Kapitel 22

Teresa hatte darauf bestanden den restlichen Weg nach Fort Good Hope auf der Ladefläche des Trucks zu verbringen. Sie hatte gesagt, dass, auch wenn Immune selbst den Brand nicht übertragen konnten, dies nicht für das ganze Crank-Blut galt, das überall auf ihr verteilt war.

„Einen Teufel werd' ich tun und mich mit dir in einen Wagen setzen!", hatte sie ihrem Bruder entgegen geschleudert und damit den Streit beendet der Newt das Pochen der Kopfschmerzen verstärkte seit sie und Rick angefangen hatten sich im Tunnel gegenseitig anzuschreien.

Schon während ihrer Fahrt zu den Toren wären seine Nerven beinahe vor Anspannung zersprungen und seine Gedanken waren ununterbrochen um die Gestalten mit ihren Visieren gekreist und hatten ihm Kopfschmerzen bereiten. Die Gestalten hatten sie verfolgt und mit dem Vorteil, dass sie sich nicht Straßen suchen mussten, die nicht zerstört oder blockiert waren, überholt.

Sie hatten sie bereits an den Toren erwartet und ihnen die Windschutzscheibe zerschossen, kaum dass sie in ihre Reichweite gekommen waren.

Zudem war ihm die ganze Zeit über so schlecht gewesen als hätten sich seine Eingeweide in Sorge um Teresa und Rachel, die sich praktisch unbewaffnet in die von Cranks verseuchten Tunnel gestürzt hatten, zusammengeknotet.

Und als er die Beiden dann wieder gesehen hatte, wäre er fast an die Decke gegangen. Nicht nur hatte Rachel ausgesehen als wäre ihr ein Truppe Griever entgegengekommen, sondern war Teresa auch noch über und über mit Blut bedeckt gewesen.

Dass es nicht ihr Blut war, hatte wenig zur Linderung seiner Sorgen beigetragen.

Wieso müssen sich alle die ich kennen immer Hals über Kopf in Gefahr stürzen?

Dann hatten sich Teresa und Rick derartig angeschrien, dass er sich nicht wundern würde, wenn selbst noch in Fort Good Hope ihr Streit durch die Tunnel hallen würde.

Nachdem Teresa mit glühenden Wangen auf die Ladefläche und Rick wutschnaubend auf den Beifahrersitz geklettert waren, fuhren sie weiter. Der kühle Fahrtwind, der durch die kaputte Windschutzscheibe blies, verursachte bei ihm eine Gänsehaut und ließ seine Augen tränen.

Keiner sagte etwas und das gab Newt die Chance sich darüber klar zu werden, was in der letzten Stunde alles passiert war. Sein Blick traf den von Rachel und die Art, wie sie den Kopf einzog, zeigte ihm, dass Rachel allem Anschein nach bereut sich nicht mit Teresa auf der Ladefläche zu fahren. Er hatte sie eigentlich nur versprechen lassen wollen so etwas nie wieder zu machen aber ohne viel darüber nachzudenken brach der Damm, der seine Sorgen zurückhielt. Er hielt ihr eine ausgedehnte Strafpredig, so eine wie sie immer Tommy oder Minho bekommen hatten.

Meistens Tommy.

„Was waren das für Typen?", fragte Andy mit hochgezogenen Schultern. Er hatte das Pech zwischen Newt und Rachel zu sitzen.

„Cranks, die hinter unseren Materialien her waren?", fragte Rachel, erleichtert nicht mehr Newts bohrenden Blick ausgesetzt zu sein.

„Schön wär's", meinte Kaleb verdrießlich und fuhr noch ein wenig schneller, dass der Wagen einen kleinen Satz machte und Newt sich Gedanken machte, wie es Teresa auf der Ladefläche ging.

„Was soll das heißen?", fragte Rachel und beugte sich ein wenig über die Mittelkonsole.

„Das soll heißen, dass wir glauben, dass es Kopfgeldjäger waren, die hinter dir, Newt und Teresa her gewesen sind", sagte Rick und wandte sich ihr zu.

Newts Eingeweide zogen sich bei seinen Worten zusammen und ihm stieg Galle die Speiseröhre nach oben als er daran dachte, was das für sie bedeuten könnte.

Bitte nicht-

„Glaubt ihr WCKD steckt hinter dem Angriff?", fragte Newt und fürchtete die Antwort.

„WCKD hat schon früher andere Leute dafür bezahlt hier oben ihre Drecksarbeit zu erledigen und nun, wo sie hier oben sind, war's nur eine Frage der Zeit, bis sie sich einmischen", sagte Kaleb.

„Wir haben schon die ganze Zeit befürchtet, dass sie welche nach euch schicken würden", fügte Rick hinzu und seufzte. „Nach dem Fall der letzten Stadt war das Bisschen, was von WCKD noch übrig gewesen ist, Monate lang im Blindflug. WCKD hatte sich im Laufe der Jahre unzählige Feinde gemacht und die haben es ausgenutzt, dass sie am Boden waren und haben zu geschlagen. Danach hat man nichts mehr von WCKD gehört bis ihr mit euren geklauten Uniformen aufgetaucht seid."

Wie ich diese Uniformen hasse.

„Sie haben nicht mehr die Leute, um den ganzen Polarkreis nach euch abzusuchen. Dass sie dann auf ihre alten Maschen zurückgreifen und jemanden anheuern, um an euch ranzukommen, macht nur Sinn", sagte Kaleb.

„Wir wissen nicht, was sie hier oben wollen, nur, dass sie euch auf keinen Fall in die Finger kriegen dürfen", sagte Rick und blickte durch den Seitenspiegel als würde er versuchen dadurch einen Blick auf seine kleine Schwester zu erhaschen.

„Aber wie haben sie uns gefunden?", fragte Andy und das Zittern seiner Stimme erinnerte Newt daran welch eine Angst der Junge vor der Organisation hatte, die nun Jagd auf sie machte.

„Woher haben sie gewusst, wo wir sein würden?"

°°°

Der Tunnel, durch den sie fuhren, führte sie immer tiefer. Was gut war, weil es hieß, dass sich nun wieder mehrere Meter Erde und Beton zwischen ihnen und dem Frost und der Kälte des Nordens befanden.

Dass sich nun mehrere Meter Erde und Beton zwischen ihnen und WCKD befanden.

Rachel war mit dem Kopf auf Andys Schulter eingeschlafen als aus der Dunkelheit zwei Gestalten mit Waffen traten und sich vor ein weiteres Tor stellten.

Patrouillen.

Es war offensichtlich, dass sie zur Résistance gehörten. Nicht nur trugen sie dieselben Klamotten, wie die, die sie in Inuvik bekommen hatten, und befanden sich in einem ausschließlich von der Résistance kontrollierten Bereich, sondern sie schossen auch nicht bei erstem Sichtkontakt auf sie, was nach ihren jüngsten Erlebnissen eine willkommene Abwechslung war.

Kaleb hielt den Wagen an und einer der beiden Patrouillen kam zur Fahrertür und klopfte gegen das Fenster. Er ließ es runter.

Die Patrouille lehnte sich gegen die Fahrertür und zog sich ihren Schal aus dem Gesicht und offenbarte das von Sorgenfalten geprägte Lächeln einer Frau in ihren Fünfzigern.

„Was habt ihr Beide nur mit eurem Wagen gemacht?", fragte sie und besah Kaleb und Rick mit einem strengen Blick.

„Dir auch Hallo, Granny", grinste Kaleb. „Wir hatten bloß einen kleinen Zusammenstoß mit ein paar Kopfgeldjägern."

Bloß ist gut.

„Wir haben sie bei eurem Tor in Fort McPherson abgehängt. Vielleicht solltet ihr die Tage eine Patrouille da hochschicken", mischte sich Rick ein und beugte sich über die Mittelkonsole. „Ist gut dich wiederzusehen, Granny", lächelte er.

Granny lächelte gutmütig zu ihm zurück: „Wenn ihr beide mir nicht immer so viele Kopfschmerzen bereiten würdet, würde ich das vielleicht erwidern." Dann wandte sie ihren Blick in Richtung Rückbank. „Ihr seid die Kinder, von denen der alte Griesgram gesprochen hatte?"

Äh- Kinder?!

„Was-", setzte Newt an, überrascht auf einmal von der ihm fremden Frau angesprochen zu werden, aber sie wartete gar nicht auf eine Antwort und drehte sich zu der zweiten Patrouille um, die die ganze Zeit nur aufmerksam am Tor gestanden hatte, und gab ihr ein Zeichen, worauf hin sie das Tor öffnete.

„Seht zu das ihr ins Warme kommt und euch etwas zu essen holt", sagte sie noch und winkte sie davon.

Als sie durch die Tore in den Stützpunkt von Fort Good Hope fuhren, einen ehemaligen unterirdischen Lagerkomplex, tauschten Rick und Kaleb amüsierte Blicke als sie ihre Gesichter bemerkten.

„Was?", fragte Rachel und hob ihren Kopf von der Schulter eines Andys, der sah so aussah als wäre er für Heute fertig mit der Welt.

Geht nicht nur ihm so.

„Ihr hättet eure Gesichter sehen sollen", grinste Kaleb sie durch den Rückspiegel an. „Keine Sorge. Wir alle haben so reagiert als wir Granny das erste Mal getroffen haben", sagte Rick und schien nicht mehr ganz so mürrisch gelaunt zu sein, wie er es die ganze restliche Fahrt gewesen war.

„Wer war diese Frau?", fragte Newt und suchte Ricks Blick im Rückspiegel und zog seine Augenbrauen hoch. „Das war Granny Harms", antwortete er. „Sie ist die Leiterin dieses Stützpunkts."

Kaleb hielt den Wagen zwischen zwei großen Doppeltüren. „Alle man aussteigen. Ich sehe mal, ob Granny hier jemanden hat, der sich diese Blechbüchse ansehen kann."

Ausgestiegen, erwartete Teresa sie bereits. Als Newt das ganze getrocknete Blut auf ihr zum zweiten Mal sah, wurde sein Herz erneut ein Stückchen schwerer. Wie Ascheflocken im Schnee hob sich das schwarze Blut von ihrer sonst so reinen Haut ab und zum ersten Mal, seit er sich erinnern konnte, sah man Teresa an, was sie durchgemacht hatte.

Als auch Rick das schwarze Blut sah, wurde seine Laune schlagartig schlechter. Seine Augenbrauen zogen sich zusammen und das Blau in seinen Augen schien eisiger zu werden.

„Wir müssen reden", sagte er und hielt seinen stechenden Blick auf seine kleine Schwester gerichtet. Fest erwiderte Teresa seinen Blick und als Rick seine Hand ausstreckte, wich sie ein paar Schritte zurück. Der Ausdruck in ihren Augen wurde weicher, als sie sah, wie er dabei zusammenzuckte, und sie nickte weg von ihrer kleinen Truppe.

„Lass uns ein paar saubere Klamotten und ein wenig Wasser suchen", sagte sie und ging dann mit Abstand neben ihrem Bruder von ihrer kleinen Gruppe weg.

Nicht ohne einen letzten in Richtung Rachel, die ihr daraufhin ermutigend zu lächelte.

Newt Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Er sah in ihrem Blickaustausch eine Verbundenheit, die ihn sich auf der einen Seite fragen ließ, wieso er nicht bemerkt hatte, wie nah die beiden sich eigentlich gekommen waren und ihn auf der anderen Seite schmerzlich Tommy vermissen ließ.

Morgen um diese Zeit...

Er sah weg und sah, dass Andy neben ihm dasselbe getan hatte. Andys Augen waren gerötet und ihm ging auf, dass Teresas und Ricks Verhalten ihn an seine Schwester Lauren erinnern musste.

Sie war nicht immun.

„Kommt", sagte Newt und legte einen Arm um sowohl Andys als auch Rachels Schulter. „Lasst uns sehen, wo Kaleb hingegangen ist, und ob wir ihm wieder helfen sollen irgendwelche Kisten hin und her zu schleppen."

°°°

Hätte ich doch nur die Klappe gehalten.

Tatsächlich hatte Kaleb ihnen aufzutragen die Kisten von ihrem Truck ab und auf einen neuen aufzuladen. Granny hatte entschieden, dass der Wagen in Fort Good Hope bleiben würde, um repariert zu werden, und sie bis Deline auf einem ihrer Trucks mitfahren und Rick und Kaleb dort neue Transporter bekommen würden.

Man hatte ihnen in einer der Hallen, die hinter den großen Doppeltüren der Halle lagen, in der sie angekommen waren, einen Platz für die Nacht an kleinem einem Feuer mit Schlafsäcken zu gewiesen.

Über ihren Köpfen zogen sich mehrere Ebenen aus Stahltreppen und Laufstegen dahin zwischen denen gut zwanzig Zelte aus allen möglichen Stoffen an Dickenkabeln von der Decke hingen und es so aussehen ließen als hätte ein Riese fast zwei Dutzend bunte, geflickte Lampions in die Halle gehängt.

Und die beiden weiteren Doppeltüren am anderen Ende der Halle und der rechten Wand ließen Newt darauf schließen, dass es mindestens noch zwei weitere Hallen geben musste.

Was hat die Résistance nur mit diesen verfluchten Höhen?

„Hey."

Überrascht drehte Newt sich um und sah Teresa, nun in sauberen Klamotten und nassen Haaren, hinter ihm stehen. „Hi", er zwang sich zu einem kleinen Lächeln und sie erwiderte es nicht minder gezwungen. „Wo ist Rick?", fragte er und bereute seine Frage als er sah, wie ihre Augen traurig wurden.

Und er kannte diesen Blick.

Es war derselbe Blick, den sie in der Brandwüste getragen hatte.

„Ricky ist mit Kaleb bei der Leiterin des Stützpunkts. Sie besprechen, wann wir Morgen aufbrechen", antwortete Teresa, ihre Stimme als würde sie an dem, was sie gerade empfand, ersticken.

„Teresa", fing Newt an und versuchte möglichst sanft zu klingen, während er seine plötzlich klammen und zitternden Hände in seine Jackentaschen steckte. „Du weißt, dass du mit mir reden kannst, oder?"

„Ich weiß", sagte sie und fuhr sich durch die nassen Haare. „Es ist nur- Weißt du, dass du auch mit uns reden kannst? Dass du nicht immer derjenige sein musst, der alles in sich hineinfrisst?"

Muss ich nicht?

„Ich bin nicht blind und Rachel und Andy sind es auch nicht. Und im Gegensatz zu mir und Andy ist Rachel tatsächlich gut mit Gefühlen und sie macht sich Sorgen um dich. Red' mit ihr", sagte Teresa und ignorierte seinen schwachen Protest völlig.

„Dein Albtraum Gestern...Auf der Fahrt bis nach McPherson hat sie nicht aufgehört sich darüber Gedanken zu machen. Bitte Newt. Rede mit ihr. Danach fühlst du dich vielleicht nicht besser aber auf jeden Fall leichter und weniger allein", sagte sie, so als wüsste sie, wovon sie sprach.

„Ich werd' mit ihr reden", sagte Newt und richtet selber seinen Blick auf Rachel und Andy.

„Glaubst du Andy hätte Angst vor mir, wenn er wüsste, dass ich für WCKD gearbeitet habe?", fragte Teresa auf einmal. Langsam sah sie zu ihm auf. „Glaubst du Chuck würde mir noch in die Augen sehen können?"

Glaubst du sie würden mich hassen?

Newt seufzte und überlegte, was er darauf antworten sollte.

Die Wahrheit.

„Ich weiß es nicht aber ich glaube, Andy würde darüber hinwegkommen. Er würde seine Zeit brauchen und er würde dich nicht mehr so sehen wie jetzt und Chuck- Ich- Keiner von uns sieht dich mehr wie damals im Labyrinth und ich bin mir sicher, dass es bei ihm genauso sein würde. Aber er würde dir verzeihen. Genauso wie ich es getan habe."

Die Worte waren raus, bevor er drüber nachdenken konnte, aber sie waren wahr. Irgendwo zwischen ihrem Gespräch auf dem kalten Boden eines alten Naturwissenschaftsraumes und jetzt hatte er ihr verziehen.

Newt sah sie an und er sah das Gewicht, dass sich bei seinen Worten von ihrem Herzen hob und in Form von Tränen ihren Körper verließ.

„Danke", sagte sie und er stellte erleichtert fest, dass sie sich nicht mehr so erstickt anhörte. „Du musst mir nicht danken", erwiderte er und legte sich in seinen Schlafsack neben das Feuer.

„Wir sollten schlafen. Es war ein langer Tag und Morgen sehen wir unsere Freunde wieder."

°°°

Morgen sehen wir unsere Freunde wieder.

Wir müssen reden.

Ich bin nicht derjenige um den ich mir Sorgen mache!

Glaubst du Andy hätte Angst vor mir?

Du bist nicht immun!

Rede mit ihr.

Ich bring dich um!

Du bist die einzige Familie, die ich noch habe!

Genauso wie ich dir verziehen habe.

Arbeitest du noch für WCKD?

Teresas Gedanken kreisten seit Stunden und während die Mitglieder der Résistance die Treppen erklommen und in ihre schwebenden Zelte kletterten, starrten sie ins sterbende Feuer.

Und während sie wie erstarrt dasaß und ihre Gedanken durch ihren Kopf rasten, registrierte ein kleiner Teil in ihr, wieso die Menschen in Fort Good Hope ihre Zelte in die Luft gehängt hatten. Die riesigen Hallen waren unmöglich warm zu halten und die Kälte kroch sich langsam, aber beharrlich durch den brachen Beton in sie hinein.

Die Kälte war betäubend und die Taubheit war ihr willkommen.

Ricky und Kaleb waren längst in ihre Schlafsäcke gestiegen und eingeschlafen aber ihre Gedanken hielten sie wach. Nur noch das Feuer und die Laternen an den Geländern der Treppen schenkten ihr Licht.

Morgen sehen wir unsere Freunde wieder.

Waren sie das?

Ihre Freunde?

Newts und Rachels und vielleicht auch bald Andys, aber ihre? Newt hatte ihr verziehen aber die anderen? Sie wussten nicht einmal, ob Thomas ihr verziehen hatte.

Ich weiß.

Sie wusste, dass er wusste, dass sie es versucht hatte. Er wusste, dass es ihr leidtat. Dass sie es bereute. Aber hatte er ihr verziehen?

Sie vergrub ihr Gesicht in ihren Händen. Seit dem Funkspruch beschäftigte sich ein Teil ihres Verstandes durchgehend mit dem, was passieren würde, sobald sie ihnen gegenüberstand.

Sobald sie ihm gegenüberstand.

Ich bring dich um!

Was würde Minho tun, wenn sie vor ihm stand?

Er hasste sie. Zu Recht.

Er wollte sie töten. Wie ich es verdient habe.

Auf dem Dach hatte er zwar seine Hand nach ihr ausgestreckt aber sie wusste, er hatte es nur um Thomas' Willen getan und sie hatten gerade erst Newt verloren.

Newt.

Wenn sie endlich Newt wieder hatten und ihn in die Arme schließen konnten, dann war sie nicht weiter von Bedeutung.

Aber irgendwann würde ihnen auffallen, dass auch sie da sein würde und was dann?

Und was würde Rachel von ihr denken, wenn sie zum ersten Mal wirklich mit dem konfrontiert werden würde, was sie Aris und Sonya angetan hatte?

Nichts, was ich nicht auch verdient hätte.

Und verriet sie Andy nicht, indem sie ihm nicht die Wahrheit sagte?

Erschöpft fuhr sie sich mit einer Hand übers Gesicht und ihr Blick viel auf Newt. Er lag in seinem Schlafsack zusammen gerollt vor dem Feuer und er hat mir verziehen.

Aber hatte er das wirklich? Newt lügt nicht. Aber vertraute er ihr? Nicht einmal mein eigener Bruder vertraut mir.

Arbeitest du noch für WCKD?

Er hatte geglaubt, dass sie WCKD gesagt hatte, wo sie zu finden sein würden. In einem Moment hatten sie sich wieder darüber gestritten, dass er mitgekommen war, und im nächsten Moment fragte er sie, ob sie ihre Freunde wieder verraten hatte.

Ob sie ihn verraten hatte.

Dabei versuchte sie sich zu ändern und ihnen -Newt, Ricky und Rachel- zu zeigen, dass man ihr vertrauen konnte und dass sie nicht zulassen würde, dass WCKD noch einmal jemanden verletzt, der ihr wichtig war. Dass sie nicht zulassen würde, dass WCKD überhaupt noch einmal jemand verletzen würde.

Aber ihr war in diesem Moment klar geworden, dass es egal war, was sie tat. In dem Moment hatte ihr Bruder sie zum ersten Mal so angesehen als könnte er in ihr nicht einmal mehr eine kleine Scherbe von dem kleinen Mädchen erkennen, das einmal seine kleine Schwester war. In diesem Moment hatte die schmerzhafte Wirklichkeit, dass sie immer eine Verräterin sein würde, eingeholt.

Jetzt stellte sich ihr Verstand laut schreiend die Frage, ob das alles war, was man in ihr sah.

Ob das alles war, was die Menschen, die sie liebte, je in ihr sehen würden.

Geschrieben: 05. Februar 2022.

Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top