56. Kapitel
„Hast du dein Schwimmzeug dabei?", fragte Cara mich, als wir auf das große Gebäude zu trotteten oder eher gesagt die Schwimmhalle.
„Ja, aber ich wünschte ich hätte es zu Hause gelassen", grummelt ich und lief die Stufen zur Eingangstür hoch.
„Glaub mir, da bist du nicht die Einzige", murmelte sie und zog dann die großen Glastüren auf, sodass wir eintreten konnten.
Kaum stand ich im Eingangsbereich der Schwimmhalle strömte mir der Geruch von Chlor in die Nase, was mein Gesicht dazu brachte sich noch mehr zu verziehen.
Ich hasste das Schulschwimmen einfach so sehr, dass man es nicht mal mit irgendetwas vergleichen konnte.
„Kommst du Kylie? Sonst kommen wir noch zu spät und müssen extra Bahnen schwimmen", riss Caras Stimme mich aus den Gedanken.
„Mhmh", grummelte ich nur und folgte ihr dann hinter zu der Gemeinschaftskabine.
Diese musste natürlich mal wieder total überfüllt sein mit Mädchen, die alle wie wild mit ihrem Parfüm durch die Gegend sprühten.
Ich meine warum machte man das? Wir gingen doch nur schwimmen, da wurde das aneinander schnüffeln eh nichts.
Also warum?
Zusammen mit Cara zog ich mich schnell um und schnappte mir dann mein Handtuch, um in die Schwimmhalle zu laufen.
Vom weiten konnte ich schon die ersten Jungs sehen, die am Rand saßen und gelangweilt in die Gegend schauten.
Wie schafften sie es bitte immer sich so schnell umzuziehen?
Ich ließ meinen Blick durch die Menge wandern und konnte Angelo entdecken, der mich nur neugierig musterte.
Seine Haare waren bereits durch das Duschen nass und hingen ihm in die Stirn, was ihn aber nur noch besser aussehen ließ.
Mit dieser Meinung war ich aber nicht alleine, denn ein paar andere Mädchen warfen ihm ebenfalls immer wieder Blicke zu.
„Ich glaube dein Angelo wird ganz schön begehrt" murmelte Cara leise und deutet auf einen Haufen Mädchen aus unserer Stufe, die leise miteinander tuschelten und ab und zu ihren Kopf in die Richtung von ihm drehten.
„Oder mein Bruder flirtet wieder mit ihnen", entgegnete ich und ließ meinen Blick zu Aiden wandern, der neben Angelo saß und über Zeichensprache mit den Mädchen kommunizierte.
„Auch möglich", hörte ich Cara leise flüstern.
Darauf wurde unser Gespräch aber auch schon von einer lauten Trillerpfeife unterbrochen, deren Geräusch einen fast taub machte.
„Antreten!", brüllte unser Schwimmlehrer Mr. Brown durch die Halle, sodass seine Stimme an den Wänden wieder hallte.
Genervt erhoben Cara und ich uns von unseren Plätzen und stellten uns zu den anderen Schülern.
„Heute werden wir zum Aufwärmen fünfzehn Minuten Bahnen schwimmen. Die Jungs auf den Bahnen rechts und die Mädchen auf den Bahnen links. Wer in fünf Sekunden nicht im Wasser ist, muss Strafrunden schwimmen"
Dann ertönte abermals das Pfeifen der Trillerpfeife und sofort begannen die ersten Schüler loszurennen und in das Becken zu springen.
So viel übrigens zu nicht vom Beckenrand springen.
Zusammen mit Cara eilte ich ein paar Mädchen aus meinen Mathekurs hinterher und sprang dann zusammen mit ihnen ins kalte Wasser.
Schnell tauchte ich wieder auf und strich mir einmal die Haare aus dem Gesicht.
„Cavallero!", konnte ich im nächsten Moment aber auch schon Mr. Brown durch die Schwimmhalle bellen hören, worauf ich erschrocken herumfuhr.
Jedoch hatte er gar nicht mich gemeint sondern meinen Bruder.
„Ich sage es ihnen noch einmal Adam", keifte unsere Schwimmlehrer weiter und fixierte den einen Zwilling.
„Packen sie den Schwimmreifen sofort wieder weg, der ist für die Nichtschwimmer und nicht für sie"
„Ich bin Aiden und nicht Adam. Also lernen sie erst mal meinen Namen richtig auszusprechen, bevor sie mir hier eine Ansage machen Mr. Baum", entgegnete er nur mit einem gehässigen Grinsen.
Dann sprang er zusammen mit dem Reifen ins Wasser und ließ sich darauf treiben.
Mr Brown tobte nur am Beckenrand und schrie Aiden zusammen, dass er sofort aus dem Wasser kommen sollte.
Dieser grinste ihn darauf aber nur lässig an und schenkte ihm weiter keine Beachtung.
Ich dagegen schüttelte nur einmal meinen Kopf und schwamm dann die Bahn zu Ende.
Irgendwann hatte es Mr. Brown doch noch geschafft Aiden aus dem Wasser bekommen und ihn zum Umziehen in die Kabine geschickt.
Somit hatte er jetzt schon seinen zweiten Rauswurf beim Schulschwimmen kassiert, was er aber nicht sonderlich schlimm fand.
Zumindest verließ er die Halle mit einem breiten Grinsen, was eher darauf hindeutete, dass es sein Ziel war rausgeworfen zu werden.
Der Rest der Stufe musste dagegen mit dem auf Zeit schwimmen weiter machen, wobei aber immer nur zwei Schüler gleichzeitig dran waren, da unser Lehrer nicht mehr Stoppuhren sowie Hände hatte.
So verbrachten ich die nächste halbe Stunden im Becken, um mich einigermaßen warm zu halten, da mein Handtuch schon total durchnässte war.
Ich hatte mich etwas an den Rand gelehnt und schaute den Schülern dabei zu, die gerade ihre Zeit von unserem Lehrer gesagt bekamen.
Plötzlich spürte ich, wie sich das Wasser um mich herum mehr bewegt und auf einmal jemand neben mir auftauchte.
Verwundert schaute ich Angelo an, der einmal seine nassen Haare schüttelte, sodass die Tropfen in alle Richtungen flogen.
„Na Tiger", begrüßte er mich und lehnte sich neben mich gegen den Beckenrand.
„Was machst du hier so alleine?"
„Mich langweilen", murmelte ich und richtete meinen Blick wieder auf die Schüler, welche gerade ihre Leistungsabnahme hatten.
Dann kam mir jedoch wieder das Gespräch mit meiner Mutter gestern in den Sinn, worauf ich mich ruckartig zu Angelo umdrehte.
Er schaute mich darauf nur verwundert an und hob eine Augenbraue.
„Doch nicht mehr gelangweilt?"
„Ähm...doch. Ich meine nein...ach hör mir einfach zu ich habe dir was wichtiges zu erzählen"
„Und was?", fragte er weiter nach.
„Ist es sehr wichtig? Geht es um deinen Vater?"
„Nein, aber um meine Mutter. Nachdem du gestern weg warst, hat sie mich über dich ausgefragt. Ich hab ihr darauf dann die Geschichte von deinem Vater erzählt in der Hoffnung, dass sie mir glauben würde und probieren könnte Dad zu überzeugen.
Und jetzt rate mal was passiert ist..."
Nachdenklich schaute er mich an und kratzte sich etwas am Kinn.
„Keine Ahnung, deswegen erzählst du es mir ja"
„Sie wusste bereits von allem"
Jetzt breitete sich Verwunderung auf seiner Miene aus.
„Was meinst du mit allem?"
„Naja, alles. Sie wusste was mit deinem Vater war, dass ihr das Geld braucht und sie wusste auch über unsere Treffen Bescheid", antwortete ich.
„Und wie hat sie das bitte alles herausgefunden?"
„Durch deine Mutter", entgegnete ich, worauf sich auf seiner Miene noch mehr Verwirrung breit machte.
„Was hat meine Mutter damit zu tun?"
„Eine Menge. Die Beiden hatten über die ganzen letzten Jahre immer noch Kontakt"
„Kontakt?", fragte er jetzt noch verwirrter, worauf ich nickte.
„Ja, Kontakt. Keine Ahnung, wie sie das geschafft haben, aber sie haben es gut getarnt"
„Und was genau bedeutet das jetzt für uns? Würde deine Mutter uns denn helfen?"
Ich seufzte einmal auf und stützte mich dann etwas an den Rand.
„Ich weiß es nicht. Ich glaube sie würde es schon tun. Jedoch sagt sie es nicht so direkt. Außerdem darf sie auch nicht alleine über unsere Finanzen entscheiden. Schließlich gibt es meinen Dad ja noch"
Jetzt seufzte auch Angelo auf und stützte sich ebenfalls an Beckenrand ab.
„Also sind wir nun genau am gleichen Punkt wie davor auch?"
„Anscheinend", murmelte ich leise. Dadurch, dass meine Mutter nicht alleine über das Geld entscheiden durfte, brachte uns diese Information rein gar nichts.
Das Einzige, auf das wir hoffen konnten war, dass sie es schaffte meinen Vater zu überzeugen.
Aber dazu musste sie erstmal hinbekommen, dass Wort „Giorgio" zu erwähnen ohne in dabei zum Explodieren zu bringen.
Warum musste er Mancini denn auch so hassen?
„Ich hab noch eine schlechte Neuigkeit", hörte ich Angelo auf einmal neben mir murmeln, worauf ich verwundert meinen Kopf zu ihm wandte.
„Was denn?", fragte ich und man konnte leichte Sorge aus meiner Stimme hören.
„Ich hab dir doch schon mal von Scarlett erzählt, oder?"
Langsam nickte ich und schaute ihn etwas misstrauisch an.
Irgendwie hatte ich schon so eine Ahnung, was er mir gleich sagen wollte.
„Ihre Eltern haben uns Hilfe Angeboten in der Sache mit meinem Dad, weswegen sie demnächst zusammen mit ihren Kindern herkommen werden"
„Demnächst?", hakte ich weiter nach.
„Ähm...", murmelte er.
„Um genauer zu sein Morgen und sie werden für ein paar Tage auf unsere Schule gehen"
Verwundert hob ich die Augenbraun an.
Auch wenn ich das erwartet hatte, verwunderte es mich trotzdem etwas.
„Wie genau wollen sie euch denn helfen?", fragte ich vorsichtig weiter nach.
„Gebe sie euch das Geld?"
„Nein, mein Onkel hatte vorgeschlagen einen Angriff auf die Cosa Nostra zu starten. Jedoch haben wir dazu momentan zu wenig Männer, deswegen will er sich mit Scarletts Eltern verbünden. Sie zählen ebenfalls zu Mafia", erklärte er.
„Also will er mich jetzt nicht mehr entführen?"
Weil wenn er nun einen Angriff starten will, braucht er mich doch theoretisch nicht mehr.
„Doch wahrscheinlich schon. Aber sein Fokus liegt momentan mehr auf dem Angriff, weswegen wir uns um dich erstmal keine Sorgen machen müssen. Außerdem habe ich jetzt ja sowieso die Führung für diesen Auftrag bekommen"
„Gut", murmelte ich leise und drehte meinen Kopf wieder zu den Schülern, die gerade ihre Bahnen schwimmen mussten.
„Und wenn Scarlett morgen kommt", hörte ich ihn noch neben mir sagen, worauf ich meinen Kopf leicht wandte.
„Probier nicht auszurasten"
„Wieso das denn?", fragte ich und hob verwundert die Augenbrauen.
„Weil sie manchmal sehr anhänglich sein kann"
———
Drama is coming...
Zumindest a little bit
Ich stehe gerade kurz davor die letzten Kapitel von Angelo zu schreiben und könnte fast schreien.
Glaubt mir, es wird noch so spannend, dass ich gar nicht aufhören kann davon zu plappern.
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