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Ich wachte auf, weil Zach im Halbschlaf seinen Arm um meine Taille legte, mich an sich zog und im Nacken küsste.
„Hm", machte Beth. „Ich frage mich, ob Anna findet, dass du sie betrügst, wenn du sowas bei mir machst." Auch mir fiel erst jetzt auf, dass ich nicht wirklich selber aufgewacht war.
Mit einem Schlag war Zach munter und setzte sich auf.
Beth hingegen räkelte sich seelenruhig in seinem Bett. „Morgen", lächelte sie.
Zach schien nicht recht zu wissen, wie ihm geschah. Er war sich augenscheinlich immer noch nicht im Klaren darüber, ob er mir glauben wollte, dass diese Dinge wirklich passierten, oder ich sie lediglich vorspielte. Das konnte ich ihm nicht verübeln.
„Fuck, ich sehe nichts", bemerkte sie und sah sich mit zusammen gekniffenen Augen im Zimmer um.
„Du hast vergessen, meine Brille einzustecken", murrte sie mich vorwurfsvoll an.
„Du wirst verstehen, wieso", gab ich ungerührt zurück. Es war immerhin nicht so, als wäre sie ohne Brille vollkommen blind gewesen. Sie sah lediglich ein wenig unscharf.
„Gut, also, meine Laune ist schon mal im Keller", meinte sie an Zach gewandt. „Hast du Pop-Tarts? Das könnte mich glücklich machen." Sie griff nach meiner Tasche, die am Fußende des Bettes stand und suchte nach Kleidung, aber natürlich hatte ich übermüdet und fertig mit den Nerven auch darauf vergessen. Und da ich fast nie bei Zach übernachtet hatte, weil ich Angst vor einem Wechsel mit Beth gehabt hatte, hatte ich auch nie Kleidung hier deponiert. „Weißt du was Anna bestimmt lieben würde?", meinte Beth dann. „Deine Sachen anzuziehen. Dafür ist sie voll der Typ, da bin ich sicher."
„Halt die Klappe", murrte ich.
„Halt du die Klappe, ich hab jetzt die Kontrolle", entgegnete sie und gab sich nicht einmal mehr die Mühe, es nur zu mir zu sagen. Sie kletterte aus dem Bett und ging zum Kleiderschrank, um sich ein T-Shirt von Zach zu stibitzen.
„Wie wäre es mit Unterwäsche?", murrte ich.
„Oh, du meinst die Unterwäsche, die du drei Tage anhattest?", entgegnete sie und schüttelte sich. Diesmal hatte sie es jedoch nicht laut ausgesprochen. Während sie sich eines seiner Shirts überzog, betrachtete sie Zach im Spiegel.
Ich fand es beinahe lustig, dass Zach den Blick abgewandt hatte, als würde es mich stören, wenn er meinen nackten Körper sehen würde, wenn Beth ihn bewohnte.
Sein Shirt reichte mir gerade Mal über den Hintern, und nach endlosem Flehen und Bettelnd meinerseits zog sie sich eine seiner Boxershorts über, die ihr zwar viel zu groß waren, aber das war mir egal. Ich wollte absolut nicht riskieren, ohne Unterhose auf Mr. Parsons oder irgendein Personal zu treffen. Beth wäre das egal gewesen.
Dann spazierte sie aus seinem Zimmer hinaus und lief die Treppen nach unten. Sie inspizierte das Haus ein bisschen genauer und hielt ihr Gesicht immer knappe fünfzig Zentimeter vor einen Gegenstand, um ihn auch tatsächlich gut sehen zu können.
„Verdammt, warum kriegt Anna eigentlich sowas?", fragte sie missgünstig, als Zach immer noch irritiert die Treppen herunterpolterte und den Knopf an seiner Jeans schloss. Sie betrachtete gerade den Garten durch die Glasfront. „Hat sie das wirklich verdient? Ich glaube nicht." Zach antwortete immer noch nicht.
„Also, hast du Pop-Tarts?", wiederholte sie ihre Frage und drehte sich zu ihm. Zach schüttelte den Kopf. Beth verzog das Gesicht. „Gesundheitsfanatiker. Das mit Sebastian tut mir übrigens wirklich leid."
„Bist du wahnsinnig?!" Das war das letzte Thema, das ich angesprochen hätte. Sie ignorierte mich und ging ins Wohnzimmer, um den riesigen Plasmafernseher zu betrachten, vor dem Zach und ich schon oft gekuschelt hatten. „Aber ich finde nicht, dass Anna dich betrügt, wenn ich mit jemand anderem rummache."
„Ach nein?" Sie sah auf. Es waren die ersten Worte, die er an Beth gerichtet hatte, wohlwissend, dass er eben nicht mit mir sprach. Es war irgendwie seltsam. Er wusste, dass ich alles mitbekam, aber er sich mit Beth unterhielt. Ich stand vor ihm. Es war mein Körper. Aber nicht meine Persönlichkeit.
Sie lächelte. „Nein. Ist zwar ein Körper, aber es sind zwei verschiedene Personen. Und Anna war immer dagegen, also ist sie nicht wirklich fremdgegangen. Aber ich will meinen Spaß und sie war zu prüde, um ihn mir zu geben. Hättet ihr zwei früher miteinander geschlafen, wäre das nicht passiert. Letzte Nacht war ganz okay. Nicht unbedingt aufregend, aber eine solide sieben."
Zach sah sie an, als würde er mit einer Verrückten reden.
Beth hingegen schob die Türe zum Garten auf, lief zum Pool und sprang mitsamt seinen Klamotten kopfüber hinein. Dabei wären ihr fast die Boxershorts davongeschwommen, aber sie hielt sie rechtzeitig fest und tauchte wieder auf.
Das eiskalte Wasser war die reinste Hölle für mich, aber Beth liebte es. „Herrlich!", seufzte sie, als sie an den Rand paddelte.
„Verdammt, wir haben Oktober! Raus aus dem Wasser, wir werden noch krank!"
Sie ignorierte mich und drückte meine Haare aus. „Ich finde es toll, mich nicht mehr verstecken oder verstellen zu müssen!", rief sie aufgedreht und Zach kam langsam zu ihr. Vermutlich war es für ihn wirklich ein bisschen seltsam, den Körper vor sich zu sehen, der sonst ruhig und zurückhalten agierte, aber plötzlich hyperaktiv und redefreudig war.
„Wie lange... gib es dich schon?", fragte er vorsichtig.
„Ein paar Jahre." Sie legte ihre Arme an den Beckenrand und stützte ihr Kinn darauf. „Über zehn auf jeden Fall. Ich weiß, dass ich eines Nachts aufgewacht bin. Es war dunkel und ich habe Schritte vor Annas Zimmer gehört." Sie zuckte mit den Schultern. „Ich hatte absolut keine Ahnung, was passiert. Dann ist ihr Vater reingekommen und hat zu brüllen begonnen. Er wollte mich aus dem Bett zerren, aber ich habe ihn so fest getreten, dass er mich losgelassen hat. Ich bin ins Bad gelaufen, hab mich eingesperrt und... Ab da war ich immer bei ihr", erklärte sie. „Ich schlafe ein, wenn sie einschläft und wache auf, wenn sie aufwacht. Oder eben umgekehrt, je nachdem, wer vorne ist. Und ich bekomme immer alles mit."
Zach setzte sich neben uns im Schneidersitz an den Beckenrand. In Beth taten sich schon wieder unanständige Gedanken auf, die sie mir natürlich kundtun musste, aber ich versuchte wegzuhören.
„Wollte sie deshalb das MRT nicht machen?", fragte er. „Weil sie wusste, dass es nichts Körperliches war?"
Beth nickte. „Wozu eintausend Dollar rausschmeißen, die man nicht hat, wenn eigentlich ziemlich klar ist, dass es nichts mit dem Gehirn an sich zu tun hat?"
„Aber das weißt du nicht. Anna weiß es nicht", beharrte er. Beth betrachtete ihn.
„Er liebt dich wirklich", meinte sie dann beinahe überrascht zu mir. „Er macht sich Sorgen. Siehst du diesen Blick?"
„Natürlich sehe ich ihn!", fauchte ich und verfluchte das Universum dafür, dass ich ihn in diesem Moment nicht küssen konnte.
„Ich hab in den letzten paar Tagen einiges über dissoziative Identitätsstörungen gelesen", sagte er dann und ich hätte ihn gerne angelächelt, weil ich es süß fand, dass er sich darüber informiert hatte. „Es ist medizinisch nachweisbar."
Beth nickte kühl. „Wissen wir. Aber es ist zeitaufwendig. Kostspielig. Und bei den Brain-Scans wird nichts herauskommen, weil wir nur im Schlaf wechseln."
„Es gibt noch andere Wege, eine DIS wissenschaftlich nachzuweisen. Ich finde jemanden", behauptete Zach. „Ich finde jemanden, der sich auf dieses... was-auch-immer einlässt und herausfinden wird, ob es DIS ist. Jemand, der euch helfen wird."
Beth betrachtete ihn einige Sekunden schweigend. Ich konnte dazu gar nichts sagen, weil ich nicht wusste, was ich davon halten sollte. „Das solltest du wirklich mit Anna besprechen", meinte sie schließlich und bespritzte ihn ein wenig mit dem kalten Wasser. Genervt drehte er sich weg.
„Lass das!"
„Anna hat nie jemand geglaubt", fuhr Beth fort. „Niemand. Niemals."
„Ich glaube ihr."
„Du schläfst auch mit ihr." Wieder spritzte sie Wasser auf sein Shirt. Diesmal war es ihm zu blöd, und er stand auf und entfernte sich einige Meter von ihr, damit sie ihn nicht mehr nassmachen konnte.
Obwohl Beths Sicht verschwommen war, konnte ich sehen, dass in seinem Gesicht die Entschlossenheit stand, uns zu helfen.
-
Damals habe ich es geliebt.
Ich war so glücklich, endlich jemanden gefunden zu haben, der mir glaubte und bereit war, alles zu tun, um herauszufinden, was mit mir los war. Was mit mir nicht stimmte. Jemand, der mich so sehr liebte, dass er an die verrückteste Geschichte glaubte, die er vermutlich je gehört hat. Zach wollte mir unbedingt helfen.
Dafür hat er mich schließlich auch um die halbe Welt geschifft.
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