Chapter 66

C H A R L I E
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Nachdem ich noch weitere Minuten nur damit verbringe, ihm hinterher zu blicke , rempelt mich jemand von der Seite an und reißt mich so aus meiner Trance.

Ich weiß nicht, was das gerade zu bedeuten hatte, aber eins ist mir klar: Seine Worte haben gesessen, undzwar so richtig.

Kopfschüttelnd laufe ich zu meinem Spind, um das zu holen, was ich wollte. Es hat schon längst gegongt und ich beeile mich in meine Klasse. In die Klasse, in der Jared ein paar Reihen weiter hinter mir sitzt.

Am Nachmittag ist mal wieder Fußballtraining angesagt. Lustlos gehe ich zum Stadion und steuere in meine private Umkleidekabine. Die eigentliche Kabine ist noch leer und keiner der Jungs ist da. Blitzschnell ziehe ich mich um und stopfe meine Klamotten in meine Tasche.

Ich bin schon lange nicht mehr beim Training gewesen, hatte viele Spiele verpasst und wahrscheinlich alles verlernt. Aber die Lust auf das Spielen mit Jared ist mir gehörig vergangen.

Ich werfe meine Tasche achtlos auf eine der Holzbänke und setze mich, um auf den Beginn der Trainingsstunde zu warten.

Die Tür wirf aufgerissen und Jared tritt ein. Schon allein seine Anwesenheit lässt meine Hände schwitzig und meine Beine zittrig werden.

Doch nach dem von heute Vormittag verdränge ich alle meine Gefühle ihm gegenüber und sehe ihn mit einem leeren Blick an.

Zu meiner Verwunderung sieht er mich ebenfalls an, das zweite Mal an diesem Tag nach einer Ewigkeit.

Er blickt mich noch ein paar weitere Sekunden an, bevor er leise anfängt zu lachen.

Damit verwirrt er mich völlig und ich versuche es mir nicht anmerken zu lassen, dass er mich aus dem Konzept bringt.

Aber die Frage, ob er wirklich nicht mehr lacht, wäre ja hier mit geklärt.

„Was versuchst du da gerade zu beweisen, West?", fragt er verbittert und beim Klang seiner Stimme setz mein Herzschlag aus.

„Ich muss dir nichts beweisen", gebe ich zurück und er läuft auf eine Bank zu, um sich umzuziehen.

„Du hast auch nichts zu beweisen, Kleines."

Jedes einzelne Wort von ihm ist wie eine Ohrfeige und lässt langsam das Adrenalin in meine Venen pumpen. Er zieht sein Shirt aus und ich muss mich wirklich beherrschen, um ihn nicht auf Knien anzubetteln, dass er mich wieder zurücknimmt.

Doch die Aktionen der letzten Zeit lassen mich wütend werden und ich trampele auf ihn zu.

„Hör zu Parker, ich sehe es nicht ein. Ich sehe es nicht ein, dass du mich dauernd ignorierst, mich beleidigst. Dich trifft die Schuld genauso, also such nicht alle Fehler bei mir du..- du..-", ich stocke und mir fällt tatsächlich keine passende Beleidigung ein.

Das entlockt ihm wieder ein leises Lachen und er dreht sich zu mir um.

„Na, fällt dir nicht mal mehr was ein? Oh, das tut mir jetzt aber leid", sagt er und schmollt gespielt. Ich ziehe die Augenbrauen zusammen und sehe ihm direkt in die Augen.

„Macht es Spaß?", frage ich verbittert und er grinst.

„Was meinst du?"

„Hm, vieles eigentlich. Zum Beispiel, macht es Spaß, mich wie Luft zu behandeln?", zische ich und presse meine Lippen zusammen.

„Gegenfrage, macht es Spaß mit Nico?", gibt er zurück und gibt mir damit den Rest.

Alles in mir explodiert und das Adrenalin schießt durch jede einzelne Körperzelle, aber ich selbst bleibe ruhig stehen. Alles, was ich auf die Reihe bringe, ist ihm tötende Blicke zu zuwerfen.

„Arschloch", sage ich leise.

„Hure", kontert er.

„Bastard."

„Miststück", das dauerhafte Grinsen verschwindet von seinen Lippen.

"Ich hasse dich", murmele ich leise, auch wenn ich selbst meinen Worten keinen Glauben schenke.

Er beugt sich etwas näher zu mir und zieht eine Augenbraue hoch. Jede Bewegung von ihm bringt mein Herz zum rasen.

„Ich würde es ja gerne erwidern, aber Hass ist ein Gefühl. Und Gefühle sind das letzte, was du verdienst", sagt er, bevor er sich umdreht und aus der Umkleide rausläuft.

Im Leben wird alles immer verherrlicht. Es gibt nichts, was man nicht mit einem positiven Zitat und einem Stück Schokokuchen auf die Reihe bringen könnte. Glaubt man.

Aber auf einmal hört man Worte, die das Herz sprengen lassen, dem Kopf wehtun und dafür sorgen, dass einem die Tränen kommen.

Ich atme tief ein und aus, schnappe mir meine Tasche und verlass so schnell ich kann das Gebäude. Auf Training ist mir die Lust nun noch mehr vergangen und mit nichts auf der Welt könnte man mich jetzt noch auf den Platz kriegen.

Und je mehr sich Jared gegen mich richtet, desto mehr verwandelen sich alle Gefühle in mir für ihn in etwas, dass man nur noch mit Hass definieren kann.

J A R E D
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Wütend fange ich an, Runden um den Platz zu laufen.

Jedes einzelne Wort aus dem Gespräch mit Charlie fließt durch mein Hirn wie Blut. Und jedes einzelne gesagte Wort tötet mich innerlich.

Es ist unbeschreiblich, wie schwer es für mich ist, sie zu ignorieren. Und wie schwer er für mich ist, sie andauernd abzuweisen, obwohl ich nichts lieber tun würde als mal wieder ihre Hand zu halten und sie zum Lachen zu bringen.

Aber lieber würde ich sterben, anstatt jemals zuzugeben, dass ich sie auch nur ein bisschen vermisse.

Ich versuche, all das zu vergessen und laufe einfach nur meine Runden, bis Coach C auf dem Platz auftaucht.

„Jared, mein Junge! Warum bist du schon hier?", fragt er verwundert und ich laufe achselzuckend auf ihn zu.

„Na, dann warten wir mal auf die Anderen, die sind schon alle in der Umkleidekabine."

Tatsächlich hört man die Jungs schon rumschreien.

„Hast du schon was von Mason gehört?", fragt Coach und ich will gerade herablassend antworten, bis mir einfällt, dass Coach nicht wusste, dass Mason und ich nicht mehr befreundet sind. Vorallem nach seiner Aktion, mit der er mich und Charlie erst auseinandergebracht hat.

„Nein, sorry. Er wird bestimmt bald auftauchen", antworte ich desinteressiert. Seit Wochen ist er nicht mehr aufgetaucht, weswegen ich ihn nicht zur Rede stellen kann und alle sich Sorgen machen. Aber da er jetzt offiziell zu Nicos Crew dazugehört, weißt eigentlich jeder indirekt Bescheid. Er ist entweder bei einem Auftrag oder muss sich vor irgendjemanden in Sicherheit bringen.

Coachs Pfeife reißt mich aus meinen Gedanken und er verdonnert uns zu zwei Stunden Spiel, um unsere Fähigkeiten auszubauen.

Mannschaften wurden gewählt und alle stellen sich auf ihre Positionen, auch ich. Es wurde gerade angepfiffen, als ich bemerke, dass Charlie nicht mehr da ist.

Wahrscheinlich ist sie gegangen, nachdem ich die Umkleide verlassen habe. Zugegeben, meine Worte waren hart und sie taten mir von ganzem Herzen leid. War ich ihr gegenüber zu ignorant, zu kalt gewesen? Ach Quatsch. Sie scheißt doch genauso auf meine Gefühle. Wie du mir, so ich dir Darling.

„Jared! Jared! Verdammt, du hast den Ball verpasst!", schreit Coach C wütend und ich hebe abwehrend die Hände vor die Brust.

„Wach mal auf! Wo sind deine Gedanken? Seit Wochen versagst du und bist total abweisend. Woran liegt das?!", ruft er aufgebracht und ich zucke mit den Schultern.

„Ja Jared, woran liegt das?", meint Anthony neben mir und ich sehe ihn warnend an.

„Sorry Coach, kommt nicht mehr vor", rufe ich quer über den Platz.

„Man Jared, was ist nur los mit dir? Hol sie dir doch einfach zurück, diese Spannung hält doch keiner mehr aus", sagt Anthony und ich ignoriere seine Aussage.

„Nein, danke", gebe ich nach einer Weile kühl zurück.

„Was ist dann dein Problem?"

„Zur Zeit ist einfach alles scheiße", gebe ich ehrlich zurück. Er hält mir seine Faust hin, damit ich einschlage.

„Ey man, dann musst du dir halt die Welt schönsaufen."

Augenrollend schlage ich ein.

„Manches kann man nicht mal mehr mit Alkohol retten, Anthony."

„Dann mach's irgendwie anders. Aber du musst dir schon selbst Konfetti in dein Leben pusten, damit du glücklich wirst."

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