Kapitel 9
"Du hast dich geritzt?", fragte Niall entsetzt. Ich nickte beschämt und zog den Ärmel wieder über die Narben. "Hör auf damit." "Ich habe schon damit aufgehört. Als ich elfeinhalb Jahre alt war habe ich aufgehört. Die Schnitte haben mir nichts mehr gebracht. Egal wie tief sie waren, ob ich sie mir mit der Messer- oder der Rasierklinge zugefügt habe, der Schmerz wurde nicht kleiner. Also hab ich nach einiger Zeit aufgehört. Doch die Schnitte hatten mich vor dem innerlichen Zerbrechen bewahrt. Als ich es nicht mehr tat bin ich innerlich zerbrochen. Ich bekam Depression oder so. Ich war nie mehr fröhlich oder glücklich. Ich war immer deprimiert. Ich habe aufgehört zu lachen oder zu lächeln." "Daran kann ich mich gar nicht erinnern. Du hast immer gelacht.", sagte Niall. "Natürlich hast du nichts gemerkt. Ich habe euch was vorgespielt. Ich habe mein Fake-Lachen vor dem Spiegel geübt bis es perfekt war und es niemand mehr von meinem echten Lachen mehr unterscheiden konnte." "Wie ging es weiter?", fragte Niall interessiert. "Es wurde immer schlimmer. Ich hatte nur noch negative Gedanken, doch als Mum und Dad die Freundschaft mit Jennifer zerstört haben, ging es einfach nicht mehr. Ich wollte Selbstmord begehen. Ich war ein paar Mal kurz davor aus dem Fenster zu springen. Ich sah einfach keinen Ausweg mehr. Bis mir die Idee mit dem abhauen kam." Niall war schockiert, dies sah man ihm an. "Und das du mich an X-Factor angemeldet hast, war dein Abschiedsgeschenk für mich?", fragte er jedoch weiter. Ich lächelte: "Ja, du warst der einzige der von meiner Familie sich um mich gekümmert hat."
Nialls POV
Ich war schockiert. Es ging ihr so schlecht. Ich als ihr Bruder hätte es merken sollen. Doch ich habe nichts gemerkt. Ich habe sie zerbrechen lassen. Es tat mir so leid. Als ich ihre Narben sah wollte ich am Liebsten aufschreien. Sie hatte sich geritzt. Doch es ging ihr so schlimm das irgendwann sogar das Ritzen nicht mehr half. Ich nahm sie in den Arm. Ich war froh, dass ich sie, wo ich so lange vermisst habe, wieder im Arm halten durfte.
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