Eis

„ Es ist einfach alles nur so unglaublich schwer für mich. Ich weiß ja, dass es Zeit braucht und so, aber es ist ziemlich frustrierend, wenn nicht mal das einfachste klappt.", seufzte Tobi resigniert. Aufmunterung wurde ihm keine entgegen gebracht. Nicht weil es keine gab, geschweige denn keinem was einfiel. Sie wusste, dass es im Moment nicht half und Tobi das eh schon zu oft gehört hatte. Tobi schmiegte sich einfach nur ein wenig fester an seine Mutter. Eine Stütze, die er im Moment dringen brauchte. Sonst würde er wohl kläglich untergehen. „ Du bist tapfer mein Schatz. Wenn du irgendwas möchtest, sag es mir einfach. Du bekommst alles was du willst mein kleiner Sonnenschein." Das sagte sie immer, wenn es ihm schlecht gegangen war und genau das ließ ihn jetzt leicht lachen. Meist hatte er sich banale Dinge gewünscht. Einfache Sachen, die sich schnell erfüllen ließen. In den meisten Fällen irgendwas mit sehr viel Schokolade und Zucker. Auch wenn seine Mutter immer predigte, dass zu viel Zucker nicht gut war, so hatte sie ihm diesen Wunsch nie ausgeschlagen. Und genau das wollte er jetzt wieder tun. Einfach nur um die Stimmung wieder ein wenig aufzulockern, nachdem er sie zerstört hatte. „ Schokoeis mit Karamell Soße und Smarties?" Der ganze Raum brach in Gelächter aus und auch er selbst blieb davon nicht verschont. Es tat nicht mal mehr weh, obwohl er so viele Muskeln gleichzeitig anspannte. Nach allem was er durchgemacht hatte so ein banaler Wunsch. Doch damit hatte man ihm immer eine Freunde machen können. Die unzähligen Kalorien, die sein Wunsch beinhaltete, waren ihm da herzlich egal. Und nachdem er seit Wochen fast nichts gegessen hatte, war so ein Eis ja wohl drin. Seine Mutter schien das ähnlich zu sehen. „ Ich schau mal, was die Küche her gibt mein Schatz. Eis haben wir auf jeden Fall und Karamell auch. Zur Not werden's Gummibärchen oder so. Wollt ihr auch eins haben?", fragte sie an Tim und Stegi gewandt. Was sie antworteten konnte Tobi nicht sehen, da nickten oder den Kopf schüttelten. Behutsam wurde er aus seiner Umarmung auf die Couch gedrückt. „ Bin gleich wieder da." Sanft fuhr sie Tobi noch mal über den Schopf, bevor sie sich auf in die Küche machte. Sonderlich lang blieb er nicht alleine auf der Couch sitzen, da er wieder zu jemandem gezogen wurde. Diesmal unter größerem Kraftaufwand. Daher konnte er vermuten, dass es Stegi war, an dem er gerade lehnte. Die Couch neben ihm senkte sich erneut, wobei es diesmal nicht seine Mutter war. Veni war wieder da. Da er aber gerade so bequem saß, bewegte er sich nicht dort weg. Immerhin wurde er jetzt von zwei Seiten liebevoll umarmt. Zugegeben war das schon ziemlich toll. „ Alles ok bei euch? Ich hab euch bis ins Bad lachen hören. Ist irgendwas passiert?", wollte Veni wissen. Nichts nennenswertes, dachte Tobi. Auf sein Eis freute er sich trotzdem. Auch wenn er nicht sehr viel davon essen würde. Hauptsache Eis mit Karamell. „ Tobi hat den banalsten und zugleich lustigsten Wunsch geäußert, den es gibt. Ich hoffe du hast nichts gegen Eis Karamell und Gummibärchen." Was sollte er sich den sonst noch wünschen. Sehen tat er nicht, seine Freunde waren hier. Warum also nichts was glücklich machte. Und das tat Schokolade in jedem Fall. Oder Süßes allgemein. Nach so einem Tief war es am besten einfach alles leckere zu mischen und zusammen zu essen. Sofern es zusammen passte. „ Tobi mag süßes und solang er was davon isst, passt das. Aber gegen Eis kann man schlecht was einwenden." Veni hatte das Prinzip verstanden. Jetzt musste er es nur noch schaffen, dass das Eis in seinen Mund landete und nicht auf seiner Hose. Bis jetzt hatte er nichts mit Besteck gegessen. Die Chance, dass es nicht klappte war mittelmäßig hoch. Zur Not musste er sich halt füttern lassen. Auch wenn das absolut demütigend war. Damit musste er jetzt erstmal leben. „ Süßes ja ok geh ich mit aber das sprengt wahrscheinlich meine Kalorien für fünf Tage, so viel Zucker wie da drin ist. Aber ich denke mal geht das schon." Stegi hörte sich echt eins zu eins an wie seine Mutter. So einen ziemlichen Körper bekam man aber nicht einfach so. Dafür musste man verzichten, oder aber viel Sport machen und da war Stegi so wie er gestrickt. Faul, nicht viel süßes, ab und zu Sport. Zunehmen war eh so eine Sache. Bis er für die Ärzte ein normales Gewicht hatte, müsste er wochenlang entweder sehr viel oder sehr ungesund essen. Beides keine wirkliche Option. „ So ein Eis und fünf Löffel. Ich hab jetzt keine Smarties gefunden. Dafür Schokoeis, Karamell, Gummibärchen und Oreos. Wahrscheinlich wird Nick mich dafür hassen, aber das hast du dir verdient." Breiter konnte sein Lächeln fast nicht sein. Aus so einem kleinen Wunsch war ein halbes Paradies an leckerem Süßkram geworden. Jetzt musste er es nur noch essen können. „ So kleiner Hände auf, dann stell ich dir die Schale rein. Essen musst du selbst. Hat ja heute Morgen nicht so ganz funktioniert mit uns." Tobi formte mit den Händen eine leichte Schale und Veni stellte ihm eine relativ kühle Schüssel in die Handflächen gestellt. Auch ohne zu sehen wusste er, dass es die Schüssel mit einem kleinen Löwen war. An der Seite stand: Wann gibt es Frühstück für den Prinzen. Ein bisschen fühlte er sich so in den letzten Tagen. Vorsichtig nahm er die Schüssel fest in eine Hand und tastete dann an der Kante entlang nach dem Löffel. Tobi hob die Schüssel so weit es ging zu seinem Mund hoch und stach den Löffel irgendwo in den Inhalt der Schüssel. Den Löffel führte er zu seinem Mund. Viel drauf war jetzt nicht. Aber er hatte ein bisschen Eis und ein Gummibärchen erwischt. Er ließ sich das Eis auf der Zunge zergehen. Der dominante Geschmack von Schokolade mit einer leichten Note Karamell war einfach himmlisch. Was war er froh, dass noch zu erleben. „ Scheint zu schmecken und wenn du in den Tempo weiter isst, dann brauchst du noch ein bisschen.", machte sich Stegi über ihn lustig. Er streckte ihm die Zunge raus und versuchte einen weiteren Löffel zu seinem Mund zu bringen.

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