Nachtluft
Erst am Abend des folgenden Tages erlaubten wir uns, einige Stunden zu schlafen.
Wir befanden uns in einem riesigen Waldgebiet, weshalb es schwer sein würde, uns zu finden, aber ich wollte kein Risiko eingehen. Ich legte mich an den Rand einer kleinen Lichtung, von der aus ich den Sternenhimmel beobachten konnte. Dünne Wolkenbänder zogen darüber, aber sie behinderten die Sicht auf die leuchtenden Sterne kaum. Ich hatte ganz vergessen, wie schön sie waren.
Zum Glück war es sogar in der Nacht relativ warm, sodass ich auch ohne eine Decke schlafen konnte. Nur der Hunger quälte mich ein wenig, aber ich war es ja schon gewohnt, mehrere Tage am Stück nichts zu essen. Ich drehte mich zur Seite und legte die Arme um Zephyr, die ruhig atmend neben mir lag. Mit den Fingern fuhr ich die weißen Muster in ihrem Fell nach.
"Würdest du das bitte unterlassen?", knurrte sie.
Sobald diese Katze den Mund aufmachte, kam nur Müll raus.
Ich ging nicht darauf ein. "Wie soll es jetzt weiter gehen?"
"Wir können uns nicht ewig verstecken", antwortete sie, "Wir müssen dir zuerst etwas besorgen, um deine Ohren und am besten auch das Halsband zu verdecken. Und natürlich etwas zu Essen."
"Mhm..."
"Und wolltest du nicht nach Victor suchen? Er könnte wirklich noch leben."
"Wie soll das gehen? Es gibt überhaupt keine Anhaltspunkte." Diese Welt erschien mir so aussichtslos. Hier war kein Platz für uns. Ich kannte keine einzige Person, die mir freundlich gesonnen war, die Nekos die ich kannte waren vermutlich alle tot, und die Menschen sahen uns als Feinde.
"Meinst du, mir würde ein Haarband stehen?"
"Wie kommst du denn jetzt darauf? Ich verstehe dich nicht, Lil'"
"Im Sommer ist es viel zu auffällig, eine Mütze zu tragen. Ich könnte meine Ohren ja stattdessen darunter verstecken."
"Du solltest schlafen, das wird mir hier zu seltsam..."
Wieso war sie nur so? Ich nickte und drehte mich mit dem Rücken zu ihr.
Doch die Gedanken, die durch meinen Kopf rasten, hielten mich vom Schlafen ab.
Ich versuchte, mich an den Tag zu erinnern, an dem Vic verschwand.
Es gab, soweit ich wusste, überhaupt keine Spuren, er fehlte einfach. Es war wahrscheinlich, dass er von irgendwelchen Menschen mitgenommen und in die Sklaverei verkauft wurde, aber hätten sie unser Versteck dann nicht früher angegriffen? Mir fiel kein wirklicher Grund ein, warum sie so lange gewartet hätten. Aber es passte auch nicht zu ihm, einfach abzuhauen.
Zumindest mir und Hino hätte er doch Bescheid gesagt, oder?
Es fühlte sich wie mehrere Stunden an, die ich einfach nur dort im weichen Moos lag, in die Sterne blickte und an meine Vergangenheit dachte. Obwohl ich völlig erschöpft war, dauert es ewig, bis meine Augen zu fielen.
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