Chapter 43
C H A R L I E
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„Du Arschloch, was wohl Liz jetzt von mir denkt", stöhne ich und werfe mich in sein riesiges Bett.
„Soll sie doch denken, was sie will. Hauptsache wir haben unseren Spaß", antwortet er und ich kann mir sein schelmisches Grinsen nur allzu gut vorstellen.
„Wenn du dein Mundwinkel nicht sofort nach unten bewegst, geb ich dir eine Faust Parker, ich schwöre es dir."
„Whoa, die wilde Seite kenne ich an dir ja gar nicht", lacht er und wirft sich ebenfalls ins Bett, wo er seinen Bauch hält und seine Lachtränen wegwischt.
„Dein Ernst?", grummele ich und sehe zu ihm. Erst jetzt fällt mir die große Wunde an seiner Faust auf. Jeder Fingerknochen ist aufgerieben und blutverkrustet.
„Oh mein Gott, was hast du gemacht?", frage ich ihn erschrocken und greife nach seiner Hand.
„Nichts", kommt promt die Antwort und ich sehe ihn augenverdrehend an.
„Hast du das gereinigt?"
„Charlie. Ich bin ein großer Junge, ich kann auf mich selber aufpassen", sagt er und lacht wieder los. Das wird eine lange Nacht.
„Was ist heute nur los mit dir?", frage ich ihn und hebe die Augenbraue hoch.
„Weiß nicht, Anthony hat mir guten Stoff gegeben", antwortet er immer noch lachend. Dass er mit Drogen zu tun hat, ist mir bewusst, aber irgendwie versetzt es mir immer wieder einen Stich.
„Das war Spaß, Charlie", sagt er nun Ernst und ich nicke nur.
Er durchbohrt mich mit seinem Blick und bleibt an meinem Hoodie hängen.
„Wenn du meine Sachen trägst, sieht es besser aus", meint er, steht auf und läuft auf seinen Schrank zu. Das schwarze Shirt trifft mich am Kopf, als er mich damit bewirft.
„Umdrehen", befehle ich ihm und er stöhnt genervt auf. Ich schlüpfe schnell aus meinem Hoodie, als er mir den Rücken zukehrt, und ziehe sein Tshirt an. Sofort umhüllt mich sein Duft.
„Fertig", murmele ich, krame nach der Decke und lege mich hin. Kurze Zeit später schlüpft auch er unter die Decke und von allen Richtungen stoßt mir sein Duft in die Nase. Es ist betäubender als jede Droge auf dieser Welt und ich schließe die Augen
. Du bist verliebt. Verliebt, verliebt, verliebt. Ist ja ekelhaft. Ohja, Liebe ist ekelhaft.
Ich öffne meine Augen einen spaltbreit und sehe Jared kurz an, der mit geschlossenen Augen auf dem Rücken liegt. Schnell schließe ich sie wieder, da der Drang, ihm durch sein verwuscheltes Haar zu streichen, viel zu groß ist.
Ist das wirklich Liebe? Ja, verdammt. Wenn ich könnte, würde ich mir jetzt selber mit der Pfanne eine überziehen, denn ich habe wirklich ein verdammt großes Problem. Ich bin verliebt in Jared Parker. Oh heilige Scheiße, daraus könnte ich eine TV- Show machen.
Ich versuche, meine Gedanken zu ordnen und nicht mehr an meine Gefühle zu denken, was wirklich sehr schwer ist, wenn alles in meiner Nähe nach Jared riecht und er neben mir liegt. Er unterstreicht das Ganze noch, indem er mit noch geschlossenen Augen nach meiner Taille greift und mich zu sich zieht.
Seine Berührungen lassen jede einzelne Körperstelle kribbeln.
„Ich mag es nicht, wenn du so weit von mir weg bist", murmelt er und küsst mich auf die Stirn, während ich wie erstarrt auf seine Brust sehe. Ohje, das wird zu viel für mein Herz.
Nach einer Weile scheint er eingeschlafen zu sein und sein Atem prallt an meinem ab. Ich betrachte jedes einzelne Detail in seinem Gesicht, jede einzelne Wimper, die die schönsten Augen auf diesem Planeten verdecken. Instinktiv kuschele ich mich noch näher an ihn und mir wird klar, wie abhängig ich von ihm bin.
Wie oft er mir geholfen hat, egal in welcher Situation. Und wie sehr ich seine Nähe brauche.
Oh bitte, weist mich ein. Ich klinge wie eine Abhängige, die von ihren Drogen redet. Aber auf irgendeine Weise war Jared sowas wie eine Droge für mich, meine Droge.
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Ich werde von weichen Lippen auf meiner Haut geweckt, die überall in meinem Gesicht Küsse verteilen. Reflexartig spitze ich die Lippen und er lacht.
„Nö, erst wenn du endlich mal aufwachst. Dich kriegt man ja nicht mal mit einer Bombe wach", lacht er und ich rolle mich beleidigt weg.
„Du hast mich doch wach gekriegt", sage ich etwas zu patzig und er lacht wieder.
„Ja, auf eine ziemlich schnulzige Weise, also das war ja wirklich ziemlich filmreif", sagt er stolz und meine Mundwinkel zucken kurz hoch.
„Ha, siehst du. Du hast gelacht", meint er und ich hebe meine Hand vors Gesicht.
„Ne. Du bist unlustiger als meine Oma."
„Ach Babe, damit hast du mich jetzt zutiefst beleidigt", sagt er gespielt traurig und ich hebe den Mittelfinger.
„Nenn mich nicht Babe, oh Gott, das ist der schlimmste Spitzname, den du einem Mädchen geben kannst", sage ich.
Er beugt sich grinsend über mich und endlich treffen seine Lippen auf meine. Es ist ein kurzer Kuss und als er sich löst, flüstert er mir noch ein 'Okay, Prinzessin' ins Ohr, weshalb ich eine Gänsehaut bekomme und er zufrieden auf seinen Schrank zuläuft. Er zieht sein Shirt aus und greift nach einem anderen. Ich möchte meinen Blick wirklich abwenden, aber ich kann einfach nicht.
„Heute ist das Spiel. In einer Stunde müssen wir los."
Wie von einer Tarantel gestochen springe ich auf.
„Scheiße, ich habe nichts zum anziehen", rufe ich geschockt und renne auf meinen Rucksack zu. Aus der vorderen Tasche fällt mein Handy raus, welches mir mehrere verpasste Anrufe von meinen Eltern anzeigt, die ich aber geschickt ignoriere.
Ich krame nach etwas, was normal aussieht, aber ich habe nichts besonderes mitgenommen. Ich springe auf, renne an Jared vorbei und zu Liz Tür. Ohne zu Klopfen stürme ich rein und sie sehe mich schockiert von ihren Bett aus an.
„Gehst du heute zum Spiel?"
Mit offenem Mund nickt sie.
„Gut. Ich brauche ein Outfit, und zwar schnell", teile ich ihr mit.
„Du hast nur Jareds Sachen an", stellt sie fest und ich sehe an mir hinunter.
„Hat er dich schon gefragt?", fragt sie und ich sehe sie verwirrt ab.
„Wie gefragt? Was gefragt?"
Endlich löst sie sich aus ihrer Starre und winkt ab.
„Na los, was willst du anziehen? Heute ist ein tolles Wetter, nimm dir alles, was du willst", sagt sie und öffnet ihre riesige Schranktür.
Nach langer Suche entscheide ich mich für eine kurze Shorts in verwaschenem Dunkelblau und ein lockeres Tanktop in Grau.
„Passen meine Schuhe dazu?", frage ich und Liz nickt.
„Und was soll ich anziehen?", fragt sie ratlos und wir machen uns auf die Suche.
„Glaub mir, wir werden am Besten aussehen", sagt sie triumphiert und wir lachen.
Immer wieder kommt Jared rein und drängt uns, aber erst nach einer Ewigkeit stehen wir fertig vor der Haustüre, wo wir auf Jared warten.
„Uns anmaulen, aber selber den Hintern nicht bewegen können, das ist wieder so typisch", motzt Liz und zückt ihr Handy.
„Wie lang willst du noch bei uns bleiben?", fragt sie und hebt ihren Blick.
Ratlos zucke ich mit den Schultern.
„Vielleicht noch heute und morgen. Am Montag muss ich ja wohl oder übel in die Schule."
Sie nickt und wie auf Kommando kommt Jared runter geschossen. Er trägt seinen Dresscode und die Haare sind ein wenig gestylter als sonst.
„Auch mal fertig?", fragt Liz augenrollend. Er nickt und läuft auf seine Schuhe zu. Beim Vorbeigehen streift seine Hand meine Taille und eine Gänsehaut überzieht meine Arme.
Schnell öffne ich die Tür und laufe auf seinen Wagen zu, Liz mir hinterher.
„Er braucht immer so lang, ich glaube, er würde den schlechtesten Ehemann abgeben", lacht sie und ich grinse. Kurz darauf kommt auch Jared und wir fahren los.
Liz plappert ununterbrochen über irgendwelche Sachen und langsam wird mir klar, warum Jared sie nicht rumkutschieren will. Aber irgendwie verstehen sich die zwei besser, denn am Anfang war ihr Verhältnis nicht sonderlich gut.
„Charlie, wir müssen sie dann anfeuern, und ich hole mir karamellisiertes Popcorn. Oh und lass uns später zum Strand! Das Wetter ist einfach zu schön", sagt sie und ich nicke bei jedem Satz. Ich bin viel zu sehr drauf konzentriert, Jared durch den Spiegel vorne zu beobachten.
Der Parkplatz ist total überfüllt und wieder braucht Jared eine Ewigkeit, um einen Platz zu finden. Er sperrt ab und wir laufen los auf den Platz, wo er sich von uns verabschiedet und zur Umkleide läuft.
„Okay, schnell! Wir brauchen mein Popcorn und zwei hammermäßige Plätze."
Sie zieht mich mit durch die Menge und ich halte mir die Hand vor mein Gesicht, um mich vor der Sonne zu schützen.
Die Schlange vor dem Automaten ist recht kurz, weshalb Liz schnell ihr langersehntes Popcorn bekommt und wir uns nach einem Platz umsehen können. „Da oben!", ruft sie und rennt los zur Tribüne.
Grummelnd folge ich ihr und beschließe hiermit, nie wieder auf ein Fußballspiel mit ihr zu gehen. Aber nächstes Mal darf ich hoffentlich selbst wieder spielen. Ich werfe einen Blick auf meinen Knöchel, der ein wenig angeschwollen ist, aber nicht mehr schmerzt. Auch die Kopfschmerzen sind schon längst verschwunden.
Ich erreiche Liz in der vorletzten Reihe, wo sie sich gerade durch die Menge quetscht, um die Plätze zu ergattern. Seufzend laufe ich ihr nach und lasse mich neben ihr nieder.
„Das ich ein guter Platz, nicht?", fragt sie strahlend und ich nicke. Ich strecke die Hand nach ein wenig Popcorn aus und beobachte das Team auf dem Feld.
„Scheiße, sehen die gut aus", sagt Liz und ich stimme ihr lachend zu.
Kurze Zeit später wird das Signal gegeben und unsere Spieler stürmen auf das Feld. Jared läuft als Kapitän ganz vorne, neben Mason. Ich versuche, ihn mit meinem Blick zu erdolchen, als er mich bemerkt, doch er sieht mich nur desinteressiert an.
Auch Jared sucht die Tribüne mit seinen Augen ab und grinst, als er uns entdeckt. Er sieht einfach so scheiße heiß aus.
„Charlie? Ist das da nicht dieser Nico?", sagt Liz und starrt auf einen Punkt außerhalb des Spielfeldes.
„Welcher Nico?", frage ich, ihren Blick folgend.
„Aidens Nico."
Erst jetzt entdecke ich den Typen und eine Gänsehaut überzieht mich.
„Oh scheiße, das wird Ärger geben", murmele ich und Liz nickt. Als ob er wissen würde, dass wir ihn ansehen, schießt sein Blick nach oben und trifft meinen. Schnell blicke ich weg und versuche mich so gut es geht auf das Spiel zu konzentrieren, welches heute ziemlich schlecht für uns läuft.
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