Chapter 70
C H A R L I E
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Seufzend lasse ich mich auf mein Bett fallen. Durch meine Kopf und Halsschmerzen fühlte sich der Heimweg zehn Kilometer länger an. Vielleicht sollte ich mir mal überlegen, einen Führerschein zu machen und mir ein Auto anzuschaffen. Dann bräuchte ich auch keinen dämlichen Chauffeur.
Ich greife nach meinem Handy, dass in meiner Hosentasche ist, und öffne meine Nachrichten. Auch Liz hat mir geschrieben und ich nutze die Möglichkeit, um sie nach Anthonys Nummer zu fragen.
Sofort fängt sie an zu schreiben, aber am Ende kam nur ein kurzes 'wieso?' zurück.
Weil ich ihn was fragen muss, antworte ich und ein paar Minuten später schickt sie mir tatsächlich seine Nummer. Ich speichere sie ein und schreibe ihn direkt an.
Hey, kann ich dich was fragen?, tippe ich.
Klar, hau raus, kommt er prompt zurück.
Was war da los heute? Also, in der Cafeteria als ich nicht da war.
Kann ich dir das vielleicht persönlich erklären?, antwortet er kurze Zeit später.
Ich sehe auf die Uhr und muss feststellen, dass es gerade mal kurz vor Zwei ist. Obwohl ich überhaupt keine Lust habe, mich heute noch aus dem Haus zu bewegen, antworte ich ihm, dass ich innerhalb der nächsten zehn Minuten bei ihm sein werde.
Schnell springe ich von meinem Bett auf und sehe noch kurz aus dem Fenster. Es ist warm draußen, zu warm. Der Sommer nähert sich.
Kurzerhand tausche ich meine Jogginghose gegen eine Stoffshort und mein Shirt gegen ein Top ein und laufe los nach unten. Während ich meine Schuhe anziehe, gebe ich meinem Vater Bescheid, dass ich gehen werde. Dieser sitzt mit einem riesigen Blätterhaufen an seinem Arbeitsplatz und zeigt mir nur mit einem Nicken, dass er mich registriert hat.
Ich schnappe mir noch meinen Schlüssel und trete dann aus dem Haus. In einem zügigen Tempo laufe ich los. Nach einer Weile kommt mir ein Audi entgegen, der einzige Wagen der bei dieser Hitze rumfährt, und fast denke ich, es könnte Jared gewesen sein.
Mit einem Kopfschütteln wische ich den Gedanken weg. Wieso sollte Jared hier vorbei fahren? Wegen mir ja sicher nicht.
Ich konzentriere mich auf den Weg und lege einen Zahn zu, sodass ich nach ein paar Minuten endlich Anthonys Straße und schließlich sein Haus erreiche. Die riesige Tür sieht bei Tageslicht noch größer aus als im Dunkeln und erst jetzt bemerke ich, dass ich bis jetzt nur wegen den Parties hier war.
Ich drücke auf die Klingel und ein paar Sekunden später wird sie von Anthony, der nur in einer Badeshort dasteht, geöffnet.
„Hey", sagt er und schenkt mir ein Lächeln.
„Lass uns zum Pool, es ist scheiße heiß", meint er und lässt mich das Haus betreten. Tatsächlich sieht es um einiges edler aus ohne die ganzen betrunkenen Teenager.
„Schickes Haus", sage ich und er lacht. "
„Vielleicht ein wenig zu schick. Aber meine Eltern protzen zu gerne", antwortet er. „Jetzt weiß ich, von wem du das hast."
Er schenkt mir ein Grinsen und öffnet dann die Terrassentür, damit wir raus gelangen können.
„Wow, das ist heftig", sage ich erstaunt, als ich den riesengroßen Pool vor mir entdecke.
50 Meter mal 30. Wie gesagt, sie protzen gerne", lacht er und lässt sich auf eines der Liegen nieder.
„Also, was gibt's?", fragt er schließlich, nachdem langes Schweigen aufgetreten ist.
„Ich..- äh..", fieberhaft überlege ich, was ich sagen könnte, ohne das es wie die kranke Psychoexfreundin klingt.
„Ich wollte nur wissen, warum ihr euch so gestritten habt. Und um was es ging, denn im Klassenzimmer habt ihr die ganze Zeit so komisch auf mich gezeigt", sage ich schließlich ehrlich und er lächelt mich leicht an.
„Hör zu Charlie, ich weiß, dass das, was Jared dir gegenüber macht, einfach nur total unfair ist. Aber ich weiß, dass er das nicht mit Absicht macht. So ist er halt, das ist seine Schutzausrüstung. Er benimmt sich zwar idiotisch, aber innerlich geht es ihm genauso wie dir. Und davon wollte ich ihn überzeugen, weil keiner mehr diese ekelhafte Spannung zwischen euch erträgt", sagt er und ich sehe stumm auf meine Hände.
„Wenn es ihm leid tun würde, würde er es mir sagen" murmele ich und Anthony schüttelt den Kopf.
„Nein, bei ihm ist es eben nicht so. Er redet sich ein, dass er nichts mehr von dir will, aber das stimmt nicht. Oder ist das bei dir etwa so?"
Ich ziehe die Augenbrauen hoch und sehe ihn direkt an.
„Kann man jemanden aufhören zu lieben, nur weil er weg ist?", gebe ich zurück und er schüttelt den Kopf.
„Na also", murmele ich.
„Und woher kommt sein blaues Auge?", hake ich noch nach und er fängt an zu grinsen.
„Ich habe ihn provoziert, er hat mir Faust gegeben und als Lektion hab ich ihm eine Faust zurück gegeben", lacht er und ich rolle mit den Augen, kann mir aber ein Grinsen nicht verkneifen.
„Und du meinst wirklich, er hat noch Gefühle für mich?", frage ich leise und er nickt heftig.
„Wie gesagt, er will sich damit nur selber schützen. Er ist ein Idiot, ich weiß, aber so ist er nun mal", grinst er und ich nicke.
„Wie wäre es, wenn du Freitag einfach auf die Party von mir und Liz kommen würdest? Es ist eher was kleines, nicht mit hunderten von Leuten, damit du dich ein wenig ablenken kannst", schlägt er vor und ich lächele ihn dankbar an.
„Mal sehen, aber ich denke, ihr könnt auf mich zählen."
Er hebt seine Hand hoch, damit ich einschlage, was ich dann auch tue. „Das wird schon Charles. Das wird schon."
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