Leere
Ich betrachtete gefühlt zum tausendsten Mal die gestapelten Kisten. Viel mehr gab es in dem kleinen Wagen nicht zu sehen. Inzwischen war der Duft der Gewürze verblasst und die Kälte der Nacht drang hinein, ebenso wie der eisige Schimmer des Mondes. Wie immer, wenn ich nervös war, trommelte ich mit den Fingerspitzen auf den Boden, das lenkte mich ein wenig ab. Schon der Gedanke an irgendwelche reichen, verwöhnten Ekel, die sich zum Geburtstag nicht sehnlicher wünschten als eine Sklavin, ließ mich zittern. Ich wusste aus Erfahrung, dass zu viel freie Zeit und Langeweile Menschen gefährlich machen konnte. Auf dem Sklavenmarkt war es nie anders gewesen. Mir stiegen die Tränen in die Augen und ich schluckte.
Meine Kehle fühlte sich an wie zugeschnürt. Meine Wächterin war anscheinend nicht in der Nähe, das spürte ich. Verzweiflung breitete sich in mir aus. Ich würde lieber sterben als wieder der Willkür dieser Sadisten ausgeliefert zu sein. Vielleicht wäre es sogar das Beste für mich, vielleicht wäre es eine Möglichkeit, endlich Frieden zu spüren.
Wären meine Hände frei, würde ich mich jetzt selbst ins Gesicht schlagen. Ich durfte nicht so denken. Sina wäre umsonst gestorben, ich hätte umsonst gelitten. Wer sollte mir schon Hoffnung machen, wenn ich es selbst nicht einmal konnte?
Ich musste hier raus.
Wieder streifte mein Blick eine der Kisten. Der Deckel war unordentlich darauf genagelt und mit einer Kombination aus Buchstaben und Zahlen beschriftet, die ich im Mondlicht gut erkennen konnte. Einer der Nägel stand ungefähr einen Finger breit heraus und war etwas schief.
Eine Weile starrte ich ihn einfach nur ausdruckslos an. Ich fühlte mich, als wäre ich zu keiner Regung im Stande, als hätte jemand die Zeit angehalten. Langsam drehte ich mich mit dem Rücken zur Kiste und legte die gefesselten Hände an den Nagel. Ich begann, das Seil, das um meine Unterarme geschnürt war, immer wieder über das krumme Metallstück zu ziehen. Es war eine schmerzhafte und zermürbende Angelegenheit, ständig erwischte ich meine Arme, die schon wieder begannen zu bluten. Nach einer gefühlten Ewigkeit löste sich das Seil von meiner geröteten und aufgeriebenen Haut. So leise wie möglich schob ich die Barrikade vor dem Eingang auseinander und schlüpfte hindurch. Das ging jetzt doch mal wieder einfacher als ich dachte, aber ein wenig Glück konnte ich zur Abwechslung auch einmal gebrauchen.
Einen Moment stand ich einfach auf dem Asphalt der befestigten Landstraße und schaute dem Planwagen nach, der langsam in der Dunkelheit verschwand. Ich grinste, als ich mir die Reaktion des Kutschers vorstellte, wenn er mich seiner Kundschaft präsentieren wollte und ich einfach fehlte.
Ich hatte Zephyr nicht im Wagen ausmachen können, also schloss ich die Augen und versuchte, mich zu konzentrieren. Ihr Herz schlug, aber es fühlte sich so weit weg an, dass es meines fast zerriss. Wir waren schon wieder getrennt.
Soo, ich hoffe es sind noch ein paar von euch wach! Das Kapitel ist total kurz, aber ich fand, dass das Ende gerade so gut passte. Ich wünsche euch trotzdem viel Spaß beim Lesen :)
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