Kapitel 24

Sage war nicht der größte Fan ihres Vaters und sie konnte ihn auch nicht besonders gut leiden. Das wusste jeder hier in Inuvik und die meisten in der Résistance.

Sage hatte daraus nie ein Geheimnis gemacht und ihr Vater hatte sich nie große Mühe gegeben ihre Verachtung ihm gegenüber unter den Tisch zu kehren.

Es hatte eine Zeit gegeben da war ihr Vater ihr Held. Als sie noch klein war, bevor den Sonneneruptionen hatte ihr Vater sich extra auf einen Posten zum Schutz des Umsiedlungscamps beworben, in dem ihre Mutter arbeitete, um in ihrer Nähe zu sein.

Dann kamen die Sonneneruptionen und dann der Brand.

Und ihr Vater hatte beidem stoisch entgegen gestarrt und das getan, was er immer getan hatte.

Er war ihr Held gewesen und hatte sie und ihre Mutter beschützt.

Das war die Zeit, wo sie ihren Vater am meisten bewundert hatte.

Sie hatte angefangen diesen Drang zu spüren, sich ihrem Vater gegenüber zu beweisen. Zu beweisen, dass sie genauso ein Held sein konnte, wie er.

Dann hatten Kaleb und Rick versucht ihnen das Essen zu stehlen und sie hatte die beiden im Alleingang fertiggemacht, obwohl sie kleiner und jünger gewesen war.

Sie hätte sich im Lob von ihrem Vater praktisch sonnen können.

Darauf waren sie dann zur Résistance gekommen. General Larkin hatte sie aufgenommen und ihren Vater gebeten einen Stützpunkt in Inuvik aufzubauen. Weiter südlich als der Polarkreis wäre so etwas, wie die Résistance vielleicht nicht möglich gewesen. Die Bevölkerungsdichte und dementsprechend die Anzahl an Cranks, sowie die elementaren Bedingungen hätten den Aufbau einer Untergrundorganisation, wie die Résistance eine ist, vielleicht unmöglich gemacht, aber es gelang ihnen ein Zuhause, ein Sicherungsnetz gegen den Brand aufzubauen.

Und ihr Vater war Leiter eines Stützpunktes, den er selbst aus dem Boden gestampft hatte.

Und im Versuch ihrem Vater und den großen Fußstapfen, die er ihr hinterließ, gerecht zu werden, hatte Sage sich in ihr Training geworfen und alles um sich herum ausgeblendet. Hätten Kaleb und Rick sie nicht stur, wie die Esel, die sie sind, immer mal wieder aus ihrer Blase geholt, wäre sie jetzt vielleicht vollkommen allein.

Sie sind zwar Idioten, aber immer noch meine Idioten.

Dann ist ihre Familie auseinandergebrochen.

Seit sie gesehen hat, wie ihr Vater ihrer Mutter eine Kugel in den Schädel jagte, konnte sie ihn nicht mehr als den Vater sehen, den sie so sehr geliebt und bewundert hatte.

Der Vater, von dem sie wollte, dass er auf sie stolz ist.

Dass ihre Mutter immune Kinder geschmuggelt und für WCKD gearbeitet hatte, spielte dort keine Rolle.

In ihr war an diesem Tag einfach etwas zerbrochen, dass in den Jahren darauf durch Streit und Kämpfe mit ihrem Vater vollkommen zerstört worden war.

Und nun hatte er in den letzten Monaten angefangen zu versuchen, sie dazu zu bringen Paulatuk, den kleinsten Außenposten der Résistance, zu übernehmen und wenn sie wüsste, dass Kaleb und Rick, die alles waren, was ihr an Familie noch geblieben war, mit ihr kommen würden, denn wäre sie schon längst aus dem Dunstkreis ihres Vaters verschwunden. Aber Rick und Kaleb waren hier in Inuvik zu Hause und ihr Herz war hier, sie hatte es bis heute nie über sich bringen können die Beiden zu fragen, ob sie mit ihr gehen würden, wenn sie sich dazu entscheiden sollte, nach Paulatuk zu gehen.

Als Sage heute mit der Absicht einen neunen Streit mit ihrem Vater vom Zaun zu brechen in das Büro ihres Vaters gestürmt war, war sie der festen Überzeugung gewesen, dass ihr Vater sie nur zum Bürodienst verdonnert hatte, weil sie mal wieder nicht nach seiner Nase tanzen wollte. Schließlich hatte er sie, als sie das letzte Mal die Führung von Paulatuk abgelehnt hatte, sie für die Patrouillen gesperrt.

Dass die Tür zu seinem Büro abgeschlossen gewesen war, hatte sie nicht weiter gekümmert. Er und sie spielten dieses Spiel schon seit Jahren; er würde die Tür abschließen, um zu signalisieren, dass er nicht gestört werden wollte und sie würde die Tür mit anderen Mitteln öffnen, um zu signalisieren, dass es sie einen Dreck scherrte, was er wollte.

Aber nun, wo sie die Papiere und Pläne auf seinem Schreibtisch sah, war sie sich nicht mehr so sicher, ob das der Grund gewesen war, warum er sie hierbehalten hatte.

Scheiße, Rick muss das wissen.

Ihr Herz fing bereits an panisch schneller zu schlagen und all ihre Instinkte schrien, dass sie ihre Freunde warnen musste, als Sage eine Entscheidung fasste und anfing die Papiere einzusammeln.

In ihrer Hektik, die Pläne zusammen zu tragen, verlor sie bestimmt mehr als sie wollte, aber Sages Nackenhaare stellten sich bereits auf und sie hörte Schritte, die sich der Tür nähernten. Mit einem letzten Blick durch das vergitterte Glas, versicherte sie sich, dass sie keiner von der Galerie aus gesehen hatte, bevor sie herumwirbelte, bereit durch die Tür zu sprinten als sie auf einmal ihrem Vater gegenüberstand.

Wie sehr ich wünschte, dass du dich anders entschieden hättest", lächelte er traurig, bevor er sie in eine feste Umarmung zog. In dem Moment, in dem sie ihrem Vater das Knie zwischen die Beine rammte, spürte sie einen stechenden Schmerz in ihrem Nacken und als ihr Vater sie stöhnend losließ, taumelte sie zurück.

Die Pläne verteilten sich über den Boden als Sage ihr Hand zu ihrem Nacken führte und einen der Betäubungspfeile, die sie auch für Cranks verwendeten, wieder herauszog.

Ihre Gedanken konnten nicht mehr mit ihr mithalten als sie schon Richtung Tür stolperte, alles, woran sie nur noch denken konnte, war, dass sie ihre Freunde warnen musste.

Sie schaffte es nicht bis zur Tür.

°°°

Die Kälte trieb Newt Tränen in die Augen als er zwischen Rick und Andy am Eingang des Umsiedlungscamps stand.

Nachdem er Jorge gesagt hatte, wo er landen sollte, waren er und Rick auf die Krankenstation gegangen. Rachel zu finden war nicht sonderlich schwer gewesen. Die Sanitäterin, die sich um Rachel gekümmert hatte, überragte alle Anwesenden im Raum und war wie ein Leuchtturm mit ihrem weißblonden Haar.

Aus Mangel an Stühlen auf der Krankenstation hatte Teresa sich neben Rachel auf den Boden gesetzt und sich geweigert ihre Hand loszulassen. Andy saß neben Teresa auf dem Boden mit dem Rücken gegen Rachels Krankenbett gelehnt und Kaleb stand mit dem Rücken und verschränkten Armen an die gegenüberliegende Wand gelehnt als sie hereinkamen.

Newt hatte nicht fragen müssen, wie es Rachel geht. Teresa hatte angefangen zu reden, sobald er mit Rick zum Stehen gekommen war. Obwohl der Brand Rachel nichts anhaben konnte, hatte sich ihre Bisswunde entzündet, was zu Fieber und Kreislaufproblemen geführt hatte. Die Sanis hatten die Bisswunde gereinigt und infiziertes Gewebe entfernt aber die Wunde noch nicht geschlossen, da sie sie im Laufe des Abends und der Nacht noch mehrfach reinigen wollten, um die Infektion zu beseitigen. Ihr Fieber war mittlerweile herunter gegangen und Rachel hatte strikte Bettruhe und sollte sich schonen.

Die Art in der Teresa Rachel ansah, sagte Newt, dass sie sich die Schuld gab, dass Rachel nun auf der Krankenstation lag, und Newt wusste aus eigner Erfahrung, dass selbst, wenn man ihr sagen würde, dass es nicht ihre Schuld war, dass Rachel sich bewusst dafür entschieden hatte, ihnen nichts von dem Biss zu erzählen, es an ihren Gefühlen nichts ändern würde.

Daher war er auch nicht überrascht, dass sie, nachdem Rick verkündet hatte, dass sie gleich aufbrechen würden, um Tommy und die anderen vom Camp abzuholen, sich dafür entschied bei Rachel zu bleiben. Auch Kaleb blieb, wenn auch aus anderen Gründen.

So kam es, dass Newt nun seinen Schal weiter hochzog als er Rick durch die teils eingestürzten Hütten und Baracken des verlassenen Camps folgte. Die Atmosphäre war ihm unheimlich, der Wind jagte beinahe ungehindert durch die Gassen und das Holster an seinem Oberschenkel erinnerte ihn daran, dass er, Andy und Rick allein ihren Weg durch die Hütten bahnten.

Rick hatte ihm, bevor sie aufgebrochen waren, einen Brief zusammen mit dem Holster gegeben. „Der ist von General Larkin. Er möchte dich bitten, ihn Vince, dem Anführer des Rechten Arms zu kommen zu lassen, damit sie in Zukunft zusammenarbeiten können."

Der Brief wog schwer in seiner Hosentasche.

„Die Hütte dort vorne hat Kaleb und seiner Familie gehört", sagte Rick plötzlich und zeigte auf eine Hütte deren grün gestrichenen Wände mit Frost überzogen und die Fenster zerbrochen waren. Ein hinterer Teil des Dachs war eingestürzt und Teile der Balken hatten die Seitenwand durchschlagen. „Seit Kaleb fünf war, hat seine Familie darin gewohnt und darauf gewartet, dass die neuen Siedlungen im Umkreis von Deline fertiggestellt wurden."

Die Ruinen von Kalebs Kindheit.

Newts Magen verknotete sich bei dem Gedanken, dass diese verfallende Hütte alles war, was von Kalebs Kindheitszuhause noch geblieben war.

Ob vom Haus meiner Eltern noch etwas übrig ist?

Die Frage hatte er sich nur einmal gestellt, als er abends in der Einrichtung von WCKD in der Brandwüste seinen Freunden beim Schnarchen zugehört hatte, weil er selbst noch nicht schlafen konnte. Danach hatte er es sich stets verboten darüber nachzudenken. Aber nun, wo er vor dem Ort stand, an dem einer seiner Freunde aufgewachsen war, stellte er sich die Frage erneut.

Ob Sonya sich diese Frage auch mal gestellt hatte? Ob da draußen irgendwo noch das Haus stand, in dem ihre Eltern mit ihnen gelebt hatten, oder ob es ebenfalls den Elementen zum Opfer gefallen war?

Je näher sie dem Landeplatz kamen, desto geladener wurde Newt. Seine Gedanken rasten und versuchten gleichzeitig sich auf seine Umgebung zu fokussieren.

Der Landeplatz des Camps war ein großer eingeschneiter und eingezäunter Platz, der von länglichen Baracken, die fast alle eingestürzt waren, umgeben war. Der Maschendrahtzaun war mit Rost überzogen und über und über mit Schildern versehen, die vor dem Brand warnten, die Bewohner des Camps dazu aufforderten in ihren Hütten zu bleiben oder Unbefugten das Betreten des Landeplatzes verbaten.

Newt musste über eine Schneeverwehung klettern, um aus einer der Gassen zwischen den Baracken auf den Platz zu treten und stellte sich dabei ungeschickter an als Andy oder Rick, denn keiner von beiden wäre beinahe auf dem vom Schnee verdeckten Eis ausgerutscht.

Super Newt, ausgelacht von einem Fünfzehnjährigen.

Rick deutete ihnen auf die Veranda von einer noch stehenden Baracke zu klettern und setzte sich selbst auf die einzige nicht eingebrochene Stufe der Treppe. Andy setzte sich unter das Gelender, aber Newt konnte nicht stillsitzen. Wie ein eingesperrtes Tier, tigerte er auf der Veranda auf und ab, vorsichtig nicht zweimal auf knarzende Bretter zu treten. Immer wieder zuckte sein Blick hoch in den schwarzen Himmel und seine Ohren strengten sich an, dass vertraute Brummen eines Bergs wahrzunehmen.

So sehr, dass er es erst nicht wahrnahm als es tatsächlich ertönte.

Sein Kopf flog so schnell herum, dass es knackte und wie ein Reh im Scheinwerferlicht konnte Newt nur in die Lichter des Bergs starren als es zum Landen ansetzte.

Sie sind hier.

Sie sind tatsächlich hier!

Er wollte schon losrennen, aber Rick hielt ihn auf. „Warte, bis sie gelandet sind und die Luke geöffnet haben", sagte er, als er seine Hand gegen Newts Brust drückte.

Newt fühlte sich als wäre er bereit zu explodieren, während er dem Berg dabei zusah, wie es quälend langsam aufsetzte.

Komm schon, Jorge. Mach schneller.

In dem Moment, in dem die Klappe aufging, stürmte Newt los. In einem Satz war er über die Treppe, sein protestierendes Bein bemerkte er kaum, und mit einem zweiten Satz hatte er den Zaun erreicht. Die Luke war noch nicht einmal halb geöffnet als Tommy und Minho von ihr heruntersprangen und über den Schnee auf ihn zu gesprintet kamen.

Tommy rutschte auf halben Weg beinahe aus und der bekannte Anblick von Tommys Tollpatschigkeit treib Newt Tränen in die Augen.

Schlittern krachten Newt und Tommy ineinander und im nächsten Moment wurden sie von Minho in den Schnee gerissen. Die Hände seiner Freunde krallten sich schmerzhaft an ihn und die Wärme seiner besten Freunde war ein starker Kontrast gegen den Schnee. Ihre Arme hatten sich unangenehm eng um ihn geschlungen, aber Newt konnte sich nicht dazu bringen, sich darum zu kümmern.

„Tommy", wisperte Newt in die in alle Richtungen abstehenden Haare seines besten Freundes und krallte sich, wie ein Ertrinkender, an dessen Schultern, so sehr, dass seine Hände krampften.

„Du lebst", schniefte Tommy und erst da bemerkte Newt die immer größer werdende nasse Stelle an seinem Schal. „Du lebst", wiederholte Tommy. „Du lebst!"

„Ich lebe", bestätigte Newt und realisierte, dass er selbst weinte.

„Mach das nie wieder!", befahl Minho erstickt und drückte Newt noch stärker an sich. „Mach das nie wieder!" „Was?", fragte Newt. Ein Tränen ersticktes Lachen entkam ihm als er Minhos finsteren Blick sah. „Na was wohl? Sterben und in einem fremden Teil der Welt wieder aufwachen, du Strunk!"

Lächelnd ließ Newt seinen Kopf in dem Schnee fallen, glücklich seine beiden besten Freunde wieder zu haben. „Versprochen", sagte Newt und schloss kurz die Augen, um seine Tränen wegzublinzeln, die schon wieder aufstiegen. „Verspochen."

„Verflucht ist das kalt hier", klagte Minho, während er sich aufrappelte und Schnee von seiner Jacke klopfte, die, wie Newt bemerkte, einmal seine Jacke gewesen war.

Tommy schien noch nicht bereit Newt loszulassen, stand aber trotzdem auf und zog ihn mit sich hoch. Newt konnte sich noch nicht einmal den Schnee abklopfen, da wurde er in eine knochenbrechende Umarmung gezogen, die ihn von den Füßen riss.

Au

„Ist gut dich wiederzusehen", sagte Gally und setzte ihn wieder ab. Danach klopfte Gally ihm einmal auf die Schulter und das mit dem Schnee abklopfen hatte sich erledigt.

Auch Bratpfanne und Brenda zogen ihn in eine Umarmung, sowie Harriet und Jorge. „Schön dich wieder bei uns zu haben, Hermano." Und Aris winkte ihm etwas unbeholfen von seinem Platz neben Harriet und Sonya zu.

Newt konnte seine kleine Schwester nur einen Moment, wie eingefroren anstarren, bevor auch sie ihn in ihre Arme zog. „Schön dich zusehen, Newt."

Sonya ist deine kleine Schwester.

Teresas Stimme echote die ganze Zeit durch seinen Kopf, während Sonya ihn umarmte, aber er hatte keine Zeit darauf zu verweilen, denn Sonya hatte ihn kaum losgelassen, da hatten Tommy und Minho ihre Arme schon wieder um ihn geschlungen und je einen Arm um seine Schultern gelegt.

„Wir haben dich vermisst, Newt", sagte Tommy, seine Stimme noch immer ziemlich erstickt und drückte ihn noch fester an sich.

„Ich hab' euch auch vermisst", sagte Newt und musste sich zwingen seine Augen von Tommy loszureißen und in die Runde zu lächeln.

Minho und Tommy versteiften sich fast zeitgleich und noch bevor Newt die Schritte im Schnee wahrnahm. Er verrenkte sich ungelenk den Nacken, um über seine Schulter zusehen, denn weder Tommy noch Minho schienen bereit dazu zu seien ihn loszulassen, damit er sich umdrehen konnte.

Rick tauchte gemeinsam mit Andy in seinem Augenwinkel auf und grinste, wie an dem Tag als er ihnen die Hängebrücken aus Schienen gezeigt hatte.

Sein Grinsen wurde zu einem freundlichen und breiten Lächeln als er vor ihrer Gruppe zum Stehen kam. „Mein Name ist Rick", stellte er sich vor und hielt Minho, der ihm am nächsten stand, die Hand hin. „Teresas Bruder."

Newt wünschte, Rick hätte sich anders vorgestellt.

Die Reaktionen ließen nicht auf sich warten. Tommy wurde stocksteif und würgte ein „Teresas Bruder?!" heraus, während Minhos Blick sich verfinsterte. Auch die anderen besahen Rick nun skeptischer als sowieso schon.

Rick runzelte die Stirn daran, was der Name seiner kleinen Schwester in der Gruppe auslöste, und zog die Augenbrauen zusammen, fuhr aber dennoch fort. „Ich bin von der Résistance und lade euch hiermit dazu ein, eine Nacht bei uns zu verbringen und eine warme Mahlzeit zu euch zunehmen, um euch von eurem langen Flug zu erholen." Seine Stimme blieb freundlich, jedoch entging Newt nicht, dass Rick sich nun deutlich förmlicher anhörte, und seufzte.

Das fängt ja großartig an.

Da viel sein Blick auf Andy, der ein Stückchen hinter Rick stand und ein wenig eingeschüchtert Gally anstarrte. Widerwillig löste Newt sich von Tommy und Minho und schob Andy hinter Rick hervor, auch, wenn der Junge versuchte ihn dadurch zu stoppen, dass er seine Fersen in den Schnee grub.

„Das ist Andy", stellte Newt den Fünfzehnjährigen vor. „Wir haben ihn in Inuvik aufgegabelt und er hat uns einen sicheren Platz zum Schlafen in seinem Versteck in der Schule dort gegeben."

Hilflos und nicht wissend, was er machen sollte, stand Andy in der Mitte der Gruppe und hob vorsichtig seine Hand, um zu winken. „Hi, ich bin-", fing er an, wurde aber von Minho unterbrochen, der ihm in einer übertrieben großen Armbewegung einen Arm um die Schultern legte. „In einer Schule, man, wenn ich du gewesen wäre, hätte ich mich überall versteckt aber doch nicht in einer Schule", sagte Minho und schüttelte enttäuscht mit dem Kopf. „In'ner Sporthalle vielleicht, aber doch nicht in einer Schule."

Grinsend, wegen Andys verblüfften Gesichtsausdruck, mit dem er Minho anstarrte, legte Newt wieder einen Arm um Tommy, der erleichtert zu sein schien Newt wieder in seinen Armen zu haben und dies als Einladung nahm ihn fest an sich drücken.

Nicht das Newt sich beschweren würde.

„Wo ist Rachel?", fragte Harriet und sah Newt antwortsuchend an, auch als Rick antwortete. „Noch bei der Résistance auf der Krankenstation. Sie hatte eine unglückliche Begegnung mit einem Crank", antwortete Rick und Harriets feuriger Blick bohrte sich beinahe schmerzhaft in Newt. „Ihr geht's gut", beschwichtigte Newt schnell. „Sie ist versorgt worden und ruht sich aus."

„Und wenn wir jetzt losgehen, könnt ihr sie besuchen und wir bekommen euch aus der Kälte, bevor ihr alle krank werdet", grätschte Rick dazwischen, bevor irgendjemand noch etwas sagen konnte.

Wie auf Kommando fing Tommy neben ihm an zu zittern und Newt fiel auf, dass keiner von ihnen wärmere Sachen anhatte als die, die sie auch in der letzten Stadt getragen hatten.

Minho hatte sogar genau die Jacke an, die Newt in der letzten Stadt getragen hatte.

„Kommt ihr?", fragte Rick, bereits in Richtung Ausgang laufend. Newt entgingen die skeptischen Blicke nicht, die seine Freunde Rick hinterherwarfen, weshalb er den ersten Schritt machte und Tommy mit sich mitzog.

Die Gesichter seiner Freunde waren betrübt, während sie das Camp in Stille durchquerten, und all die zerstörten Hütten sahen, die einmal das Zuhause vieler Familien gewesen sind. Die Gesichter der ehemaligen Lichter mehr so, wie die von Vince, Brenda und Jorge.

Sie hatten fast den Weg bis zum Eingang zu den Tunneln geschafft, und Newt war heimlich stolz darauf, dass er es bis jetzt verhindert hatte, dass er und Tommy im Schnee landeten - nicht, dass Tommy es nicht oft genug versucht hätte -, als Minho erneut von Andy hochgezogen wurde und sich genervt den Schnee abklopfte.

„Wieso musstest du von allen Orten auch in einer gigantischen Gefriertruhe aufwachen?", fragte er und schien zu versuchen den Schnee mit seinen Blicken in Brand zu setzen.

„Seit froh, dass es jetzt Winter ist", meinte Andy, ermutigt von der Ungeschicktheit seiner Freunde über die versteckten Eisflächen unter dem Schnee zu laufen. „Im Sommer geht die Sonner hier nämlich nie unter."

Das brachte Minho zum Schweigen.

Von weitem konnte Newt schon den Trümmerhaufen sehen, der einmal die oberen Etagen des Einkaufzentrums gewesen ist. Er konnte auch die unzähligen Drahtseile sehen, die sich durch die Trümmer schlängelten und die Haufen an Trümmerteilen, die, wie zufällig, um die eingestürzten Etagen herumlagen, aber in Wirklichkeit von der Résistance entfernt wurden, um das Gewicht zu verringern, dass auf ihrer Stützkonstruktion lastete.

Der Eingang durch den Rick sie zurück ins Warme führte, sah auf den ersten Blick so aus, wie eine Unterführung, die mit Trümmern verschüttet worden war, aber wie auch das äußere Tor von Fort Good Hope, war auch das nur eine Attrappe, um Fremde fernzuhalten. Seine Freunde starrten nicht schlecht als Rick einmal um die verschüttete Unterführung herumlief, anfing über die Trümmer zu klettern, einen Brocken Beton zur Seite schob als wäre er aus Pappe und darunter verschwand. Erst recht als Andy es ihm auf einmal gleichtat.

„Was?", grinste Newt ein wenig, als er auf die versteckte Leiter zu kletterte über die er den Stützpunkt zwei Stunden früher verlassen hatte. Zögerlich folgte Tommy ihm und grinste erleichtert als er die Leiter entdeckte, die Newt schon halb hinabgestiegen war.

Einer nach dem anderen kletterte auch die anderen die Leiter hinunter und Newt war ziemlich zufrieden mit sich als er sah, wie Gally ebenfalls stumpf um sich starrte als Rick sie durch die Tunnel, dann durch das ehemalige Parkhaus voller Transporter und dann durch einen der Gänge in die unterste Etage des alten Einkaufszentrums führte.

„Ein Einkaufszentrum, ernsthaft?", fragte Pfanne und sah sich ein bisschen unwohl um. „Das Dach kann aber nicht auf uns runterkommen, oder?", fragte Gally mit hochgezogenen Augenbrauen.

Rick ignorierte beide Fragen und wandte sich stattdessen an Vince. „Ich muss eure Ankunft der Leitung melden, wollen Sie mich vielleicht begleiten?", fragte er Vince und zeigte über seine Schulter. Vince drückte Ricks Schulter und nickte, nachdem er mit Jorge einen Blick ausgetauscht hatte. „Gern' komm ich mit. Und du musst mich nicht siezen. Ich weiß, ich bin alt, aber so alt nun auch wieder nicht."

Damit verschwanden Rick und Vince und Aris, Harriet und Sonya machten sich auf die Suche nach der Krankenstation und Rachel.

„So", grinste Minho, der Schalk blitzte in seinen Augen als er seine Arme um Newt und Andy legte. „Was habt ihr ohne mich alles angestellt?" Worauf Newt die Augen verdrehte, aber sich ein Lächeln nicht verkneifen konnte.

Wie ich meine Freunde vermisst habe.

°°°

Rachels Wiedersehen mit ihren Freunden war tränenreich. Sie war noch nicht lange wieder bei Bewusstsein und hatte gerade erst ihre Standpauke von Teresa und Kaleb überstanden, da duckte Teresa sich auf einmal aus der Krankenstation und zog Kaleb am Arm hinter sich her, der ihr mehr oder weniger hinterherstolperte.

Kaum einen Moment später kamen ihre Freunde angeführt von Harriet durch die Tür und sobald ihre Augen einander trafen, war es um sie geschehen. Tränen liefen ihre Wangen hinab und Schluchzer schüttelten ihren Brustkorb als Sonya sich neben ihr auf die Knie fallen ließ und ihr mit zitternden Händen über die Haare strich. Aris hatte sich auf ihre andere Seite gesetzt und zerdrückte ihr ihre Hand, aber Rachel konnte sich nicht dazu bringen sich darum zu kümmern. Harriet war wie ein Fels in der Brandung als sie einen Arm um die weinenden Sonya legte und Rachels andere Hand griff.

„Wie geht es dir?", fragte sie und Rachel schluchzte ein „Mir ging's nie besser", während sie sich an ihre Freunde klammerte.

Rachel wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, bis sie sich wieder beruhigt hatte und sie sich die Tränen und den Schnodder mit dem Ärmel ihres unverletzten Armes abwischte. Ihr entging dabei nicht, wie auch Aris sich einige Tränen wegwischte.

„Was machst du nur für Sachen, Rachel?", seufzte Sonya als ihr Blick auf ihre noch immer offene Bisswunde fiel.

„Mir geht's gut", versicherte Rachel ihren Freunden erneut, als sie deren betrübte Gesichter beim Anblick von ihrer Verletzung sah. „Nun, wo ich euch wieder hab', könnte es mir nicht besser gehen."

°°°

Teresa schämte sich dafür, dass sie die Flucht ergriffen hatte, aber gleichzeitig wollte sie nicht, dass Rachels Wiedersehen mit ihren Freunden, wegen ihrer Anwesenheit getrübt wurde. Daher hatte sie sich Kalebs Arm geschnappt und ihn mit sich aus der Krankenstation gezerrt.

Nun lief er mit Händen in den Taschen vergraben neben ihr und sie war froh, dass die Stille zwischen ihnen nicht unangenehm war. Sie war noch nie mit dem besten Freund ihres Bruders allein gewesen.

„Wann willst du dich deinen alten Freunden stellen?", fragte Kaleb in die Stille zwischen ihnen hinein und sie sah zu ihm hinauf. „Rick hatte uns erzählt, dass du mit WCKD gearbeitet hast und was es dich und deinen Freunden gekostet hatte."

Ihr Magen drehte sich noch immer bei dem Gedanken, dass Ricky Cadogen und Kaleb von ihrer Vergangenheit erzählt hatte, wusste aber, dass er logisch gesehen keine andere Wahl gehabt hatte.

Wer vertraut schon einer Verräterin?

Was sie noch immer erstaunte, war, dass Kaleb sie nie anders angesehen hatte.

Anders als mein Bruder.

Ihr Streit in Fort Good Hope saß noch immer schwer und bitter auf ihrer Brust und hatte ihre Entscheidung kurzzeitig ins Wanken gebracht, aber zum Schluss machte es keinen Unterschied, ob ihr Bruder ihr vertraute.

Abgesehen, dass es verdammt noch mal weh tut.

„Ich weiß es nicht", seufzte sie. „Newt und Rachel sind so glücklich, dass sie ihre Freunde wieder haben, und Andy ist bei ihnen gut aufgehoben und ich will es ihnen durch meine Anwesenheit nicht kaputt machen. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass keiner von den Anderen mich sehen will, daher..."

„Du kannst ihnen nicht ewig aus dem Weg gehen", erinnerte sie Kaleb und legte ihr einen Arm um die Schulter - etwas das ihr Bruder seit ihrer Wiedervereinigung nicht einmal getan hatte.

„Na, komm", meinte er und führte sie durch eine Gang, den sie noch nicht kannte. „Wenn du deinem Bruder nur ein Bisschen ähnelst, weiß ich, was dich aufmuntern wird."

Widerstandslos folgte sie ihm.

°°°

Es bereitete Thomas beinahe körperliche Schmerzen Newt loszulassen, um seine Suppe zu essen. Newt und der Junge, Andy, hatten sie an einem der Unzähligen Tische bei den Küchen abgesetzt und ihnen etwas Warmes zu essen besorgt.

Pfanne schien seine Suppe mit akribischer Präzision auseinanderzunehmen, während Gally und Minho ihren Eintopf bereits heruntergeschlungen hatten.

Thomas erwischte sich immer wieder dabei, wie er Newt anstarrte als würde er verschwinden, wenn er seine Augen zu lange von ihm nehmen würde, und wie er seine Hand in Newts Jackenärmel krallte.

Der Blonde ließ das alles geschehen und legte sogar seine Hand auf die von Thomas.

Gally stellte seine Schüssel klirrend auf das Tablet, mit dem Newt und Andy ihnen das Essen gebracht hatten, und wandte sich Newt zu.

„Wie kommt's, dass du am Leben bist?", fragte Gally und Thomas versteifte sich. „Versteh mich nicht falsch, ich freue mich, dass wir dich wiederhaben, aber als jemand, der selbst für Tod erklärt wurde und wieder ins Leben zurückgekommen ist, bin ich mir sicher, dass du im Gegensatz zu mir auch wirklich tot warst."

Gally stellte die Frage, die sie alle beschäftigte, und doch wünschte sich Thomas Gally hätte einfach die Klappe gehalten. Ihm wurde allein bei dem Gedanken an Newts Tod schlecht und er würde nichts lieber als die Zeit in der Newt tot war zu vergessen, nun da sein Freund direkt vor ihm saß.

Atmend.

Am Leben.

„Und wenn ich das richtig verstanden hatte, war die kleine Freundin von Harriet, Aris und Sonya von Janson ausgesaugt worden und wir alle haben gesehen, was mit dieser- was mit Teresa passiert ist. Unmöglich das sie diesen Sturz überlebt hat", fuhr Gally fort und Thomas entging nicht, wie Newt Gally angesehen hatte als dieser Teresa beinahe beleidigt hatte.

Normalerweise gaben sich Gally, Brenda und Harriet Mühe Teresa in seiner Gegenwart nicht zu beleidigen oder sie generell ihm gegenüber nicht zu erwähnen, aber er hatte in den letzten acht fast neun Monaten gelernt seine Wut darüber herunterzuschlucken, wenn sie doch mal einen Ausrutscher machten.

Newt seufzte. „Ich hab' ehrlich gesagt keine Ahnung, was die mit uns gemacht haben. Ich bin in einer Glasröhre voll mit gelbem Zeug bei WCKD aufgewacht und als die bemerkt haben, dass ich wach bin, haben sie mich betäubt. Als ich das nächste Mal wach geworden bin, lag ich in einem Bett und Rachel und Teresa neben mir. Also bin ich mit ihnen abgehauen."

Ein Teil von ihm war dankbar, dass Newt Teresa nicht zurückgelassen hatte, wo er doch wusste, wie viel der Blonde von der Schwarzhaarigen hielt.

Lüg. Mich. Nicht. An!

„Und die haben euch einfach laufen lassen?", fragte Brenda und schaute ihn mit zusammen gezogenen Augenbrauen an. „Einfach würde ich nicht sagen", widersprach Newt. „Der Wagen, mit dem wir abgehauen sind, hat die Kugellöcher, um das zu beweisen. Aber trotzdem, es war ZU einfach. Entweder bin ich früher aufgewacht als sie gewollte haben oder sie haben nicht damit gerechnet, dass wir die erst beste Chance ergreifen, um zu verschwinden."

Danach sagte keiner mehr etwas. Niemand wusste, was er dazu sagen sollte. WCKD spielte immer ein doppeltes Spiel, aber nun, wo sie das Heilmittel -ihn- gefunden hatten, welches Spiel spielten sie überhaupt noch? Erst recht mit Ava Paige und Janson tot?

Jagen sie mich?

Aber was hat das dann mit Rachel zu tun? Ich kenn' sie noch nicht mal!

Das Zerbrechen einer Schüssel riss Thomas aus seinen Überlegungen. Minho stand schwer atmend neben ihn und hatte beim Aufspringen nicht nur seinen Stuhl umgekippt, sondern auch seine Schüssel vom Tisch gefegt.

Das Schrammen von mehreren Stühlen über den Boden signalisiert ihm, dass die anderen auch aufgestanden waren. Thomas erhob sich ebenfalls und legte seinem Freund eine beruhigende Hand auf die Brust. Fragend folgte er dem Blick seines Freundes, und als hätte ihm jemand Eiswasser übergegossen, richteten sich seine Nackenhaare auf.

Teresa

Keine vier Meter von ihrem Tisch stand sie. Eine dampfende Tasse in ihren Händen. Ein blonder Mann zu ihrer Linken.

Wie ein Reh im Scheinwerferlicht starrte sie sie an.

Nein, nicht uns.

Minho.

Der blonde Mann schien in Minhos Augen dasselbe zu lesen, wie sie, denn er stellte sich vor Teresa, angespannt und zu voller Größe aufgerichtet. Thomas verstärkte seinen Druck auf Minho und Newt hatte sich ebenfalls zwischen ihren Freund und Teresa manövriert. Seine Augen flogen hektisch hin und her, wobei ihm nicht entging, dass nur Jorge sich bereit machte einzugreifen. Gally und Brenda waren Minho aus dem Weg getreten und Pfanne saß, wie eingefroren auf seinem Stuhl, der Löffel auf halben Weg zum Mund.

„Minho-" Teresas Stimme schwebte über die Geräuschkulisse der anderen Anwesenden, die noch immer ungestört ihr Essen genossen, als wäre sie der einzige Ton weit und breit, aber bevor sie noch mehr sagen konnte, spürte Thomas, wie die Anspannung in Minho stieg, und er schob sich vor ihn.

„Minho!", kam es fast zeitgleich von ihm und Newt, als eine schneidende Stimme die Spannung, wie ein Messer durchschnitt.

„Was ist hier los?!"

Rick

Teresas großer Bruder kam schnellen Schrittes auf sie zu. Er schien von weitem realisiert zu haben, was vor sich ging. „Kaleb, bring sie hier raus", sagte er als er vor ihnen zum Stehen kam und sich zwischen Thomas und Minho zwängte. Thomas sah ein wenig hilflos zu, wie Teresa von ihnen wegstürmte, der Blonde direkt hinter ihr. „Und du", fuhr er unheimlich ruhig fort und richtete sich an Minho, „kommst runter. Es ist mir im Moment egal, was zwischen dir und meiner Schwester vorgefallen ist, aber das hier ist weder der Zeitpunkt noch der Ort, um auszurasten und was auch immer für Rachegelüste durch deinen Kopf gehen, nachzugeben."

Ein Schleier schien von Minhos Augen geliftet worden zu sein als er realisierte, wo er sich befand. Nicht nur in einer fremden Umgebung, sondern umgeben von Familien und kleinen Kindern, die ihren gewohnten Alltag nichtsahnend nachgingen.

Noch immer schwer atmend ließ Minho sich auf einen Stuhl fallen und vergrub sein Gesicht in seinen Händen. Nun, wo keine Gefahr mehr von seinem Freund ausging, konnte auch Thomas wieder ehrleichtert ausatmen.

Traurig sah Thomas in die Richtung, in der Teresa verschwunden war, bevor er Minhos Stuhl vom Boden aufhob und sich auf ihn fallen ließ.

„Und was machen wir jetzt?"

Geschrieben: 28. Juli 2022.

Finally!
Newt und Tommy sind wieder vereint! Und es hat nur 24 Kapitel gedauert ;)

Sagt ihr es mir: Bin ich diesem emotionalen Moment gerecht geworden?

Liebe Grüße und bleibt gesund!
Iustatia

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