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Jungkook Pov

Sie sieht nicht auf, bis ich mich vor sie stelle und mich räuspere. Mit großen Augen löst sie ihren Blick von dem Ring an ihrem Finger und schaut einwenig erschrocken hoch zu mir. 

Tatsächlich hat sie sich die letzten Jahre seit unsrer Uni-Zeit kaum verändert, selbst die Länge ihrer Haare ist gleich, das Gesicht immer noch freundlich, die Augen Strahlen ihre Naivität förmlich aus.

Sie hängt sich ihre Tasche um die Schulter, springt auf und schenkt mir ein freundliches Lächeln als sie realisiert das ich es bin. Es ist Ewigkeiten her das ich dieses Lächeln gesehen habe, immerhin war die Art wie wir auseinander gegangen sind keine schöne.

"Jungkook...", fängt sie an, redet aber nicht weiter, weil sie anscheinend nach den passenden Worten sucht um ein Gespräch einzuleiten, dabei hatte sie eigentlich genug Zeit um das ganze durchzugehen, sie hat immerhin nach mir verlangt.

"Komm mit, ich untersuche das."

Auch ohne darauf zu zeigen, wissen wir beide wovon ich rede, denn die Würgemale an ihrem Hals sind kaum zu übersehen. Aber sie schüttelt den Kopf und zieht den Kragen ihres pullovers nur weiter nach oben.

"Ich bin nicht deswegen hier. Ich wollte dich sehen."

Es ist drei Jahre her, seit wir uns zerstritten haben und ohne uns zu vertragen auseinander gegangen sind. Drei Jahren in denen wir, trotz der Beziehung die wir hatten, kein einziges Wort miteinander gewechselt haben.

Und jetzt taucht sie hier wieder auf, mit dem gleichen Lächeln von damals  und sagt mir in diesem Ton, der selbst den kältesten Stein erweichen würde, dass sie meinetwegen hier ist.

So sehr diese Worte und ihr auftauchen mich auch überraschen, ich kann mich nicht davon ablenken lassen. Ich befinde mich hier immer noch in einem Krankenhaus und ich arbeite hier.

"Hör zu, Jiyu...-"

"Nein", unterbricht sie mich, denn sie kennt mich gut und weiß, was ich als nächstes sagen wollte, das ich sie mit einer Entschuldigung wegschicken und ihr dann bestmöglich aus dem Weg gehen würde. "Hör du mir zu, Jungkook." Sie streicht sich eine Haarsträhne hinter das Ohr und versucht sicher auszusehen, als sie zu mir hoch guckt. "Das damals... Das ist ziemlich schlecht gelaufen und das weiß ich. Ich bin dumm und ich habe ganze drei Jahre gebraucht um das zu realisieren, aber ich habe verstanden was damals schief gegangen ist, auch wenn es länger gedauert hat als bei dir." Sie lächelt mit einer solchen Ehrlichkeit, dass ich nicht anders kann als ihr zu glauben. "Ich bin nicht hier um die gleichen Fehler zu machen wie damals. Lass uns von vorne anfangen, Jungkook und sehen wohin uns die Zukunft bringt."

Ich zucke kurz zusammen, als sie diese mir bekannten Worte ausspricht, aber ich kann ihr nicht ansehen, ob es ihr Absicht gewesen ist, oder nur Zufall.

"Ich bin bereit dem Schicksal zu vertrauen und zu sehen, wohin uns die Zukunft bringt, weil ich dich liebe, Jungkook."

Fast wäre die Maske gefallen und ich hätte gelächelt, als ich für einen kurzen Moment das Mädchen von damals wieder vor mir stehen sehe, das Mädchen das sie war bevor all das passiert ist, aber ich kontrolliere mich.

Kaum zu glauben, dass es nur wenige Worte braucht um mich weich zu kriegen, nur wenige Worte um mich all das vergessen zu lassen was damals geschehen ist und in mir die Hoffnung zu wecken, das es wieder so werden kann, wie es vor all dem war.

"Ich weiß zwar nicht was du vor hast, aber wir können es versuchen. Wie in der Schule damals."

Sie bemerkt die Anspielung meines letzten Satzes und obwohl das Lächeln ein wenig schwindet, nickt sie.

Die Zeit in der Schule war die beste, das war bevor ihr Geständnis kam, bevor ich mich auf etwas eingelassen habe, was ich all die Zeit bereut habe.

"Ich bin froh, dass wir das klären konnten", sagt sie und schlägt mir verspielt mit der Faust gegen die Schulter. "Geh mal wieder an die Arbeit, Dr. Jeon, die Patienten warten sicher schon auf dich."

Sie klammert sich fester an ihre Tasche und schnappt sich ihren Mantel, der auf dem Stuhl liegt, auf dem sie eben noch gesessen hat bevor sie mir zum Abschied winkt während sie das Krankenhaus verlässt.

Obwohl ich mich schon über das Wiedersehen gefreut habe, komme ich nicht umher dieses mulmige Gefühl zu beachten, das sich in mir ausbreitet, weil die Sorge da ist, dass das ganze wieder so ausgehen könnte wie das letzte mal.


×××××

Kurzes Kapitel zur Einführung eines neuen Charakters 😏

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