Kapitel 2

Oh mann... Ich bin so müdeee...und mir tut alles weh...

Ich drehte mich gefühlte 10 Male im Bett, bis ich es einigermassen bequem hatte. Dumm wie ich war, fragte ich mich noch, wieso ich so unbequem lag. Langsam hob ich meine Augenlieder, sah an mir herunter und erspähte die ineinader verschwimmenden Tarnfarben.

Hä.

Verwirrt drehte ich mich nochmals, um einen besseren Blick auf meinen Körper zu erhaschen. Ich war noch im...Camo? Meine Augen wanderten zu der Digitaluhr auf meinem Nachttisch. Die Doppelpunkte zwischen den roten Zahlen blinkten nervig und ich musste ein paar mal blinzeln um meine Augen zu fokusieren.

Sie zeigte 6.34 Uhr an.

Warte mal...

Mein Herz rutschte in die Hose und mit einem Ruck war ich auf. Ich hatte das Meeting um 7 Uhr ja ganz vergessen!

Shit!

Nun konnte mich nicht mal mein Eisenmangel aufhalten. Noch während ich zum Badezimmer rannte, schlüpfte ich aus den alten Kleider und liess sie einfach auf dem Boden liegen. Schlussendlich sah es so aus, als hätte jemand eine Spur mit Kleider in das Badezimmer gelegt.

Mein Herz klopfte bis zum Hals als ich versuchte gleichzeitig meine Haare zu kämmen, Zähne zu putzen und zu Duschen. Um etwa 6.46 Uhr rannte ich im Volltempo aus meiner (immer noch eingepackten) Wohnung heraus. Nur um zu sehen, dass der Lift sich grad auf Etage 26 befand. Ich tänzelte nervös auf der Stelle, zumal ich merkte, dass ich ja auch gar keine Ahnung hatte, wo das Büro war, in dem das Meeting stattfand. Mein Herz rutschte noch viel tiefer in die Hose, mehr als ich jemals geblaubt hätte, es könne.

Als der Lift nach einer gefühlten Ewigkeit endlich ankam, war er gestopft voll.

Nee, oder?

Ich holte tief luft und quetschte mich einfach in die Menschenmenge. Verschiedene Leute grummelten und seufzten, aber das war mir im Moment so was von egal. Als der Aufzug endlich im Erdgeschoss ankam, hatte ich leider keine Zeit für gute Manieren und schlüpfte zwischen den Leuten durch, um die Erste zu sein, die den Lift verlassen konnte.

Und los!

Während ich den Zettel mit den Informationen aus der Hosentasche fummelte spurtete ich los. Ich las die Worte : "...Büro von Mister Bishop."

Was?! Keine weiteren Angaben?!

Während ich versuchte, ausfindig zu machen, wo Mister Bishops Büro war, bekam ich schreckliches Seitenstechen. Ich war zwar vielleicht Soldat, aber meine Ausdauer hatte ich schon immer vernachlässigt. Schön zu wissen, dass es genau jetzt zurückschlagen musste.

Ich wurde langsamer und stoppte schliesslich ganz. Während ich nach Luft schnappte wurde ich von Hinten angetippt. Ich drehte meinen Kopf ruckartig herum.

Zwei grünblaue Augen schauten mich freundlich, aber leicht amüsiert an.

"Du siehst so aus, als würdest du etwas suchen?", die Frau grinste breit. Sie war sogar noch kleiner als ich und hatte ein sympathisches Gesicht mit Sommersprossen, während ihre Haare zu einem chaotischen Dutt hochgemacht waren.

"J-Ja. Ich suche," ich schnappte kurz nach Luft, "das Büro von Mister... uhm, Bishop?"

"Ahhh. Du suchst Mister Bishop? Sein Büro ist in der zweitobersten Etage des Wohngebäudes."

Ich hätte mir die Haare von Kopf reissen können. Ich hätte mir das also Alles ersparen können?!

"D-Danke", meinte ich niedergeschlagen.

"Kein Problem", ihr Grinsen wurde breiter, "Ich heisse übrigens Nathalia Meyer. Ich bin mir sicher, wir sehen uns mal wieder."

Ich nickte und winkte ihr zum Abschied, während ich eine 180 Grad Drehung vollführte und in die andere Richtung davonspurtete.
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Nochmals drückte ich den Knopf für den Aufzug. Dieses Mal war der Lift jedoch nicht mehr so vollgeladen wie vorher. Wahrscheinlich, weil alle schon an die Arbeit gegangen sind. Ich seuftzte und sah meine verschwommene Reflektion in der Chromstahlwand des Aufzuges. Ich glättete meine Haare mit meinen Händen ein wenig, bis ich Oben im 33. Stock ankam.

Mein Puls beschleunigte sich automatisch, als ich den prunktvollen roten Teppichboden der Etage erspähte. Reflexartig richtete ich mich zu meiner vollen Grösse auf und streckte meine Brust raus. Ich fühlte mich wie damals an meiner Aushebung. Um ehrlich zu sein, war damals und jetzt gar nicht einmal so verschieden. Denn der jetzige Zeitpunkt, so wie der vor vielen Jahren, sind und waren entscheidend Momente für meine fortlaufende Karriere.

Der Bodyguard vor dem Büro von Mister Bishop ordnete mich an, anzuhalten.

"Sie sind?", sagte er mit einem strengen Unterton.

Ich salutierte und schlug die Beine zusammen.

"Kiko Tenshi, Sir! Medical Assistance... ", ich stockte kurz, "Special Forces."

Ja stimmt...Ich war ja jetzt bei den Special Forces dabei...

Er wiederholte die Geste und salutierte mir zurück.

"Mister Bishop hat Sie erwartet", mit diesen Worten öffnete er die schwere Ebenholztüre für mich.

Ich trat ein. Innen roch es nach Kunstharz; anscheinend wurden die Holzböden gerade neu gemacht. Der rote Teppich verengte sich zu einem schmalen Streifen und führte bis kurz vor das Pult.

Mister Bishop lächelte mich schief an. Seine Halbglatze schimmerte ein wenig im Licht, welches das grosse Panoramafenster hinter ihm auf ihn warf.

"Pünktlich auf die Minute."

War das ironisch gemeint?

Noch bevor ich mehr darüber nachdenken konnte, ob ich zu spät gekommen war, redete Mister Bishop schon weiter:

"Sie wissen sicherlich schon, wieso wir Sie hier nach Amerika bestellt haben."

"Ja, Sir."

Er entfaltete seine Hände und rieb sich gedankenverloren das Kinn. Schliesslich wanderten seine blauen Augen zurück zu mir und er nickte.

"Wir wollten unseren Respekt gegenüber ihrem herausragenden Dienst in Form einer Partnerschaft ehren."

Ich senkte den Kopf ein wenig um meinen Respekt zu zeigen.

"Zudem werden Sie einen Orden für ihre Dienste erhalten."

Mit diesen Worten öffnete er den eingebauten Korpus unter seinem Pult und holte eine kleine Schatulle heraus. Mit einem leisen Klicken öffnete sich der Verschluss und Mister Bishop streckte mir die Marke zum begutachten hin. Meine Augen funkelten als ich sie schöne Marke sah, die ich bald an meine Uniform hängen konnte.

Mit einem "Vielen Dank" nahm ich die Schatulle glücklich entgegen.

"Ihr Vertragspartner müsste auch bald hier eintreffen. Wir hatten ein wenig später abgemacht, da er direkt von einer Mission kommt. Währenddessen können wir schon einmal die Einzelheiten vorbesprechen."

Während ich mich leicht zu Mister Bishops Pult herunterbückte, um ihm zu folgen, wanderte sein Blick hinter mich und er erwiederte:

"Ah! Das scheint ja gar nicht mehr nötig. Ihr Partner ist soeben eingetroffen."

Ich spürte den Blick von jemanden auf meinem Rücken. Ich richtete mich auf und drehte mich um.

Nur um auf Augenhöhe mit der Schussweste meines Gegenübers zu sein.

Heilige Schei*se! Der ist ja riesig!

Verwirrt liess ich meinen Blick nach oben schweifen, um meinem Partner in die Augen schauen zu können.

Der Mann hatte aber seine Augen im Moment auf Mister Bishop gerichtet und salutierte ihm, weshalb ich von unten sein Gesicht nicht genau erkennen konnte.

"9-16 GEN, Sir!".

Seine Stimme war unüberaschenderweise relativ tief. Ich hatte irgendwie immer schon gedacht, dass grosse Leute automatisch tiefere Stimmen haben.

Hat er sich gerade etwa mit seiner ID vorgestellt?

Noch verwirrter starrte ich zurück zu Herr Bishop. Dieser hatte sein schiefes Lächeln wieder aufgesetzt und begrüsste ihn.

"Guten Morgen Nine. Es ist schön zu sehen, dass du deine Mission früher beenden konntest."

Der Mann nickte, aber sagte nichts, weshalb Mister Bishop fortfuhr:

"Ich möchte dich grad bekannt machen mit deiner neuen Partnerin: Kiko Tenshi."

Mit diesen Worten drehte sich der Angesprochene endlich zu mir und ich konnte sehen, wie er aussah:

Kurze, braune Haare, die ein wenig zerzaust aussahen, als wären sie unter einem Helm gewesen und ein Dreitagebart. Wie schon gesagt, war er riesig: Wahrscheinlich grösser als 2 Meter und hatte auch einen ensprechenden Umfang. Er trug zu seinem Camo auch ein Tarnhalstuch um den Hals, welches bis zu seinem Kinn hochging.

Das auffälligste Merkmal waren sicher seine Augen, welche von langen Wimpern umrandet waren, zumal ich zuerst gedacht hatte, sie wären grün, da ich bloss sein rechtes Auge im Profil gesehen habe. Aber es stellt sich heraus, dass es so aussah, als hätte er Heterochromia. Eine Kondition, bei der die beiden Augen verschiedenfarbig waren. In seine Fall also grün und golbraun.

Woah! Seine Augen sind so hübsch! Ich hab noch nie jemanden im echten Leben mit Heterochromia gesehen!

Beeindruckt starrte ich ihn weiter an. Ich hab wohl einfach die dumme Angewohnheit alles zu lange anzustarren.

Seine Augenbrauen knitterten ein wenig zusammen, als ich realisierte, dass ich schon wieder gestarrt hatte und mich abrupt zu Mister Bishop umdrehte.

"Wenn sie mit der Partnerschaft einverstanden sind, können Sie den Vertag gerne unterschreiben, Miss Tenshi."

Mister Bishop schob mir das Formular zum Unterschreiben hin und ich überflog ihn kurz. Auf dem Formular war aber kein Feld für die Unterschrift meines zukünftigen Partners vorgesehen.

"Ehm. Sir? Kann ich Ihnen eine kleine Frage stellen?"

"Natürlich, nur zu."

"Wieso muss mein Vertragspartner nicht unterschreiben? Sind es denn zwei verschiedene Dokumente?"

Mister Bishop schüttelte den Kopf.

"Nein, nein, Miss Tenshi. Es ist nur so, dass Nine den Vertag nicht unterschreiben muss oder darf. Er ist bloss ein Mittel zum Zweck, zur Verfügung gestellt von der Nato."

...Hä?

Noch bevor ich weiterfragen konnte sprach mich dieser... Wie war sein Name nochmals...? ...Typ an.

"Wenn Sie nichr einverstanden sind, können Sie sich auch noch umentscheiden."

Ich schaute zu ihm hoch:

"Nein, keines Wegs. Ich war nur ein wenig überrascht."

Mit diesen Worten setzte ich meine Unterschrift auf das ensprechende Feld.

Herr Bishop nahm das Formular feierlich an sich.

"Ich erkläre sie nun zu Partner und Partnerin", scherzte er.

Ich lachte leise, nicht wirklich wissend, auf was ich mich da eingelassen hatte.

"Wir werden ihnen zudem noch 14 Tage zeit zum Kennenlernen geben, bevor wir sie als Team auf Missionen schicken."

Ich nickte und schaute zu meinem Partner hoch. Dieser hatte einen neutralen Gesichtsausdruck, der nicht verriet, ob er sich freute, oder ob es ihn nervte.

Ich versuchte breit zu grinsen und hielt ihm meine Hand hin: "Auf eine gute Zusammenarbeit!"

Er wiederum sagte nichts und beäugte meine Hand misstrauisch, ohne mir seine eigene Hand zu geben. Schliesslich drehte er sich weg und sagte noch während dem Weglaufen: "Morgen um 7.30 Uhr auf dem Trainingsplatz."

Ich schluckte.

Ich hab irgendwie das Gefühl, dass diese Partnerschaft ein wenig schwierig wird....

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