❀ three ❀

❀ erzählerin

,,Was hast du dir auch dabei gedacht?",erteilte San ihm erstmal eine Tracht Ärger, als er sich den tiefen blauen Fleck an Wooyoung's Oberarm anschaute und entsetzt hinzufügte:,,Du hättest vorsichtiger sein müssen. Schau dir das mal an..."

Es war bereits spät am Abend, als Wooyoung schmollend mit seinem schmerzenden Arm zu San rüber lief, um sich von ihm versorgen zu lassen. Dabei blieb er schuldbewusst still, während San ihm all seine Lektionen erteilte. Doch er fand es unfassbar süß, wie in seiner Tonlage keinerlei Genervtheit oder Trotz wiederzufinden war, sondern alleinige Ruhe und Sorge.

,,Es ist nur ein blauer Fleck...",murmelte Wooyoung lippenbeißend, als San sich die Wunde inspizierte und verzweifelt die Lippen aufeinander presste, die Augenbrauen konzentriert zusammengezogen. Bei Woo's Worten blickte er ihn mit zusammengekniffenen Augen an und erwiderte nur noch:,,Wie ist das denn überhaupt passiert?"

,,Beim Versuch diesen tonnenschweren, alten Tisch in meiner Küche zu verschieben, bin ich mit voller Kraft ausgerutscht und gegen die Kante gekommen.",erklärte er ihm leise, was der Ältere nur noch mit einem seufzenden:,,Ach, Wooyoung...",erwiderte. Er griff nach den Bandagen und wickelte seinen Arm mit einer beruhigenden Salbe sicher ein, welche er ebenso nur wegen Wooyoung besaß.

,,So, fertig...",beendete San sein Werk, als er dem Jüngeren noch ein letztes Mal über den Verband strich und anschließend dessen vertieften Blicke auf sich liegen spürte, dementsprechend er fragend sagte:,,Hm?"

,,Du bist immer so süß, wenn du dich um mich sorgst."
,,Nein, auf gar keinen Fall."
,,Doch, du Süßling."
,,Der Süßling geht jetzt schlafen, also wenn du nicht für die restliche Nacht allein in der Küche sein möchtest, solltest du lieber ruhig bleiben."

Lachend stand Wooyoung gemeinsam mit San auf, was der Ältere nur noch kopfschüttelnd mit einem sanften Lächeln erwiderte. Gemeinsam spazierten sie zu San ins Schlafzimmer, während sie es sich auf seinem Bett bequem machten und nur noch die kleine Lichterkette über seinem Bett das Zimmer erleuchtete. Sie kuschelten sich ins Bett ein, so, wie sie es immer taten, wenn sie beieinander schliefen. Sei es in der Kindheit oder auch heute noch.

,,Möchtest du, dass ich dir noch etwas vorlese?",fragte der Ältere ihn behutsam, als Wooyoung sich seitlich zu ihm drehte und begeistert von der Idee nickte. Eigentlich war dies immer ein Teil ihrer ,,Freitagstradition", dass San ihm am Abschluss eines Abends noch etwas aus den Büchern vorlas, die sie gemeinsam aussuchten. Doch heute war erst Dienstag, weshalb der Ältere ihn spontan fragte und sich etwas aufsetzte. Dabei schnappte er sich das Buch vom Nachtregal, setzte sich seine Brille auf und schlug die Seiten auf.

San räusperte sich leise, bevor er zu lesen begann. Seine Stimme füllte den Raum nicht nur mit Worten, sondern mit dieser ruhigen, gleichmäßigen Wärme, die Wooyoung jedes Mal entspannen ließ. Der Jüngere hatte sich halb unter die Decke gekuschelt, eine Hand an San's Oberarm, als würde er sicherstellen, dass er nicht wegrutschte.

Sein Atem wurde langsamer, während San las, und draußen begann der Regen leise gegen das Fenster zu klopfen. Die kleinen Tropfengeräusche vermischten sich mit dem Rascheln der Buchseiten, bis sie fast wie ein Teil der Geschichte wirkten.

San merkte, wie Wooyoung's Griff sich lockerte, seine Hand sanft am Stoff von San's Shirt ruhte. Noch bevor er es bewusst entschied, senkte San das Buch und legte es leise auf das Nachtregal zurück.

Er drehte den Kopf und betrachtete das Gesicht neben sich. Halb im Schatten, halb vom warmen Licht der Lichterkette erhellt, wirkte Wooyoung fast so, als läge ein Hauch von Traum auf seinen Lippen. Eine einzelne Haarsträhne hatte sich gelöst, und San strich sie behutsam aus seiner Stirn. Sein Haar hatte mittlerweile keinen einheitlichen Blauton mehr, die Farbe leicht verblasst und am Ansatz schwarz.

Da bewegte sich etwas - ganz leicht - an seinem Handgelenk. Wooyoung's Finger glitten unbewusst tiefer in seine Hand, als suchten sie nach einer Antwort. San ließ es zu. Er drehte seine Hand, sodass ihre Handflächen sich leicht berührten.

Für einen Moment geschah nichts. Dann streifte Wooyoung's Daumen sachte seine Haut. Es war keine bewusste Geste, eher ein langsames Tasten im Halbschlaf. San erwiderte sie mit einer leichten Bewegung seiner eigenen Finger, erst ein sanftes Streichen entlang von Wooyoung's, dann ein leichtes Ineinanderlegen.

San erwiderte sie, ohne darüber nachzudenken, ließ seine eigenen Finger leicht über Wooyoung's gleiten. Kein festes Halten, nur dieses leise Erkunden, als wollten sie herausfinden, wie viele Möglichkeiten es gibt, eine Hand zu berühren.

Sie fanden und verloren sich immer wieder. Manchmal berührten sich nur die Fingerspitzen, glitten dann wieder auseinander, um sich kurz darauf in einer neuen Form zu treffen. Handfläche an Handfläche, Finger ineinander, wieder gelöst, wieder neu geordnet.

Es war kein hastiges Spiel, sondern ein stiller, fließender Tanz, der minutenlang andauerte. Die Zeit löste sich auf in diesem gleichmäßigen Rhythmus aus Berühren, Zurückziehen und Wiederfinden.

San merkte, wie sich mit jedem kleinen Kontakt etwas in seiner Brust löste und gleichzeitig enger wurde. Wooyoung war schon fast eingeschlafen, seine Bewegungen wurden langsamer, aber er ließ nicht los.

San beobachtete ihn im Schein der Lichterkette, das friedliche Gesicht, die gelöste Stirn. Er wusste, dass er diesen Moment nie ansprechen würde. Aber er würde ihn behalten.

Ihre Hände ruhten ineinander, nicht fest, sondern so locker, dass jeder sich jederzeit hätte zurückziehen können; nur dass keiner es tat. Die Fingerspitzen spielten still weiter, berührten, zogen sich ein Stück zurück, fanden sich wieder. San spürte, wie sich Wärme von dieser Berührung ausbreitete, leiser und intensiver als jede Umarmung.

Wooyoung's Atem war nun tief und gleichmäßig. Wahrscheinlich war er schon halb weggetaucht. San blieb still, hielt die Berührung, ohne mehr zu wollen. Schließlich suchte der Jüngere immer wieder die Nähe zu ihm, etwas, was San mit Würde und Respekt ihm gegenüber erwiderte und niemals seinen eigenen Gunsten daraus ziehen würde.

Wenn es eine Person gab, bei der Wooyoung Zuneigung, Schutz und Sicherheit suchte, dann war es schon immer San an allererster Stelle gewesen. Denn er wusste, dass der Ältere ihn immer halten würde. Auch noch im Halbschlaf spürte er all die von San ausgehende, körperliche Wärme, die ihn Schritt für Schritt in das Land der Träume führte.

Als Kinder schliefen sie ebenso regelmäßig nebeneinander ein, dabei war es beinahe zur Routine geworden, dass Wooyoung sich an seiner Hand festgriff, mit dieser spielte, berührte und fühlte, bevor er dadurch in einen friedlichen Schlaf fiel. Somit war San im wahrsten Sinne des Wortes der Ruhepol in Woo's Leben.

Schließlich fanden ihre Hände zu einer Position, die sie nicht mehr veränderten. Finger ineinander verschränkt, diesmal fester, wärmer, als hätten sie den letzten Platz gefunden, an dem sie heute Nacht bleiben wollten.

„Schlaf gut, Woo...", flüsterte er, kaum hörbar, fast wie ein Gedanke.

Der Jüngere murmelte etwas Unverständliches, seine Finger schlossen sich noch einwenig fester um San's Hand, ehe sie wieder in die Lockerheit zurückfielen. San ließ den Blick noch einen Moment auf ihm ruhen, ehe er selbst die Augen schloss, mit ihrer gemeinsamen Hand zwischen ihnen wie ein stilles Versprechen, das er niemals aussprechen würde.

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❀ Mal ein kleines Bild von ihrer Abendroutine & was es heißt, der Ruhepol einer Person zu sein. Hast du auch so eine Person in deinem Leben?

Ich kriege oft gesagt, ich sei der ,,Ruhepol" in Gruppen. Sei es auf der Arbeit in meinem Team, mit meinen Patienten oder Freunden. :)

Fühle dich gedrückt!
♥︎ Deine Eleja

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