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Taehyung Pov

Der Tag zählte zu einem der heißesten seit zwanzig Jahren und das war den ganzen Tag über zu spüren gewesen.

Kaum hatte man sich den Schweiß aus dem Gesicht gewischt, bildete sich auch schon neuer und wenn meine Eltern mich nicht gedrängt hätten, trotz diesen unmenschlichen Temperaturen trotzdem zum Training zu gehen, hätte ich wahrscheinlich den ganzen Tag zu Hause vor dem Heimkino verbracht und die kühle Luft der Klimaanlage genossen.

Aber selbst auf der höchsten Stufe wäre die eisig kalte Luft eben dieser Anlage nichts im vergleich gewesen zu den kalten Fängen der Angst, die mich jetzt wie ihr Kind in den Armen wiegt.

Mit großen Augen starre ich die Waffe in meiner Hand an und lasse sie fallen, kurz bevor meine Beine unter mir nachgeben und ich unsanft auf die Knie falle.

Mein Blick ist verschwommen während ich nach etwas taste woran ich mich wieder hoch ziehen und dieser Szenerie entkommen kann, aber mein Magen macht mir einen Strich durch die Rechnung.

Der Anblick der ganzen toten und der Geruch nach Metall, das vom Blut kommt befördert den gesamten Inhalt, alles was ich heute zu mir genommen habe mit einem rutsch raus.

Meine Augen füllen sich mit Tränen, die mein ganzes Gesicht befeuchten und als ich endlich nicht mehr das Gefühl habe mich übergeben zu müssen, lasse ich alles mit einem Schrei raus.

"Taehyung!"

Ich schreie und schlage auf der Suche nach etwas woran ich mich festklammern kann um mich, bis sich meine Nägel in etwas warmes, weiches bohren.

Jungkooks Hand findet Platz auf meiner Wange. Mit dem Daumen wischt er mir die Tränen weg, die mir erst jetzt auffallen und seine Augen nehmen meine in Beschlag.

Er sagt nichts, alles was er tut ist mir tatsächlich den Blick in diese braunen, wunderschönen Augen zu gestatten und damit mein beinahe explodierendes Herz wieder zu beruhigen.

Meine Atmung wird flacher und obwohl ich kein Arzt bin, merke ich wie mein Puls sich normalisiert und die Angst langsam wieder von dannen zieht.

"Alles in Ordnung", sagt er leise und streicht mir mit der freien Hand die viel zu langen Haare aus dem Gesicht.
"Du glühst ja."

Erst jetzt merke ich, dass es seine Oberarme sind, in die ich meine Fingernägel, ohne darüber nachzudenken, hinein gebohrt habe. Sofort lasse ich ihn los und habe mit dem schlechten Gewissen zu kämpfen.

"Ich habe schon wieder geträumt", sage ich immer noch im Halbschlaf und reibe mir die Augen. "Wie spät ist es?"

"Halb fünf."

"Was?", entfährt es mir schockiert und ich sehe ihn entschuldigend an. "Es tut mir leid."

Jungkook hatte heute bis Mitternacht die Schicht, er ist erst vor kurzem nach hause gekommen und kaum hat er mal die Augen zu gemacht, reiße ich ihn auch schon aus seinem wohlverdienten Schlaf.

"Psht, entschuldige dich nicht. Erinnerst du dich an den Traum?"

Der Traum. Ich weiß, dass es einen gab, ich weiß das er schrecklich war und das mich alleine der Gedanke mich wieder daran erinnern zu müssen in Angst versetzt, aber ich tue es nicht. Ich weiß nichts mehr davon.

Obwohl ich mich schrecklich deswegen fühle, schüttle ich den Kopf, wohlwissend das ich ihn damit enttäusche.

Er hat es selber gesagt, oder zumindest sowas ähnliches. Er braucht mich nicht, alles was er möchte ist erfahren, warum von allen Ärzten hier in Seoul ausgerechnet er die Nachrichten bekommen hat und warum sein Name auf meiner Hand stand.

Das wollen wir beide und bei mir ist es noch was anderes. Ich möchte nicht alleine sein.

"Komm mit", sagt er, steht auf und streckt mir eine Hand hin, die ich ohne groß nachzufragen ergreife.

Mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht zieht er mich hoch und führt mich hinter sich her quer durch das Wohnzimmer in den Flur und von dort in sein eigenes Zimmer.

Er war so oft nicht zu hause, es gab so viele Gelegenheiten in denen ich diesen Raum betreten konnte, aber ich habe es nicht getan.

Dieser Mann hat mir in einer Notsituation ein Dach über dem Kopf, etwas zu essen und Klamotten gegeben, da ist es das geringste seine Privatsphäre zu respektieren, egal wie groß die Neugier ist. Aber ich hätte nie gedacht, dass er mich irgendwann von selber hierher bringen würde.

Im Dunkeln lässt sich zwar kaum etwas erkennen, aber alleine der Geruch nach seinem Shampoo, der in der Luft hängt reicht um mich ganz kirre zu machen.

"Ab heute schläfst du hier bei mir."

Er legt sich auf das, für eine Person sowieso zu große Bett und hebt die Decke an. Mit einem Lächeln im Gesicht nickt er auf die Stelle neben ihm und obwohl ich anfangs zögere, krieche ich schlussendlich doch unter den warmen Stoff, direkt neben ihn.

"War es so schlimm?", fragt er und ich spüre seinen Atmen in meinem Nacken. So unauffällig wie es nur geht versuche ich etwas Abstand zwischen uns beide zu bringen, weil es mittlerweile nicht nur sein Geruch ist der mich verwirrt, sondern seine ganze Nähe.

"Es war schrecklich und das ist es immer noch. Es ist schrecklich nicht zu wissen wer man ist."

Trotz der Angst, die ganzen schrecklichen Bilder an die ich mich nicht erinnere könnten auftauchen, schließe ich die Augen und lausche dem angenehmen Klang seiner Stimme.

"Wie fühlst du dich jetzt?"

Ich stelle mir vor wie seine Lippen sich bewegen während er mir diese Fragen stellt. Alleine der Gedanke daran beruhigt mich und obwohl seine Nähe mich nervös macht, entspanne ich mich auch in seiner Gegenwart.

"Ich fühle mich leer, zerschlagen, Gesichtslos. Ein Teil von mir ist bereits tot."

"Taehyung...-" Ich unterbrechen ihn indem ich den Kopf schüttle und seine Hand wieder von meinem Oberschenkel entferne, die er soeben rauf gelegt hat.

"Aber da ist etwas, was mich am meisten beschäftigt. Eine Angst, die mich nicht mehr los lässt."

Ich spüre wie mich die Müdigkeit überkommt, während ich mit ihm rede und gebe mich ihr vollkommen hin, aber zuvor verlassen noch ein paar Worte meinen Mund.

"Das, was ich am meisten zu verbergen versuche, ist die Angst vor dem, der ich bin."

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