Es wird schwer
Noch nie war ein Schultag so quälend langsam vergangen. Das Stegi fehlte, hätte er nur in der ersten Stunde gemerkt, dass Veni aber fehlte merkte er jede Sunde des Tages. Um ihn war es ruhig. Wenigstens stellte keiner Fragen, warum Veni nicht da war und nahmen das krank einfach hin. In Physik hatte er zwar eine ganze Weile mit einem Mädchen gequatscht, aber er hätte jetzt lieber Veni hier. Noch immer war es für ihn unbegreiflich, wie er erstens hatte so unfassbar dumm sein können und nichts von Venis Gefühlen mitbekommen können und zweitens, dass er nie bemerkt hatte, wie schlecht es Veni ging. Er könnte sich selbst dafür schlagen. Wie sollte er Veni je wieder unter die Augen treten, ohne dass er an Peinlichkeit und Scham starb. Er wusste ja nicht mal, wie er mit Veni jetzt umgehen sollte. Ob er Abstand wollte, oder seine Nähe. Ob er die ganzen Witze lassen sollte, oder nicht. Ob sie einfach Freunde blieben, oder sie nun langsam auseinander drifteten. Er wünschte sich sehr, das Veni glücklich war und irgendwie über ihn hinweg kam. Das er seinen besten Freund behielt ohne ihm weiter zu schaden. Das Unterrichtsmaterial hatte er Veni nach der Schule geschickt und die Arbeitsblätter in den Briefkasten geworfen. Er traute sich nicht zu klingeln und sie Veni persönlich zugeben. Sicher wäre das für alle Beteiligten unangenehm geworden. Vielleicht war es wirklich besser erstmal Gras über die Sachen wachsen zu lassen, bevor er sich wieder mit Veni unterhielten. In der Schule war es nur so unglaublich schwer sich aus dem Weg zu gehen. Vor allem, da sie so viele Kurse gemeinsam hatten. Und beim Basketball erst. Vielleicht ging es ja irgendwie. Sie mussten ja nicht nebeneinander sitzen, oder miteinander reden. Daheim hatte er sich auf sein Bett geworfen und die Augen geschlossen. Er wollte den Zustand von vor einer Woche wieder, wo zumindest seine und Stegis Welt noch in Ordnung gewesen waren. Venis hätte er da schon nicht mehr retten können. Vier Jahre. Vier fucking Jahre hatte Veni ihn jeden Tag belogen und geliebt. Hatte alles was er getan hatte ertragen müssen und es mit Freude getan. Hatte sich sein ständiges geschwärme von Stegi angehört, ohne ein Wort zu sagen. Nur manchmal hatte es ihn wirklich deutlich sichtbar genervt. Veni hatte das alles mitgemacht und er brach ihm jetzt das Herz. Das Leben war ungerecht. Veni sollte glücklich sein. Sollte jemanden lieben, der seine Gefühle erwiderte und ihm die Liebe schenkte, die er wirklich verdiente und nicht darauf herum trampelte, so wie er es getan hatte. Wenn er sich doch nur davon überzeugen könnte, dass Stegi nie etwas mit ihm anfangen würde und Veni als liebevoller bester Freund schon Gefühle hatte und er sie nur erwidern brauchte. Veni war ein so toller Mensch, da sollte es doch kein Problem sein. Aber egal wie oft er versuchte sich das einzureden, Veni blieb weiterhin nur ein verdammt guter Freund. Seine Gefühle spielten nur bei Stegi komplett verrückt. Jetzt mussten sie es wohl beide schaffen über jemanden hinweg zu kommen.
Der nächste Tag fing in so fern unangenehm an, als dass er die erste Stunde direkt mit Veni hatte und es ein recht kleiner Kurs war, wo sie beide kaum jemanden kannten, weil viele aus der Stufe unter ihnen waren, damit dieser Kurs überhaupt zusammen kam. Am liebsten wäre er direkt wieder heim gegangen und wäre erst zur dritten Stunde wieder gekommen. Irgendwann musste er sich dem allerdings stellen, also warum nicht heute. Veni hatte ihm heute Morgen noch kurz geschrieben, dass er heute wieder kommen würde. Mit seiner Anwesenheit war also zu rechnen. Wenn man gerade vom Teufel sprach. Genau jetzt betrat Veni das Klassenzimmer. Viel zu gut gelaunt seiner Meinung nach. Veni steuerte zu seinem Leidwesen den Platz neben ihm an. Das konnte er ihnen doch jetzt noch nicht antun. Veni schien da allerdings anderer Meinung. Der Stuhl neben ihm wurde zurück gezogen und jemand setzte sich auf den Platz neben ihm.
„ Morgen Tim.", begrüßte er ihn gut gelaunt und wollte ihn schon wie üblich kurz umarmen, doch er blockte. Er wollte es für sie beide nicht noch schwerer machen.
„ Morgen.", murmelte er nur und tat so, als wolle er sich in seinen Aufschrieb vertiefen.
„ Tim bitte. Das ist jetzt nicht dein Ernst. Mach es doch nicht noch komplizierter zwischen uns. Mach einfach so weiter, wie normal. Sonst zerstörst du unsere Freundschaft und das will ich nicht. Für mich wird's schon nicht awkward." Diese Worte aus Venis Mund zu hören, überraschte ihn gleichermaßen, wie es ihn verunsicherte. Vielleicht war es für Veni okay, aber für ihn würde es komisch werden normal mit Veni umzugehen, jetzt da er wusste, dass Veni Gefühle für ihn hatte. Er überdachte ja jetzt schon alles, was er in Venis Gegenwart tat und sagte. Trotzdem ließ er sich auf die Umarmung ein, als Veni ihn erneut versuchte zu umarmen. Zum ersten Mal nahm er Venis leicht schneller schlagendes Herz wahr und löste sich daher recht schnell.
„ Mach dir mal um mich keine Sorgen, meine Gefühle haben schon angefangen zu verblassen. Wir kümmern uns jetzt erstmal darum, dass wir das mit Stegi und dir irgendwie wieder hinbekommen. Das bin ich dir schuldig." Stegi wollte doch nichts von ihm. Da gab es nichts mehr zu klären. Sie würden Freunde bleiben, wenn Stegi das wollte und gut war. Gerade als er protestieren wollte, hielt Veni ihm den Mund zu.
„ Jetzt hör mir mal zu. Du bist vielleicht ein bisschen blind, aber ich hab gesehen wie Stegi dich ansieht, wenn du es nicht merkst. Gerade im Sport. Stegi will mehr. Er gesteht es sich nur nicht ein und hat zudem wahrscheinlich Angst vor einer Beziehung. Wenn er aber eins mit Sicherheit hat, dann Gefühle für dich. Kein Junge hat dich bis jetzt so angesehen, wie Stegi es tut." Veni nahm die Hand wieder von seinem Mund, sodass er endlich etwas dazu sagen könnte. Doch selbst wenn er wollte, konnte er nicht. Er war sprachlos. Die zwei Blicke, die er angeblich auf sich gesprüht hatte beim Umziehen. Das war nicht nur Veni gewesen, sonder auch Stegi. Er hatte sich nichts davon eingebildet.
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