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Jungkook Pov
Immer wieder muss ich mir den Schweiß von der Stirn wegwischen, den die Nervosität verursacht, zusammen mit der Unfähigkeit auf einem Fleck stehen zu bleiben oder generell still zu sitzen.
Vielleicht ist es auch weniger Nervosität als viel mehr Sorge, die mir Taehyungs plötzliches verschwinden bereitet. Ich hoffe zwar nicht, dass ich recht habe und er tatsächlich verschwunden ist, aber was wenn ich recht habe? Er ist bereits vier Tage nicht mehr zurück in die Wohnung gekommen. Was ist, wenn seine Angst größer war als der Trost, den ich versucht habe ihm zu schenken? Vielleicht verliere ich ihn dann für immer.
"Jimin", sage ich, während ich mit meinen Finger auf meinem Bein herum trommle und an den Nägeln der anderen Hand kaue. Alles an mir verrät was für eine Unruhe gerade in mir herrscht, da wundert es mich das der Herr Doktor Psychologe noch nicht selber gefragt hat.
"Was ist?" Er sieht mich genervt an und wendet seinen Blick kurz vom Monitor seines Computers ab. Ich weiß, dass er beschäftigt ist und auch ich habe keine Pause, aber ich kann gerade keine Patienten sehen, geschweige denn Operationen durchführen wenn meine Hände stärker Zittern als im Winter.
"Ich habe Mist gebaut."
Er schnaubt abschätzig und wendet sich wieder seiner Tastatur zu. "Den hast du bereits gebaut, als du die Schlange hast bei dir einziehen lassen. Was könnte da schlimmer sein?"
Sein Grinsen wirkt sarkastisch als er den Monitor anstarrt, als würde dieser sein Leid verstehen, den er wegen mir durchstehen muss, aber heute kann ich nichts dagegen sagen.
"Mit ihr zu schlafen."
Es ist fast so, als hätte man diesen Moment mit einer Kamera fest gehalten und nachträglich in Slow Motion abgespielt, denn ich kann jede einzelne Regung, jede Veränderung was seine Gefühle angeht erkennen.
Zuerst sind es die Lippen, die sich leicht öffnen, bereit mir irgendetwas gegen den Kopf zu werfen, wenn da nicht die zusammengezogenen Augenbrauen wären, die ganz klar verdeutlichen das er gerade erst dabei ist es zu realisieren. Ich bilde mir sogar ein die feinen Haare auf seinen Armen zu sehen, als sie sich unter seinem Kittel aufstellen.
"Du hast was?", fragt er und steht wütend auf, ohne dabei auf den Stuhl zu achten, den er dabei umwirft.
"Ich habe mir ihr geschla-"
"Verdammt, das habe ich verstanden du Vollidiot!"
Mit nur wenigen Schritten ist er um den Tisch herum gegangen und stürmt auf mich zu. Jimin ist ziemlich klein, aber man darf seine Kraft nicht unterschätzen, denn davon hat er ziemlich viel und genau die bekomme ich zu spüren, als er sich mit seinem ganzen Gewicht auf mich wirft.
Bevor ich überhaupt begreifen kann was hier abgeht, landet auch schon die erste Faust in meinem Gesicht. Merkwürdigerweise ist es kein Schmerz, den ich zuerst spüre, sondern das Gefühl richtig wach zu sein. Vielleicht ist es auch einfach nur das Adrenalin, das jetzt in meinem Blut ausgeschüttet wird .
Auf den ersten folgt auch schnell der zweite Schlag, aber statt wie erwartet weiter auf mich einzuschlagen, springt er auf und vergräbt die Hände in seinen Haaren.
Es waren nur zwei Schläge mit der Faust ins Gesicht, aber die hatten es in sich. Der anfänglichen Taubheit folgt jetzt der pochende Schmerz und ich weiß, dass sich spätestens morgen früh der Kiefer zu Wort melden wird.
"Wofür war das jetzt?", frage ich etwas benommen, denn obwohl ich mich nicht gewehrt habe, verstehe ich nicht ganz warum ihn das so wütend macht.
Er hasst Jiyu, das wissen wir bereits, aber ist das ein Grund um auf mich einzuschlagen? Er hat es ja auch nicht gemacht, als ich ihm gesagt habe, dass sie für eine kurze Zeit bei mir schlafen wird.
"Du bist ein Vollidiot, Jungkook! Ein Arschloch, ein Mistkerl und ein verdammter Hurenbock!"
Er tritt mit all seiner Kraft gegen den ohnehin schon sehr alten Holzstuhl direkt neben der Wand. Das Geräusch, als dieser zerfällt ist wahrscheinlich im ganzen Gebäude zu hören, aber das scheint Jimin nicht im geringsten zu beruhigen.
"Ein Hurenbock?", frage ich und ziehe eine Augenbraue nach oben, lasse sie aber sofort wieder sinken als Jimin sich mit seinem Wutverzerrten Gesicht zu mir dreht.
"Findest du das witzig?" Er macht einen Schritt auf mich zu, als würde er wieder auf mich losgehen wollen, aber ich rühre mich nicht. Vollkommen Gefühlskalt blicke ich ihn an, wie immer. Man soll mir bloß nicht ansehen was ich fühle.
"Nein, Jimin, ich finde das nicht witzig, aber ich verstehe es nicht. Ich fühle mich schlecht, ich bin wütend auf mich selber, ja ich hasse mich sogar, aber warum bist du derjenige der mich bestraft? Du kennst ihn doch nicht mal!"
"Anscheinend kenne ich ihn besser als du!"
Seine Faust landet auf dem Tisch, aber er hält dem starken Schlag stand, lediglich seine Knöchel kommen zu schaden, denn sein ganzer Handrücken ist mit Blut verschmiert.
"Ich könnte meinen Job verlieren, ich habe eine Schweigepflicht und noch dazu eine Pflicht als Freund gegenüber Taehyung, aber ich sage es dir, weil du es anders nicht verstehen wirst. Nach dem Vorfall, als ich ihn stützen musste damit er nicht zusammenbricht, hat er mich wieder hier aufgesucht. Er öffnete sich mir."
Verwirrt runzle ich die Stirn und versuche eine Information nach der anderen zu verarbeiten.
Zu aller erst: Jimin und Taehyung sind Freunde? Ich meine, ich war ja dabei als es ihm nicht so gut ging und Jimin hat mir danach ja auch verraten was los war, aber wieso habe ich nicht gemerkt, das die beiden sich auch Privat getroffen haben?
War Jimin der Grund, warum Taehyung sich immer heimlich weggeschlichen hat wenn ich nicht da war? Und wieso habe ich die beiden nie gesehen? Sie müssen sich wohl heimlich getroffen haben.
Ich wusste das ja bereits und ich habe es aktzeptiert, was mich aber verletzt ist die Tatsache, dass Taehyung mit seinen Problemen zu jemand anderem gegangen ist, dass er nicht mit mir darüber reden konnte.
"Er hat dir alles erzählt?", frage ich und starre die weiße Decke seines Büros an.
"Nein. Er hat mir nicht erzählt was damals mit ihm los war oder ob er sich an etwas erinnert, falls du darauf hinaus willst, aber er hat über was anderes mit mir geredet. Über dich."
"Über mich? Was hat er gesagt?"
Jimin lacht verächtlich und wirft den Kopf in den Nacken bevor er sich seine Brille wieder aufsetzt, die er zur Seite gelegt hat bevor er auf mich losgegangen ist und sich seiner Tastatur widmet.
"Du verdienst es nicht das zu erfahren, Jungkook."
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