Chapter 20


Das Summen des Motors vermischte sich mit Amys ununterbrochenem Geplapper, während ich auf dem Rücksitz saß und versuchte, Kanes Blicken über den Rückspiegel hinweg auszuweichen. Immer wieder trafen sich unsere Augen kurz, bevor er wieder nach vorne sah. Und genau das machte mich nervös – nicht einmal, sondern jedes einzelne Mal aufs Neue.

Vielleicht lag es an mir. Vielleicht lag es an diesem Kleid.

Genau das hatte ich doch gewollt, oder? Dass die Leute mich wahrnahmen. Dass ich nicht mehr nur das stille Mädchen im Hintergrund war. Und trotzdem fühlte es sich völlig anders an, als ich es mir vorgestellt hatte. Nicht aufregend. Eher eng. Als würde jeder Blick ein Stück mehr von mir wegnehmen, statt mir etwas zu geben.

Ich schluckte und starrte auf meine Hände in meinem Schoß.

Ich sollte mich freuen. Ich sollte locker sein. Genau das hatte ich mir vorgenommen.

Aber irgendetwas in mir machte mir einen Strich durch die Rechnung.

„Ellie?", holte Amy mich aus meinen Gedanken.

Ich hob den Kopf sofort und zwang mich zu einem neutralen Ausdruck.

„Kane hat gefragt, wann wir uns gleich vor seinem Auto treffen sollen. Falls wir uns verlieren", erklärte sie und drehte sich halb zu mir um.

Früher hätte ich sofort irgendeine konkrete Antwort gegeben. Wahrscheinlich viel zu vorsichtig, viel zu angepasst.

Aber heute nicht.

Ich zuckte mit den Schultern. „Ist mir eigentlich egal."

Für einen Moment war es still im Auto. Amy und Kane wechselten einen kurzen Blick über den Rückspiegel, beide sichtbar überrascht. Innerlich atmete ich auf.

Gut. Wenigstens etwas hatte ich richtig gemacht.

„Okay", sagte Amy schließlich. „Dann schauen wir einfach, wann wir genug haben."

Der Rest der Fahrt verlief schneller, als ich erwartet hatte. Trotzdem fühlte sich jeder Kilometer an wie ein Gedanke zu viel.

Als Kane schließlich parkte, war die Straße bereits voll. Musik drang dumpf durch die Luft, Stimmen, Lachen, Schritte auf Asphalt. Ein Haus ragte aus der Menge heraus, hell erleuchtet, laut, lebendig.

Natürlich.

Wir stiegen aus und sofort schlug mir die Geräuschkulisse entgegen. Amy lief vor, Kane direkt hinter ihr, ich etwas langsamer nach.

Je näher wir dem Haus kamen, desto dichter wurde die Menge. Jugendliche standen auf der Veranda, lehnten an Geländern, lachten, tranken, verschwanden und tauchten wieder auf.

Es war genau diese Art von Chaos, die gleichzeitig anziehend und überwältigend war.

Die Tür wurde in diesem Moment von innen aufgerissen.

Liam stand im Rahmen.

„Ellie! Du bist gekommen!", rief er über die Musik hinweg und grinste breit.

Mein Magen zog sich kurz zusammen, als sein Blick über mich glitt. Nicht unangenehm gemeint – aber deutlich genug, dass ich es bemerkte.

Ich fühlte mich plötzlich viel zu sichtbar.

„Scheint so", antwortete ich leiser, als ich wollte.

„Ich bin übrigens auch hier", warf Amy trocken ein und verschränkte die Arme.

Liam sah kurz zu ihr. „Hi Amy."

Dann glitt sein Blick weiter zu Kane.

Die Stimmung veränderte sich minimal.

„Und du bist?"

„Ihr Bruder", antwortete Kane knapp. „Ich bringe sie nur."

Liam nickte langsam. „Alles klar. Solange sich alle benehmen."

Kanes Kiefer spannte sich kurz an, aber bevor etwas daraus entstehen konnte, trat ich einen Schritt nach vorne.

„Können wir vielleicht einfach reingehen?", sagte ich schnell.

Liam sah mich einen Moment an, dann trat er zur Seite.

„Klar."

Drinnen war es sofort wärmer. Lauter. Intensiver.

Die Musik vibrierte durch den Boden, Gespräche vermischten sich zu einem einzigen Klangteppich. Der Geruch von Alkohol hing in der Luft, aber nicht so stark, dass er alles überdeckte.

Ich atmete einmal tief durch.

Okay.

Einfach nur durchhalten.

„Ellie!", tauchte Liam plötzlich wieder neben mir auf. „Willst du was trinken?"

Ich nickte zögerlich. „Cola reicht."

„Kommt sofort."

Er verschwand in der Menge.

Ich drehte mich zu Amy um, doch Kane war nicht mehr neben ihr.

„Wo ist er hin?", fragte ich.

Amy zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung."

Noch bevor ich weiter darüber nachdenken konnte, tauchte Liam wieder auf und reichte mir einen Becher. Unsere Finger berührten sich kurz, und ich zog die Hand sofort zurück.

„Danke", murmelte ich.

Er grinste nur.

Ich nahm einen Schluck und ließ den Blick durch den Raum schweifen.

Das hier war genau das, was ich wollte.

Oder?

Menschen, Musik, Leben.

Und trotzdem fühlte ich mich, als würde ich danebenstehen und zusehen, statt wirklich dabei zu sein.

Ich setzte den Becher etwas fester an meine Lippen.

Vielleicht hatte ich mich geirrt.

Vielleicht war ich noch nicht so weit, wie ich dachte.

Und vielleicht war genau das der Gedanke, der mich am meisten verunsicherte.

Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top