. Genervt seufzte ich auf - meine Nerven waren ohnehin schon strapaziert. Ich zückte mein Handy und tippte eine Nachricht an Alex.

Ich wollte ihn bei mir haben, wollte den Nachmittag mit ihm verbringen und nicht mit anderen jungen Männern, von denen einer schweigsamer als der andere war. Gerade als ich auf seinen Chat tippte, öffneten sich die Aufzugtüren hinter mir mit einem leisen Pling.

„Du bist schon da!"

Ich wirbelte auf der Stelle herum. Wow. Mir stockte der Atem, mein Puls beschleunigte sich wieder. Wie konnte ein Mensch so gutaussehend sein? Schon zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit haute er mich vom Hocker. Seine grünen Augen durchbohrten meine braunen.

Nur nicht schwach werden, Lottchen! Ich wollte etwas sagen - irgendetwas musste ich doch sagen - doch in diesem Moment war ich unfähig, auch nur einen kleinen Ton von mir zu geben. Das war der Anfang meines neuen Lebens.

„Hey!", piepste ich nach einer halben Ewigkeit. Du armselige Kirchenmaus.

„Wie geht es dir? Hast du alles gefunden?", fragte er mich mit seiner warmen Stimme, während er seinen Blick nicht von mir abwandte. Wie benommen nickte ich. In den letzten Stunden hatte ich mir nicht nur einmal ausgemalt, wie dieses Treffen verlaufen würde, doch ich war in keiner meiner Visionen so bescheuert dagestanden wie jetzt.

„Ja, Peter, hat mich hergefahren", hörte ich mich sagen. Okay - es war ein halbwegs vernünftiger Satz, durchatmen Lottie, einfach atmen. Du schaffst das schon! Ich holte ein paar Mal tief Luft. Einatmen, ausatmen, wieder einat-

„Alles okay?", fragte Harry irritiert und sah mich verwirrt an. Na toll, er stand noch nicht mal fünf Minuten vor mir und schon machte ich mich lächerlich. Schnell nickte ich und zwang mich zu einem Lächeln. Seine Lippen verzogen sich zu einem kleinen Grinsen, was die Situation nicht besser machte. Diese Grübchen waren wirklich unwiderstehlich! Schnell räusperte ich mich und starrte auf meine rosafarbenen Chucks.

„Hat Holly die ausgesucht?", fragte er mich plötzlich, brach in Lachen aus und deutete auf meine Schuhe. Irritiert bejahte ich seine Frage. „Sie hatte erheblichen Einfluss auf ein Fotoshooting!", lachte er und ich stimmte sofort in sein ansteckendes Lachen ein. Wahrscheinlich war Holly schon für ihre Verrücktheit und ihre gute Laune bei den Jungs bekannt.

„Bist du bereit?", fragte er mich und musterte mich eindringlich. Nachdenklich biss ich mir auf die Unterlippe. War ich wirklich bereit für diese Veränderung? Ja!, meldete sich meine wohlbekannte Stimme. Langsam nickte ich. Die Entscheidung war längst gefallen.

„Hör zu - bevor wir rausgehen, wollte ich mich bei dir entschuldigen. Ich war beim Meeting nicht wirklich... nett zu dir. Ich war einfach ein bisschen neben der Spur, dein Name hat es ja auch nicht einfacher gema-", begann Harry, dann unterbrach er sich und starrte auf seine Schuhe. Was in aller Welt hatte mein Name mit der ganzen Sache zu tun? Es war doch ein ganz normaler Name!

„Vergiss das am besten gleich wieder! Auf jeden Fall tut es mir leid und ich wollte mich für mein Verhalten entschuldigen, es war dir gegenüber nicht fair!", sagte Harry und sah mich aufrichtig mit seinen grünen Augen an. Schlagartig begann mein Herz schneller zu pochen. Es war beinahe schon unheimlich, wie perfekt er war.

„Alles gut!", versicherte ich ihm mit leiser Stimme und lächelte leicht. Himmel - ich wurde noch wahnsinnig! Sein Blick wanderte wieder zu meinen Schuhen und wieder schlich sich ein Grinsen auf seine Lippen, wobei seine unwiderstehlichen Grübchen zum Vorschein kamen.

„Wollen wir?", fragte er mich und ich nickte zögernd. Ja, ich war bereit dafür. Das versuchte ich mir immerhin einzureden - ob ich tatsächlich bereit für die Veränderung war, wusste ich nicht. „Mach dich gefasst auf ein Blitzlichtgewitter!", grinste er und zog mich an der Hand durch die Drehtür nach draußen. Stolpernd folgte ich ihm. Er war größer als erwartet und ich konnte mit seinen großen Schritten kaum mithalten. Ich war nicht klein, aber bestimmt kein Riese.

Kaum waren wir auf der Straße, ließ es meine Hand los, genauso war es abgemacht. Kein Händchenhalten. Noch nicht. „Okay, lass uns da langlaufen", murmelte er mir zu. „Und immer schön lächeln!" Kurzerhand bog er nach links ab, legte seine Hand auf meinen Rücken und schob mich vor sich her.

Sofort begann die Stelle an meinem Rücken zu kribbeln - man wurde schließlich nicht jeden Tag von einem Star wie Harry Styles hin- und hergeschoben. Harry Styles. Ich war tatsächlich mit Harry Styles unterwegs! Ich atmete nochmals tief durch und versuchte, es nicht so auffällig zu machen wie vorhin - eine Blamage pro Tag reichte definitiv aus.

Kaum waren wir in die Seitenstraße eingebogen hörte ich ein Mädchen kreischen. „Oh mein Gott, Harry! Da ist Harry Styles" Mein Herz rutschte eine Etage nach unten. Jetzt ging es also los.

„Harry, ich liebe dich!"

„Harry! HAARRRRY!"

„Krieg ich ein Autogramm?"

„Fotooo, bitte mach ein Foto mit mir!"

Im Nu waren wir von einer Schar Mädchen umkreist, doch niemand beachtete mich wirklich. Es schien, als wäre ich einfach eine von ihnen, die um ein gemeinsames Bild mit Harry Styles bettelten. Panisch drehte ich mich um mich selbst und sah mich nach einem Ausweg um, doch es war unmöglich, dem Trubel zu entkommen. Ich hasste Menschenmengen! Immer mehr Mädchen stürmten auf uns zu, alle wollten so nah wie möglich an Harry kommen.

Ein beengendes Gefühl machte sich breit, ich versuchte den Kloß in meinem Hals zu schlucken, doch er blieb hartnäckig da. Ich fühlte mich wie eine dicke, summende Fliege, die an einer Fensterscheibe klebte und keinen Weg nach draußen fand. Mein Herz begann noch schneller zu klopfen, mein Atem verkürzte sich. Unsichtbare Hände legten sich um meinen Hals und übten leichten Druck auf meine Kehle aus. Verdammt, ich musste hier raus!

Aufgeregt biss ich mir auf die Lippe - irgendwann würde ich sie mir noch bestimmt blutig beißen, wenn es so weiterging! So war es also, mit Harry unterwegs zu sein. Ich versuchte mich von der Mädchenhorde abzulenken und beobachtete Harry neugierig, versuchte alles außer ihn auszublenden.

Er meisterte die Situation im Gegenteil zu mir mit Gelassenheit und nahm den Stift entgegen, den ihm ein Mädchen entgegenhielt. Staunend stand ich daneben - er blieb so ruhig! Mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht kritzelte er seinen Namen auf Mathebücher, Handys, ein Mädchen hielt ihm sogar ihren Schuh hin. „wir müssen weiter, sorry!", entschuldigte er sich, nachdem er mit beinahe jedem der Mädchen ein Foto gemacht hatte.

Sie kreischten seinen Namen, doch er ging nicht mehr auf sie ein, legte seinen Arm um mich und zog mich aus der Mädchenschar. Sofort beruhigte ich mich wieder. Es war unglaublich, welche Wirkung er gerade eben auf mich hatte! Erst jetzt schienen sie mich zu bemerken. Bisher war ich für sie eine von ihnen gewesen, doch jetzt nahmen sie mich erst richtig wahr.

„Moment, wer ist das?"

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