Freund oder Feind

„Wieso mussten die bitte alles durchsuchen? Wir haben doch keine Bombe oder so bei uns. Und das betatschen von denen ging auch auf den Sack." mault Rin auf dem Rücksitz herum und legt ihre Kopfhörer wieder um ihren Hals, bevor sie ihre schwarze Kapuze überzieht. „Bitte unterlasse jegliche Provokation." wendet sich Elizabeth an sie, wobei sie sich aber noch weiter auf das kurze Stück Straße vor sich konzentriert. Ihr Besorgniss ist trotzt des Akzents noch heraus zu hören. „Ich weiß nicht womit wir uns angelegt haben." „Wenn was ist, hole ich uns beide schon hier raus." lacht Rin von hinten. „Die haben hier ganz schöne Schwachstellen gezeigt."
Elizabeth hält den Wagen langsam vor dem Eingang des Anwesens an und Blick aus dem Fenster. Vor der Treppe stehen drei lächelnde Dienstmädchen des Anwesens, bereits auf die Ankömmlinge wartend.
Musternd schauen die beiden zu den Bediensteten. „Die müssen ja richtig Kohle haben." merkt Rin vorsichtig an, bevor sie aus dem Wagen steigt. Zeitgleich wie sie die Türen hinter sich schließen, verbeugen sich die beiden äußeren Dienstmädchen und das mittlere beginnt zu sprechen: „Willkommen in Tokyo." erst jetzt verneigt auch sie sich kurz, bevor sie freundlich fort fährt. „Wir hoffen sie hatten eine angenehme fahrt bis hier her. Mein Name ist Mary. Der Herr wartet auf der Terrasse hinter dem Haus auf sie. Ihr Gepäck wird für sie auf ihr Zimmer gebracht. Wenn sie mir bitte folgen würden." Auf dem Absatz macht Mary kehrt und steigt die paar Stufen zum Eingang hinauf. Die anderen beiden Dienstmädchen hingegen begeben sich zum Wagen um die Koffer auszuräumen. Im vorbeigehen begutachtet Rin noch einmal die beiden im Augenwinkel.
Mit ein wenig Abstand zu dem Dienstmädchen, das sie in Richtung des Speisesaals führt, flüstert Elizabeth zu ihrer Freundin: „Sie sind zwar freundlich, aber irgendetwas stimmt trotzdem nicht."  Als Antwort bekommt sie ein leichtes Nicken, als sie durch eine doppelte Fenstertür auf die Terrasse hinter dem Haus geführt werden.
Die Terrasse zieht sich entlang des gesamten Gebäudes bis hin zum Flügel, der hervorsteht. Bis hin zur ersten Hecke des kleinen Labyrinth ist alles mit weiß schimmernden Marmor gepflastert. Eine Treppe führt herab zu dem Eingang des Labyrinths, da es auf einer anderen Ebene ist.  Ein wenig weiter links von der Treppe befindet sich im Boden der Terrasse eingelassen ein gewaltiger Infinity-Pool, dessen Kannte am Labyrinth integriert ist. In ihm schwimmt auch ein Mädchen it dunklem Haar. Wenn man über das Labyrinth weit hinaus schaut, erblickt man erst in mehreren hundert Metern eine Hecke und aneinandergereihte Häuser, die nicht mehr zum Grundstück gehören.
Auf der Terrasse selber sind an den Rändern, so wie an den Treppen und Fenstern zum Haus kleine Bäume in Töpfen in regelmäßigen Abständen platziert. Dazu kommen noch vereinzelt ein paar Blumentöpfe. Am Pool stehen fünf hölzerne Strandliegen in Reihe. Auf einer dieser Liegen wurde ein weißes Handtuch ausgebreitet, auf einer andern hingegen liegt ein weiteres Mädchen mit schwarzen Haaren regungslos. Nah beim Eingang der Terrasse befindet sich eine lange Reihe aus Holztischen mit Stühlen aus dem selben Material. Bei einander sitzen zwei Jungen, der eine mit weißem Haar und beide in gewöhnlichen schwarzen Shirts und Jeans. Der Weißhaarige hat einen Waffenkoffer neben sich auf dem Tisch liegen und einen Aschenbecher, für die Zigarette zwischen den Lippen. In den Händen Hält er ein MG, das er mit einem Lappen putzt. Der andere sitzt vor einem Laptop und scrollt durch einen Bericht durch.
„Sieben Ak-47 und eine OSW-96 konnten vor dem eintreffen der Polizei sichergestellt werden. Der Tischler ist aber krepiert." zitiert er. Der Weißhaarige legt einmal das MG zur Überprüfung des Visiers an. „Also haben wir drei Verluste zu beklagen und vier Tote Gegner zu verzeichnen, sowie den Verlust einer Informationsquelle und einen Wagen." Ein leises „War doch zu erwarten" kommt lachend aus über seine Lippen, als er die Waffe fertig in den Koffer legt und aufsteht.
„Kommst du jetzt auch endlich mal ins Wasser?" ruft das Mädchen aus dem Pool heraus. „Nein, Junko." auf dem Absatz macht er kehrt. Lächelnd blickt er zu den Neuankömmlingen: „Schließlich muss ich ja als Gastgeber die Gäste begrüßen." Überrascht klappt der andere Junge den Laptop zu und dreht sich über die Lehne des Stuhls.
Der weißhaarige Junge verneigt sich leicht vor den beiden. „Ich heiße euch in meinem Haus willkommen. Mein Name ist Lucifer Rose." Verwundert schauen Elizabeth und Rin auf das Oberhaupt. Ohne Hemmung lacht Rin auf. „Ich hätte gedacht, das Oberhaupt von Black Rose wäre doch schon älter und kein Grünschnabel."
Auf Elizabeths Gesicht breitet sich etwas Angst aus, als von allen Anwesenden drohende Blicke auf Rin fliegen.
„Mary," wendet sich Lucifer an sein Dienstmädchen als wäre nichts geschehen, „würdest du bitte aus der Küche Kaffee, Kuchen und Tee holen." Mit einer Verbeugung gibt sie ihr Verständnis und verschwindet wieder im Gebäude.
Lucifer deutet mit der Hand auf die freien Sitzplätze. „Setzt euch, dann können wir das wichtige schnell hinter uns bringen." Er selber setzt sich wieder auf seinen Platz und schiebt den Waffenkoffer mit dem Fuß unter den Tisch.
„Wir danken für die Einladung." wendet sich Elizabeth an Lucifer beim hinsetzen und richtet ihr Kleid. Ein schmunzeln breitet sich auf dem Gesicht von Lucifer aus. „Da gibt es nichts zu danken. Ihr hattet ja eh keine andere Wahl. Andernfalls hätte ich ein paar Leute mobilisiert und euch platt gemacht." „Es gibt zwar nicht viele bei uns die gerne Kinder ermorden, doch Wachen haben kein Problem damit." wirft Rock lächelnd ein und mustert die Leibwächterin, welche sich ihm gegenüber gesetzt hat. „Was wollt ihr jetzt von uns?" kommt es schon leicht aggressiv von Rin.
Dadurch ein wenig belustigt lacht Lucifer: „Ich will mit euch einen Vertrag schließen." Rock klappt den Laptop wieder auf und öffnet die dazugehörige Dokumentendatei. „Noch können wir den Vertrag abändern, aber bitte lest ihn euch selber durch." Rock dreht den Laptop zu den anderen Beiden.
Leise ließt Elizabeth die wichtigen Punkte auf Englisch für beide vor: „Fester Teil als Abteilung bei der Rose Company, welche Deckname für Black Rose ist. Abgaben an die Firma in Höhe von fünfundsiebzig Prozent des Monatseinkommens. Monatliche Berichterstattung an Lucifer Rose, Schriftlich. Pflichtanwesenheit bei Sitzungen, außer in Ausnahmefällen. Ein Austritt aus dem Vertrag ist nicht möglich oder wird mit der Beseitigung bestraft. Weiterer Punkt können jederzeit hinzugefügt werden." Rin schaut wütend in Richtung Lucifer, der nur schulternzuckend grinst. „Das kann doch nicht dein beschissener Ernst sein, das wir alles Aufgeben müssen, was wir bisher aufgebaut haben! Du scheiß Hu..." Junko, welche sich in ihr Handtuch eingewickelt hat und aus dem Pool raus ist, hat sich neben Lucifer gestellt und Rin dazwischen gefunkt. „Du hast bisher nur die Nachteile gelesen."
Elizabeth schluckt einmal und fährt schließlich fort. „Privilegien für alle Abteilungen: Von allen Abgaben werden fünfundzwanzig Prozent angespart für Notfälle und der Rest auf alle Abteilungen gemäß des eigenen Verdienst verteilt. Des weiteren erhält jeder Abteilungsleiter uneingeschränkt Zugriff auf die Firmendatenbank. Verstärkung der Sicherheit der Firma wird von der Abteilung für Waffen und vom Geheimdienst in Absprache mit der betroffenen Abteilung. Bei größeren Schäden zahlt die Abteilung des Firmenoberhaupts."
Verwundert schaut Elizabeth zu Lucifer, der nicht aufhört zu grinsen. „Das Gleicht sich mehr oder weniger aus." merkt sie zögernd an. „Doch was für Aufgaben sollen wir dann bitte für euch erledigen? Ihr habt doch schon einige Abteilungen." Lucifer beugt sich ein vor und stützt den Kopf ab, zeitgleich verschwindet auch Junko im Gebäude.
„Nunja, dem Abteilungen selber fehlt es in bestimmten Bereichen an Fachpersonal und ihr habt junge Kinder, die nicht adoptiert werden. Wir geben diesen Kindern die Möglichkeit von den Abteilungen ausgebildet zu werden in diese Stellen. Wenn wir in euch investieren, investieren wir somit in unsere Zukunft und wir sichern euer Fortbestehen. Eine Win/Win Situation."
Rin schaut überlegend unter ihrer Kapuze zu ihrer Chefin, welche selber lange über den Vertrag nachdenkt. Schließlich hört man schon einen kleinen Essenswagen anrollen und Lucifer meldet sich zu Wort. „Lasst euch Zeit beim Überlegen. Bis zu eurer Abreise morgen könnt ihr euch Beraten, ob ihr noch ein paar Sachen dazu haben wollt. Aber jetzt gibt es erstmal Kaffee und Kuchen." Er lächelt Elizabeth an. „Oder auch Tee, je nachdem was sie gewöhnt sind." Der weißhaarige schaut zu dem Mädchen auf der Liege, die sich bisher noch nicht gerührt hat. „Yuu, aufwachen! Es gibt Kuchen!" brüllt er zu ihr rüber, doch noch immer gibt es keine Reaktion, als Mary mit dem Wagen neben dem Tisch stehen bleibt.

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