Der Plan

Die nächsten Tage stellte sich langsam das vermissen bei Tobi ein. Immer öfter suchte Tobi Gespräche mit ihm, bat ihn auch mal ab und zu ihm Worte seiner Zusammenfassung vorzulesen. Tobi lernte wirklich halbwegs stabil mit diesen vorgelesenen Zusammenfassungen. Seine Tutorin half ihm ebenfalls ganz gut an den Abenden. Eine Woche nachdem er weg war, hatte Tobi seine letzte Klausur bei seiner Tutorin abgelegt. Als mündliche Anfrage verstand sich. Tobi hatte ihm gesagt, dass es richtig gut gelaufen war, er sich bei dem Part, wo ihm etwas beschrieben wurde und er damit was machen musste allerdings total unangenehm gewesen war. Er hatte sich definitiv nicht wohl gefühlt. Es war total ungewohnt und er hatte sichtbar unwohl gefühlt, als er fünf mal nachgefragt hatte. Gezählt hatte es nicht. Sie wollte ihm lediglich einen kleinen Ausblick auf sein mündliches Abitur geben. Mehrmals hatte sie ihm versichert, dass es ganz gut war und er so mit ner zwei rausgehen würde. Sie hatten beide sehr viel Zeit ins lernen investiert, wobei Veni allerdings noch den halben Tag in der Schule saß. Die Woche vor dem Abitur wurde er ebenfalls freigestellt. Daraufhin hatten sie so gut wie den ganzen Tag Telefoniert und nebenbei gelernt. Auch wenn sie fast nicht dabei geredet hatten, war es doch dieses Gefühl von nicht allein sein, was ihnen dauerhaft gegeben hatte. Für Veni war der Tag der ersten Prüfung viel zu schnell gekommen. Er war gar nicht mal so nervös gewesen, wie er erwartet hatte. Die Prüfung in Physik war ein absoluter Witz gewesen. Er war mit ner glatten eins da raus gegangen. Jetzt musste er nur noch morgen einen Prüfung ablegen. Zeitgleich hatte Tobi seine erste Prüfung dann. Ein paar Tage später würde er dann seine zweite Prüfung ablegen. Und Veni hatte dafür schon einen Plan. Er würde nach seiner Prüfung morgen alles zusammen packen und dann wenn Tobi seine letzte Prüfung ablegte zu ihm fahren. Dazu hatte er sich extra noch mal mit Renata in Verbindung gesetzt und sie gefragt, ob er dann erstmal dableiben konnte. Nachdem er das abgeklärt hatte, setzte er sich noch mal mit Tobis Tutorin auseinander. Sie hatte ihn gesagt, wann Tobi seine letzte Prüfung hatten, in welchem Raum und zu den welcher Zeit, damit er planen konnte. Auch wenn das hieß wieder die Nacht durch zu fahren, worauf er gar keine Lust hatte. Aber er würde es für Tobi tun. Seine Eltern waren allerdings nicht all zu begeistert von seiner kleinen Reise. Die eine Woche so kurz vor dem Abitur war schon grenzwertig für sie gewesen. Aber das jetzt war wohl doch ein bisschen zu viel. Reinreden konnten sie ihm allerdings nicht. Er war volljährig und er hatte seinen Abschluss gemacht. Sein Zeugnis durfte er den Tag bevor er fahren würde schon holen, sodass er sich darum auch keine Gedanken machen musste. Es würde alles genau passen, sodass er erstmal bei Tobi bleiben konnte und das war ihm unheimlich wichtig. Mit Stegi und Tim hatte er sich dann auch noch mal unterhalten. Da er so früh da sein würde, würden sie ganz entspannt machen und noch die Feierlichkeiten ihres Abiturs mitmachen, bevor sie kommen würden. Veni hatte sie dazu zwar ein wenig überreden müssen, aber am Ende hatten sie zugestimmt. Schließlich wollten auch sie Tobi nicht alleine lassen. Als sie den Abend vor Tobis erster Prüfung noch mal telefoniert hatte, war er total nervös gewesen. Hatte ständig gesagt, er sei nicht gut vorbereitet und er werde sich sicher total blamieren. Es hatte ein gutes Weilchen gedauert, bis Veni ihn einigermaßen beruhigt hatte. Er hatte Tobi dann Wort wörtlich in den Schlaf geredet, weil er so dermaßen nervös war, dass er kaum schlafen konnte. Somit ging er viel zu spät, aber mit einem guten Gewissen schlafen. Seine letzte Prüfung würde er in englisch ablegen. Zwanzig Minuten Konzentration und er hatte sein Matura. Er hatte den ganzen Morgen mit Tobi telefoniert, ihm noch ein bisschen beim lernen geholfen und ihm runter gebracht. Er hatte das Ende so lange herausgezögert, bis es wirklich nicht mehr ging. Hieß, bis sie ihre Sachen abgeben mussten. Tobi hatte zehn Minuten versetzt zu ihm seien Prüfung und würde wohl deutlich länger brauchen, als er selbst. Er war einer der letzten, die heute noch Prüfung machten. Tobi war der einzige. Musste schon ziemlich hart sein, wenn alle vor einem Abi hatten und man selbst noch lernen musste. Allerdings konnte man Tobi nicht mit den anderen in einen Prüfungsraum setzen. Sonst würden sie gestört werden. Und mit feiern gehen würde Tobi sowieso nicht. Also war alles halbwegs in Ordnung. Nachdem Veni alles außer zwei Stiften abgegeben hatte, setzte er sich mit den restlichen Leuten in einen Raum und schaute sich dann die Aufgaben an. Ein bisschen Grammatik, eine Zusammenfassung und die kurze Einführung in einen Dialog, den er mit einem der Prüfer halten musste. Durchaus machbar. Veni schrieb so schnell es ging alles runter, was ihm einfiel. Trotz das er echt schnell schrieb, wurde er nie und nimmer fertig. Das hieß dann wohl improvisieren. Was sollte er auch sonst machen. Er begrüßte die drei Prüfer und stellte sich dann vorne hin. Kurz zupfte er sein Hemd noch mal zurecht, bevor er begann die Aufgaben zu lösen und die ersten zehn Minuten damit zu füllen. Hinten raus wurden dann noch zwei drei Fragen gestellt, die er recht gut beantworten konnte. Nach dem Teil nahm er sich die Zeit durchzuatmen und ließ einen kurzen Gedanken zu, der sich nicht um die Prüfung drehte. Wie erging es Tobi im Moment? Packte er es, oder wurde es ganz knapp bei ihm? Nach einem letzten durchatmen und einem das würde schon werden, stellte Veni sich dem Dialog. Etwas, wovor er zwar keine Angst hatte, aber sehr viel Respekt. Man musste seinen gegenüber verstehen, was schon mal die erste Hürde war, musste dann eine Antwort finden und diese noch schnell übersetzen, ohne zu lange Pausen entstehen zu lassen. Und das noch mit einer Person, die man nicht kannte und einschätzen konnte. Mit drei kleinen hasplern, einem could you please repeat the last sentence und einem sorry I can't answer that stand er zehn Minuten später mit einer guten zwei und seinem Matura minder Hand vor dem Prüfungsraum. Auf seinen Lippen ein breites Lächeln.

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