Freiheit
Unten am Absatz der Treppe wurde er wieder abgesetzt und von den beiden gestützt. „ Bis zur Tür sind's nur noch zehn Meter. Das schaffst du.", feuerte Nick ihn an. Auch wenn er sehr langsam und tapsig lief, er kam voran. Selbst wenn er leichte Schmerzen im Knie hatte. Das war sein letzter Versuch für die nächsten Tage. Tobi hatte das Gefühl sich kaum mehr aufrecht halten zu können, je näher er seinem Ziel kam. Das war so unglaublich anstrengend. Doch er kämpfte sich weiter durch. „ Du kannst deine Hand ausstrecken. Dann müsstest du die Tür greifen können." Zittrig streckte Tobi eine Hand aus und tastete nach der nach der Türklinke. Er hätte losheulen können, als er das kühle Metal der Klinke unter seinen Fingern spürte. Er hatte es geschafft. Tobi zuckte tierisch zusammen, als plötzlich von allen Seiten Applaus ertönte. Das hatte er nicht erwartet. Vor allem warum? Er hatte nicht besonderes getan. „ Ich bin Stolz auf dich Tobi.", kam es von seinen Freunden und seinen Bruder undeutlich im Chor. Und er konnte neben den undeutlichen mehrstimmigen Worten seiner Freunde auch einige fremde Stimme hören. Sowie eine weitere bekannte. Sein Arzt. Er war noch mit bis nach hier unten gekommen und hatte ihm zugesehen. Tobi musste einfach breit grinsen. Doch die Erschöpfung schlug sich bei ihm nieder und er sackte leicht ein. „ Halt durch. Nur noch den Schritt durch diese Tür dann nehm ich dich." Jemand half ihm beim aufdrücken der Tür und er machte die letzten Schritte raus in seine Freiheit. Kaum war er draußen, nahm Veni ihn wieder auf den Arm. Sofort kuschelte er sich leicht an ihn. Sich nicht mehr selbst oben halten zu müssen, war viel angenehmer. Am liebsten würde er am Ort und stelle einschlafen. Dazu brauchte er aber Ruhe und bei fünf Leuten im Auto würde er die wohl kaum bekommen. „ Tim nimmst du Stegi und Nick mit? Ich behalt Tobi bei mir. Ich glaub er braucht ein bisschen Ruhe." Sie waren mit zwei Autos hier? Wo war da der Sinn. Naja wahrscheinlich war er einfach zu übermüdet um logisch zu denken. „ Klar doch. Wir warten an der Ausfahrt." Damit trennte sich die Gruppe auf. Um ihn herum wurde es ruhig. Veni schaukelte kaum hin und her, während er lief. Fast so, als stehe er still. „ Ruh dich aus. Ich kümmere mich um den Rest." Fahren war wohl schlecht in seinem Zustand. Bahn fahren ebensowenig und laufen schon gleich drei mal nicht. Nen Führerschein hatte er noch nicht. Er hatte in ein paar Wochen anfangen wollen. Das war jetzt wohl hinfällig. Aber immerhin lebte er noch. Das musste er jetzt positiv sehen. Sein Kopf legte sich auf Venis Schulter ab und er schlag die Arme um ihn. „ Ey ihr schwuchteln knutscht wo anders rum.", rief plötzlich jemand fremdes. Tobi schreckte sofort hoch und wollte sich umsehen, doch ihm wurde binnen Millisekunden bewusst, dass er nicht würde sehen können. Er wollte heulen. Diesmal nicht vor Freude sondern aus Trauer. „ Vorsichtig. An deiner Stelle würde ich erst urteilen, wenn ich die Menschen kenne. Und zu deiner Info mein bester Freund ist blind und hat eine Verletzung am Knie. Er kann also kaum selbständig laufen.", giftete Veni zurück und ging einfach weiter. Sein Körper wurde fester gegen den von Veni gedrückt. Als wolle er ihn vor dem Unheil beschützen. Und er war dankbar dafür. Relativ schnell blieb Veni wieder stehen. Diesmal aber, um seinen Autoschlüssel aus der Tasche zu zu ziehen und sein Auto aufzuschließen. Veni setzte ihn auf einen der Sitze und schnallte ihn dann sogar noch an. Zärtlich fuhr Venis Hand durch seine Haare, bevor er die Tür schloss und auf der anderen Seite selbst einstieg. „ Du kannst schlafen. Wenn du noch ein Kissen brauchst, dann sag es. Ich hab noch eins auf der Rückbank." Das brauchte er nicht. Im Auto konnte er wenn er wollte immer schlafen. Sein Kopf sank seitlich auf die Schulter und er machte es sich noch etwas bequemer. Veni startete den Motor und fuhr aus der Parklücke raus. Sein Fahrstil war total ruhig und nicht ruckartig, wie er es von manchen seiner Freunde gewöhnt war, mit denen er ein paar mal gefahren war. Veni unterließ es zu reden oder auch nur das Radio anzuschalten. Selbst ganz leise nicht. Mit der Ruhe dauerte es nicht lange, bis er eingeschlafen war. Die kurze Fahrt brachte er somit schlafend zu. Als sie dann bei Tobi daheim waren, hielt Veni nahe der kleinen Wohnung und stellte den Motor ab. Kurz warf er einen Blick zu Tobi. Der ältere schlief tief und fest. So leise wie möglich stieg er aus und lief dann um das Auto herum, um Tobi abzuschnallen und raus zu holen. Stegi war so freundlich und schloss die Tür leise für ihn und schloss das Auto ab. Er trug Tobi die paar Stufen bis zur Wohnung hoch und legte Tobi dann in seinem Zimmer auf dem Bett ab. Behutsam deckte er Tobi noch mit der Decke die am Fußende lag zu. Zusätzlich drückte er Tobi das Plüschtier in die Hand, welches auf seinem Bett lag. Naja eher leicht auf die Brust neben seine Hand. Doch Tobi griff im Schlaf danach und drückte es an sich. Das war sowas von niedlich. Er ließ Tobi liegen und verließ das Zimmer auf leisen Sohlen. Lautlos schloss er die Tür hinter sich. Tobi brauchte die Ruhe jetzt. Sonst hätte er sich zu ihm gelegt und mit ihm gekuschelt. „ Und?", fragte Nick leise und deutete auf die Tür zu Tobis Zimmer. „ Schläft wie ein Stein. Lass ihn mal und sei nicht all zu laut. Ich weiß nicht, ob er vielleicht doch noch aufwacht. Er braucht ein bisschen Ruhe." Nick verschwand fast lautlos in seinem Zimmer. Er machte es sich mit Tim und Stegi auf der Couch gemütlich. Sie waren alle eine Zeit lang am Handy. Er schaute sich im Internet die verschiedenen Rehakliniken an. Tim war über Stegi Handy gebeugt, der dabei war nach Tipps und Tricks zu suchen, die Tobi das Leben erleichtern sollten. Und sie stießen dabei auf eine ganze Menge nützliches.
Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top