Chapter 9
„Was hältst du eigentlich von Bellas Freunden?", frage ich Amy am Abend, als wir es uns auf ihrem Bett gemütlich machen.
Nach dem merkwürdigen Gespräch im Café haben wir noch eine Weile miteinander verbracht, bevor wir nach Hause gegangen sind. Wobei „nach Hause" in diesem Fall zu Amy bedeutet, da ich heute bei ihr übernachten wollte.
Nun liegen wir gemeinsam unter ihrer Decke, naschen Süßigkeiten und haben den Film bereits gestartet. Trotzdem möchte ich unbedingt wissen, was Amy von unseren neuen Bekanntschaften hält.
„Sie sind ganz cool", antwortet sie und schiebt sich einen Gummibären in den Mund. „Aber wenn ich ehrlich sein soll, sind mir Damon und Aiden nicht ganz geheuer."
Bei Damons Namen werde ich sofort aufmerksam.
„Was meinst du mit nicht ganz geheuer?", frage ich neugierig.
Amy grinst. „Die beiden haben dich die ganze Zeit angesehen, als wären sie hungrige Raubtiere."
Erschrocken verziehe ich das Gesicht.
Allein die Vorstellung ist absurd.
Schnell schüttle ich den Kopf und räuspere mich. „Warum? Glaubst du, sie mögen mich nicht?", frage ich vorsichtig.
Vorstellen könnte ich es mir.
Zumindest bei Damon.
Seine Blicke waren anders als die von Liam, Kane oder sogar Aiden. Irgendetwas daran war schwer zu deuten. Und wenn ich ehrlich bin, habe ich keine Ahnung, was er überhaupt von mir hält.
„Darauf antworte ich lieber nicht", kichert Amy. Sie scheint plötzlich ausgezeichnete Laune zu haben und schnappt sich die gesamte Tüte Gummibärchen, aus der sie nun ununterbrochen nascht.
Ihr müsst wissen, Amy liebt diese Dinger.
Ich lächle leicht und nicke.
Wenn sie nichts dazu sagen möchte, wird sie ihre Gründe haben. Wahrscheinlich will sie verhindern, dass ich mir noch mehr Gedanken mache.
„Also", beginnt sie schließlich, „fangen wir mit der Komödie oder mit der kitschigen Romanze an?" Erwartungsvoll schaut sie zu mir herüber.
„Kitschige Romanze", antworte ich sofort.
Amy stöhnt auf.
Ich weiß nicht warum, aber ich war schon immer hoffnungslos romantisch. Ich liebe Liebesfilme. Besonders Bollywoodfilme. Irgendetwas an ihnen berührt mich jedes Mal aufs Neue. Wenn ich sie schaue, erwacht automatisch der Wunsch in mir, irgendwann selbst einmal eine solche Geschichte zu erleben.
Natürlich verdränge ich diesen Gedanken meist sofort wieder. So etwas gibt es schließlich nur in Filmen.
Trotzdem glaube ich, dass sich tief im Inneren jeder nach so etwas sehnt. Manche geben es zu. Andere eben nicht.
Amy gehört eindeutig zur zweiten Sorte.
„Gut, nur für dich tue ich mir das noch einmal an", jammert sie gespielt und drückt auf Play.
„Ach komm schon, die Filme sind großartig!" Mein breites Grinsen bringt sie nach einigen Sekunden ebenfalls zum Lächeln.
„Das ist Ansichtssache. Irgendwo gibt es da eine Grenze. Die Geschichten sind einfach viel zu unrealistisch. Ich meine, wer verliebt sich bitte in einen Mafiaboss?"
„Man kann sich nicht aussuchen, in wen man sich verliebt", zitiere ich grinsend.
„Komm mir bloß nicht mit diesem Spruch." Amy verdreht die Augen und lehnt sich zurück. Kurz darauf konzentriert sie sich wieder auf den Film.
Ich versuche dasselbe.
Doch im Laufe des Abends schweifen meine Gedanken immer wieder ab. Zu Damon. Ich kann mir nicht erklären, wann genau er sich in meinen Kopf geschlichen hat. Oder warum. Seit der Party verfolgen mich seine dunklen Augen bis in den Schlaf.
Mittlerweile ist etwa die Hälfte des Films vorbei.
Leise seufze ich.
Am liebsten würde ich Amy fragen, ob sie vielleicht weiß, warum Damon mich offenbar nicht leiden kann. Doch ich lasse es bleiben. Ich möchte nicht, dass sie am Ende etwas Falsches denkt.
Also beiße ich mir auf die Zunge und zwinge mich, das Thema loszulassen.
Ich sollte wirklich aufhören, an ihn zu denken.
Er hat schließlich eine Freundin.
Eine Freundin, die inzwischen auch so etwas wie meine geworden ist.
„Worüber denkst du nach?"
Überrascht drehe ich den Kopf.
Amy betrachtet mich neugierig.
Für einen Moment bin ich versucht, ihr alles zu erzählen. Aber ich kann es nicht.
Noch nicht.
„Nichts Wichtiges", murmele ich deshalb und richte meinen Blick wieder auf den Bildschirm.
Der Film nähert sich langsam seinem Ende.
Gerade gesteht der männliche Hauptdarsteller seiner großen Liebe seine Gefühle. Unwillkürlich lächle ich. Meine Augen werden schwerer und schwerer. Sekunden später gleite ich in einen tiefen, traumlosen Schlaf.
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